Fontane

Ein brandenburgischer märkischer Schriftsteller. In dieser Kategorie finden Sie viele Texte und Informationen zu Fontane.

FontanePotsdam

Theodor Fontane kommt zurück nach Uetz

Fährhaus Uetz (16)Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

Was hat denn dieser Fontane mit unserem Dorf zu tun? Das fragten sich Ende des Jahres 2017 einige Uetzer (ein Ortsteil im Norden der Landeshauptstadt Potsdam) missmutig. Die Aufregung um die Planung des Fontanejahrs 2019 konnten sie überhaupt nicht nachvollziehen. Schon gar nicht so weit im Voraus. Von denen, die etwas mehr über die blumigen Beschreibungen des Ortes in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg wussten, kam ebenfalls ein Schulterzucken. Schaut euch dieses Dorf doch mal an! Was ist heute davon übrig geblieben ?

Tolles Konzept zu Fontanes 200. Geburtstag

Die Romantik ist fort, vor allem weil täglich Tausende Autos und LKW auf der Autobahn A10 am südlichen Rand des Dorfes vorbeirauschen. Der große Damm zerschneidet die Landschaft. Von der Hundert Meter breiten Wublitz, die Fontane in seinen Erzählungen beschreibt, ist schon lang nichts mehr zu sehen. Kaum vorstellbar, dass ein Fährmann dort den Dichter über ein Wasser geschippert haben soll. Neben der Lärmbelastung durch die Autobahn wurmt die Uetzer unter anderem, dass der Sandweg Richtung Marquardt Siedlung besonders für Fahrradfahrer schwer befahrbar ist. Seit langem kämpft das Dorf um einen Spielplatz. Etliche Varianten wurden durchgespielt. Eine konkrete Lösung ist nicht in Sicht. Sichere Straßen und Einfahrten, eine Querungshilfe über die Durchgangsstraße, Verkehrsberuhigung, die Straßenentwässerung, die unklare Zukunft des Gutshauses… all das sind Themen, welche die Uetzer bewegen.

Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Die Idee von Henry Sawade

Wer denkt da schon daran, den 200. Geburtstag des alten Fontane zu zelebrieren? Ein Dorfbewohner tut es. Er setzt sich schon von Hause aus mit der Geschichte des kleinen Dorfes Uetz auseinander. Es handelt sich um den Besitzer und Restaurator des Uetzer Fährhauses, den Künstler Henry Sawade. Henry Sawade war es, der Anfang 2018 die Dorfbewohner zusammenrief. Einige unter ihnen hatten erkannt: Dieses Fontanejahr – irgendwas steckt da drin, irgendwas müssen wir machen. Für Sawade bestand die Herausforderung gerade darin: „Es liegen Welten zwischen Fontanes Uetz und dem Uetz, wie es heute ist.“ Vielleicht lässt sich genau dazu etwas machen? Vielleicht gibt das Jubiläumsjahr einen Anstoß dafür, dass sich etwas tut im Dorf?

DARAUS WURDE EIN KONZEPT

Zur Dorfversammlung kamen erstaunlich viele Leute. Sie brachten überraschend viele und sehr kreative Ideen mit. Henry Sawade entwickelte daraus gemeinsam mit dem Ortsbeirat ein schlüssiges Konzept. Im Vorwort dazu heißt es: „Um zu verstehen, was wir eigentlich wollen oder uns für die Zukunft wünschen, haben wir uns entschlossen, diesen Reisenden namens Fontane zu hinterfragen, zu würdigen, zu feiern, aber auch, um dem modernen Verkehr, der Ignoranz und dem Zerstören von Landschaft, von Jahrhunderte alten Orten und der ihnen innewohnenden Geschichte etwas entgegen zu setzen. Fontane kann in diesem Projekt ein Initial werden, Zustände zu hinterfragen, aber auch Lösungsschritte einzuleiten. Getreu dem Fontane-Zitat: ‚Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen‘, möchten wir uns an den Feierlichkeiten beteiligen.“

Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz
Über den Knüppeldamm gelangt man heute nach Uetz

Am 19. Mai gehts los

Konkret planen die Uetzer drei Veranstaltungen. Die Eröffnung soll am 19. Mai, die Hauptveranstaltung am 8. September stattfinden. Das Abschlussfest wollen sie dann im späteren Herbst feiern. Das geplante Programm ist sehr vielfältig. Die einzelnen Aktionen sind gut aufeinander abgestimmt. Orgel- und Kammermusik aus der Zeit Fontanes um 1880/90 soll zu Beginn in der Uetzer Kirche erklingen. Die Alleebäume am Knüppeldamm sollen gepflegt und fehlende Bäume nachgepflanzt werden. Ein experimentelles Kunstprojekt soll an der Straße durch das Moor den Weg nach Uetz weisen und die Gäste begrüßen. Da Verkehr in Uetz ein großes Thema ist – zu Fontanes Zeiten und heute -, möchte Uetz die Brandenburger Verkehrsministerin Kathrin Schneider einladen, aus Fontanes Reisebeschreibungen vorzulesen.

Fotoarchiv: Henry Sawade (Potsdan OT Uetz)

Unter dem Motto „Spurensuche“ wollen die Uetzer ihre Beziehung zu Fontane und seiner Zeit erforschen: Wie hat sich der Ort seit seinem Besuch verändert? Wo kann man Spuren finden? Gibt es Zeitzeugnisse, mit denen sich Veränderungen gegenüber Fontanes Beschreibung dokumentieren lassen? Wie lebte Uetz zur Zeit Fontanes? Die Ergebnisse dieser Forschung sollen ausgestellt werden.

Wie reizend sind,

du schönes Dörfchen Ütz,

Heut‘ deiner Gärten Äpfelblütenreiser,

Dein gotisch Kirchlein,

deiner Fischer Kietz,

Dein Pfarrgehöfte,

deine Bauernhäuser…

Die Pferde sind zur Rückfahrt angespannt,

Vom Felde treibt der Kuhhirt durch die Gassen.

Du schönster Ort

im ganzen Havelland,

Wer könnte je

dich ungerührt verlassen!

Theodor Fontane,  aus „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, dritter Teil: „Havelland“ (1880)

Highlight ist schon jetzt die geplante Theateraufführung, inszeniert und gespielt von den Uetzern selbst. Eine Ur-Ur-Ur-Enkelin Fontanes, Königin Luise mit ihrem Hofstaat, der Fährmann, die Dorfbewohner und Fontane selbst treten auf. Große gesprayte Bilder sollen die Schönheit des Dorfes zur damaligen Zeit in Erinnerung rufen, zum Beispiel auf dem Mühlenberg. Sehr spannend ist auch die Idee der Silence Disco: Mit Kopfhörern kann man erleben, wie es damals war, als noch keine Autobahn ständig im Hintergrund rauschte. Neben all diesen Projekten soll natürlich auch richtig gefeiert werden, mit Live-Bands, Speis und Trank und einem zünftigen Dorfball am Abschlusstag.

Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch
Das Fährhaus in Uetz-Paaren gilt als ein bedeutendes Einzeldenkmal in Potsdams ländlichen Raum, Foto: Weirauch

Die Idee aus Uetz sprach sich in den Nachbardörfern herum. Peter Roggenbuck, Ortsvorsteher aus Marquardt, war begeistert und bot seine Unterstützung an. Der Verein Historisches Paretz nahm Kontakt auf und könnte zum Beispiel eine Kutsche für das Bühnenbild zur Verfügung stellen. Hier ergeben sich neue, lebendige Beziehungen zwischen den Dörfern. Vielleicht hat sie Fontane damals auf ähnliche Art erfahren.

Der Anspruch ist hoch

„Fontanes Texte halten den Brandenburgern einen Spiegel vor: Schaut her, so schön war es früher einmal. In den letzten Jahren wurden viele der kulturellen Orte zerstört. Was hat jeder einzelne mit seiner kulturellen Verantwortung gemacht?“ fragt Henry Sawade. „Geschichtliches Bewusstsein ist kaum noch vorhanden. Das soll unser Konzept zum Fontanejahr ändern. Aus dem Dorf selbst heraus!“ Fontane ist der Aufhänger.

„Mir geht es um den Ort, historisch und heute“, bekräftigt Sawade: „Ziel ist, dass für den Ort etwas bleibt.“ Eins haben die Uetzer schon geschafft: Sie sind näher zusammen gerückt.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Die Finanzierung

Vielleicht kann ein Teil der Ausgaben, etwa für Material, Technik und die Bands, durch die Einnahmen bei den Festen wieder eingespielt werden. Insgesamt bedarf es allerdings einer ordentlichen Summe Geld, um ein so großes Projekt zu stemmen. Der entsprechende Förderantrag liegt dem Fachbereich Kultur der Stadt Potsdam vor. Bisher hat Uetz keinerlei Rückmeldung erhalten. Erst im Februar soll das Auswahlverfahren gelaufen sein. Erst dann werden die Uetzer erfahren, ob sie ihre tollen Pläne in die Tat umsetzen, ob sie also Fontane und ihr Dorf feiern können im Fontanejahr 2019. Das ist spät, möglicherweise zu spät für die nötige, aufwendige Vorbereitung. Man denke zum Beispiel an die Theaterproben, das Buchen der Bands und das Gewinnen von Sponsoren.

Bleibt allein die Hoffnung, dass die Entscheidungsträger in der Stadt das ausgefeilte Konzept erkennen und unterstützen. Die Bewohner des Potsdamer Ortsteils Uetz stehen jedenfalls in den Startlöchern.

Susanna Krüger ist Mitarbeiterin des Potsdamer, ein monatlich erscheinendes Magazin der Havelregion.

Nur zwei Kilometer von Uetz entfernt liegt Paretz, folgen Sie uns also auf Fontanes Spuren weiter zu Königin Luises Sommeridyll in Paretz. 

1 Stunde wegBücherFontane

Nennhausen im Fontane200 – Kalender

nennhausenSchloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch

Heuer ist Es ist Fontanejahr. Und es gibt einige tolle Kalender.  So auch  „Fontane200“, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. Ein Kalendenderblatt beschäftigt sich mit Nennhausen und Effi Briest. Wie lesen: ” Im havelländischen Nennhausen kreuzen sich die Wege der Musen und Grazien der Mark. Der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué (1777 – 1843) hatte hier ab 1803 mit Caroline von Rochow, geborene Briest, gelebt. Für beide war es die zweite Heirat. Caroline Fouqué, die 1773 in Berlin geboren wurde und auch eine sehr produktive Autorin war, starb auf Schloss Nennhausen 1831. Für den biografischen Hintergrund seiner berühmtesten Romanheldin, Effi Briest, bediente sich Fontane der Familiengeschichte der havelländischen Briest: Im 8. Kapitel des Romans sagt Effi: „Ich bin eine geborene Briest und stamme von dem Briest ab, der am Tag vor der Fehrbelliner Schlacht den Überfall von Rathenow ausführte, wovon Sie vielleicht einmal gehört haben.“ Dieser Jakob Friedrich von Briest (1695 – 1768) war der Ururgroßvater von Caroline Fouqué. In der Ausgabe der „Wanderungen“ mit den Oderland-Kapiteln aus dem Jahr 1863 erwähnt Fontane: „Die Portraits in Wilkendorf sind zum Teil aus der alten, nunmehr ausgestorbenen Briestschen Familie. Der letzte Sproß der Familie, eine Tochter, war an Friedrich de la Motte Fouqué vermählt. (Landrat von Briest, auf Nennhausen im Havelland, bekannt durch den klugen Beistand, den er der Armee des Großen Kurfürsten erst bei der Überrumpelung von Rathenow und dann später auf ihrem Marsche nach Fehrbellin leistete.)“

Es ist eine Geschichte nach dem Leben

Schloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch
Schloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch

Bei der Arbeit an der Fragment gebliebenen Schrift „Das Ländchen Friesack und die Bredows“ hatte sich Fontane ebenfalls mit Nennhausen beschäftigt: „Von 1694 an besaß die Familie von Briest das Gut, bis es 1822 beim Erlöschen des Mannesstammes an die Rochows kam.“ Leider hatte Fontane dieses Nennhausen-Kapitel nur als Skizze hinterlassen, obwohl er sich nachweislich über Jahre und sogar bis in seine letzten Lebenstage immer wieder mit seiner havelländischen Materialsammlung befasste.

In „Effi Briest“ verfremdete und veränderte der Autor trotz mancher Hinweise und Bezüge auf reale Orte viele Details. Zwar gibt es kein Hohen-Cremmen, wo das Gut der Familie und später Efiis Grab lokalisiert wird, aber immerhin gibt Fontane einige Fingerzeige, wo es denn zu suchen wäre. So tragen die Briefe aus Hohen-Cremmen den Friesacker Stempel – dort ist also die nächste Post (Kapitel 22). Nauen und Rathenow werden als gut erreichbare Orte erwähnt. Kremmen selbst scheidet übrigens wegen der zu großen Entfernung aus.

Schon bald nach Veröffentlichung des Romans „Effi Briest“ zwischen Oktober 1894 und März 1895 in der Zeitschrift „Deutschen Rundschau“, der im Oktober 1895 mit Datum 1896 die Buchausgabe folgte, hatte sich herumgesprochen, dass sich der Autor auch bei seinen Romanfiguren von einer in den höheren Berliner Kreisen als Skandal empfundenen Affäre hatte inspirieren lassen: „Es ist eine Geschichte nach dem Leben, und die Heldin lebt noch“, gab Fontane in einem Brief an Marie Uhse am 13. November 1895 zu erkennen.

Die nicht genannte Heldin war Elisabeth von Plotho (1853 – 1952), die mit Armand Léon von Ardenne (1848 – 1919) verheiratet wurde. Ihre Liebesbeziehung mit dem Juristen und Sportpädagogen Emil Ferdinand Hartwich (1843 – 1886) war Stadtgespräch. Armand von Ardenne hatte – wie im Buch – seinen Nebenbuhler im Duell so schwer verletzt, dass dieser kurz danach starb.

Elisabeth von Ardenne wurde 98

In der Realität übertraf Elisabeth von Ardenne in ihrem Freiheitsdrang sogar noch ihr literarisches Alter Ego: Sie blieb weiter eine starke Frau, konnte wieder Kontakt zu ihren Kindern aufnehmen, wurde Krankenpflegerin, arbeitete in diesem Beruf, lernte mit 60 Skifahren und setzte sich mit 80 zum ersten Mal auf ein Fahrrad. Sie starb nicht wie Effi an Herzensleid, sondern mit 98 Jahren am 5. Februar 1952 in Lindau am Bodensee.

Ihr Urnengrab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Wegen der hohen Pflegekosten hatten die Ardennes 1996 das Erbbegräbnis gekündigt und die Grabplatte Elisabeths an den Familienbesitz in Dresden geholt. Nach zahlreichen Protesten vieler Fontane-Freunde und Leser der „Effi Briest“ konnte die Friedhofsverwaltung mit der Anlage eines Ehrengrabs für Elisabeth die Familie überzeugen, den Stein ein Jahr später wieder nach Stahnsdorf zurückzubringen. Bis heute legen Friedhofsbesucher Blumen auf ihr Grab.

hre letzte Ruhestätte fand Elisabeth von Ardenne (Effi Briest) auf dem Stahnsdorfer Südwest-Kirchhof, Foto: K.Weirauch
Ihre letzte Ruhestätte fand Elisabeth von Ardenne (Effi Briest) auf dem Stahnsdorfer Südwest-Kirchhof, Foto: K.Weirauch

In Fontanes Roman ist Nennhausen/Hohen-Cremmen Effis Kindheitsparadies und ein beschaulicher Alterssitz der älteren Briests – unter den Fouqués war es ein Treffpunkt der geistigen Welt. Das Schriftstellerpaar empfing hier vor allem in den Sommermonaten zahlreiche  Gäste, darunter viele bekannte Namen wie Adelbert von Chamisso (1781 – 1838), Joseph von Eichendorff (1788 – 1857), E. T. A. Hoffmann (1776 – 1822), Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), August Wilhelm Schlegel (1767 – 1845), oder auch Karl August Varnhagen von Ense (1785 – 1858) und seine Frau Rahel Varnhagen (1771 – 1833).

Berühmter Park von Nennhausen

Allerdings war dies nicht das dann 1860 im neogotischen Stil umgebaute Schloss, dessen Dachstuhl 1983 ausbrannte und nur notdürftig repariert wurde. Trotz der Nutzung zu DDR-Zeiten waren Schloss und Park bis zum Mauerfall in einem vernachlässigten Zustand. Seit der Übernahme durch Alexander und Benita von Stechow im Jahr 1996 erfolgte mit Millionenaufwand eine denkmalgerechte Instandhaltung. Zu rund zehn Veranstaltungen kommen jedes Jahr Kulturliebhaber in das Herrenhaus. Die Havelländischen Musikfestspiele organisieren Konzerte. Zu Lesungen wird regelmäßig geladen. Auch das Land hat sich in Nennhausen – wie bei vielen alten Schlösser und Herrenhäuser – engagiert. Aus dem Programm für Ländliche Entwicklung erhielt der Förderverein Schloss und Landschaftspark Nennhausen e.V. für den Ausbau des Teichhauses im Park mit einer Ferienwohnung im Dachgeschoss 33770 Euro aus EU- und Landesmitteln bei einer Gesamtinvestition in Höhe von 95.770 Euro. Ebenfall für das Teichhaus – für  den Ausbau von Veranstaltungsräumen für Seminare, Konzerte sowie zur Nutzung als Standesamt für den Amtsbereich Nennhausen – stellte das Brandenburger Agrarministerium 105200 Euro bei Gesamtausgaben in Höhe von 147000 Euro zur Verfügung. Zum Privatbesitz der Stechows gehört seit 1997 auch der Park, den Phillip August von Briest um 1780 im englischen Stil gestaltet hat. Er ist dennoch ganzjährig öffentlich zugänglich und gilt als einer der frühesten Landschaftsparks in Brandenburg.

Vielleicht trifft man ja hier, im Nebel der Geschichte, zwischen den alten Bäumen, auf Effi Briest: „Am liebsten aber hatte sie wie früher auf dem durch die Luft fliegenden Schaukelbrett gestanden und in dem Gefühl ‚jetzt stürz ich‘ etwas eigentümlich Prickelndes, einen Schauer süßer Gefahr empfunden.“

Kalenderblatt aus „Fontane200“, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Kooperation, Henning-von-Tresckow-Straße 2 – 13, 14467 Potsdam

www.mlul.brandenburg.de

Hier weitere Texte zur Spurensuche Theodor Fontane, heute: Wo Effi Briest wirklich lebte.

 

 

 

1 Stunde wegFontanePotsdam

Fontaneort: Die Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz

Uetz (2)

Einer der authentischsten Fontaneorte im Land Brandenburg ist das im Norden von Potsdam gelegene Dorf Uetz. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht gehörten Bornstedt, Marquardt, Uetz und Paretz zur Reiseroute Theodor Fontanes. Er besuchte die Orte um 1865 mehrmals.

In seinem Band „Havelland“ der Wanderungen widmet Fontane Uetz (das seit 1961 Teil des Doppeldorfes Uetz – Paaren ist) ein eigenes Kapitel. Darin beschreibt er unter anderem ein Gespräch mit dem  Fährmann. Wahrscheinlich war es der Fährmann (oder dessen Sohn), der 60 Jahre zuvor das preußische Königspaar über die Wublitz setzte.”

” Als der Kahn auflief, blieb sein Insasse stehen und sah mich an. Ich ihn auch. Endlich gewann er’s über sich und bot mir »Guten Abend«. Nach dieser Konzession von seiner Seite, denn so schien er es aufzufassen, glaubte auch ich ein Übriges tun zu müssen. So entspann sich denn, während der Kahn langsam wieder zurückglitt, folgende Unterhaltung:
»Guten Abend, Fährmann. Geht’s Geschäft?«
»I, wie wird’s denn gehn?«
»Na, ich sollte doch meinen. Da sind erst die Uetzer…«
»Die fahren umsonst.«
»Und dann all die Dörfer, die hier hinten liegen…«
Er schüttelte griesgrämig den Kopf, beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte: »Alles rum, immer rum!«
»Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren? Das ist ja die Meile sieben Viertel!«
»Das ist es. Aber was ein richtiger Bauer is, der geht nich übers Wasser.«
»Weil’s ihm zu unsicher ist?«
»Nich doch. Es is ihm bloß sicher, daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt. Das zahlt kein Bauer, wenn er nich muß. Und er muß nich. Eine Meile oder zwei, ihm ist’s all’ eins. Er braucht sie nich zu laufen. Er nimmt seine Peitsche, knipst und ruft seinen Gäulen zu: ›Der Hafer is teuer heut; verdient ihn euch!‹ Und der Uetzer Fährmann – na, der mag sehen, wo er seine Pacht hernimmt.«

Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit. Die Taxe war niedrig; ich gab ihm ein Stück Geld, etwa das Fünffache. Er nahm es, sagte nichts und erwiderte meinen »Guten Abend« durch ein Geknurr, das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ. Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex.” Soweit Fontane.

Seit dem Jahr 1797, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise Paretz als Sommersitz wählten, führte der Weg nach Paretz stets über die Wublitz bei Uetz. An  die  letzte Passage von Königin Luise  kurz vor ihrem  Tod  im Jahr 1810 erinnert noch heute die prächtige Eiche auf dem Fährgrundstück.

Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch
Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch

Von Uetz nach Paretz

Erst um 1830 besuchte der König wieder öfter Paretz. 1834 ließ er nach Plänen von Ludwig Persius das noch heute erhaltene Fährhaus in Fachwerk – Holzarchitektur im Schweizerstil an der Wublitz errichten. Was bislang kaum bekannt war: Im Innern enthält das Gebäude eine Stube für den Fischer und das Teezimmer des Königs. Das Fährhaus überdauerte die Zeiten. Die Wublitz ist seit dem Bau der Autobahn in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlandet.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Ein Fährhaus ohne Fährstelle

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf restaurieren seit mehreren Jahren Henry Sawade und Sabine Swintek das so geschichtsträchtige Fährhaus. Die Arbeiten sind mittlerweile weit fortgeschritten. Henry Sawade weiß um den Aufwand: „Das ist eine Lebensaufgabe.“ Der gelernte Steinmetz  und  studierte Bildhauer hat das Denkmal aber mittlerweile originalgetreu erlebbar gemacht. Ein Großteil der Ziegelsteine der Außenwände wurde herausgenommen, nummeriert und gesäubert wieder eingesetzt.

1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch
1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch

Ein großes Stück ‚Arbeit liegt noch vor den Denkmalenthusiasten. Eine Augenweide ist das nach originalen Plänen bemalte Fachwerk samt Türen. Das Mauerwerk im Fachwerkverbund wurde gestrichen und Fugen aufgemalt.

Zum Fontanejubiläum im Jahr 2019 planen die Einwohner von Uetz mehrere Veranstaltungen. Henry Sawade ist sozusagen der Spiritus Rector. „Uetz war viel wichtiger, als bisher angenommen. An dem Ort kann man vieles erleben.“ Über das genaue Programm werden wir hier demnächst berichten.

Auf der Seite von Marquardt - Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Auf der Seite von Marquardt – Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Sawade: „Uetz kann man als Verkehrs – Hotspot bezeichnen. Hier gab es bereits im elften Jahrhundert eine Fährverbindung. Und im 19. Jahrhundert sind an dieser Stelle Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise übergesetzt, um zu Schloss Paretz zu gelangen.“

Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch
Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch

Erst ab 1905 wurde hier eine Brücke als Übergang gebaut. Die Von – Wilms – Brücke existiert seit 1905 nicht mehr. Mitte der 1930er ließen die Nazis den Berliner Autobahnring bauen. Und der kreuzt als Damm den alten Wublitz-Arm. Auf der anderen Seite des Dammes reichte das Wasser, sechs bis sieben Kilometer bis nach Falkenrehde runter. An der Stelle, wo jetzt noch das Fährhaus steht, war der Wublitz – Arm über hundert Meter breit. Sawade: „Die Wasserlinie ist inzwischen versumpft, aber man erkennt sie noch.“

Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch
Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

2019 soll eine Stele am Fährhaus als Station des überregionalen Fontane – Radweges eingeweiht werden. Dazu gibt es eine Reihe von Festivitäten, auf die wir hier später eingehen wollen. Eines ist Henry Sawade wichtig: „Die ganze Dorfbevölkerung wird mitmachen. Und es gibt eine fiktive Figur, eine Ur-Ur-Ur-Enkelin von Fontane wird uns besuchen – mit einem Motorrad.“

Für die Fontane – Feiern in Uetz wurden Fördermittel bei der Stadt Potsdam und im Rahmen des Projektes „fontane200“ beantragt. „Wir sind zu spät, hoffen aber, dass unser Konzept überzeugt.“

Persius Erstlingswerk

Henry Sawade hat sich tief in die Geschichte des Fähr- und Fischerhauses und des kleinen Ortes eingearbeitet. „Das Fährhaus, anstelle der bisherigen reetgedeckten Fischerhütte errichtet, gilt als eines der Erstlingswerke von Persius. Persius entwarf das Haus für mehrere Zwecke: Zum einen als Wohn- und Arbeitsstätte für den Fischer, der gleichzeitig auch Fährmann war. Zum anderen erhielt der König einen separaten Aufenthaltsraum, das Teezimmer.“

Das Haus wird von Denkmalpflegern mittlerweile als lange unterschätztes Kleinod der Potsdamer Baugeschichte bewertet. Es ist eine Überraschung, wenn Sawade erläutert: „Wir haben sowohl im Teezimmer als auch in der Fischerstube aufwändige Wandfassungen freigelegt. Und selbst das Altenteil war ungewöhnlich aufwändig gestaltet. Die Standesunterschiede wurden also nicht durch die Aufwändigkeit in der Gestaltung verdeutlich, sondern, wie sich zeigte, durch die verschiedene Symbolik.“

Bildhauer Henry Sawade Foto: privat
Bildhauer Henry Sawade Foto: privat

Laut Sawade war die Absicht des Königs entscheidend, einerseits der früh verstorbenen Luise zu gedenken, andererseits seinem treuen Untertanen, dem Fährmann, zu danken. „Deshalb weisen die Malereien in der Teestube königliche Attribute wie Palmette und Lilie auf, während wir an den Wänden der Fischerstube ein Eichenlaubfries nachweisen konnten.“

Denn als Luise gestorben war, hatten die Uetzer zu ihrem Gedenken die Eiche gepflanzt, die auf dem Grundstück des Fährhauses noch steht. Und spannend dabei: „Die Außenfassung des Hauses nimmt Bezug zu diesem Solitär. Das Fachwerk, obwohl in Kiefernholz errichtet, wurde aufwändig in Eichenholzoptik maseriert. Dem entsprechen die Fensterladen, deren Bemalung farblich auf die jeweiligen Innenräume abgestimmt war und im geschlossenen Zustand eine sogenannte Kassette ergeben.“

Und noch einen Aha – Effekt gibt es zu bestaunen: „Die Innentüren sind einfache Kieferntüren, die aber aufgewertet wurden, indem man sie wie edle Kassettentüren aus Nussbaum mit Ebenholzintarsien illusionistisch bemalte.“

Auch an die Windmühle, die einst auf dem dem Fährhaus gegenüberliegenden Mühlenberg stand, soll mit einer Installation während des Jubiläums 2019 erinnert werden.

Theodor Fontane schrieb zum Abschied seines Besuches in Uetz: „Ich schritt nun die Querallee hinauf, kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg, hinter dessen Kamm, bereits erblassend, die Abendröte stand. Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber. Das Dorf, die Wublitz waren still; im Fährhaus schimmerte ein Licht, die Schwäne sammelten sich am Schilf, die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Uetz hin.”

Und zitiert aus dem Gedicht, das einst Schmidt von Werneuchen über Uetz schrieb die letzten Sätze: „Du schönster Ort im ganzen Havelland, Wer könnte je dich ungerührt verlassen!“

Tipp. Auf Seite 17 der Stationen der Fontane – Radroute wird Uetz erwähnt. noch ohne Infostele, aber sie wird kommen, ist sich Henry Sawade sicher. Hier geht es zur Fontane-Radroute.

Unsere nächste Station ist Paretz.

Im Magazin “Potsdamer” wurde im Januar über Henry Sawade und die Vorbereitungen zum Jubiläum “200 Jahre Theodor Fontane” berichtet. Hier geht es zur Seite von “Potsdamer”.

Informationen zum Fontanejahr 2019

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

+ Die Wiedergeburt des Fähr- und Fischerhauses in Uetz

BücherFontane

Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019

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Mit dem Brandenburg-Heft durchs Jahr: Natürlich Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019. Mit der Eröffnung der Brandenburg-Halle auf der Grünen Woche legt das Agrar- und Umweltministerium das neue Jahrbuch „natürlich Brandenburg“ vor. Es ist ab sofort in der Halle erhältlich (Info-Stand des Ministeriums). Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019
Nach der Messe können die 120 Seiten umfassenden Hefte über die Pressestelle des Ministeriums kostenfrei bestellt werden. Das Gemeinschaftsprojekt aller Landkreise und kreisfreien Städte mit dem Ministerium widmet sich in diesem Jahr den drei Schwerpunkten: Angebote im Fontanejahr – Ländliche Ausflugsziele – Veranstaltungen.

Einzigartig und imposant: die Stadtmauer von Wittstock
Einzigartig und imposant: die Stadtmauer von Wittstock

Jahresthemen sind neben dem Fontanejahr die Landesgartenschau in Wittstock und das Landpartie-Jubiläum.

25 Jahre Landpartie

Bereits zum 25. Mal startet in diesem Jahr die Brandenburger Landpartie. Auch für das Jahrbuch „Natürlich Brandenburg“, das seit 1996 vom Ministerium herausgegeben wird, ist dies ein Anlass, mit einem Sonderkapitel darauf einzugehen. Die Landpartie versammelt unter ihrem Dach engagierte und innovative Unternehmer, die gern ihren Betrieb für die Besucher öffnen, weil sie etwas zum Vorzeigen, Kosten und Kaufen haben. Wenn Bauern in eine eigene Weiterverarbeitung beziehungsweise in den Verkauf einsteigen, wenn sie sich ein zusätzliches Standbein im Tourismus, als Energieproduzent oder als Reiterhof schaffen, dann ist dies genau das, was im Rahmen der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik gewollt ist: Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sind zwei Seiten einer Medaille, um Landleben lebenswert zu gestalten. So die Pressemitteilung des Ministeriums zu Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019.

 

 

 

Hier ein Auszug aus dem lesenswerten Heft“ genutzt werden.

Von Caputh nach Caputh – Fontane am Schwielow

Mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark laden die Stadt Werder (Havel) und die Gemeinde Schwielowsee 2019 ein, anlässlich des 200. Geburtstag Theodor Fontanes auf Wanderschaft durch die Region rund um den Schwielowsee zu gehen und die in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ genannten Orte – insbesondere Werder, Caputh und Geltow – neu zu entdecken. Besucher können im Fontanejahr thematische Wanderungen mit dem Heimatverein Petzow buchen.

Schloss Caputh, Foto: D. Weirauch
Schloss Caputh, Foto: D. Weirauch

Es gibt eine musikalische Ortsbestimmung „Mit Fontane von Caputh (Schwielowsee) nach Caputh (Schottland)“ durch die Fercher Obstkistenbühne und eine Ausstellung im Heimathaus Geltow. Der Cultura e. V. wird sich mit einer musikalischen Lesung, zwei Fachvorträgen und einem fotografischen Streifzug auf Fontanes Spuren begeben. In Werder kann man ihm auf dem Fontanewanderweg durch Obst- und Weingärten nachspüren.

Skulptur im Glindower Ziegelringofen

Auch wird man Fontane kulinarisch erleben können. Die Ziegeleien um Werder, wieder von Glindow, werden in Fontanes Werk ausführlich beschrieben. Künstlerisch findet sich dieses Thema in einer Skulptur wieder, die anlässlich des Festjahrs im Hoffmannschen Ringofen gebrannt und zur zentralen Eröffnung am 30. Juni in der Petzower Kirche in der Ausstellung präsentiert wird.

Ziegelringofen Glindow Foto: Weirauch
Ziegelringofen Glindow am Glindower See bei Potsdam, Foto: Weirauch

Informationen zu Fontane rund um den Schwielowsee

Kultur- und Tourismusamt Schwielowsee
Straße der Einheit 3, 14548 Schwielowsee
Tel. 033209 70899
info@schwielowsee-tourismus.de
www.schwielowsee-tourismus.de

Tourismusamt Werder (Havel)
Kirchstraße 6/7, 14542 Werder (Havel)
Tel. 03327 783322
tourismus@werder-havel.de
www.werder-havel.de

Ein Jahrbuch für das Land Brandenburg 2019. Fontanejahr – Ländliche Ausflugsziele – Veranstaltungen. Herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Henning-von-Tresckow-Straße 2 – 13, 14467 Potsdam.

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Fontane

Vorschau: Theodor Fontane im Jahr 2019

  1. Geburtstag: Kaum ein anderer Schriftsteller ist so eng mit Brandenburg verbunden wie Theodor Fontane. Geboren in Neuruppin, rund 70 Kilometer vor den Toren Berlins, arbeitete Fontane nach Tätigkeiten in London als Reiseschriftsteller. „Wenn du Reisen willst, mußt du die Geschichte dieses Landes kennen und lieben“, war das Credo Fontanes. Und so hat er es dann auch mit seiner Heimat gehalten. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschreibt er die Landschaften, Orte und die Menschen, denen er begegnet. Am 30. Dezember 2019 hätte Fontane seinen 200. Geburtstag gefeiert. Grund genug, um auf den Spuren Fontanes durch Brandenburg zu reisen.

Neuruppin, Schloss Rheinsberg und der Stechlinsee

Neuruppin ist für Kulturliebhaber ein ganz besonderer Ort. Mit Theodor Fontane und Karl-Friedrich Schinkel sind gleich zwei bedeutende Persönlichkeiten in der ehemaligen preußischen Garnisonsstadt geboren. Die klassizistische Architektur im historischen Stadtkern und die reizvolle Lage am Ruppiner See machen Neuruppin zu einer der schönsten Städte Brandenburgs.

Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch
Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch

Einblicke in die Geschichte bietet das Museum Neuruppin. Da die erste Schausammlung bereits zu Fontanes Zeiten bestand, hat sich der berühmte Sohn der Stadt in seinem literarischen Werk damit auseinandergesetzt. Im Museum kann man dies an 20 Tonstationen „nachhören“. Ein bedeutender Schatz des Museums sind die rund 22.000 Motive des Neuruppiner Bilderbogens, Vorläufer der heutigen Zeitschriften und Illustrierten, aus dem frühen 19. Jahrhundert, die Neuruppin rasch in der ganzen Welt bekannt machten. Das Museum Neuruppin präsentiert ab März 2019 mit “fontane.200/Autor” die zentrale Ausstellung zum Fontane-Jubiläum.

In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch
In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch

Von Neuruppin aus sind der Stechlinsee oder Schloss Rheinsberg schnell erreicht. Dem glasklaren See hat Fontane mit seinem Roman „Der Stechlin“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Auf einem 14 Kilometer langen Uferweg kann man ihn umrunden. Im Rheinsberger Schloss verbrachte Friedrich der Große als Kronprinz die glücklichsten Tage seines Lebens. Im Sommer wird der Schlosspark zur Opernkulisse für junge Gesangstars der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Bei Reisen durch seine Heimat hat Fontane auch das Schloss und den Park von Rheinsberg besucht und diese beschrieben.

Fontanes „Birnbaum“

„Es spiegeln sich in deinem Strome Wahrzeichen, Burgen, Schlösser, Dome“, schrieb Fontane über das Havelland.Der Landschaft und den Orten entlang der Havel hat er umfangreiche Texte gewidmet, nicht zuletzt auch das berühmte Gedicht über den Herrn von Ribbeck und seine Birnen. Seit Generationen gehört es zum Schulstoff und machte damit das kleine Dörfchen – und mit ihm das ganze Havelland – bekannt. Obwohl Fontane nie selber in Ribbeck gewesen ist und der berühmte Birnbaum 1911 einem Sturm zum Opfer fiel, dreht sich in dem Dorf heute immer noch sehr vieles um die Birne, das Gedicht und damit auch um Fontane. Anders als Ribbeck, hat Fontane die Orte Paretz und Plaue selber besucht. Der Fischerstadt Plaue, am Westufer der Havel gelegen, widmete er sich besonders ausführlich, weil hier sein Freund Carl Ferdinand Wiesike lebte. Auf die Spuren dieser Freundschaft kann man sich auf dem „Plauer Fontaneweg“ begeben.

Besuch auf Schloss Plaue im Rahmen einer Kulturland - Exkursion, Foto: Weirauch
Besuch auf Schloss Plaue im Rahmen einer Kulturland – Exkursion, Foto: Weirauch

Besonders gut gefallen hat Fontane ganz offensichtlich auch das Dörfchen Paretz, rund 20 Kilometer von Potsdam entfernt. Es war das Landidyll der berühmten Königin Luise und ihres Mannes, Kronprinz Friedrich Wilhelm III. Gemeinsam mit der Sommerresidenz Schloss Paretz wurde das Dorf als architektonisches Gesamtkunstwerk von dem Architekten David Gilly umgestaltet. Das Schloss beeindruckt seine Besucher noch heute mit kostbaren Möbeln, Gemälden, Grafiken und insbesondere den berühmten Paretzer Papiertapeten, die Fontane ebenfalls sehr ausführlich beschreibt.

Schloss Paretz Foto: Weirauch

Auch der Spreewald fehlt nicht

Gleich nach seiner Rückkehr aus London im Jahr 1859 stattete Fontane dem Spreewald einen Besuch ab, bei dem natürlich auch eine Fahrt im traditionellen Spreewaldkahn nicht fehlen durfte. Lübben, Lübbenau und Burg im Spreewald standen auf dem Reiseprogramm, bei dem die einzigartige Naturlandschaft mit ihren Fließen, die sorbisch und wendischen Traditionen sowie die typischen Produkte der Region bewundert und später auch literarisch verarbeitet wurden.

Der Spreewald erinnert im Jahr 2019 mit einem umfangreichen Programm an diesen Besuch Fontanes.

Fontane im Seenland Oder-Spree

Ein weiterer regionaler Schwerpunkt zum Fontanejahr liegt im Osten Brandenburgs, im Seenland Oder-Spree. Hier ist in Schiffmühle im Oderbruch das Haus zu finden, in dem Fontanes Vater die letzten 15 Jahre seines Lebens verbracht hatte und in dem der Sohn häufig zu Besuch gewesen war. Die dortige Ausstellung wird derzeit für das Jahr 2019 neu konzipiert.

Auch Rad- und Wandertouren auf Fontanes Spuren

Fontane selber war eigentlich eher mit der Kutsche unterwegs. Aber natürlich bieten die „Wanderungen“ und seine anderen Werke ausreichend Stoff und Anregungen, um seinen Spuren zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu folgen. Es gibt verschiedene Fontane-Wanderwege im Land sowie Routenvorschläge mit Fontanebezug. Dazu gehören neben dem Stechlinsee-Rundweg auch die Radtour „Mit Ribbecks Birne auf Du und Du“ im Havelland, der Wanderweg F6 rund um den Schwielowsee bei Potsdam und der Theodor-Fontane-Radweg im Oderbruch. Neu hinzu kommt 2019 der Fontane-Radweg der auf vorhandenen Trassen vom Ruppiner Seenland aus ins Havelland bis nach Ferch und Potsdam führen wird. www.reiseland-brandenburg.de/fontane200

BücherFontane

Im Blickpunkt: Fontanes Frauen

Effi Briest (3)Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch

Auf dem Literatur- und Kulturmarkt gibt es bereits seit geraumer Zeit Bewegung. Neue Publikationen, Konferenzen, Events werden durch Verlage, PR-Agenturen und Tourismus-Agenturen angekündigt. Selbst Playmobil hat nach dem Erfolg mit der “Luther-Figur” eine “Fontane-Figur” in den Verkauf gebracht. Und auch der Konzeptkünstler Otmar Hörl macht mit der Großfigur des märkischen Dichters auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam. Für mehrere hundert Euro ist der “Fontane” käuflich zu erwerben. Fontane in allen Facetten, gespannt darf man sein, ob es in Anlehnung an die “Luther-Socken” auch noch “Fontane-Socken” geben wird?  … es ist ein weites Feld …

Da ist es doch erfreulich, dass das Jubliäum für viele Verlage Anlass ist, Autoren zu Wort kommen zu lassen, die sich intensiv mit dem wohl bekanntesten brandenburgischen Dichter beschäftigt haben. Mit „Fontanes fünf Schlösser“ (be.bra Verlag) gelang Robert Rauh und Erik Lorenz im letzten Jahr der Einstieg in die neue Fontane-Rezeption.

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