Fontane

Ein brandenburgischer märkischer Schriftsteller. In dieser Kategorie finden Sie viele Texte und Informationen zu Fontane.

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Sieben Schönheiten im Havelland entdeckt

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Wer in der Mark reisen will, der muß zunächst Liebe zu „Land und Leuten“ mitbringen, mindestens keine Voreingenommenheit. Er muß den guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch krittliche Vergleiche totzumachen.

Der Reisende in der Mark muß sich ferner mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen. Es gibt gröbliche Augen, die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen, um befriedigt zu sein. Diese mögen zu Hause bleiben. Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen. „Auch die häßlichste“ – sagt das Sprichwort – „hat immer noch sieben Schönheiten.“ Ganz so ist es mit dem „Lande zwischen Oder und Elbe“; wenige Punkte sind so arm, daß sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muß sie nur zu finden verstehn. Wer das Auge dafür hat, der wag es und reise. … Das Beste aber, dem du begegnen wirst, das werden die Menschen sein, vorausgesetzt, daß du dich darauf verstehst, das rechte Wort für den „gemeinen Mann“ zu finden. (Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Die Grafschaft Ruppin, Auszug)

Einfach raus – es ist soweit, der Frühling lockt uns ins Havelland. Fontane im Sinn – sieben Schönheiten wollen wir heute finden. 6.45 Uhr starten wir.

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Zum Mühlentag in die Obermühle Gottsdorf

Müllermeister Röthel an einem Plansichter in der Obermühle GottsdorfMüllermeister Röthel an einem Plansichter in der Obermühle Gottsdorf

Wo das Klappern zum Handwerk gehört …

Der 26. bundesweite Mühlentag steht vor der Tür. Pfingstmontag, am 10.6.2019, ist es wieder so weit. Über 150 Mühlen werden in Berlin-Brandenburg ihre Tore öffnen. Da muss schon vorher „geklappert“ werden, um am Müller-Handwerk interessierte Gäste in die Mühlen zu locken. Die mitglieder der Mühlenverereinigung Berlin-Brandenburg sind darauf jedenfalls gut vorbereitet.

Martin und Markus Röthel vor der Obermühle
Martin und Markus Röthel vor der Obermühle

Mit den heutigen medialen Netzwerken ist es einfacher geworden. „Klappern im Netz“ – etwa über Instargram oder über eine einladende Homepage sind für einen modernen Müller heute fast ein „Muss“. Wir sind so im Internet auf die Obermühle in Gottsdorf (Nuthe-Urstromtal) gestoßen. Eine ansprechende Homepage lädt zum Mühlentag in die Obermühle ein. Über Instargram haben wir dann Kontakt zum Müller Markus Röthel aufgenommen. Und ruck-zuck waren wir einen Tag später schon in Gottsdorf. Von Potsdam in den schönen Naturpark Nuthe – Nieplitz sind es etwa eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto.

der Mühlgraben führt direkt unter der Mühle hindurch
Der Mühlgraben führt direkt unter der Mühle hindurch
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Auf Fontanes Spuren in Polen unterwegs

Das Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: WeirauchDas Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: Weirauch

Erinnerungen an den Literaten zwischen Ostsee und Riesengebirge

Theodor Fontane ist vor allem mit seiner Heimat Brandenburg verbunden, der er in seinen Wanderungen und zahlreichen Romanen ein literarisches Denkmal setzte. So feiert man dort in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag mit vielen Veranstaltungen. Doch den Spuren des Schriftstellers und Journalisten kann man auch in Polen folgen.

Fontane

Hans-Dieter Rutsch beleuchtet Theodor Fontane

Fontane - 2018 (1)

Es ist ein Buch nach meinem Gusto. Viel habe ich schon über das Leben von Theodor Fontane gelesen. Oft sind die Biographien geglättet.  “Der Wanderer” aber von Hans-Dieter Rutsch entdeckt Fontane neu, spart bislang kaum Bekanntes nicht aus. Und beantwortet oft gestellte Fragen. Hier einige Aspekte aus dem lesenswerten Buch:

Fontane – Denkmal in Neuruppin

Auf Seite 15 schreibt Hans-Dieter Rutsch: “An der rechten Seite des Fontane-Denkmals ist eine Inschrift angebracht. Sie besteht aus vier Wörtern: „Dem Dichter der Mark“. Und schon beginnen die Missverständnisse. Als Dichter einer Landschaft oder Region verstand Fontane sich nie. Als Preuße sicherlich. Vor allem aber als ein Deutscher mit französischem Namen. Die Welt grübelt heute noch immer, in welcher politischen Ecke sie diesen deutschsprachigen Autor und sein Werk ansiedeln kann.

Fontane, ein blinder Preußenverehrer? Fontane, ein Feminist? Wer auf eindeutige Antworten hofft, so Rutsch, wird enttäuscht werden. Hunderte Germanisten auf allen Kontinenten sind ihm auf der Spur. Eine rein deutsche Angelegenheit ist diese literarische Erkundung schon lange nicht mehr.

Über Emilie Fontane

Fontanes Ehefrau heißt es auf Seite 17 u.a.: “Emilie Fontane fühlt sich als Ehefrau oft im Schatten ihres Mannes. Wieder und wieder schreibt sie seine Texte ab, redigiert, macht Vorschläge, äußert sich in Gesprächen. Oft geht er darüber hinweg, überarbeitet seine Texte erneut. Nun muss das von Strichen durchzogene Manuskript noch einmal abgeschrieben werden. So ergeht es Emilie Fontane ein Leben lang. Krisen schütteln die Ehe der beiden, auch schon die Zeit der fünfjährigen Verlobung. Zwei uneheliche Kinder zeugt der Dichter während der Verlobungsjahre „nebenbei“ in Dresden. Es wird eines der großen Geheimnisse der Fontanes.
Emilie sehnt sich nach Geborgenheit, er nach Erfolg als Autor. Eine achtundvierzigjährige Ehe der beiden und Tausende von Briefen gehören zur Bilanz ihrer Beziehung. Sie schreibt über die schweren Gewitter über ihren Häuptern und das Gefühl, getäuscht zu werden. Wann immer sie an ihm zweifelt, fehlt Hoffnung. Er kann so zärtlich und so hart antworten. Dieser Briefwechsel erzählt, wie sehr in der Ehe alles auf das Leben eines Menschen ausgerichtet ist: den Autor Theodor Fontane. Ihre Wohnung ist stets ein literarisches Büro, und alle Familienangehörigen stehen im Rang von Mitarbeitern.”

Grabstätte der Familie Fontane in Berlin, Foto. Weirauch
Grabstätte der Familie Fontane in Berlin, Foto. Weirauch

Fontane – Der Wanderer (S.25f)

Der Wanderer Fontane wird uns anempfohlen. Aber eine Enttäuschung muss vorweggenommen werden: Fontane ist mehr mit der Kutsche gefahren, als dass er lief. Meist zwang die knappe Zeit zur Eile. Auch der beschauliche Blick der Neuruppiner Bronzestatue in die Landschaft ist eher eine Wunschvorstellung des Bildhauers als die Wirklichkeit des Autors Fontane. Mag sein, es hat ab und an beschauliche Augenblicke gegeben. Meistens zum Essen in den Gasthöfen. Ansonsten hetzte er von Ort zu Ort, war heute hier und morgen dort und dann schon wieder ganz woanders. Oder er schrieb. Dann reiste er in Gedanken noch  einmal die Wege ab, durchschritt Kirchenräume und Schlösser.
Fontanes einziges Hilfsmittel ist sein Notizbuch. Meist nutzt er die frühen Morgenstunden, um in seiner Unterkunft zu notieren, was er am Tag zuvor gesehen und gehört hat. Es ist niemand um ihn, dem er diktieren könnte. Kein bei seinen Recherchen entdecktes Dokument kann er – außer durch das Abschreiben – kopieren. Ein Fotoapparat steht ihm nicht zur Verfügung. Solche Apparate sind zwar erfunden, aber nur durch Spezialisten zu bedienen und für den Einsatz auf Reisen noch völlig ungeeignet.

Fontanes Geburtshaus

Hans-dieter Rutsch stellt beim Besuch des Geburtshauses von Fontane eine bis heute unbeantwortete Frage. Er schreibt auf Seite 35: So präsent das bronzene Denkmal für Theodor Fontane den ehemaligen Wall von Neuruppin überragt – in der selbsternannten „Fontanestadt“ sind Spuren des Dichters so einfach nicht auszumachen. Am „Fontanehaus“ in der heutigen Karl-Marx-Straße mit der Hausnummer 84, dem authentischen Ort der Geburt des Dichters, ist selbst der aufmerksame Tourist schneller vorbeigelaufen, als er ahnt.

Die „Löwen-Apotheke“ der Fontanes zu entdecken verlangt mehr als nur Umsicht: Man muss das Haus erst einmal finden. Dabei steht es mitten in der Stadt und ist aus der Sicht der Neuruppiner nicht zu übersehen. Die Neuruppiner wundern sich kopfschüttelnd darüber, wie man als Tourist daran vorbeilaufen könne.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Vom Denkmal aus der Hauptstraße Richtung Zentrum folgen unde nicht erwarten, von Hinweisschildern gelotst zu werden. … Sollen wir Fontane in der Fontanestadt Neuruppin übersehen?

Fontane – Museum ?

Und wie viele vor ihm stellt Hans-Dieter Rutsch auf Seite 45 auch die Frage: “Warum wurde hier kein Museum eingerichtet? “Deutschland würde die Dokumentation dieses ungewöhnlichen Dichterlebens am authentischen Ort seines Beginns gut zu Gesicht stehen. Seit über einhundert Jahren sammeln Germanisten akribisch die Puzzleteile dieser literarischen Existenz. Vor dem Geburtshaus Fontanes stehend, bleiben wir ohne Ahnung davon. Es fehlt buchstäblich jeder Hinweis darauf. Vielleicht ist der Grund simpel: Niemand wagt bis jetzt, den einst geschaffenen Mythos Fontane vom ach so nett dreinblickenden Mann zu berühren. …

In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch
In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch

S. 49: Auch der zweihundertste Geburtstag wird vergehen, ohne dass sich daran etwas ändert. Die Fassade des Fontanehauses in Neuruppin bleibt weiter undurchsichtig.

Fontane und Potsdam (S. 277)

Wie ist es mit der Abneigung Fontanes zu Potsdam bestellt ? “Eigentlich mag er Potsdam nicht. Aber das ist eine lange Geschichte. Sie hat ein wenig mit seinem Verhältnis zu Theodor Storm zu tun. Der hat sich hier als Beamter versucht und es nicht lange ausgehalten. Diese Stadt quillt über von Militär. Ist sie nicht nur eine riesige Kaserne? Vor dem Potsdamer Marstall sieht er aus dem Waggon für einen Augenblick die exerzierenden Soldaten. Und dann dieses Stadtschloss! Eine Herberge für Beamte. Dann liegt Potsdam hinter ihm. Hätte er nicht doch an der Station „Park Sanssouci“ aussteigen sollen? Der Aufstieg zum Schloss hat es ihm angetan.

Der Blick auf die Friedenskirche auch. Diese italienische Enklave. Diese Abgeschiedenheit, die sie bietet. Er beschließt, sich dort einmal einzuquartieren. Aber nun ist es zu spät für diesen unvergleichlichen Park. Jedenfalls für heute. Was wäre, wenn er noch weiter bis Burg fährt und dort am Bahnhof nachlöst? Oder schon vorher aussteigt und bis Burg läuft?
Er sitzt allein im Abteil. So mag er das Reisen. Niemand, der ihn anspricht, keine Flüsternden Paare, keine sich streitenden Familien. Er hat Zeit für sich, kann nachdenken. Könnte auch lesen.”

Die Wanderung des Nachlasses

Auch für sein Nachleben und den Lebensunterhalt seiner Familie sorgte Theodor Fontane indirekt vor: Er führte seinen Sohn Friedrich als Verleger in den deutschen Literaturbetrieb ein. Als jüngstes Kind der Fontanes fiel Friedrich die Rolle zu, nach und nach die Herausgabe der gesammelten Werke seines Vaters anzustreben. Der Sohn ließ die Verlagsfirma F. Fontane & Co. zum 1. Oktober 1888 in das Handelsregister eintragen und seinen Namen als Geschäftsführer hinzufügen. In den Jahren zuvor ließ ihn der Vater eine Ausbildung zum Buchhändler bei Gustav Langenscheidt absolvieren.

Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch
Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch

Das Schicksal der Tagebücher

Neuruppin verpasste die Gelegenheit, mehr als nur ein touristischer Ort für die Fontane-Liebhaber zu werden. Die Stadtväter haben die Chance, die sich mit einem Erwerb des Fontane-Nachlasses bot, nicht ergriffen. Der damalige Schätzwert von einhundertzwanzigtausend Reichsmark war eine stattliche Summe, aber keine, die man nicht hätte aufbringen können. Was fehlte, waren der nötige Weitblick und das Erkennen des Potenzials.

Fontane-Gesellschaft in Neuruppin

Die im Jahr 1990 in Potsdam gegründete Fontane-Gesellschaft wählte zwar Neuruppin als Sitz für ihre Geschäftsstelle, vergibt inzwischen auch einen „Fontane-Preis der Stadt Neuruppin“, aber ein internationaler Fontane-Ort ist Neuruppin durch den unterlassenen Erwerb des Nachlasses nicht geworden. Den Neuruppinern gelang zwar, den Titel „Fontanestadt“ zu erwirken. Ein literarisch gewichtiger Ort ist Neuruppin aber noch nicht.

Wer ist eigentlich dieser Fontane ?

Die Spurensuche zu Fontane hält an, ab Seite 327 schreibt Hans-Dieter Rutsch:”Theodor Fontane „überlebte“ das Chaos der ersten Nachkriegsjahre. Nahezu geräuschlos wurde sein literarisches Werk „entnazifiziert“. Aber zu mehr reichte es in der damaligen Zeit nicht. Wer eigentlich verbarg sich hinter dem Namen Theodor Fontane? Eine groß angelegte Suche danach begann in beiden deutschen Staaten. Nach 1989 entwickelte sich das Fontane-Archiv in Potsdam zu einem Ort, der diese Suche bis heute fördert und koordiniert. Abgeschlossen ist sie noch immer nicht. Fasziniert von den Welten, die der gebürtige Neuruppiner literarisch erwanderte, folgen ihm Jahr für Jahr neue Leser auf allen Kontinenten und fahnden nach jenem Mann, der Theodor Fontane war. Die Zahl der entstehenden Diplomarbeiten und Dissertationen ist inzwischen vollkommen unüberschaubar. Es ist, als ob wir noch immer am Anfang einer langen Wanderung stehen….

Das von Dietrich Rohde gestaltete Fontane-Denkmal steht im Precise Resort Schwielowsee, Foto: Weirauch
Das von Dietrich Rohde gestaltete Fontane-Denkmal steht im Precise Resort Schwielowsee, Foto: Weirauch

Zusammengefasst: Dieses Buch entdeckt einen hellsichtigen, in seiner Zeit neuartigen Dichter, der rastlos das frühmoderne Deutschland beschrieb und darin auch unsere Gegenwart, der sich schon damals nach Entschleunigung, Schlichtheit sehnte – einen doppelten Fontane, der unser Zeitgenosse ist.

Hans-Dieter Rutsch, Der Wanderer. Das Leben des Theodor Fontane. Rowohlt-Berlin Verlag GmbH, 1. Auflage 2018. ISBN 978 3  7371 0026 7. www.rowohlt.de

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Fontaneorte: Burg im Spreewald

Burg im Spreewald

„… und dass dem Netze dieser Spreekanäle Nichts von dem Zauber von Venedig fehle, durchfurcht das endlos wirre Flußrevier in seinem Boot der Spreewalds-Gondolier.“

Es ist keine 160 Jahre her, da besuchte Theodor Fontane auf seiner Reise durch die Mark Brandenburg auch die idyllische Spreewaldgemeinde Burg. Der entdeckungsfreudige Schriftsteller war ein wahrer Wegbereiter für die Entwicklung des Spreewald-Tourismus. Schon damals erkannte er schon die Schönheit und Reize dieser einmaligen Kultur- und Naturlandschaft.

Von Berlin aus startete er an einem sonnigen Augusttag des Jahres 1859 mit der Postkutsche in Richtung des unweit gelegenen Spreewalds. Bald schon tauschte er die ruckelnde Kutsche gegen den traditionellen Spreewaldkahn und zeigte sich begeistert vm sanften Dahingleiten auf den ruhigen Fließen in der einzigartigen mystischen Landschaft.

Fasziniert beschreibt er daraufhin in seinen Artikeln und Büchern das Füllhorn an Möglichkeiten, das der Spreewald einem Reisenden bietet. Nicht nur die Kahnfahrt, sondern auch Gaumenfreuden wie der „Hecht im Spreewald-Soße“ sorgen bei Fontane nachdrücklich für Begeisterung.

Noch heute ist Burg im Spreewald der ideale Ort für aktive Naturliebhaber. Zu Fuß, im Paddelboot, mit dem Fahrrad oder mit dem Spreewaldkahn, erschließen sich dem Betrachter oftmals verwunschene Ausblicke. Entlang reetgedeckter Spreewaldhäuser, traditioneller Heuschober und grüner Gurkenfelder radelt es sich entspannt bis zum nächsten Gasthaus. Die Magie dieser einzigartigen Kulturlandschaft lädt geradezu dazu ein, sich vom Alltag zu erholen und eben jene zauberhaften Details aus Fontanes Zeit auch heute noch zu entdecken.

Der Kurort Burg im Spreewald hat dem Jubilar Theodor Fontane anlässlich seines 200. Geburtstags zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen gewidmet. So entführen FontaneZeit-Entdecker die Gäste das ganze Jahr über in die Zeit des Dichters. Ob beim Bäcker, in der Spreewaldbibiliothek, in der Heimatstube oder anderen kleinen Läden, Fontane ist allgegenwärtig.

Höhepunk: Der deutsche Pop-Art Künstler Jim Avignon wird aus den FontaneZeit-Entdeckungen ein einzigariges Kunstwerk entstehen lassen. Den kreativen Abschluss findet diese Aktion in der Veranstaltung „Fließendes Atelier“ am 7. September 2019, wo der Künstler das Gesamtkunstwerk auf dem Kahn vollendet und interessierte Gäste auf seine „Reise“ mitnimmt. Alle Teilnehmer erwartet ein außergewöhnlicher Abend voller Kunst und Genuss.

Sonnenaufgang vom Zimmer des Spreewald Thermenhotels aus, Foto: Weirauch
Sonnenaufgang vom Zimmer des Spreewald Thermenhotels aus, Foto: Weirauch

Zur Veranstaltungsreihe „Geschicht auf dem Kahn“ können die Besucher des Kurortes auf „Kaffeeklatsch mit Fontane“ gehen. Bei einer kurzweiligen Kahnfahrt mit lyrischer und musikalischer Untermalung sowie einer kleinen Kaffeerunde kann man den Besuch des Dichters im Burger Spreewald hautnah nachempfinden.

„Genießen mit Fontane“ ist der Titel eines musikalisch-literarischen Abends mit kulinarischer Umrahmung, der am 16. März und 12. Oktober 2019 in Burg die Zuschauer begeistern und den Dichter künstlerisch näherbringen wird.

Anreiseempfehlung

Regionalexpress RE2 bis nach Vetschau oder Cottbus:

  • Von Vetschau/Bahnhof aus Weiterfahrt mit der Buslinie 38 nach Burg (Spreewald)
  • Von Cottbus/Hauptbahnhof aus Weiterfahrt mit der Buslinie 47 nach Burg (Spreewald)

Weitere Informationen

Touristinformation Burg im Spreewald
Am Hafen 6, 03096 Burg (Spreewald)
Tel. 035603 750160
info@BurgimSpreewald.de
www.BurgimSpreewald.de

 

 

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Kirchhof mit Her(t)z

MatthäuskirchhofWilhelm Ludwig Hertz (1822–1901) war u.a. Verleger Theodor Fontanes

„ – Die zur Durchsicht gewünschten Blätter bringe ich morgen Mittag oder schicke sie; es ist nahezu die Hälfte des Ganzen. Ich würde Ihnen vorschlagen nur das lange Kapitel „Marquardt“ zu lesen, da haben Sie alle Züge des Buches vereinigt: Schloß-, Park- und Landschaftsbeschreibung, Historisches Anekdotisches, Familienkram und Spukgeschichte. Mehr kann man am Ende nicht verlangen.“ Diesen Lesevorschlag für seinen III. Band der „Wanderungen“ übermittelte Theodor Fontane am 9. Mai 1872 an seinen Verleger Wilhelm Ludwig Hertz.In einigen Briefen unserer „Weihnachtspost“ klang das Fontane-Jubiläum im kommenden Jahr an. Grund für uns, wieder weiter auf den „Spuren Fontanes“ zu wandeln, so u. a. auch an Personen zu erinnern, die einen regen Gedankenaustausch mit ihm führten.

Die eingangs geschriebenen Worte Fontanes an den Berliner Wilhelm Hertz, geben in wenigen Worten den Aufbau der berühmten „Wanderungen“ wieder. Vielleicht ist diese Mischung aus allem das Erfolgsrezept seiner Wanderungen, die heute noch so viele Anhänger findet. Wilhelm Hertz scheint der Vorschlag gefallen zu haben, nur wenige Wochen später war bei Fontane der „Bedürftigkeitsmoment“ gekommen, um Wilhelm Hertz am 1. Juni 1872 um einen Vorschuss von 100 Talern („1500 Exemplare bei 600 rtl. Honorar“ – so das Arrangement vom 8. Mai 1872) zu bitten. Am 3. Juni 1872 bedankt sich Fontane bei Hertz.

Die Briefe Theodor Fontanes an Wilhelm Hertz sind veröffentlicht und widerspiegeln den teils freundschaftlichen Kontakt, der den märkischen Dichter mit dem Verleger verband. Der Leser bekommt zudem einen Einblick in den Berliner Literaturbetrieb des 19. Jahrhunderts. 1847 hatte Wilhelm Hertz den Verlag Bessersche Buchhandlung übernommen. Unter den Autoren von mehr als 1000 Verlagswerken zählten neben Theodor Fontane auch Gottfried Keller, Paul Heyse, Wilhelm von Kügelgen und Hermann Grimm. Nach dem Tod von Wilhelm Hertz verkauften die Erben den Verlag an die J. G. Cottasche Buchhandlung in Stuttgart.

In ihrem Weihnachtspost machte Dr. Gabriele Radecke auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof aufmerksam. Sie erwähnte den Beitrag von Tilman Krause in der “Welt”, der Spuren Fontanes in Berlin aufsuchte. In seinem Roman “Die Poggenpuhls” hatte Fontane die Witwe Poggenpuhl, die in der Großgörschenstraße wohnte, auf den Friedhof schauen lassen. Fontane schreibt u.a. in seinem 1896 veröffentlichten Roman „Die Poggenpuhls“ über seine Protagonisten in der Großgörschenstraße: „Die Poggenpuhls – eine Frau Majorin von Poggenpuhl mit ihren drei Töchtern Therese, Sophie und Manon – wohnten seit ihrer Übersiedlung von Pommersch-Stargard nach Berlin in einem gerade um jene Zeit fertig gewordenen, also noch ziemlich mauerfeuchten Neubau der Großgörschenstraße, einem Eckhaus, das einem braven und behäbigen Manne, dem ehemaligen Maurerpolier, jetzigen Rentier August Nottebohm gehörte. Diese Großgörschenstraßen-Wohnung war seitens der der Poggenpuhlschen Familie nicht zum wenigsten um des kriegsgeschichtlichen Namens der Straße, zugleich aber ach um der sogenannten >>wundervollen Aussicht<< willen gewählt worden, die von den Vorderfenstern aus auf die Grabdenkmäler und Erbbegräbnisse des Matthäikirchhofs, von den Hinterfenstern aus auf einige zur Kulmstraße gehörige Rückfronten ging, an deren einer man, in abwechselnd roten und blauen Riesenbuchstaben, die Worte >>Schulzes Bonbonfabrik<< lesen konnte“.Heute ist der Blick kaum nachzuvollziehen, hohe Bäume versperren die Sicht.

Auch in seinem Klassiker “Effi Briest” wird die Großgörschenstraße erwähnt.er 1. Weihnachtsfeiertag führte uns nach Schöneberg auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof. Freunde hatten uns berichtet, dass das Grab des Verlegers seit 1984 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet ist. Und nun “treffen” wir Fontanes Verleger auf dem Friedhof. Wer war dieser Mann eigentlich ? Der am 26. Juni 1822 in Hamburg geborene Wilhelm Ludwig Hertz, Sohn von Adalbert von Chamisso und Marianne Hertz, verstarb am 5. Juni 1901 in Berlin. Die letzte Ruhe fand er auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

Bethel Henry Strousberg (1823–1884) Unternehmer, Mäzen, „Eisenbahnkönig“
Bethel Henry Strousberg (1823–1884) Unternehmer, Mäzen, „Eisenbahnkönig“

Durch die Hochzeit seiner Tochter Emma Hertz im Jahr 1879 war er der Schwiegervater des Berliner Verlegers Fritz Springer. Auch diese Familie hatte mit Fontane zu tun. Springers Grabstätte befindet sich auch auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof.

Aus dem Internet hatten wir bereits erfahren, dass der Friedhof seit der ersten Beisetzung am 25. März 1856 zunehmend über die Gemeinde hinaus an Beliebtheit gewann. In der Umgebung entstanden Villen mit Gärten für höhere Beamte, bedeutende Unternehmer, bildende Künstler und bekannte Wissenschaftler. Seit dem späten 19. Jahrhundert war das Wohngebiet als „Geheimratsviertel“ bekannt.

In den Jahren 1907/1908 entstand die von Gustav Werner entworfene Kapelle als Zentralbau mit Kuppel
In den Jahren 1907/1908 entstand die von Gustav Werner entworfene Kapelle als Zentralbau mit Kuppel

Tilman Krause schreibt in der “Welt” vom 22.12. auch: “Auf dem Friedhof liegt auch ein Mitglied aus jener altpreußischen Familie begraben, die Theodor Fontane zum eingangs zitierten (und sonst nicht belegten) Namen Vitzewitz inspiriert haben dürfte. Es trägt den poetischen Namen Cölestin von Zitzewitz. Denn bei Fontane ist es eben manchmal nur ein Buchstabe, der die Wirklichkeit von der Literatur trennt.”

Alfred Messel (1853–1909), Architekt (Wertheim-Bau am Leipziger Platz; Haus des Lette-Vereins)
Alfred Messel (1853–1909), Architekt (Wertheim-Bau am Leipziger Platz; Haus des Lette-Vereins)

Übrigens gibt es noch eine weitere Geschichte zu dem Friedhof und Theodor Fontane. Darüber informieren Robert Rauh und Gabriele Radecke auf dem Blog  Fontanes-Wanderungen.de. Heinrich Drake, der berühmte Bildhauer hat auch auf dem alten St. Matthäus-Friedhof sein Grab. Darüber später mehr.

 

Und wen wir noch alles so trafen auf diesem schönen Berliner Friedhof und was der Friedhof mit dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, gemeinsam hat, erfahrt ihr demnächst hier.

Einige Tipps Alter St.-Matthäus-Kirchhof Berlin

Der Alte St.-Matthäus-Kirchhof Berlin ist ein historischer Friedhof in Berlin mit vielen kulturhistorisch bedeutenden Grabmälern, die heute unter Denkmalschutz stehen. Der Kirchhof liegt zwischen der Großgörschen- und der Monumentenstraße im Ortsteil Schöneberg auf der sogenannten Roten Insel.

Adresse: Großgörschenstraße 12-14, 10829 Berlin

Infos zum Friedhof bei gutem Kaffee oder Tee gibt es im Cafe finovo.

Der Förderverein E.F.E.U. engagiert sich für den Friedhof.

Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé "Finovo"
Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé “Finovo”

Hier geht es zur Friedhofsverwaltung und einen Lageplan.

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam,dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen 

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der Seite  http://fontanes-wanderungen.de/

Dr Band: Theodor Fontane: Briefe an Wilhelm und Hans Hertz 1859 – 1898 , Ernst Klett Verlag Stuttgart, ist nur antiquarisch oder im Internet erhältlich.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Robert Rauh und Erik Lorenz: Buch zu den fünf Schlössern

+ Spurensuche in Wustrau

+ Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz /OT von Potsdam

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

+ Wer war Effi Briest

 
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