Fontane

Ein brandenburgischer märkischer Schriftsteller. In dieser Kategorie finden Sie Texte und Informationen zu Fontane.

1 Stunde wegFontaneSchlösser und Burgen

Auf Fontanes Spuren in Marquardt

Schloss MarquardtBlick vom Schlänitzsee auf das romantische Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

„Eine Meile hinter Bornstedt liegt Marquardt, ein altwendisches Dorf, ebenso anziehend durch seine Lage wie seine Geschichte. Wir passieren Bornim, durchschneiden den »Königsdamm« und münden unmerklich aus der Chaussee in die Dorfstraße ein, zu deren Linken ein prächtiger Park bis an die Wublitz und die breiten Flächen des Schlänitz-Sees sich ausdehnt.“ So leitet Theodor Fontane im Band „Havelland“ seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Kapitel über Marquardt ein.

Im Jahr 2019, wenn Fontanes 200. Geburtstag gefeiert und „Kulturland Brandenburg“ vor allem in Neuruppin an den berühmten „Märkischen Wanderer“ erinnern wird, wird auch das am Rande von Potsdam gelegene Schloss Marquardt hoffentlich eine Rolle spielen. Zumindest steht auf Seite 16 des von einer Arbeitsgruppe LAG Havelland erarbeiteten Konzeptes für eine überregionale  Theodor – Fontane – Fahrrad – Route  Marquardt. Dort soll zumindest eine Infotafel aufgestellt werden.

Spurensuche im Ort

„Schon jetzt fragen immer wieder mal Gäste nach den Stationen der  Erzählung von Theodor Fontane, die auch im Schloss spielen“, sagt Schlossmanager Christian Schulze. Auch nach der „Blauen Grotte“, über die Fontane schreibt, wird desöfteren gefragt. Niemand weiß genau, ob noch Reste des sagenumwobenen Bauwerkes im Boden schlummern. Seit dem 14. Jahrhundert erlebte das Gut viele adelige Familien. Einer der prominenten Besitzer war General Hans Rudolf von Bischoffwerder.

Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch
Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch

Als Mitglied der Rosenkreuzer ließ er die „Blaue Grotte“ anlegen, in der sich die Mitglieder des Geheimbundes zur Ausübung okkulter Rituale trafen. Auch der leichtgläubige König Friedrich Wilhelm II. soll hier einige spiritistische Sitzungen miterlebt haben. Die Grotte wurde allerdings von einem späteren Besitzer abgerissen, so die Ortsgeschichte, die sich vor allem auf Fontanes Ausführungen und die Kirchenbücher stützt.

Rosenkreuzer in Marquardt

Fontane schrieb u.a. „ Die Dorftradition sagt, er kam in Begleitung weniger Eingeweihter, meist in der Dämmerstunde,…, passierte nie die Dorfstraße, sondern fuhr über den »Königsdamm« direkt in den Park, hielt vor dem Schlosse und nahm nun an den Sitzungen teil. Man begab sich nach der »Grotte«, einem dunklen Steinbau, der im Parke, nach dem rosenkreuzerischen Ritual, in einem mit Akazien bepflanzten Hügel angelegt worden war. Der Eingang, niedrig und kaum mannsbreit, barg sich hinter Gesträuch. Das Innere der Grotte war mit blauem Lasurstein mosaikartig ausgelegt, und von der Decke herab hing ein Kronleuchter. In diese »blaue Grotte«, deren Licht- und Farbeneffekt ein wunderbarer gewesen sein soll, trat man ein; der König nahm Platz. Alsbald wurden Stimmen laut; leiser Gesang, wie von Harfentönen begleitet. Dann stellte der König Fragen, und die Geister antworteten. Jedesmal tief ergriffen, kehrte Friedrich Wilhelm ins Schloß und bald darauf nach Potsdam zurück.“

Existieren noch Reste der Grotte?

„Daß die Grotte eine doppelte Wandung hatte, ist seitdem, und zwar durch den jetzigen Besitzer, der den Bau öffnete, um sich von seiner Konstruktion zu überzeugen, über jeden Zweifel hinaus erwiesen worden. Die Lasursteine existieren noch, ebenso der Akazienhügel. Dennoch gibt es Personen, die den ganzen Schatz Marquardter Volkssage einfach für Fabel erklären. Ich kann diesen Personen nicht beistimmen. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß Bischoffwerder ein Rosenkreuzer war, …“

Die Geistergrotte, wie sie manche Dorfbewohner des heutigen Marquardt nennen, könnte einer der Höhepunkte  des Fontane Jubiläums werden. Über eine archäologische Suchgrabung wurde  mehrmals gesprochen. Doch still ruht der „Schlänitz“ See bei unserem Besuch im Juli 2018. Auch weisen keine Schilder auf die Sehenswürdigkeiten im Park hin. „Denkbar wäre ja eine Fontaneroute, ähnlich wie im Schlosspark von Plaue“, meint Schlossverwalter Schulze. Denn die nächsten authentischen „Fontaneorte“ sind nicht weit: Fährhaus Uetz und Schloss Paretz. Auch dem benachbarten Falkenrehde widmete Fontane einen Abschnitt   in seinen „Wanderungen“. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die Orte aneinander, die der wandernde Schriftsteller ein- oder mehrmals besuchte.

Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze Foto: Weirauch
Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze, Foto: Weirauch

Gern führt Christian Schulze durch die Räume des Schlosses, das zu Fontanes Zeiten ein einfaches Gutshaus war, und zeigt die restauratorischen Veränderungen der letzten Jahre. Ein Großteil der historischen Innenräume wurde mittlerweile aufwändig saniert, die Schwamm- und Feuchtigkeitsschäden sind beseitigt. Selbst feinste Holzvertäfelungen erstrahlen wieder wie neu.

Das Schloss selbst kann für Hochzeiten, Veranstaltungen und Buchlesungen gemietet werden. „Vielleicht ist die eine oder andere Lesung im kommenden Jahr darunter.“ Zahlreiche Bücher zu Fontane sind von Verlagen angekündigt.

Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch
Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

Fontaneforscher aus aller Welt besuchen immer wieder den heutigen Ortsteil von Potsdam. So waren unlängst Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen, zusammen mit Robert Rauh, Verfasser des Buches „Fontanes 5 Schlösser“ (bebra-Verlag), zu Gast in Marquardt.

Ein authentischer Ort

Dr. Radecke, an deren Forschungstelle die Tagebücher Fontanes digitalisiert werden (auch eine Buchausgabe ist geplant), brachte die im Notizbuch A 15, Blatt 70r, bislang noch nicht veröffentlichte Skizze Fontanes  (der Wanderer soll den Ort dreimal besucht haben) zum Standort und möglichen Aussehen der Blauen Grotte mit. So soll es in der Grotte einen Kronleuchter gegeben haben. Dr. Radecke: „Bei seinem Besuch 1869 hatte fontane nurn och Überreste der Grotte gesehen. Wann die Grotte abgetragen wurde, ist nicht bekannt.”  Sie kündigte weitere Recherchen,auch zu Fontanes Notizbuchaufzeichnung, an. Übrigens ist die Grotte auf dem von Peter Joseph Lenné 1823 gezeichneten Parkplan vermerkt.

Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen
Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen

Die renommierte Fontane-Expertin plädierte auch für eine archäologische Suchgrabung. Nur scheinen dafür keine Mittel vorhanden zu sein. Vergaß hier jemand die Beantragung von Fördermitteln, die es für andere Fontaneorte im Land gibt? Sicher wird die Stadtverwaltung Potsdam zum Thema Fontane – Jubiläum  ein eigenes Programm auflegen. Im Ort Marquardt jedenfalls scheint, im Gegensatz zu anderen Fontaneorten Brandenburgs, noch kein „Fontanefieber“ ausgebrochen zu sein. Mal abgesehen vom jährlichen Fontanelauf und den Initiativen Einzelner.

Fontanegerichte auf Teller

“Ein weites Feld” … hätte wohl Theodor Fontane geschrieben. Dabei kann es wirklich einfach sein.

Landgasthof "Zum Alten Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch
Landgasthof “Zum Alten Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Vielleicht gibt es ja im Jahr 2019 im Landgasthof „Zum Alten Krug“ einige zu Fontanes Zeit zubereitete Gerichte. Beispielsweise ein “Fontane – Menü” mit einer damals gern zubereiteten “Märkischen Petersiliensuppe” oder “Preußischen Biersuppe”. Als Hauptspeise könnte ein Märkisches Bauernkotelett auf Kartoffelpuffer gereicht werden. Als Dessert runden dann Buchweizenplinsen oder eine Birnensuppe mit Gries das Fontane-Menü ab. Noch ist etwas Zeit, doch die Köchin im Landgasthof “Zum Alten Krug” ist schon am Entwickeln eines Fontane-Menüs.

Witwe Bischoffwerder

Eine feste Konstante in Fontanes Jubeljahr ist Ramona Kleber, die gegenüber vom „Zum Alten Krug“ das Cafe „Lavendelhof“ betreibt. So sie Zeit hat, bringt die Stadtführerin als „Witwe Bischoffwerder“ den Gästen im historischen Kostüm die Geschichte von Schloss und Park näher. Sie wandelt dann auch den Spuren der sogenannten „weißen Witwe“ auf dem ihrem Anwesen gegenüberliegenden Kirchhof und im Schloss.

Grabkreuz hinter der Dorfkirche des Potsdamer Ortsteiles Marquardt Foto: D.Weirauch
Grabkreuz hinter der Dorfkirche Marquardt, Foto: Weirauch

An der Kirche beginnen meist ihre Führungen durch Park und Schloss. Hinter der Dorfkirche steht ein eisernes Grabkreuz mit dem Namen Wilhelm Hans Rudolph Ferdinand Bischoffwerder. Auf der Rückseite: „Der letzte seines Namens“. Besagter ist der Sohn der Witwe Wilhelmine Catherine von Bischoffwerder.

Die Witwe gehört übrigens zu den Schlossgeistern, die im Haus immer wieder mal spuken sollen, so Christian Schulze. Der andere Geist ist ein französischer Unteroffizier, ein Sergeant, der ebenfalls gelegentlich durch das Haus geistern soll. Im Schloss waren während der napoleonischen Belagerung Preußens Soldaten einquartiert. Einer von ihnen soll zuviel des guten Weines getrunken und sich laut Fontane im Weinkeller verirrt haben und gestorben sein. Auch der Keller kann besichtigt werden.

Treffpunkt für Fontanefreunde

Der kleine Ort  Marquardt, seit 2003 zur Landeshauptstadt Potsdam zugehörig, könnte 2019 durchaus im Reigen der „Fontane – Erinnerungen“ ein Anziehungspunkt sein. Vielleicht auch mit einer „Apfelkuchen – Station“ (die Fontane zwar in Wittenberg besuchte und die in seinem Roman „Stechlin“ Eingang fand). Raum für Ideen gibt es viele. Sicher haben ortsansässige Gewerbetreibende, wie das Obstgut Marquardt, schon ihre Fontane – Pfeile im Köcher.

Thomas Justin, der auskunftsfreudige Betreiber des Kleinen Marktes in Marquardt (im Bermudadreieck zwischen Dorfkirche, Lavendelhof und Landgasthof „Zum Alten Krug“) gelegen, verkauft u.a. bereits historische Postkarten von Schloss und Park sowie das vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V. herausgegebene Heft über das Marquardter Schloss.

Bevor wir den kleinen Dorfladen, den es seit 20 Jahren gibt, verlassen, sagt Herr Justin: „Herr Dr. Grittner, Ortschronist von Marquardt, bereitet auch eine Broschüre zu Fontane vor.“ Wolfgang Grittner bietet, wie Ramona Kleber, ebenfalls Führungen durch den Park an. Zudem verfasste er einige Aufsätze und Broschüren zur Ortsgeschichte. Das Heft zu Marquardt ist gegen eine Spende beim Freundeskreis erhältlich. Adresse: Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V., Voßstr. 22, 10117 Berlin E-Mail: freundeskreis@deutsche-gesellschaft-ev.de.

Fazit: Leider konnten wir kein koordiniertes Vorgehen zu Fontane 200 in Marquardt erkennen, anders beispielsweise im benachbarten Paretz, wo bereits jetzt Interessenten detailliert über sämtliche Veranstaltungen in 2019 informiert werden. Auch in Uetz, einem wie Marquardt authentischen Fontaneort, arbeiten Einwohner zusammen mit Henry Sawade (Fährhaus) an einem Fontaneprojekt.

Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam Foto: Weirauch
Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam, Foto: Weirauch

Informationen zu Marquardt

Schlossverwaltung

  • Schloss Marquardt
  • Hauptstraße 14, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Schloss-Manager Christian Schulze
  • Tel.  033208 57338 (nicht ständig erreichbar)
  • Mobil: 0173 4246053
  • E-Mail: info@schloss-marquardt.com
  • Homepage hier

Essen und Trinken:

Zum Alten Krug Marquardt

  • Michael Schulze
  • Hauptstraße 2, 14476 Potsdam
  • Telefon: 033208 572 33, 0162 1776175
  • Homepage hier
  • E-Mail: alterkrug-marquardt@t-online.de
  • Blick in die Gaststube des Landgasthauses "Alter Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto; D.Weirauch
    Blick in die Gaststube des Landgasthauses “Alter Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Lavendelhof Marquardt

  • Ramona Kleber und Holger Naumann
  • Ramona Kleber führt als Witwe Bischoffwerder durch den Park
  • Hauptstr. 3, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Tel. 033208 22187
  • Homepage hier
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann

KLEINER MARKT Getränkequelle

  • Thomas Justin
  • Hauptstraße 4, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Telefon: 033208 50680

Marquardter Heimatverein (in der Kulturscheune)

Besichtigung Dorfkirche

  • Schlüssel bei Familie Dr. Grittner im Park 1,
  • Tel.: 033208 57279
  • In Marquardt ist die Dorfkirche im Sommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch
    In Marquardt ist die Dorfkirche im Dommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch

Erreichbarkeit:

Zug: RB 21 (in der Woche stündlich, Wochenende alle zwei Stunden) und Bus 614 und 650 (ab Potsdam- Hbf)

Weiterführende Informationen zu Theodor Fontane:

Die Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt. Sie entsteht an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen und an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Aufgrund ihrer komplexen Beschaffenheit galten Fontanes 67 Notizbücher bislang als nicht edierbar. Das Zusammenwirken philologischer und digitaler Methoden sowie die Arbeit in der Virtuellen Forschungsumgebung TextGrid ermöglicht nun die erste kommentierte Gesamtedition.

  • Theodor – Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen
  • Seminar für Deutsche Philologie, Dr. Gabriele Radecke
  • Käte-Hamburger-Weg 3
  • D-37073 Göttingen
  • Tel.: +49 (0)551 – 39 10854
  • E-Mail: fontane-notizbuecher@uni-goettingen.de
  • Homepage hier

Kulturland Brandenburg mit dem Projekt fontane 200

Fachhochschule Potsdam mit einer sehenswerten Schau “Warum eigentlich Fontane ?”

Fontanes 5 Schlösser von Robert Rauh, erschienen im bebra-Verlag. Der be.bra-Verlag kündigt bereits „Fontane und die Frauen“ aus der Feder von Robert Rauh an.

lesenswerter Blog Wanderungen zu Fontane

Theodor-Fontane- Archiv an der Universität Potsdam

Theodor–Fontane-Gesellschaft in Neuruppin

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

BücherFontanePotsdam

Briefwechsel zwischen Fontane und Storm

Storm

Theodor Storm hatte 2017 seinen 200. Geburtstag. Dieser wurde kaum beachtet. Fontanes jubiläum iost 2019 – mit viel Würdigung bereits im Vorfeld.  Um so wichtiger erscheint uns der vorliegende Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Theodor Storm (Erich Schmidt Verlag, Mai 2018).  Dieser zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller-Briefwechseln des 19. Jahrhunderts. Dieser gilt als eine wichtige Quelle für die Beschäftigung mit den beiden Autoren. Der von Dr. Gabriele Radecke (sie ist Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen  und Mitherausgeberin der Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe) herausgegebene Band wird in einer textkritischen, nach neuen editorischen Standards erarbeiteten und umfangreich kommentierten Edition erstmals als Sonderausgabe im Taschenbuch vorgelegt.

Die 104 Briefe, die zwischen Dezember 1852 und Oktober 1887 geschrieben wurden, informieren nicht nur über die existentiellen Sorgen beider Schriftsteller. Sie berühren auch zentrale literarische und politische Themenbereiche und geben Einblicke in das gesellschaftliche und kulturelle Leben um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Potsdam kommt ebenfalls darin vor. Zwei der drei wohnungen der Familie Storm sind noch erhalten. Ein Haus wurde 1986 gegen große Proteste der Bürger abgerissen.

Storm und Potsdam

Gabriele Radecke: „Theodor Storm, der 2017 seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte, verbrachte vier wenig glückliche Jahre in Potsdam.“ Gegenüber Theodor Fontane, so ist im Briefwechsel zu lesen, beklagte sich Storm über eine permanente Überforderung durch zahlreiche Bagatellprozesse und das kaum zu bewältigende Aktenpensum. Radecke: „Es gab zudem große finanzielle Sorgen, weil Storm im ersten Jahr kein Gehalt bezog und die Familie auf Unterstützung der Eltern angewiesen war.“

Für die vorliegende Edition werden zum ersten Mal die erschlossenen Briefe und Briefbeilagen systematisch ermittelt. Durch dieses Verfahren werden die bisherigen Behauptungen hinsichtlich des Beginns und der Dichte der Korrespondenz sowie über Storms Lektüre, insbesondere von Theodor Fontanes Werken, korrigiert und neue Impulse für die Forschung gegeben.

Die Briefe werden ergänzt durch die Rezensionen und Essays von Storm und Fontane, die hier zum Teil erstmals nach dem Erstdruck oder nach der Handschrift ediert sind, wie etwa Fontanes „Erinnerungen an Theodor Storm“.

Für den Stellenkommentar, der biographische, literarische, kulturhistorische und geschichtliche Informationen enthält, sind neben der Forschungsliteratur auch unveröffentlichte Archivalien aus Storms und Fontanes Nachlass genutzt worden, die die subjektiven Aussagen der Briefe relativieren und kontextualisieren. Hervorhebenswert: Erläuternde Personen-, Periodika- und Werkregister schließen den Band ab. (2017-12-21)

Hier beschreibt Gabriele Radecke für Literaturport den Aufenthalt von Theodor Storm in Potsdam.

Informationen zum Buch

  • Theodor Storm – Theodor Fontane Der Briefwechsel: Historisch-kritische und kommentierte Ausgabe Taschenbuch –
  • von Dr. Gabriele Radecke (Herausgeber)
  • Verlag: Erich Schmidt Verlag GmbH & Co)
  • EUR 29,95
1 Stunde wegFontanePotsdam

365 Tage bis zum Start von “fontane.200”

Fontane - 2018 (4)

Theodor Fontanes 200. Geburtstag wirft seine Schatten voraus. Wir werden hier ueber verschiedene Aspekte zum Leben und Werk des beruehmten Autors berichten. In einem Jahr, am 30.03.2019, wird das Fontanejahr 2019 offiziell in der Neuruppiner Kulturkirche und mit dem Beginn der Leitausstellung fontane.200/Autor im Museum von Neuruppin eröffnet. Für Ungeduldige bieten bereits die naechsten Monate einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Feierlichkeiten. Darueber informiert Kulturland Brandenburg in einer Pressemitteilung.

Hier einige Hoehepunkte: So kuendigen die Fontane-Festspiele in Neuruppin vom 19. bis 20. Mai 2018 die Vielfalt des Fontanejahres an. Jürgen Kuttners Uraufführung der Fontane-Video-Schnipsel-Show, Frank Matthus Vorschau auf sein opulentes Theaterprojekt 2019, das Fontane-Lyrik-Projekt No.5 sowie das Europäische Festival der Reiseliteratur »Neben der Spur« gehören zum Programm der Festspiele.

365 Tage bis zum Start von “fontane.200”

Eine weitere Aussicht auf das Jubiläumsjahr geben Veranstaltungen zu den Wanderungen auf Fontanes Spuren, beispielsweise im Spreewald und in Paretz, ab Herbst 2018. Im Schloss Paretz gibt es eine musikalische Lesung zum 199. Geburtstag des Autors, gefolgt wird ihm nach Schottland und durch sein Werk.  Das Spreewald-Museum in Lübbenau stellt ab November 2018 in einer Ausstellung den Berliner Maler und Grafiker Manfred Pietsch als Chronisten der Mark Brandenburg vor. Zur Weihnachtszeit erfahren die Besucher*innen des Schlosses Lübben bei einer Lesung alles über »Weihnachten im Hause Fontane«.

Ausführliche Informationen zum Programm in 2018 und im Fontanejahr 2019 befinden sich auf den Webseiten www.fontane-200.de und www.fontane-festspiele.com. Die Vorbereitungen des Fontanejahres können über die Social-Media Kanäle facebook.com/fontane200 und twitter.com/fontane200 verfolgt werden.

In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch
In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 von Neuruppin wurde Fontane geboren Foto: Weirauch

Veranstaltungen 2018

Fontane-Festspiele 2018 »Absolut fontastisch«

  1. und 20. Mai 2018, Fontanestadt Neuruppin

Führungen zu Fontane

  1. September 2018 und 29. Oktober 2018, jeweils um 16 Uhr, Paretz

Pietsch trifft Fontane. Malerei und Literatur. (Ausstellung)

  1. November 2018 bis 24. März 2019, Spreewald Museum Lübbenau

Weihnachten im Hause Fontane (Lesung)

  1. Dezember 2018, Schloss Lübben (Spreewald)

Schloss Luebben im Spreewald Foto: Weirauch

Musikalische Lesung Nr. 1

  1. Dezember 2018, 15 Uhr, im Schloss Paretz
  2. Schloss Paretz im Havelland, Foto: Weirauch
    Schloss Paretz im Havelland, Foto: Weirauch

Wanderungen auf Fontanes Spuren

  1. Dezember 2018, 14 bis 16 Uhr, Burg (Spreewald)

Unter dem Titel »fontane.200« feiert Brandenburg vom 30. März bis zu Fontanes Geburtstag am 30. Dezember 2019 den 200. Geburtstag des großen Autors in Kooperation mit zahlreichen Programmpartnern und einem breitgefächerten Veranstaltungsprogramm im ganzen Land und darüber hinaus.

Die Aktivitäten der Fontanestadt Neuruppin bilden einen zentralen Ausgangspunkt der Festivität zu »fontane.200«. Ein umfangreiches Rahmenprogramm, die Leitausstellung »fontane.200/Autor« im Museum Neuruppin, die Fontane Festspiele und interaktive Jugendprojekten sind die Highlights der Stadt.

Kulturland Brandenburg präsentiert 2019 das Themenjahr ebenfalls mit rund 40 Partnerprojekten unter dem Titel »fontane.200/Spuren«: Im gesamten Bundesland finden Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater, Tanz, Film und zeitgenössische Kunst sowie kulturtouristische Angebote statt. Die Ausstellung »fontane.200/Brandenburg – Bilder und Geschichten« des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam folgt dem Entdeckungsreisenden Fontane: Wie bereitete Fontane sich auf seine Fahrten vor, wie reiste er?

Wer waren seine Informanten und Begleiter? Zum wissenschaftlichen Höhepunkt von fontane.200 lädt das Theodor-Fontane-Archiv ein. Der mehrtägige internationale Kongress zum Thema »Fontanes Medien (1819–2019)« setzt sich mit der Bedeutung der Medien für Theodor Fontanes Werk und die Historizität wie Aktualität des Schriftstellers und Medienarbeiters Fontane auseinander. Mit dabei auch die  Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen 

fontane.200 wird konzipiert und koordiniert durch das fontane.200/Büro. Eine Kooperation der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH mit der Universität Potsdam.

Hier bereits einige Beiträge auf einfachraus.eu zu theodor fontane:

+ Ribbeck im Havelland

+ Neuruppin

+ Berlin

+ /Erik Lohrenz und Robert Rauh “Fünf Schlösser

 

1 Stunde wegFontane

Fontanes Fünf Schlösser

Fontane als Kunststoff - Figur, geschaffen von Ottmar Hörl Foto: WeirauchFontane als Kunststoff - Figur, geschaffen von Ottmar Hörl Foto: Weirauch

Natürlich ist es eine Art Fortsetzung zu den “Wanderungen”, aber doch etwas anders, und will seinen eigenen Weg gehn. Theodor Fontane, 1888

Im Vorfeld des Jubiläums 200 Jahre Theodor Fontane im kommenden Jahr erscheinen bereits erste Bücher und neue Ausgaben der Werke des berühmten märkischenWanderers. Kaum jemand wird all diese Bände lesen können. Aber ein Buch will ich besonders hervorheben, das wir mittlerweile als ständigen Reisebegleiter im Gepäck haben. Es ist der Band von Erik Lorenz und Robert Rauh:  “Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg”, erschienen im  be.bra Verlag.

Im Vorwort schreiben die Autoren: “Fontane ist Kult. Wo der Dichter in Brandenburg einst Station machte, wird er heute stolz zitiert: in Ortschroniken, Reiseführern, Hotelprospekten und auf diversen Internetportalen. Die Begeisterung und Bewunderung der Brandenburger und ihrer Besucher für die Wanderungen durch die Mark Brandenburg resultiert aus der Gabe Fontanes, Geschichte in Geschichten zu erzählen. Mit seinem Buch Fünf Schlösser, erschienen 1889, hat er den Schloss – Orten Liebenberg, Hoppenrade, Plaue an der Havel, Quitzöbel und Dreilinden ein literaturhistorisches Denkmal gesetzt.”

Und weiter : “Wenn wir aber mit den Fans des Dichters sprechen, erfahren wir: Die wenigsten habe die Wanderungen vollständig gelesen, vom Band Fünf Schlösser ganz zu schweigen. So ist auch kaum bekannt, dass die Schlösser gar nicht im Mittelpunkt des Buches stehen. Sie sind “nur” der topografische Zugriff für Fontanes alte und neue Geschichte(n) der Mark Brandenburg, die er anhand der Adelsfamilien erzählt, die in den Herrensitzen residierten. Diesem Zugang folgt auch die Auswahl der fünf Schlösser. Die Geschichten ihrer Besitzer sind die Marksteine für eine genau durch fünf Jahrhunderte hin fortlaufende Geschichte Brandenburgs, die mit der berühmten Quitzowfamilie im 14. Jahrhundert beginnt und mit dem Tod des preußischen Prinzen Friedrich Karl des legendären “Roten Prinzen”, im Jahr 1885 schließt.”

130 Jahre später möchten beide Autoren die Leser zu einer Spurensuche in die Geschichte und Gegenwart von Fontanes fünf Schlössern ein. Sie  erzählen, was Fontane damals gesehen hat, und beschreiben, was heute zu entdecken ist. Natürlich haben sie es um vieles leichter als der Dichter im 19. Jahhundert. Fontane reiste mit Kutsche und Karte, die heutigen Autoren mit Auto und Navi. Sie schreiben zu den Arbeitsunterschieden: “Er notierte alles im Notizbuch, wir im Laptop. Er zeichnete mit Bleistift Gebäude und Grundrisse, wir fotografieren mit dem Smartphone. Er musste in Bibliotheken und Familienarchiven lange nach Papieren suchen, wir recherchieren mit modernen Suchmaschinen in den Landesarchiven. Und wir sind zu zweit. Geblieben ist das Prozedere der Anfrage bei den Eigentümern. Wie Fontane hoffen wir, dass man uns ein Gespräch und Einlass ins Schloss gewährt. Wir haben Glück. Die Schlossbesitzer zeigen nicht nur Interesse, sondern öffnen ihre Türen und gestatten uns exklusive Einblicke.”

Was aus den Schlössern wurde

Man fühlt sich mitgenommen bei der Spurensuche von Erik Lorenz und Robert Rau. Es liest sich spannend, was sie berichten. “Auf unserer Entdeckungsreise werden wir Zeuge der Güte und der Grausamkeit der Zeit, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Fontanes Schlössern umgegangen ist, sich manchen gnädig gezeigt und andere in unterschiedlichen Stadien des Verfalls zurückgelassen hatte. Schloss Hoppenrade gleicht mit seinem gepflegten, in Stille liegenden Landschaftspark noch immer einem verwunschenen Schlosse, das nichts von seinem Zauber verloren hat. Schloss Liebenberg, durch dessen Gänge jedes Jahr die Schritte tausender Gäste hallen, steht heute mehr denn je in Blüte und verbindet als Hotel und Tagungsort Kulturviertheit mit Gemütlichkeit.

Tapfer dem nagenden Zahn der Zeit entgegenstellt sich das an der Havel thronende Schloss Plaue, das anstelle seiner ursprünglichen Perfektion nun von einer ganz anderen, morbiden Eleganz erfüllt ist. Das verfallende Schloss Quitzöbel, einst Rückzugsort gefürchteter Raubritter, scheint wie ein alter, zahnloser Tiger in einer Geschwindigkeit dreht und sich nicht dafür interessiert, welche Geheimnisse sich hinter bröckelnden, von Dickicht beinahe verhüllten Gemäuern verbergen mögen. Vom Schloss Dreilinden schließlich bleiben nichts als der Name, die Erinnerung und ein paar Hinweise vor Ort auf eine faszinierende Vergangenheit mit einem Märchenprinzen, der in seinem Jagdhaus illustre Tafelrunden zu zelebrieren verstand.”

Schloss Hoppenrade

Rau: “Das Haus hat eine zauberhafte Leichtigkeit, es wirkt heiter und einladend. Wie ein märkisches Märchenschloss. Heute gehört das Schloss Donata und Julian von Hardenberg. Das junge Ehepaar hat das Anwesen 2012 gekauft und es durch eine erneute umfassende Sanierung in neuem Glanz erstrahlen lassen. Inzwischen haben sie ihren Wohnsitz in Berlin aufgegeben und sind ganz nach Hoppenrade gezogen.”

Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch
Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch

Liebenberg – Das mondäne Schloss

Auch Schloss liebenberg im Landkreis Oberhavel hat  engagierte Investoren gefunden. Nach langem Hin- und Her setzte die DKB das Anwesen instand, verschönerte es und betreibt darin ein Schulungszentrum sowie Hotel. Berühmt sind mittlerweile die Weihnachtsmärkte auf dem Areal. “Theodor Fontane, der 1880 hier war, hat nur das ursprüngliche Schlossgebäude, das Inspektorenhaus und die Kirche ohne Turm gesehen. Denn das vor einigen Jahren wieder rekonstruierte Schlossensemble wurde erst um 1900 vom berühmtesten Schlossherrn, Philipp Graf zu Eulenburg, vollendet. Heute gehören Schloss und Gut Liebenberg einer Stiftung der Deutschen Kreditbank (DKB).”  In den “modern und ordentlich”, aber auch “ein wenig karg” eingerichteten   Zimmern trösten “nette Details” darüber hinweg. Wie z. B.  “Leseecken”, die  laut Rauh überall im Schlosshotel zu finden sind, und auf ein Anliegen der DKB Stiftung hinweisen: “in Liebenberg Bildung und Kultur zu fördern. Sie sind inspiriert von der einstmals fast 12.000 Bände umfassenden Schlossbibliothek, die schon Fontane bewunderte und der er in Fünf Schlösser einen Absatz widmete.”

Schloss Liebenberg foto: Weirauch
Schloss Liebenberg Foto: Weirauch

Plaue: Das morbide Schloss

“Wer sich mit dem einstigen Adelssitz beschäftigt, kommt an Fontane natürlich nicht vorbei”, aber auch an Udo Geiseler nicht. Der “Schlossexperte” forschte jahrzehntelang zur die Geschichte von Schloss Plaue und anderer märkischer Adelssitze. Schloss Plaue ist ein “Stück Identität” für ihn, der es bereits in Kindheitstagen erkundet hat. Seit 2001 ist er als Lehrer in Plaue tätig und weckt bei seinen Schülern Interesse, sich auf historische Spurensuche in ihrer Umgebung zu begeben, eingeschlossen sind Archivbesuche. War das Schloss zu Geiselers Kindheitstagen (1970er Jahre) weitestgehend abgeriegelt, so kann die Öffentlichkeit heute die “Magie des Schlosses” bei gelegentlichen Rundgängen erkunden.

Waehrend einer Kulturland - Ausstellung Foto: Weirauch
Waehrend einer Kulturland – Ausstellung Foto: Weirauch

Lorenz und Rauh interviewen ausführlich Andreas Keuchel, den  Chef der Schloss Plaue GmbH, der das Schloss Schritt für Schritt behutsam aufbaut. Rauh: “Der Ausbau wird stufenweise erfolgen”, sagt er [Andreas Keuchel] mit einem Gleichmut, den wir im Angesicht der riesigen Baustelle nur bewundern können, und fährt sich mit der rechten Hand durch die langen schneeweißen Haare.” Als Magie des Schlosses führt Keuchel den “außergewöhnlichen Standort” an. Er befindet sich direkt an der Havel und am Plauer See. Die Lage am Wasser sichert Plaue auch ein Alleinstellungsmerkmal unter Fontanes fünf Schlössern. Zur Magie gehört für Keuchel auch die Atmosphäre auf den Schlossfesten: “Wenn der nach Westen ausgerichtete Innenhof von der untergehenden Sonne aufgewärmt wird, bleiben die Menschen einfach sitzen – und verweilen dann oft bis in die Nacht am Feuer.” Rauh: “Im Hinblick auf die Instandsetzung ist der Kreis noch lange nicht geschlossen – vielleicht wird er das nie ganz sein.” Keuchel findet das “gut, dass nicht alles fertig ist. Ich bin ja auch im Leben nie fertig.”

Fazit der Autoren, denen ich mich nur anschließen kann: “Die fünf Schlösser sind eine Parabel für die Vergänglichkeit der Dinge – eine Parabel ohne Melancholie, denn die Orte, die wir besuchen, haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft verloren. Mit ihrer spannungsreichen Geschichte faszinieren sie auch heute noch – durch morbiden Charme oder neuen Glanz.”

Wir freuen uns schon auf die neuen Bücher der Autoren. Der be.bra-Verlag kündigt bereits “Fontane und die Frauen” aus der Feder von Robert Rauh an.

Infos zum Buch

Erik Lorenz, Robert Rauh, Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg. be.bra Verlag GmbH, 2017.

Die Autoren

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und ist Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2015 erschien sein Sachbuch „Schule, setzen, sechs“, in dem er seine pädagogischen Erfahrungen und schulpolitischen Forderungen darlegte. Seit 2011 moderiert Rauh im Schloss Schönhausen eine Veranstaltungsreihe mit Prominenten aus Kultur und Politik.

Robert Rauh betreibt die Webseite: https://fontanes-wanderungen.de/

Erik Lorenz, geboren 1988 in Berlin, ist Autor zahlreicher Reisebücher und Herausgeber der Länderreihe „Wie wir es sehen“. Außerdem verfasste er Biografien der Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich und des Lakota-Häuptlings Sitting Bull. Zuletzt veröffentlichte er Reisebücher über Laos, Kambodscha und Hongkong.

Hier unser Beitrag zum Grab von Theodor Fontane auf dem Friedhof der Französisch – Reformierten Kirche in Berlin.

1 Stunde wegFontaneReise

Eine Spurensuche: Familie Fontane

Das Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: WeirauchDas Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: Weirauch

2019 feiert Neuruppin den 200. Geburtstag des märkischen Dichters, dessen Namen seit 1998 offizieller Bestandteil ihres Namens ist: Theodor-Fontande-Stadt Neuruppin. Anlass für uns, auf Spurensuche der Familie Fontane in der über Brandenburg hinaus bekannten Stadt zu gehen. Eine Spurensuche: Familie Fontane

Rheinsberger Bahnhof in Neuruppin: Touristinfo, Foto: Weirauch
Ausgangspunkt der Stadtwanderung zu Fontanes family: Rheinsberger Tor in Neuruppin: Touristinfo, Foto: Weirauch

Unsere Spurensuche beginnt am Rheinsberger Tor (RE6 führt hierher). Wir versuchen in der Touristeninformation nähere Informationen zu erhalten. Triste Schaufenster, in denen noch nichts auf das anstehende Jubiläum aufmerksam macht, sind nicht sehr einladend für einen Stadtbummel. Unsere Nachfrage zur Fontane-Erinnerungsstätte bzw. den Familiengräbern lockt auch keine Begeisterung bei den Mitarbeitern hervor. Aber wenigstens erhalten wir den Hinweis, dass man die Stätte des Alten Friedhofes “gleich um die Ecke links” findet. Dazu gibt es einen Flyer, auf dem der Alte Friedhof verzeichnet ist.

Auf dem Weg zum Alten Friedhof in Neuruppin, links hinter der Touriinfo.. Foto: Weirauch
Auf dem Weg zum Alten Friedhof in Neuruppin, der Weg beginnt links hinter der Touriinfo.. Foto: Weirauch

Scheinbar ist es gar nicht weit, wir freuen uns, halten uns links, denken, da wird uns ja ein Hinweis-Schild hinführen. Wir fragen zum Bahnhof Eilende, ob sie uns einen Tipp geben können, aber die Erinnerungsstätte scheint aus dem Bewusstsein vieler zu sein.

Wo ist denn nun der alte Friedhof ?

Also folgen wir einem kleinen Pfad am Bahnhofszaun entlang, der nicht etwa durch eine Beschilderung auffällt, sondern durch viel Schmutz und Unrat. Wir sind uns unsicher, ob wir hier noch richtig sind, aber rund 50 Meter weiter lenken zwei große Rest-Säulen eines ursprünglichen Eingangstores unsere Blicke auf sich. Wir sind angekommen, hier befand sich einst der alte Friedhof von Neuruppin, auf dem Fontanes Mutter Emilie 1869 und seine Schwester Elise 1923 ihre letzten Ruhestätten fanden. Als der verwilderte Friedhof um 1970 von Müll und Bewuchs befreit wurde,  bebaute man Teile des Geländes mit einem Kindergarten. Auf einem kleinen Rest entstand die kleine Erinnerungsstätte für Neuruppiner Persönlichkeiten. Um den Grabstein für Fontanes Mutter und Schwester sind kreisförmig Erinnerungsplatten für bekannte Neuruppiner Bürger aufgestellt. So auch für Max Wiese, der uns später noch am Theodor-Fontane-Denkmal begegnen wird.

Relikt des Alten Friedhofs in Neuruppin mit dem Grab von Theodor Fontanes Mutter und Schwester, Foto: Weirauch
Relikt des Alten Friedhofs in Neuruppin mit dem Grab von Theodor Fontanes Mutter und Schwester, Foto: Weirauch

So eingestimmt, wandern wir wieder am Bahnhof vorbei die Karl-Marx-Straße hinunter, vorbei an dem Haus Nr. 7, in dem Fontanes Mutter mit ihrer Tochter Elise ihre letzten Lebensjahre verbrachte und 1869 verstarb. Wir sehen linkerhand die Löwen-Apotheke (Karl-Marx-Straße 84), die Ostern 1819 von Fontanes Eltern, Louis Henry und Emilie, bezogen wurde.

Am 30. Dezember 1819 erblickte hier Theodor Fontane das Licht der Welt, dessen 200. Geburtstag im nächsten Jahr im ganzen Land Brandenburg und darüber hinaus gefeiert werden soll. Fontane.200 lautet die Kampagne. Die Löwenapotheke wirbt mit Almased im Schaufenster – das hätte Theodor Fontane wohl nicht nötig gehabt – dank seiner vielen Wanderungen war er immer in Bewegung. Aber vielleicht schafft man es bis zum Jubliläum, im Schaufenster für ein Fontane-Fitness-Programm zu werben, einen Fontane-Marathon gibt es ja schon … Fontane-Radwege sowieso.

Fontane – Buchhandlung

Gleich nebenan in der Buchhandlung, die den Namen des Dichters trägt, zieht es uns hinein. Durch das Schaufenster hindurch sind sahen wir Fontane-Literatur, auf die wir ein Blick werfen wollten. Außerdem hofften wir auf Hilfe. Denn wir wollten auch das Grab seines Sohnes Friedrich finden, der einige Romane seines Vaters verlegt hat. Und wir dachten, in der Fontane-Buchhandlung könnte man uns eventuell Hinweise geben. Ein junger Verkäufer gab sich redliche Mühe, aber auch seine Suche im Internet ergab keine Hinweise.

Neugierig wie wir sind, wollten wir dann vom Chef der Buchhandlung wissen, wie viele Titel von Fontane er im Angebot habe. Unsere Frage nervte ihn scheinbar, und so bekamen wir mit dem typischen brandenburgischen Humor zur Antwort: “Zwei Regale voll.”

Zwei Regale voller Fontaneliteratur in der Fontane-Buchhandlung in Neuruppin. Foto: Weirauch
Zwei Regale voller Fontaneliteratur in der Fontane-Buchhandlung in Neuruppin. Foto: Weirauch

Wir ließenuns die Freude nicht nehmen und kauften die kleine wunderbare 2017 im Reclam-Verlag erschienen Ausgabe: “Fontane zum Vergnügen”. Das schien uns in diesem Moment sehr passend.

Vorbei am Schulplatz, von Ostern 1832 bis September 1833 besuchte Theodor Fontane hier das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium – nach eigenen Angaben soll er ein mittelmäßiger Schüler gewesen sein, gelangen wir zum Fontaneplatz.

Von Oktober 1832 bis September 1833 besuchte Theodor Fontane das Neuruppiner Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Foto : Weirauch
Von Oktober 1832 bis September 1833 besuchte Theodor Fontane das Neuruppiner Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Foto: Weirauch

Bei herrlichem Sonnenschein lächelt Theodor Fontane auf uns hinunter oder schaut er an uns vorbei “ins weite Feld”? Auf jeden Fall begrüßen wir ihn, streicheln ehrfurchtsvoll seinen Schuh, fühlen uns so mit ihm einen Moment sehr verbunden.

Dass Fontane heute die vielen Gäste und Einwohner der Stadt so freundlich begrüßt, verdanken wir dem Neuruppiner Bürgersinn, der ihm bald nach seinem Tod 1898 ein Denkmal setzen wollte. Diesen Auftrag übertrug man dem Bildhauer Max Wiese, der diesen zusammen mit den Söhnen des Dichters, Theodor und Friedrich Fontane, sowie seiner Schwester, Elise Weber-Fontane, ausführte. Den Bronzeguss ließ man in der damals schon berühmten Kunstgießerei Lauchhammer anfertigen. Seit dem 8. Juni 1907 lädt Fontane die Gäste in seine Geburtsstadt zu einem Besuch ein. Sicher ist das Denkmal das beliebteste Fotomotiv und ging bereits millionenfach durch die Welt.

Doch unsere Spurensuche ist noch nicht beendet. Wir suchen ja noch das Grab seines Sohnes Friedrich, in Neuruppin 1864 geboren und 1941 gestorben.

Wo ist Sohn Friedrich begraben ?

Als Buchhändler und Verleger hat Friedrich Fontane (1904-1926) in dem von ihm 1888 gegründeten Verlag Friedrich & Co. rund  20 Bände seines Vaters herausgegeben . Wir beenden unseren Neuruppin-Spaziergang auf dem Evangelischen Friedhof (Gerhart-Hauptmann-Str.). Würden wir hier einen Hinweis auf der Informationstafel am Haupteingang finden? Natürlich nicht.

Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch
Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch

Also sprechen wir Friedhofsbesucher an, keiner kann uns helfen. So machen wir uns auf den Weg, angesichts der Größe des Friedhofs ist es im wahrsten Sinne “ein weites Feld”. Nur der Zufall als Schnittpunkt von Notwendigkeiten kann uns zuhilfe kommen. Für uns war es notwendig, unseren Ausflug mit einem positiven Erlebnis zu beenden, das unsere Herzen warm werden lässt an diesem frostigen Wintertag. Suchet und ihr werdet finden … Und wir fanden die Grabstätte des jüngsten Dichtersohnes fast in der Nähe des Haupteinganges. Geht man auf die Kapelle zu, liegt es auf der linken Seite im Feld 16. Dank der Fontane-Gesellschaft ist es erhalten geblieben und wird auch gepflegt. Schön wäre es, wenn es auch hier ein Hinweisschild gäbe. Aber bis zum Fontane-Jubiläum ist ja noch etwas Zeit.

Vielleicht entwickelt die Stadt für die Gäste bis dahin auch eine bessere App für einen Fontane-Rundgang – ähnlich wie es sie für den Brandenburger Ortsteil Plaue (Fontane in Plaue) schon gibt. Allerdings kämen die Besucher dann weniger mit den Einwohnern ins Gespräch – und es sind doch die menschlichen Begegnungen, die das Leben so abwechslungsreich machen. Ganz im Sinne von Theodor Fontane.

PS: Ob Theodor Fontane auch Windbeutel gemocht hätte? Wir haben im Café Stoye einem leckeren Windbeutel mit viel Schlagsahne und sauren Kirschen (2,90 Euro) unseren Rundgang Revue passieren lassen und beschlossen, spätestens im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Und nicht zu vergessen, in der Weinhandlung an der Fischbänkestraße gab es einen sehr guten Rotwein mit einem Abbild von Fontane. Das wirft die nächste Frage auf, liebte er Rotwein?

Yvonne Krause, Chefin des Weinhauses am Neuen Markt von Neuruppin mit der Fontane - Edition, Foto: Weirauch
Yvonne Krause, Chefin des Weinhauses am Neuen Markt von Neuruppin mit der Fontane – Edition, Foto: Weirauch

Mehr Infos zu Theodor Fontane gibt es hier bei der Theodor – Fontane-Gesellschaft in Neuruppin. 

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der empfehlenswerten Seite  http://fontanes-wanderungen.de/

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz fulminantes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+ Spurensuche in Wustrau

 

1 Stunde wegFontane

Zum Grab von Theodor Fontane

Fontanegrab2018 (113)

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus. Theodor Fontane wird am 30. Dezember des kommenden Jahres 200 Jahre alt. Der wandernde “märkischste” aller Dichter Brandenburgs wird 2019 noch mehr in aller Munde sein als bisher. Ausstellungen, neue Publikationen, touristische Angebote zu Orten, an denen Fontane gelebt oder die er besucht hat, sowie wissenschaftliche Tagungen  werden die Aufmerksamkeit auf den 1819 in Neuruppin Geborenen lenken. Unlängst wurde die Seite fontane200 freigeschaltet.

Während wir in den letzten Jahren immer wieder mal Fontaneorte besucht haben, u.a. natürlich zu Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, bitten wir diesmal uns zu folgen auf dem Weg zum Grab von Theodor Fontane.

Bei unserer Fontane-Spurensuche fanden wir in unserem Fotoarchiv eine Aufnahme seines Grabes, das wir Anfang der 90er Jahre beim Besuch auf dem Französischen Friedhof in Berlin gemacht hatten. Auch Wikipedia verweist heute noch auf den alten Grabstein. Dieses Foto unterscheidet sich von neueren Abbildungen der Grabstätte, die wir jetzt im Internet fanden.

Unsere Neugierde wurde noch größer, als wir Hinweise auf eine vor einigen Jahren auf dem Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde eingerichtete Gedenkstätte für Theodor Fontane fanden.

Wie kommt man zu Fontanes Grab ?

Doch wo befindet sich dieser Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde genau ? Es gibt zwei Wege. Mit der S 1 bis zum S-Bahnhof Humboldthain, dann nach rechts in die Grenzstraße, dann rechts in die Gartenstraße, an der Humboldthainschule vorbei und dann durch die Gartenstraße unter dem rostigen Brückenkonstrukt der Liesenbrücke hindurch linkerhand in die Liesenstraße. Vorbei am Mauerrest Ecke Liesen-/Gartenstraße gelangten wir zu dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde in der Liesenstraße 7.

Mauerreste an der Liesenstraße Foto: Weirauch
Mauerreste an der Liesenstraße Foto: Weirauch

Er liegt direkt neben dem Friedhof der Berliner Domgemeinde. Ein anderer Weg führt vom Bahnhof Friedrichstraße mit der U-Bahn bis zum U-Bahnhof Schwartzkopfstraße und dann einige hundert Meter die Chausseestraße entlang und rechts in die Liesenstraße. Zu DDR-Zeiten war der Weg über die U-Bahn versperrt, man kam, so Heinz Knobloch, über einen Weg von der Wöhlertstraße aus zu den drei Friedhöfen. Der vierte Friedhof an der Liesenstraße lag damals hinter der Mauer.

Zum Grab von Theodor Fontane

Der Eingang zum Kirchhof der Französisch – Reformierten Gemeinde befindet sich direkt gegenüber dem Haus Nr. 12 in der Liesenstraße. Das Grab ist leicht zu finden. Anders als es der Berliner Feuilletonist Heinz Knobloch bei seinem Besuch noch zu Mauerzeiten erlebte. Wie alle anderen Grabstätten der Friedhöfe konnte auch das Grab Fontanes bis 1989 nur mit Passierschein besichtigt werden.

Ein Schild  “Zum Theodor-Fontane-Grab” führt uns an den Grabstätten des Schriftstellers Peter Hacks (1928-2003), des Malers Arno Mohr (1910-2001) und des Begründers der Stenografie Leopold Alexander Friedrich Arends (1817-1882) zum Familiengrab der Fontanes.

In Sichtnähe befindet sich das Grab des Schriftstellers Peter Hacks Weirauch
In Sichtnähe befindet sich das Grab des Schriftstellers Peter Hacks, Foto: Weirauch

Vorweg ein Hinweis von Bernd Philipp, der 2003 über seinen Besuch am Grab Fontanes  in der Berliner Morgenpost folgendes vermerkte:  “Die Gräber des großen Romanciers aus Neuruppin und seiner Frau lagen auf jenem Teil des Friedhofs, der vom alliierten Bombenhagel zerstört und anschließend umgepflügt wurde. Eine absurde Vorstellung: Der Dichter (1819 – 1898) als spätes Opfer des Zweiten Weltkrieges.” Später dann setzte die Berliner Mauer, die Teile des Friedhofs zerstörte und unbenutzbar machte, dem Areal zu. Spuren sind heute noch sichtbar.

Eiserne Ketten, gehalten von 8 Pfosten, umzäunen zwei schwarz-glänzende Grabsteine mit goldenen Initialen (Theodor Fontane Geb. 30. December 1819, Gest. 20. September 1898 und Emilie Fontane Geb. Rouanet-Kummer, Geb. 14. November 1824, Gest. 18. Februar 1902) und einen mit Efeu bepflanzten Grabhügel.

Die Fontane-Grabstätte, Foto: Weirauch, 2018

Das mag Ende des 19. Jahrhunderts modische bürgerliche Sepulkralkultur gewesen sein. Aber Fontane, so empfinden wir es heute, muss sich hier eingeschlossen fühlen. Für ihn, der die Weite der märkischen Landschaft in seinen Wanderungen beschrieb, hätten wir uns eher eine freie Grabstelle auf der Wiese vorgestellt, in einem “weiten Feld” sozusagen.

In guter Gesellschaft: Leopold F. Arends Foto: Weirauch
In guter Gesellschaft: Leopold F. Arends, Foto: Weirauch, 2018

Fontanes Lebens- und Schaffenswege

Aber welche Persönlichkeit hat in der Nähe seines Grabes eine eigene Ausstellung?  Im Herbst 2010 wurde auf dem Kirchhof  eine Theodor-Fontane-Gedenkstätte eingeweiht. Die Gestaltung der Kapelle zur Gedenkstätte erfolgte mit der Stiftung Stadtmuseum, der Französischen Kirche zu Berlin und der Theodor-Fontane Gesellschaft. Das Vorhaben wurde aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert. Auf der Rückwand des Raumes befindet sich ein lebensgroßes Foto von Theodor Fontane (Denkmal im Berliner Tiergarten), der uns scheinbar einlädt, hier einige seiner Lebensstationen näher kennenzulernen.

Blick in die Ausstellung in der Fontane - Gedenkstätte, Foto: Weirauch
Blick in die Ausstellung in der Fontane – Gedenkstätte, Foto: Weirauch

Diese Form des in Erinnerungbleibens dürfte ihm gefallen. Leider gibt die Ausstellung keine Hinweise auf die Umgestaltung der Fontane-Grabstelle. Eine Frage ist noch offen: Wo ist die alte Grabplatte abgeblieben?

Öffnungszeiten der Fontane-Gedenkstätte

Fontane wird uns weiter beschäftigen

Seines “Standes Apotheker”, aber von frühester Jugend Gedichte, später Gesellschaftsromane schreibend, ist er überzeugt davon, dass von diesen manches bleiben wird. John Maynard (1885), Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (1889) mögen das bezeugen. Vor allem die Ballade des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland kennen viele von uns.

“Der Stechlin, sein Altershauptwerk und letzter Roman, dessen Druck er nicht mehr erlebte, bleibt in Erinnerung durch die oft zitierten Worte: “Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.”

Die ersten Anregungen zu den “Wanderungen durch die Mark” sind Fontane auf seinen “Streifereien in der Fremde” gekommen. “Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.” Diese Worte, Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben, haben an Aktualität nichts verloren. 1862 erschien der erste Band der gesammelten Feuilletons under dem Titel “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” (später die Grafschaft Ruppin), ab 1863 folgen “Das Oderland”, “Barnim-Lebus”, “Havelland” und weitere Bände. Noch heute sind sie für viele Fontane-Freunde Impulsgeber für Wanderungen durch die märkische Landschaft. Wo immer er etwas Bemerkenswertes zu finden hoffte, reiste Fontane hin. Die Ausstellung gibt viele Anregungen.

Wandern wir also weiter

… nach Neuruppin

Hier das Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch
Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch

Hier unser Beitrag über die Spurensuche in Neuruppin. Lasst Euch überraschen.

… dann zum Stahnsdorfer Südwestkirchhof

Grabstätte der Familie Theodor jr.(1856-1933) und Martha Fontane (1868-1934) auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdort, 2012
Grabstätte der Familie Theodor jr.(1856-1933) und Martha Fontane (1868-1934) auf dem Südwestkirchhof, Foto: Weirauch, 2012

Theodor Fontane jr. schrieb zum 200-jährigen Geburtstag der Französisch-reformierten Gemeinde zu Berlin am 29. Oktober 1885 ein Festspiel. Sein Vater verfasste dazu einen Prolog:
„Zweihundert Jahre, daß wir hier zu Land
Ein Obdach fanden, Freistatt für den Glauben,
Und Zuflucht vor Bedrängnis der Gewissen.
Ein hochgemuter Fürst, so frei wie fromm,
Empfing uns hier, und wie der Fürst des Landes
Empfing uns auch sein Volk …

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet.

Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der empfehlenswerten Seite  http://fontanes-wanderungen.de/