Fontane

Ein brandenburgischer märkischer Schriftsteller. In dieser Kategorie finden Sie Texte und Informationen zu Fontane.

1 Stunde wegFontanePotsdam

Fontaneort: Die Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz

Uetz (2)

Einer der authentischsten Fontaneorte im Land Brandenburg ist das im Norden von Potsdam gelegene Dorf Uetz. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht gehörten Bornstedt, Marquardt, Uetz und Paretz zur Reiseroute Theodor Fontanes. Er besuchte die Orte um 1865 mehrmals.

In seinem Band „Havelland“ der Wanderungen widmet Fontane Uetz (das seit 1961 Teil des Doppeldorfes Uetz – Paaren ist) ein eigenes Kapitel. Darin beschreibt er unter anderem ein Gespräch mit dem  Fährmann. Wahrscheinlich war es der Fährmann (oder dessen Sohn), der 60 Jahre zuvor das preußische Königspaar über die Wublitz setzte.”

” Als der Kahn auflief, blieb sein Insasse stehen und sah mich an. Ich ihn auch. Endlich gewann er’s über sich und bot mir »Guten Abend«. Nach dieser Konzession von seiner Seite, denn so schien er es aufzufassen, glaubte auch ich ein Übriges tun zu müssen. So entspann sich denn, während der Kahn langsam wieder zurückglitt, folgende Unterhaltung:
»Guten Abend, Fährmann. Geht’s Geschäft?«
»I, wie wird’s denn gehn?«
»Na, ich sollte doch meinen. Da sind erst die Uetzer…«
»Die fahren umsonst.«
»Und dann all die Dörfer, die hier hinten liegen…«
Er schüttelte griesgrämig den Kopf, beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte: »Alles rum, immer rum!«
»Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren? Das ist ja die Meile sieben Viertel!«
»Das ist es. Aber was ein richtiger Bauer is, der geht nich übers Wasser.«
»Weil’s ihm zu unsicher ist?«
»Nich doch. Es is ihm bloß sicher, daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt. Das zahlt kein Bauer, wenn er nich muß. Und er muß nich. Eine Meile oder zwei, ihm ist’s all’ eins. Er braucht sie nich zu laufen. Er nimmt seine Peitsche, knipst und ruft seinen Gäulen zu: ›Der Hafer is teuer heut; verdient ihn euch!‹ Und der Uetzer Fährmann – na, der mag sehen, wo er seine Pacht hernimmt.«

Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit. Die Taxe war niedrig; ich gab ihm ein Stück Geld, etwa das Fünffache. Er nahm es, sagte nichts und erwiderte meinen »Guten Abend« durch ein Geknurr, das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ. Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex.” Soweit Fontane.

Seit dem Jahr 1797, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise Paretz als Sommersitz wählten, führte der Weg nach Paretz stets über die Wublitz bei Uetz. An  die  letzte Passage von Königin Luise  kurz vor ihrem  Tod  im Jahr 1810 erinnert noch heute die prächtige Eiche auf dem Fährgrundstück.

Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch
Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch

Von Uetz nach Paretz

Erst um 1830 besuchte der König wieder öfter Paretz. 1834 ließ er nach Plänen von Ludwig Persius das noch heute erhaltene Fährhaus in Fachwerk – Holzarchitektur im Schweizerstil an der Wublitz errichten. Was bislang kaum bekannt war: Im Innern enthält das Gebäude eine Stube für den Fischer und das Teezimmer des Königs. Das Fährhaus überdauerte die Zeiten. Die Wublitz ist seit dem Bau der Autobahn in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlandet.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Ein Fährhaus ohne Fährstelle

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf restaurieren seit mehreren Jahren Henry Sawade und Sabine Swintek das so geschichtsträchtige Fährhaus. Die Arbeiten sind mittlerweile weit fortgeschritten. Henry Sawade weiß um den Aufwand: „Das ist eine Lebensaufgabe.“ Der gelernte Steinmetz  und  studierte Bildhauer hat das Denkmal aber mittlerweile originalgetreu erlebbar gemacht. Ein Großteil der Ziegelsteine der Außenwände wurde herausgenommen, nummeriert und gesäubert wieder eingesetzt.

1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch
1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch

Ein großes Stück ‚Arbeit liegt noch vor den Denkmalenthusiasten. Eine Augenweide ist das nach originalen Plänen bemalte Fachwerk samt Türen. Das Mauerwerk im Fachwerkverbund wurde gestrichen und Fugen aufgemalt.

Zum Fontanejubiläum im Jahr 2019 planen die Einwohner von Uetz mehrere Veranstaltungen. Henry Sawade ist sozusagen der Spiritus Rector. „Uetz war viel wichtiger, als bisher angenommen. An dem Ort kann man vieles erleben.“ Über das genaue Programm werden wir hier demnächst berichten.

Auf der Seite von Marquardt - Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Auf der Seite von Marquardt – Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Sawade: „Uetz kann man als Verkehrs – Hotspot bezeichnen. Hier gab es bereits im elften Jahrhundert eine Fährverbindung. Und im 19. Jahrhundert sind an dieser Stelle Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise übergesetzt, um zu Schloss Paretz zu gelangen.“

Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch
Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch

Erst ab 1905 wurde hier eine Brücke als Übergang gebaut. Die Von – Wilms – Brücke existiert seit 1905 nicht mehr. Mitte der 1930er ließen die Nazis den Berliner Autobahnring bauen. Und der kreuzt als Damm den alten Wublitz-Arm. Auf der anderen Seite des Dammes reichte das Wasser, sechs bis sieben Kilometer bis nach Falkenrehde runter. An der Stelle, wo jetzt noch das Fährhaus steht, war der Wublitz – Arm über hundert Meter breit. Sawade: „Die Wasserlinie ist inzwischen versumpft, aber man erkennt sie noch.“

Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch
Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

2019 soll eine Stele am Fährhaus als Station des überregionalen Fontane – Radweges eingeweiht werden. Dazu gibt es eine Reihe von Festivitäten, auf die wir hier später eingehen wollen. Eines ist Henry Sawade wichtig: „Die ganze Dorfbevölkerung wird mitmachen. Und es gibt eine fiktive Figur, eine Ur-Ur-Ur-Enkelin von Fontane wird uns besuchen – mit einem Motorrad.“

Für die Fontane – Feiern in Uetz wurden Fördermittel bei der Stadt Potsdam und im Rahmen des Projektes „fontane200“ beantragt. „Wir sind zu spät, hoffen aber, dass unser Konzept überzeugt.“

Persius Erstlingswerk

Henry Sawade hat sich tief in die Geschichte des Fähr- und Fischerhauses und des kleinen Ortes eingearbeitet. „Das Fährhaus, anstelle der bisherigen reetgedeckten Fischerhütte errichtet, gilt als eines der Erstlingswerke von Persius. Persius entwarf das Haus für mehrere Zwecke: Zum einen als Wohn- und Arbeitsstätte für den Fischer, der gleichzeitig auch Fährmann war. Zum anderen erhielt der König einen separaten Aufenthaltsraum, das Teezimmer.“

Das Haus wird von Denkmalpflegern mittlerweile als lange unterschätztes Kleinod der Potsdamer Baugeschichte bewertet. Es ist eine Überraschung, wenn Sawade erläutert: „Wir haben sowohl im Teezimmer als auch in der Fischerstube aufwändige Wandfassungen freigelegt. Und selbst das Altenteil war ungewöhnlich aufwändig gestaltet. Die Standesunterschiede wurden also nicht durch die Aufwändigkeit in der Gestaltung verdeutlich, sondern, wie sich zeigte, durch die verschiedene Symbolik.“

Bildhauer Henry Sawade Foto: privat
Bildhauer Henry Sawade Foto: privat

Laut Sawade war die Absicht des Königs entscheidend, einerseits der früh verstorbenen Luise zu gedenken, andererseits seinem treuen Untertanen, dem Fährmann, zu danken. „Deshalb weisen die Malereien in der Teestube königliche Attribute wie Palmette und Lilie auf, während wir an den Wänden der Fischerstube ein Eichenlaubfries nachweisen konnten.“

Denn als Luise gestorben war, hatten die Uetzer zu ihrem Gedenken die Eiche gepflanzt, die auf dem Grundstück des Fährhauses noch steht. Und spannend dabei: „Die Außenfassung des Hauses nimmt Bezug zu diesem Solitär. Das Fachwerk, obwohl in Kiefernholz errichtet, wurde aufwändig in Eichenholzoptik maseriert. Dem entsprechen die Fensterladen, deren Bemalung farblich auf die jeweiligen Innenräume abgestimmt war und im geschlossenen Zustand eine sogenannte Kassette ergeben.“

Und noch einen Aha – Effekt gibt es zu bestaunen: „Die Innentüren sind einfache Kieferntüren, die aber aufgewertet wurden, indem man sie wie edle Kassettentüren aus Nussbaum mit Ebenholzintarsien illusionistisch bemalte.“

Auch an die Windmühle, die einst auf dem dem Fährhaus gegenüberliegenden Mühlenberg stand, soll mit einer Installation während des Jubiläums 2019 erinnert werden.

Theodor Fontane schrieb zum Abschied seines Besuches in Uetz: „Ich schritt nun die Querallee hinauf, kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg, hinter dessen Kamm, bereits erblassend, die Abendröte stand. Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber. Das Dorf, die Wublitz waren still; im Fährhaus schimmerte ein Licht, die Schwäne sammelten sich am Schilf, die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Uetz hin.”

Und zitiert aus dem Gedicht, das einst Schmidt von Werneuchen über Uetz schrieb die letzten Sätze: „Du schönster Ort im ganzen Havelland, Wer könnte je dich ungerührt verlassen!“

Tipp. Auf Seite 17 der Stationen der Fontane – Radroute wird Uetz erwähnt. noch ohne Infostele, aber sie wird kommen, ist sich Henry Sawade sicher. Hier geht es zur Fontane-Radroute.

Unsere nächste Station ist Paretz.

Informationen zum Fontanejahr 2019

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archivsowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

+ Die Wiedergeburt des Fähr- und Fischerhauses in Uetz

1 Stunde wegFontaneReise

Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Ribbeck (16)

Der schöne Brandenburgische Sommerherbst lädt zu Wanderungen im Havelland ein. Mit einem guten Freund aus Kassel an unserer Seite und die Theodor Fontanes berühmte Ballade “Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” (1889) im Rucksack begaben wir uns am Wochenende auf unsere Entdeckungsreise. Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Kommt man von Potsdam/Berlin auf der B5 nach Ribbeck, zwingt gegenwärtig eine Baustelle alle Motorisierten in der Ortslage Ribbeck an der Ampel zum Anhalten. Für uns ein Moment, der die neugierige Erwartungshaltung auf den wohl bekanntesten Fontaneort im Havelland und darüber hinaus in gute Laune versetzte. Die Baustelle wird nächstes Jahr zum Fontane-200-Jubiläum schon Geschichte sein, aber die am Ortseingang heruntergekommene Fontane-Gaststätte wohl nicht. Kein schöner Anblick, aber wir sehen es positiv, denn es kann nur besser werden.

Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Nur wenigen Meter weiter strahlt uns ein Kleinod an, das uns in seinen Bann zieht. Wir möchten sofort anhalten und fotografieren und in das Schloss hineingehen. Doch zunächst muss ein Parkplatz her, und auch hier eine Baustelle …

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus … Sind am Wochenende bereits jetzt viele Besucher unterwegs, wird Ribbeck im kommenden Jahr sicher einer der attraktivsten Besuchermagnete sein. Und wer von außerhalb kommt und unweit des berühmten Birnbaumes des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland übernachten möchte, kann das auch. Allerdings muss er Glück haben, denn die erste Ferienwohnung “Fuchs und Hase” wird mit Sicherheit langfristig ausgebucht sein.  Durch das riesengroße Panoramafenster der Ferienwohnung aus kann kann der Gast weit in das Havelland blicken.

Ein  “Festspielhaus” für Ribbeck

Nebenan ist die denkmalgeschützte Gutsscheune auch bereits aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger übergab jetzt an den Kulturvereins Ribbeck ein Zuwendungsbescheides über 214.000 Euro. Das Geld kommt aus dem Förderprogramm für ländliche Entwicklung. Die Gutscheune soll künftig ein zentraler Ort für Kulturveranstaltungen, Tourismus und regionalen Austausch entwickelt werden. Ein ambitioniertes Vorhaben für die ehemalige Gutsscheune, die mit einer Gesamtlänge von 75 Metern und 14 Meter Höhe ungefähr so lang ist wie Kirche und Schloss Ribbeck zusammen.

Die Gutsscheune wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut, Foto: Weirauch
Die Gutsscheune wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut, Foto: Weirauch

Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unter Hans Georg Karl Friedrich Ernst von Ribbeck als Teil des neuen Wirtschaftshofes in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut und diente damals zur Unterbringung der Ernte des gesamten Dorfes. Schon in ihrem maroden Zustand bietet die Scheune nicht nur Baufachleuten einen imposanten Anblick. Auch die Geschichte ihrer Nutzung lässt sich an ihrer Außenhaut ablesen. Im südlichen Bereich der Scheune wurde  nach dem 2. Weltkrieg ein Bauernhaus integriert, das noch heute bewohnt ist. Doch der größere Teil der Scheune stand seit Jahren leer und verfiel immer mehr. Nun stehen die Erneuerung des Dachtragwerks und die etwa 800 Quadratmeter umfassende Dacheindeckung im Vordergrund der Restaurierungsarbeiten. Arbeiten am Mauerwerk, der Einbau einer Elektroanlage sowie Sanitäranlagen sind eingeschlossen. Schon taucht die Vision eines Festspielortes auf. Wer den großen Zulauf der vergangenen Ribbecker Sommernächte in den vergangenen Jahren miterlebt hat, weiß, dass diese Vision kein Traum bleiben muss.

Zumal die Gutsscheune künftig auch für Märkte, Ausstellungen und Projektarbeiten genutzt werden soll. So wird das kleine Ribbeck zu einem lebendigen Ort, der für Jung und Alt etwas zu bieten hat. Dank des seit Jahren im Ort engagierten Architekten-Ehepaares Arndt und Sonja Herrmann kann es mit dem Ausbau der Scheune weitergehen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Familien von Ribbeck und Hermann unterstützen das Projekt finanziell.

Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch
Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch

Die Ribbecks auf Ribbeck

Das sehen auch Beate und Christian von Ribbeck, die Nachfahren des legendären alten Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Nur dort, wo die Menschen Visionen für ihren Ort entwickeln, bleibt er lebendiger Anziehungspunkt, macht es Spaß, wiederzukommen. Seit rund eineinhalb Jahren leben Beate und Christian  nun in Ribbeck. christian ist der Neffe von Friedrich Carl. Beide unterstützen ihren Onkel Friedrich-Carl von Ribbeck, der 1998mit seiner Frau Ute  in seinen Heimatort zurückkam. Er baute mit seiner Frau den ehemaligen Kutschpferdestall zu ihrem Wohnhaus aus. Auch in die alte Brennerei wurde wiederbelebt, u.a. mit der Birnen-Essig-Herstellung.

Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch
Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch

Über allen thront auf dem Schornstein der Brennerei alljährlich ein Storchenpaar, ein reizvoller Anblick und wenn man Glück hat, dann kann man die Störche auch klappern hören … “Klappern” für die Manufaktur und ihre Produkte, in Ribbeck läuft alles Hand in Hand.

Herr von Ribbeck im Havelland
Friedrich-Carl von Ribbeck vor einem Birnbaum an der Brennerei Foto: Weirauch

Besuch im Waschhaus bei der Tortenfee

Ein Besuch in Ribbeck lohnt sich immer. Auf das Handwerk einer Waschfrau wird der Gast in einem Café aufmerksam gemacht. Marina Wesche sagt selbst: “Mein Name ist Programm.” Ein Café und Hofladen ziehen die Gäste  in das “Alte Waschhaus”.  Seit 2008 bleibt kaum ein Stuhl leer zwischen den Wäscheleinen mit historischen handgewebten und gestickten Deckchen, Schürzen und Leibwäsche sowie alten Waschzubern und Waschzubehör. Und die selbstgemachten Birnentorten finden immer neue Genießer.

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläums ihres Cafés erscheint ihr erstes Kinderbuch “Greta und die Birnentiere” (ISBN 978-3-00-057632-4). Ein Buch über die Katze Greta, die im Dorf Ribbeck seit 2016 lebt und statt der Flöhe “Birnentiere” hat. Die Katze möchte den Jungen Max in das Land der Birnentiere locken. Und so beginnt ein (birn)-tastisches Abenteuer, das Fantasie mit wahren Gegebenheiten verwebt. Vielleicht begegnet der ein oder andere kleine oder große Gast der Katze Greta in Ribbeck. Denn seit Marina Wesche in der Alten Wäscherei “wescht”, ist wohl auch die Katze an ihrer Seite.

"Waschfrau" Marina Wesche hat ein Buch über "Greta und die Birnentiere" geschrieben, Foto. Weirauch
“Waschfrau” Marina Wesche hat ein Buch über “Greta und die Birnentiere” geschrieben, Foto. Weirauch

Auch wir genießen bei Sonnenschein vor dem “Wesche”Café bei einer guten Tasse Kaffee die legendäre Birnentorte. Selbstgebacken in den unterschiedlichsten Variationen lassen wir hier mit dem Blick auf Kirche und Birnbaum direkt gegenüber die Seele baumeln. Frau Wesche macht uns mit Beate und Christian von Ribbeck bekannt. Und nun kommen wir ins “Fontanisieren”.

Der berühmte Birnbaum

Die Gruft ihres berühmten Vorfahren, der den Kindern Birnen schenkte, gibt es tatsächlich. Man kann sie bei der Besichtigung der Kirche in Augenschein nehmen. Zumindest auf das Gewölbe kann der Besucher vom Treppenaufgang zur Ausstellung schauen. Dort ist auch der konservierte Birnbaumstumpf des Birnbaumes, der 1911 durch einen Sturm gebrochen wurde, zu sehen. Aber ein Birnbaum wird wohl kaum aus einem Eichensarg gesprossen sein, wie es Fontane in seiner Ballade beschreibt.

Der “neue” Birnbaum an der Kirche trägt reichlich Früchte, Foto: Weirauch

“Das ist eine Legende”, so der Nachfahre derer von Ribbecks auf Ribbeck im Havelland. Eine sehr schöne Legende, wie wir finden. Fontane hat mit seinem Gedicht den Bewohnern eine tolle Marketingidee in die Wiege gelegt. Die Birne macht in allen Varianten, ob als Torte, Essig, Likör, Marmelade und vielem mehr den kleinen Ort zum besonderen kulinarischen Erlebnis. Wer die Gastronomie in Brandenburg kennt, der weiß das sehr zu schätzen.

Der legendäre Baumstumpf in der Kirche von Ribbeck, Foto: D.Weirauch

Birnengarten am Schloss

Alle Bundesländer haben einen Eirnbaum gegenüber dem Schloss gepflanzt. Sie tragen jedes Jahr mehr Früchte:

Und nun bekommen wir von der Familie von Ribbeck zum Abschluss unserer kurzweiligen Unterhaltung noch einen Tipp, der uns neugierig macht auf ein weiteres Kleinod im Havelland. Christian von Ribbeck empfiehlt uns, die Kirche in Ketzür zu besuchen, wo sich eines der schönsten Gedächtnismale Brandenburgs befindet. Ein nächstes Ziel für unsere Erkundungstour.

Eigentlich wollten wir uns noch Birnenlikör und Birnenessig aus der Ribbeckschen Brennerei mitnehmen. Doch die Brennerei wurde gerade für ein Fest dekoriert, da wollten wir nicht stören.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Die Liköre aus dem Hause von Ribbeck Foto: Weirauch

Und so haben wir für unseren nächsten Besuch einen Anlass … immer samstags und sonntags (wenn nicht gerade die Brennerei für Veranstaltungen vermietet ist) kann man die Produkte in der Brennerei käuflich erwerben. Und vielleicht hat man Glück und trifft Herrn und Frau von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland … Wir freuen uns jedenfalls auf eine nāchste Begegnung.

Informationen zu Ribbeck

Anfahrt: Mit dem Auto: B5 nach Ribbeck, mit der Bahn: RB 10 und 14 oder RE 2 bis Nauen. Von dort Buis 661 bis Ribbeck (unbedingt vorher in den Fahrplan schauen) oder mit dem Rad auf dem Havelland-Radweg (ca. 10 Kilometer).

Brennerei: Online-Shop und Informationen zur Familiengeschichte unter www.vonribbeck.de

Altes Waschhaus: Café und Hofladen, Am Birnbaum 6, Ribbeck, geöffnet Do-So 11-17 Uhr

www.waschhaus-ribbeck.de

Schloss Ribbeck: Museum, Trauzimmer und Restaurant, Theodor-Fontane-Straße 10, Ribbeck, Museum täglich geöffnet 10-17 Uhr, Restaurant 11-18 Uhr

www.schlossribbeck.de

Hier geht es bald weiter zu Havelland-Tourismus und weiteren Tipps zu Fontane.

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.

Hier geht es zum Tourismusverband Havelland.

Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

BücherFontane

Im Blickpunkt: Fontanes Frauen

Effi Briest (3)Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus: Theodor Fontanes 200. Geburtstag wird im kommenden Jahr groß gefeiert werden.

Auf dem Literatur- und Kulturmarkt gibt es bereits seit geraumer Zeit Bewegung. Neue Publikationen, Konferenzen, Events werden durch Verlage, PR-Agenturen und Tourismus-Agenturen angekündigt. Selbst Playmobil hat nach dem Erfolg mit der “Luther-Figur” eine “Fontane-Figur” in den Verkauf gebracht. Und auch der Konzeptkünstler Otmar Hörl macht mit der Großfigur des märkischen Dichters auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam. Für mehrere hundert Euro ist der “Fontane” käuflich zu erwerben. Fontane in allen Facetten, gespannt darf man sein, ob es in Anlehnung an die “Luther-Socken” auch noch “Fontane-Socken” geben wird?  … es ist ein weites Feld …

Da ist es doch erfreulich, dass das Jubliäum für viele Verlage Anlass ist, Autoren zu Wort kommen zu lassen, die sich intensiv mit dem wohl bekanntesten brandenburgischen Dichter beschäftigt haben. Mit „Fontanes fünf Schlösser“ (be.bra Verlag) gelang Robert Rauh und Erik Lorenz im letzten Jahr der Einstieg in die neue Fontane-Rezeption.

Fontanes Frauen

Nun folgt mit dem Band „Fontanes Frauen“ in der Autorenschaft von Robert Rauh eine weitere Spurensuche. Ab 10. September ist das Buch im Handel. Ein Blick in das Voarbexemplar des bebra.Verlages zeigt uns: Es ist mehr als populärwissenschaftlicher Lesestoff. Wer mit dem Lesen des Buches angefangen hat, der legt es nicht weg. Es verleitet auch sofort zur touristischen und literarischen Spurensuche.

Worum geht es?

Theodor Fontane war zeitlebens fasziniert von Frauen, deren Lebensweg jenseits der gesellschaftlich vorgegebenen Bahnen verlief. Einigen von ihnen, wie z. B. „Effi Briest“, hat er in seinen Büchern ein literarisches Denkmal gesetzt. Robert Rauh ist an Originalschauplätze gereist, um dem Schicksal von fünf dieser Frauen nachzuspüren. Für sein Kapitel “Die wirkliche Effi lebt noch” ging er auf Spurensuche in Zerben und Benrath bei Düsseldorf sowie Lindau am Bodensee, in denen einst Elisabeth von Ardenne lebte.

Der Mittelteil von Schloss Zerben wurde nach 1945 abgerissen, Foto: K.Weirauch, Juli 2018
Der Mittelteil von Schloss Zerben wurde nach 1945 abgerissen, Foto: K.Weirauch, Juli 2018

Ihr Schicksal bot die literarische Vorlage für Fontanes “Effi Briest”. Rau trifft sich mit Menschen, die sich mit dem Erbe der Figuren beschäftigen und in verschiedenster Form an sie erinnern. Solche spannenden Episoden sind es, die mitfiebern lassen. Etwa, als die Familie von Ardenne den Grabstein von Elisabeth vom Familiengrab auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof nach Dresden bringen ließ. Und wie sich engagierte Fontanefreunde, wie Lisa Grünwald, um die Rückgabe bemühten.

Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch
Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch

Grete Minde in Tangermünde

Er verfolgt das Schicksal der Grete Minde, die in Tangermünde grausam hingerichtet wurde. Er schaut selbst in die im Stadtarchiv  überlieferte Gerichtsakte, studiert die neuesten wissenschaftlichen Publikationen (u.a. Friederike Wein: “Der Prozess gegen Grete Minde. Masterarbeit eingereicht am FB für Philosophie und Geisteswissenschaften der FU Berlin 2012, unveröffentlicht), führt viele Gespräche mit Menschen, die sich intensiv mit dem Schicksal der jungen Frau beschäftigt haben. Ein Denkmal erinnert am dortigen Rathaus an ihr Schicksal. In der Nacht zum 1. Februar 2018 haben Unbekannte die Bronzekette, die sich an den Armen der Grete Minde befand, durchtrennt und gestohlen. Die Fußkette wurde nur an einer Stelle durchtrennt, wahrscheinlich, so vermutet Rauh, sind die Täter überrascht worden. Bisher wurde die Kette nicht ersetzt, obwohl dies bis März 2018 nach Aussage der Stadt erledigt sein sollte.

Plastik von Grete Minde vor dem Rathaus in Tangermünde, Foto: Weirauch
Plastik von Grete Minde vor dem Rathaus in Tangermünde, Foto: Weirauch

Rauh beschließt das Grete-Minde- Kapitel “Prinzessin oder Hexe” so: ” Vielleicht sollte man das Denkmal so lassen. Dann kann es Grete Minde mit ihren ausgestreckten Armen im März 2019 zum 400. Jahrestag ihrer Hinrichtung allen zeigen: Seht her, ich bin nicht schuldig. Und endlich frei.”

Besuch in Waren/Müritz

Rauh, der schreibende Lehrer aus Berlin, bezieht Quartier in der Villa von Fontanes Tochter Martha in Waren an der Müritz (“Das Thema Mete ist unerschöpflich”).

Und er reist nach Köpernitz und Hoppenrade, wo Karoline de La Roche Aymon (“Prinzessin Goldhaar”) und Charlotte von Arnstedt, geb. von Kraut (“Das fast märchenhafte Leben der Krautentochter”) sich in Affären und Intrigen verstrickten.

Im Laufe der literarischen Entdeckungsreise wird immer deutlicher, dass das wahre Leben die Dichtung oft an Irrungen und Wirrungen noch übertrifft.

Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch
Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch

„Robert Rauh ist ein Causeur à la Fontane”

Gotthard Erler, der Spiritus Rector der Fontaneforschung und Herausgeber vieler Werke Theodor Fontanes schreibt im Nachwort des Buches: „Robert Rauh ist ein Causeur à la Fontane, der spannend und humorvoll erzählt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Freuen wir uns auf weitere Bücher aus der Feder von Robert Rauh. Angekündigt ist ein Band über Ruppin und Fontane. Wir können auch diesmal den Erscheinungstermin kaum erwarten. Rauhs vorliegender Band über Fontanes Frauen vereint Unterhaltungsliteratur, Biografie und touristischen Reiseführer in einem. Rauh: “Mit diesem Buch möchte ich meine Leser ermuntern, die beschriebenen Lebensorte der fünf Frauen aufzusuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. Oder sie für eine Sommerfrische zu entdecken. Fontane hat es vorgemacht und bei seinem Aufenthalt in Waren 1896 eine erstaunliche Weitsicht formuliert: Warum in die Ferne schweifen […] die Menschen werden wieder anfangen, sich bei sich selbst zu erholen.” 

Interessantes zum Autor

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker und Lehrer. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und ist Träger des Deutschen Lehrerpreises. Seit 2011 moderiert Rauh im Berliner Schloss Schönhausen eine Veranstaltungsreihe mit Prominenten aus Kultur und Politik. Zuletzt erschien von ihm im be.bra Verlag (gemeinsam mit Erik Lorenz) „Fontanes Fünf Schlösser“ und am 10.9. erscheint „Fontanes Frauen“.

Vorgestellt haben wir auf einfachraus.eu bereits das Buch über die 5 Schlösser.

Hier geht es zur Website des Autors: https://fontanes-wanderungen.de/

Infos zum Buch:

  • Robert Rauh
  • Fontanes Frauen
  • Fünf Orte – fünf Schicksale – fünf Geschichten
  • 256 Seiten, 46 Abb., 22 Euro, be.bra Verlag, ISBN 978-3-86124-716-6

ier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

1 Stunde wegFontaneSchlösser und Burgen

Auf Fontanes Spuren in Marquardt

Schloss MarquardtBlick vom Schlänitzsee auf das romantische Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

„Eine Meile hinter Bornstedt liegt Marquardt, ein altwendisches Dorf, ebenso anziehend durch seine Lage wie seine Geschichte. Wir passieren Bornim, durchschneiden den »Königsdamm« und münden unmerklich aus der Chaussee in die Dorfstraße ein, zu deren Linken ein prächtiger Park bis an die Wublitz und die breiten Flächen des Schlänitz-Sees sich ausdehnt.“ So leitet Theodor Fontane im Band „Havelland“ seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Kapitel über Marquardt ein.

Im Jahr 2019, wenn Fontanes 200. Geburtstag gefeiert und „Kulturland Brandenburg“ vor allem in Neuruppin an den berühmten „Märkischen Wanderer“ erinnern wird, wird auch das am Rande von Potsdam gelegene Schloss Marquardt hoffentlich eine Rolle spielen. Zumindest steht auf Seite 16 des von einer Arbeitsgruppe LAG Havelland erarbeiteten Konzeptes für eine überregionale  Theodor – Fontane – Fahrrad – Route  Marquardt. Dort soll zumindest eine Infotafel aufgestellt werden.

Spurensuche im Ort

„Schon jetzt fragen immer wieder mal Gäste nach den Stationen der  Erzählung von Theodor Fontane, die auch im Schloss spielen“, sagt Schlossmanager Christian Schulze. Auch nach der „Blauen Grotte“, über die Fontane schreibt, wird desöfteren gefragt. Niemand weiß genau, ob noch Reste des sagenumwobenen Bauwerkes im Boden schlummern. Seit dem 14. Jahrhundert erlebte das Gut viele adelige Familien. Einer der prominenten Besitzer war General Hans Rudolf von Bischoffwerder.

Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch
Auf der linken Seite vermuten Experten Reste der Blauen Grotte, Foto: Weirauch

Als Mitglied der Rosenkreuzer ließ er die „Blaue Grotte“ anlegen, in der sich die Mitglieder des Geheimbundes zur Ausübung okkulter Rituale trafen. Auch der leichtgläubige König Friedrich Wilhelm II. soll hier einige spiritistische Sitzungen miterlebt haben. Die Grotte wurde allerdings von einem späteren Besitzer abgerissen, so die Ortsgeschichte, die sich vor allem auf Fontanes Ausführungen und die Kirchenbücher stützt.

Rosenkreuzer in Marquardt

Fontane schrieb u.a. „ Die Dorftradition sagt, er kam in Begleitung weniger Eingeweihter, meist in der Dämmerstunde,…, passierte nie die Dorfstraße, sondern fuhr über den »Königsdamm« direkt in den Park, hielt vor dem Schlosse und nahm nun an den Sitzungen teil. Man begab sich nach der »Grotte«, einem dunklen Steinbau, der im Parke, nach dem rosenkreuzerischen Ritual, in einem mit Akazien bepflanzten Hügel angelegt worden war. Der Eingang, niedrig und kaum mannsbreit, barg sich hinter Gesträuch. Das Innere der Grotte war mit blauem Lasurstein mosaikartig ausgelegt, und von der Decke herab hing ein Kronleuchter. In diese »blaue Grotte«, deren Licht- und Farbeneffekt ein wunderbarer gewesen sein soll, trat man ein; der König nahm Platz. Alsbald wurden Stimmen laut; leiser Gesang, wie von Harfentönen begleitet. Dann stellte der König Fragen, und die Geister antworteten. Jedesmal tief ergriffen, kehrte Friedrich Wilhelm ins Schloß und bald darauf nach Potsdam zurück.“

Existieren noch Reste der Grotte?

„Daß die Grotte eine doppelte Wandung hatte, ist seitdem, und zwar durch den jetzigen Besitzer, der den Bau öffnete, um sich von seiner Konstruktion zu überzeugen, über jeden Zweifel hinaus erwiesen worden. Die Lasursteine existieren noch, ebenso der Akazienhügel. Dennoch gibt es Personen, die den ganzen Schatz Marquardter Volkssage einfach für Fabel erklären. Ich kann diesen Personen nicht beistimmen. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß Bischoffwerder ein Rosenkreuzer war, …“

Die Geistergrotte, wie sie manche Dorfbewohner des heutigen Marquardt nennen, könnte einer der Höhepunkte  des Fontane Jubiläums werden. Über eine archäologische Suchgrabung wurde  mehrmals gesprochen. Doch still ruht der „Schlänitz“ See bei unserem Besuch im Juli 2018. Auch weisen keine Schilder auf die Sehenswürdigkeiten im Park hin. „Denkbar wäre ja eine Fontaneroute, ähnlich wie im Schlosspark von Plaue“, meint Schlossverwalter Schulze. Denn die nächsten authentischen „Fontaneorte“ sind nicht weit: Fährhaus Uetz und Schloss Paretz. Auch dem benachbarten Falkenrehde widmete Fontane einen Abschnitt   in seinen „Wanderungen“. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die Orte aneinander, die der wandernde Schriftsteller ein- oder mehrmals besuchte.

Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze Foto: Weirauch
Robert Rauh, Dr. Gabriele Radecke und Schlossmanager Christian Schulze, Foto: Weirauch

Gern führt Christian Schulze durch die Räume des Schlosses, das zu Fontanes Zeiten ein einfaches Gutshaus war, und zeigt die restauratorischen Veränderungen der letzten Jahre. Ein Großteil der historischen Innenräume wurde mittlerweile aufwändig saniert, die Schwamm- und Feuchtigkeitsschäden sind beseitigt. Selbst feinste Holzvertäfelungen erstrahlen wieder wie neu.

Das Schloss selbst kann für Hochzeiten, Veranstaltungen und Buchlesungen gemietet werden. „Vielleicht ist die eine oder andere Lesung im kommenden Jahr darunter.“ Zahlreiche Bücher zu Fontane sind von Verlagen angekündigt.

Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch
Weddingplaner Christian Schulze in seinem Element im Schloss Marquardt, Foto: D.Weirauch

Fontaneforscher aus aller Welt besuchen immer wieder den heutigen Ortsteil von Potsdam. So waren unlängst Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen, zusammen mit Robert Rauh, Verfasser des Buches „Fontanes 5 Schlösser“ (bebra-Verlag), zu Gast in Marquardt.

Ein authentischer Ort

Dr. Radecke, an deren Forschungstelle die Tagebücher Fontanes digitalisiert werden (auch eine Buchausgabe ist geplant), brachte die im Notizbuch A 15, Blatt 70r, bislang noch nicht veröffentlichte Skizze Fontanes  (der Wanderer soll den Ort dreimal besucht haben) zum Standort und möglichen Aussehen der Blauen Grotte mit. So soll es in der Grotte einen Kronleuchter gegeben haben. Dr. Radecke: „Bei seinem Besuch 1869 hatte fontane nurn och Überreste der Grotte gesehen. Wann die Grotte abgetragen wurde, ist nicht bekannt.”  Sie kündigte weitere Recherchen,auch zu Fontanes Notizbuchaufzeichnung, an. Übrigens ist die Grotte auf dem von Peter Joseph Lenné 1823 gezeichneten Parkplan vermerkt.

Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen
Foto: Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei Georg-August-Universität Göttingen

Die renommierte Fontane-Expertin plädierte auch für eine archäologische Suchgrabung. Nur scheinen dafür keine Mittel vorhanden zu sein. Vergaß hier jemand die Beantragung von Fördermitteln, die es für andere Fontaneorte im Land gibt? Sicher wird die Stadtverwaltung Potsdam zum Thema Fontane – Jubiläum  ein eigenes Programm auflegen. Im Ort Marquardt jedenfalls scheint, im Gegensatz zu anderen Fontaneorten Brandenburgs, noch kein „Fontanefieber“ ausgebrochen zu sein. Mal abgesehen vom jährlichen Fontanelauf und den Initiativen Einzelner.

Fontanegerichte auf Teller

“Ein weites Feld” … hätte wohl Theodor Fontane geschrieben. Dabei kann es wirklich einfach sein.

Landgasthof "Zum Alten Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch
Landgasthof “Zum Alten Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Vielleicht gibt es ja im Jahr 2019 im Landgasthof „Zum Alten Krug“ einige zu Fontanes Zeit zubereitete Gerichte. Beispielsweise ein “Fontane – Menü” mit einer damals gern zubereiteten “Märkischen Petersiliensuppe” oder “Preußischen Biersuppe”. Als Hauptspeise könnte ein Märkisches Bauernkotelett auf Kartoffelpuffer gereicht werden. Als Dessert runden dann Buchweizenplinsen oder eine Birnensuppe mit Gries das Fontane-Menü ab. Noch ist etwas Zeit, doch die Köchin im Landgasthof “Zum Alten Krug” ist schon am Entwickeln eines Fontane-Menüs.

Witwe Bischoffwerder

Eine feste Konstante in Fontanes Jubeljahr ist Ramona Kleber, die gegenüber vom „Zum Alten Krug“ das Cafe „Lavendelhof“ betreibt. So sie Zeit hat, bringt die Stadtführerin als „Witwe Bischoffwerder“ den Gästen im historischen Kostüm die Geschichte von Schloss und Park näher. Sie wandelt dann auch den Spuren der sogenannten „weißen Witwe“ auf dem ihrem Anwesen gegenüberliegenden Kirchhof und im Schloss.

Grabkreuz hinter der Dorfkirche des Potsdamer Ortsteiles Marquardt Foto: D.Weirauch
Grabkreuz hinter der Dorfkirche Marquardt, Foto: Weirauch

An der Kirche beginnen meist ihre Führungen durch Park und Schloss. Hinter der Dorfkirche steht ein eisernes Grabkreuz mit dem Namen Wilhelm Hans Rudolph Ferdinand Bischoffwerder. Auf der Rückseite: „Der letzte seines Namens“. Besagter ist der Sohn der Witwe Wilhelmine Catherine von Bischoffwerder.

Die Witwe gehört übrigens zu den Schlossgeistern, die im Haus immer wieder mal spuken sollen, so Christian Schulze. Der andere Geist ist ein französischer Unteroffizier, ein Sergeant, der ebenfalls gelegentlich durch das Haus geistern soll. Im Schloss waren während der napoleonischen Belagerung Preußens Soldaten einquartiert. Einer von ihnen soll zuviel des guten Weines getrunken und sich laut Fontane im Weinkeller verirrt haben und gestorben sein. Auch der Keller kann besichtigt werden.

Treffpunkt für Fontanefreunde

Der kleine Ort  Marquardt, seit 2003 zur Landeshauptstadt Potsdam zugehörig, könnte 2019 durchaus im Reigen der „Fontane – Erinnerungen“ ein Anziehungspunkt sein. Vielleicht auch mit einer „Apfelkuchen – Station“ (die Fontane zwar in Wittenberg besuchte und die in seinem Roman „Stechlin“ Eingang fand). Raum für Ideen gibt es viele. Sicher haben ortsansässige Gewerbetreibende, wie das Obstgut Marquardt, schon ihre Fontane – Pfeile im Köcher.

Thomas Justin, der auskunftsfreudige Betreiber des Kleinen Marktes in Marquardt (im Bermudadreieck zwischen Dorfkirche, Lavendelhof und Landgasthof „Zum Alten Krug“) gelegen, verkauft u.a. bereits historische Postkarten von Schloss und Park sowie das vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V. herausgegebene Heft über das Marquardter Schloss.

Bevor wir den kleinen Dorfladen, den es seit 20 Jahren gibt, verlassen, sagt Herr Justin: „Herr Dr. Grittner, Ortschronist von Marquardt, bereitet auch eine Broschüre zu Fontane vor.“ Wolfgang Grittner bietet, wie Ramona Kleber, ebenfalls Führungen durch den Park an. Zudem verfasste er einige Aufsätze und Broschüren zur Ortsgeschichte. Das Heft zu Marquardt ist gegen eine Spende beim Freundeskreis erhältlich. Adresse: Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V., Voßstr. 22, 10117 Berlin E-Mail: freundeskreis@deutsche-gesellschaft-ev.de.

Fazit: Leider konnten wir kein koordiniertes Vorgehen zu Fontane 200 in Marquardt erkennen, anders beispielsweise im benachbarten Paretz, wo bereits jetzt Interessenten detailliert über sämtliche Veranstaltungen in 2019 informiert werden. Auch in Uetz, einem wie Marquardt authentischen Fontaneort, arbeiten Einwohner zusammen mit Henry Sawade (Fährhaus) an einem Fontaneprojekt.

Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam Foto: Weirauch
Plastik von Walter Schott im Schlosspark von Marquardt am Rand von Potsdam, Foto: Weirauch

Informationen zu Marquardt

Schlossverwaltung

  • Schloss Marquardt
  • Hauptstraße 14, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Schloss-Manager Christian Schulze
  • Tel.  033208 57338 (nicht ständig erreichbar)
  • Mobil: 0173 4246053
  • E-Mail: info@schloss-marquardt.com
  • Homepage hier

Essen und Trinken:

Zum Alten Krug Marquardt

  • Michael Schulze
  • Hauptstraße 2, 14476 Potsdam
  • Telefon: 033208 572 33, 0162 1776175
  • Homepage hier
  • E-Mail: alterkrug-marquardt@t-online.de
  • Blick in die Gaststube des Landgasthauses "Alter Krug" im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto; D.Weirauch
    Blick in die Gaststube des Landgasthauses “Alter Krug” im Potsdamer Ortsteil Marquardt, Foto: Weirauch

Lavendelhof Marquardt

  • Ramona Kleber und Holger Naumann
  • Ramona Kleber führt als Witwe Bischoffwerder durch den Park
  • Hauptstr. 3, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Tel. 033208 22187
  • Homepage hier
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann
Witwe Bischoffwerder (Ramona Kleber) vor Schloss Marquardt, Foto: Holger Naumann

KLEINER MARKT Getränkequelle

  • Thomas Justin
  • Hauptstraße 4, 14476 Potsdam OT Marquardt
  • Telefon: 033208 50680

Marquardter Heimatverein (in der Kulturscheune)

Besichtigung Dorfkirche

  • Schlüssel bei Familie Dr. Grittner im Park 1,
  • Tel.: 033208 57279
  • In Marquardt ist die Dorfkirche im Sommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch
    In Marquardt ist die Dorfkirche im Dommer meist geöffnet, Foto: D.Weirauch

Erreichbarkeit:

Zug: RB 21 (in der Woche stündlich, Wochenende alle zwei Stunden) und Bus 614 und 650 (ab Potsdam- Hbf)

Weiterführende Informationen zu Theodor Fontane:

Die Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt. Sie entsteht an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen und an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Aufgrund ihrer komplexen Beschaffenheit galten Fontanes 67 Notizbücher bislang als nicht edierbar. Das Zusammenwirken philologischer und digitaler Methoden sowie die Arbeit in der Virtuellen Forschungsumgebung TextGrid ermöglicht nun die erste kommentierte Gesamtedition.

  • Theodor – Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen
  • Seminar für Deutsche Philologie, Dr. Gabriele Radecke
  • Käte-Hamburger-Weg 3
  • D-37073 Göttingen
  • Tel.: +49 (0)551 – 39 10854
  • E-Mail: fontane-notizbuecher@uni-goettingen.de
  • Homepage hier

Kulturland Brandenburg mit dem Projekt fontane 200

Fachhochschule Potsdam mit einer sehenswerten Schau “Warum eigentlich Fontane ?”

Fontanes 5 Schlösser von Robert Rauh, erschienen im bebra-Verlag. Der be.bra-Verlag kündigt bereits „Fontane und die Frauen“ aus der Feder von Robert Rauh an.

lesenswerter Blog Wanderungen zu Fontane

Theodor-Fontane- Archiv an der Universität Potsdam

Theodor–Fontane-Gesellschaft in Neuruppin

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

BücherFontanePotsdam

Briefwechsel zwischen Fontane und Storm

Storm

Theodor Storm hatte 2017 seinen 200. Geburtstag. Dieser wurde kaum beachtet. Fontanes jubiläum iost 2019 – mit viel Würdigung bereits im Vorfeld.  Um so wichtiger erscheint uns der vorliegende Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Theodor Storm (Erich Schmidt Verlag, Mai 2018).  Dieser zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller-Briefwechseln des 19. Jahrhunderts. Dieser gilt als eine wichtige Quelle für die Beschäftigung mit den beiden Autoren. Der von Dr. Gabriele Radecke (sie ist Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen  und Mitherausgeberin der Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe) herausgegebene Band wird in einer textkritischen, nach neuen editorischen Standards erarbeiteten und umfangreich kommentierten Edition erstmals als Sonderausgabe im Taschenbuch vorgelegt.

Die 104 Briefe, die zwischen Dezember 1852 und Oktober 1887 geschrieben wurden, informieren nicht nur über die existentiellen Sorgen beider Schriftsteller. Sie berühren auch zentrale literarische und politische Themenbereiche und geben Einblicke in das gesellschaftliche und kulturelle Leben um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Potsdam kommt ebenfalls darin vor. Zwei der drei wohnungen der Familie Storm sind noch erhalten. Ein Haus wurde 1986 gegen große Proteste der Bürger abgerissen.

Storm und Potsdam

Gabriele Radecke: „Theodor Storm, der 2017 seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte, verbrachte vier wenig glückliche Jahre in Potsdam.“ Gegenüber Theodor Fontane, so ist im Briefwechsel zu lesen, beklagte sich Storm über eine permanente Überforderung durch zahlreiche Bagatellprozesse und das kaum zu bewältigende Aktenpensum. Radecke: „Es gab zudem große finanzielle Sorgen, weil Storm im ersten Jahr kein Gehalt bezog und die Familie auf Unterstützung der Eltern angewiesen war.“

Für die vorliegende Edition werden zum ersten Mal die erschlossenen Briefe und Briefbeilagen systematisch ermittelt. Durch dieses Verfahren werden die bisherigen Behauptungen hinsichtlich des Beginns und der Dichte der Korrespondenz sowie über Storms Lektüre, insbesondere von Theodor Fontanes Werken, korrigiert und neue Impulse für die Forschung gegeben.

Die Briefe werden ergänzt durch die Rezensionen und Essays von Storm und Fontane, die hier zum Teil erstmals nach dem Erstdruck oder nach der Handschrift ediert sind, wie etwa Fontanes „Erinnerungen an Theodor Storm“.

Für den Stellenkommentar, der biographische, literarische, kulturhistorische und geschichtliche Informationen enthält, sind neben der Forschungsliteratur auch unveröffentlichte Archivalien aus Storms und Fontanes Nachlass genutzt worden, die die subjektiven Aussagen der Briefe relativieren und kontextualisieren. Hervorhebenswert: Erläuternde Personen-, Periodika- und Werkregister schließen den Band ab. (2017-12-21)

Hier beschreibt Gabriele Radecke für Literaturport den Aufenthalt von Theodor Storm in Potsdam.

Informationen zum Buch

  • Theodor Storm – Theodor Fontane Der Briefwechsel: Historisch-kritische und kommentierte Ausgabe Taschenbuch –
  • von Dr. Gabriele Radecke (Herausgeber)
  • Verlag: Erich Schmidt Verlag GmbH & Co)
  • EUR 29,95
1 Stunde wegFontanePotsdam

365 Tage bis zum Start von “fontane.200”

Fontane - 2018 (4)

Theodor Fontanes 200. Geburtstag wirft seine Schatten voraus. Wir werden hier ueber verschiedene Aspekte zum Leben und Werk des beruehmten Autors berichten. In einem Jahr, am 30.03.2019, wird das Fontanejahr 2019 offiziell in der Neuruppiner Kulturkirche und mit dem Beginn der Leitausstellung fontane.200/Autor im Museum von Neuruppin eröffnet. Für Ungeduldige bieten bereits die naechsten Monate einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Feierlichkeiten. Darueber informiert Kulturland Brandenburg in einer Pressemitteilung.

Hier einige Hoehepunkte: So kuendigen die Fontane-Festspiele in Neuruppin vom 19. bis 20. Mai 2018 die Vielfalt des Fontanejahres an. Jürgen Kuttners Uraufführung der Fontane-Video-Schnipsel-Show, Frank Matthus Vorschau auf sein opulentes Theaterprojekt 2019, das Fontane-Lyrik-Projekt No.5 sowie das Europäische Festival der Reiseliteratur »Neben der Spur« gehören zum Programm der Festspiele.

365 Tage bis zum Start von “fontane.200”

Eine weitere Aussicht auf das Jubiläumsjahr geben Veranstaltungen zu den Wanderungen auf Fontanes Spuren, beispielsweise im Spreewald und in Paretz, ab Herbst 2018. Im Schloss Paretz gibt es eine musikalische Lesung zum 199. Geburtstag des Autors, gefolgt wird ihm nach Schottland und durch sein Werk.  Das Spreewald-Museum in Lübbenau stellt ab November 2018 in einer Ausstellung den Berliner Maler und Grafiker Manfred Pietsch als Chronisten der Mark Brandenburg vor. Zur Weihnachtszeit erfahren die Besucher*innen des Schlosses Lübben bei einer Lesung alles über »Weihnachten im Hause Fontane«.

Ausführliche Informationen zum Programm in 2018 und im Fontanejahr 2019 befinden sich auf den Webseiten www.fontane-200.de und www.fontane-festspiele.com. Die Vorbereitungen des Fontanejahres können über die Social-Media Kanäle facebook.com/fontane200 und twitter.com/fontane200 verfolgt werden.

In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch
In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 von Neuruppin wurde Fontane geboren Foto: Weirauch

Veranstaltungen 2018

Fontane-Festspiele 2018 »Absolut fontastisch«

  1. und 20. Mai 2018, Fontanestadt Neuruppin

Führungen zu Fontane

  1. September 2018 und 29. Oktober 2018, jeweils um 16 Uhr, Paretz

Pietsch trifft Fontane. Malerei und Literatur. (Ausstellung)

  1. November 2018 bis 24. März 2019, Spreewald Museum Lübbenau

Weihnachten im Hause Fontane (Lesung)

  1. Dezember 2018, Schloss Lübben (Spreewald)

Schloss Luebben im Spreewald Foto: Weirauch

Musikalische Lesung Nr. 1

  1. Dezember 2018, 15 Uhr, im Schloss Paretz
  2. Schloss Paretz im Havelland, Foto: Weirauch
    Schloss Paretz im Havelland, Foto: Weirauch

Wanderungen auf Fontanes Spuren

  1. Dezember 2018, 14 bis 16 Uhr, Burg (Spreewald)

Unter dem Titel »fontane.200« feiert Brandenburg vom 30. März bis zu Fontanes Geburtstag am 30. Dezember 2019 den 200. Geburtstag des großen Autors in Kooperation mit zahlreichen Programmpartnern und einem breitgefächerten Veranstaltungsprogramm im ganzen Land und darüber hinaus.

Die Aktivitäten der Fontanestadt Neuruppin bilden einen zentralen Ausgangspunkt der Festivität zu »fontane.200«. Ein umfangreiches Rahmenprogramm, die Leitausstellung »fontane.200/Autor« im Museum Neuruppin, die Fontane Festspiele und interaktive Jugendprojekten sind die Highlights der Stadt.

Kulturland Brandenburg präsentiert 2019 das Themenjahr ebenfalls mit rund 40 Partnerprojekten unter dem Titel »fontane.200/Spuren«: Im gesamten Bundesland finden Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater, Tanz, Film und zeitgenössische Kunst sowie kulturtouristische Angebote statt. Die Ausstellung »fontane.200/Brandenburg – Bilder und Geschichten« des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam folgt dem Entdeckungsreisenden Fontane: Wie bereitete Fontane sich auf seine Fahrten vor, wie reiste er?

Wer waren seine Informanten und Begleiter? Zum wissenschaftlichen Höhepunkt von fontane.200 lädt das Theodor-Fontane-Archiv ein. Der mehrtägige internationale Kongress zum Thema »Fontanes Medien (1819–2019)« setzt sich mit der Bedeutung der Medien für Theodor Fontanes Werk und die Historizität wie Aktualität des Schriftstellers und Medienarbeiters Fontane auseinander. Mit dabei auch die  Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen 

fontane.200 wird konzipiert und koordiniert durch das fontane.200/Büro. Eine Kooperation der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH mit der Universität Potsdam.

Hier bereits einige Beiträge auf einfachraus.eu zu theodor fontane:

+ Ribbeck im Havelland

+ Neuruppin

+ Berlin

+ /Erik Lohrenz und Robert Rauh “Fünf Schlösser

 

1 Stunde wegFontane

Fontanes Fünf Schlösser

Fontane als Kunststoff - Figur, geschaffen von Ottmar Hörl Foto: WeirauchFontane als Kunststoff - Figur, geschaffen von Ottmar Hörl Foto: Weirauch

Natürlich ist es eine Art Fortsetzung zu den “Wanderungen”, aber doch etwas anders, und will seinen eigenen Weg gehn. Theodor Fontane, 1888

Im Vorfeld des Jubiläums 200 Jahre Theodor Fontane im kommenden Jahr erscheinen bereits erste Bücher und neue Ausgaben der Werke des berühmten märkischenWanderers. Kaum jemand wird all diese Bände lesen können. Aber ein Buch will ich besonders hervorheben, das wir mittlerweile als ständigen Reisebegleiter im Gepäck haben. Es ist der Band von Erik Lorenz und Robert Rauh:  “Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg”, erschienen im  be.bra Verlag.

Im Vorwort schreiben die Autoren: “Fontane ist Kult. Wo der Dichter in Brandenburg einst Station machte, wird er heute stolz zitiert: in Ortschroniken, Reiseführern, Hotelprospekten und auf diversen Internetportalen. Die Begeisterung und Bewunderung der Brandenburger und ihrer Besucher für die Wanderungen durch die Mark Brandenburg resultiert aus der Gabe Fontanes, Geschichte in Geschichten zu erzählen. Mit seinem Buch Fünf Schlösser, erschienen 1889, hat er den Schloss – Orten Liebenberg, Hoppenrade, Plaue an der Havel, Quitzöbel und Dreilinden ein literaturhistorisches Denkmal gesetzt.”

Und weiter : “Wenn wir aber mit den Fans des Dichters sprechen, erfahren wir: Die wenigsten habe die Wanderungen vollständig gelesen, vom Band Fünf Schlösser ganz zu schweigen. So ist auch kaum bekannt, dass die Schlösser gar nicht im Mittelpunkt des Buches stehen. Sie sind “nur” der topografische Zugriff für Fontanes alte und neue Geschichte(n) der Mark Brandenburg, die er anhand der Adelsfamilien erzählt, die in den Herrensitzen residierten. Diesem Zugang folgt auch die Auswahl der fünf Schlösser. Die Geschichten ihrer Besitzer sind die Marksteine für eine genau durch fünf Jahrhunderte hin fortlaufende Geschichte Brandenburgs, die mit der berühmten Quitzowfamilie im 14. Jahrhundert beginnt und mit dem Tod des preußischen Prinzen Friedrich Karl des legendären “Roten Prinzen”, im Jahr 1885 schließt.”

130 Jahre später möchten beide Autoren die Leser zu einer Spurensuche in die Geschichte und Gegenwart von Fontanes fünf Schlössern ein. Sie  erzählen, was Fontane damals gesehen hat, und beschreiben, was heute zu entdecken ist. Natürlich haben sie es um vieles leichter als der Dichter im 19. Jahhundert. Fontane reiste mit Kutsche und Karte, die heutigen Autoren mit Auto und Navi. Sie schreiben zu den Arbeitsunterschieden: “Er notierte alles im Notizbuch, wir im Laptop. Er zeichnete mit Bleistift Gebäude und Grundrisse, wir fotografieren mit dem Smartphone. Er musste in Bibliotheken und Familienarchiven lange nach Papieren suchen, wir recherchieren mit modernen Suchmaschinen in den Landesarchiven. Und wir sind zu zweit. Geblieben ist das Prozedere der Anfrage bei den Eigentümern. Wie Fontane hoffen wir, dass man uns ein Gespräch und Einlass ins Schloss gewährt. Wir haben Glück. Die Schlossbesitzer zeigen nicht nur Interesse, sondern öffnen ihre Türen und gestatten uns exklusive Einblicke.”

Was aus den Schlössern wurde

Man fühlt sich mitgenommen bei der Spurensuche von Erik Lorenz und Robert Rau. Es liest sich spannend, was sie berichten. “Auf unserer Entdeckungsreise werden wir Zeuge der Güte und der Grausamkeit der Zeit, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Fontanes Schlössern umgegangen ist, sich manchen gnädig gezeigt und andere in unterschiedlichen Stadien des Verfalls zurückgelassen hatte. Schloss Hoppenrade gleicht mit seinem gepflegten, in Stille liegenden Landschaftspark noch immer einem verwunschenen Schlosse, das nichts von seinem Zauber verloren hat. Schloss Liebenberg, durch dessen Gänge jedes Jahr die Schritte tausender Gäste hallen, steht heute mehr denn je in Blüte und verbindet als Hotel und Tagungsort Kulturviertheit mit Gemütlichkeit.

Tapfer dem nagenden Zahn der Zeit entgegenstellt sich das an der Havel thronende Schloss Plaue, das anstelle seiner ursprünglichen Perfektion nun von einer ganz anderen, morbiden Eleganz erfüllt ist. Das verfallende Schloss Quitzöbel, einst Rückzugsort gefürchteter Raubritter, scheint wie ein alter, zahnloser Tiger in einer Geschwindigkeit dreht und sich nicht dafür interessiert, welche Geheimnisse sich hinter bröckelnden, von Dickicht beinahe verhüllten Gemäuern verbergen mögen. Vom Schloss Dreilinden schließlich bleiben nichts als der Name, die Erinnerung und ein paar Hinweise vor Ort auf eine faszinierende Vergangenheit mit einem Märchenprinzen, der in seinem Jagdhaus illustre Tafelrunden zu zelebrieren verstand.”

Schloss Hoppenrade

Rau: “Das Haus hat eine zauberhafte Leichtigkeit, es wirkt heiter und einladend. Wie ein märkisches Märchenschloss. Heute gehört das Schloss Donata und Julian von Hardenberg. Das junge Ehepaar hat das Anwesen 2012 gekauft und es durch eine erneute umfassende Sanierung in neuem Glanz erstrahlen lassen. Inzwischen haben sie ihren Wohnsitz in Berlin aufgegeben und sind ganz nach Hoppenrade gezogen.”

Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch
Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch

Liebenberg – Das mondäne Schloss

Auch Schloss liebenberg im Landkreis Oberhavel hat  engagierte Investoren gefunden. Nach langem Hin- und Her setzte die DKB das Anwesen instand, verschönerte es und betreibt darin ein Schulungszentrum sowie Hotel. Berühmt sind mittlerweile die Weihnachtsmärkte auf dem Areal. “Theodor Fontane, der 1880 hier war, hat nur das ursprüngliche Schlossgebäude, das Inspektorenhaus und die Kirche ohne Turm gesehen. Denn das vor einigen Jahren wieder rekonstruierte Schlossensemble wurde erst um 1900 vom berühmtesten Schlossherrn, Philipp Graf zu Eulenburg, vollendet. Heute gehören Schloss und Gut Liebenberg einer Stiftung der Deutschen Kreditbank (DKB).”  In den “modern und ordentlich”, aber auch “ein wenig karg” eingerichteten   Zimmern trösten “nette Details” darüber hinweg. Wie z. B.  “Leseecken”, die  laut Rauh überall im Schlosshotel zu finden sind, und auf ein Anliegen der DKB Stiftung hinweisen: “in Liebenberg Bildung und Kultur zu fördern. Sie sind inspiriert von der einstmals fast 12.000 Bände umfassenden Schlossbibliothek, die schon Fontane bewunderte und der er in Fünf Schlösser einen Absatz widmete.”

Schloss Liebenberg foto: Weirauch
Schloss Liebenberg Foto: Weirauch

Plaue: Das morbide Schloss

“Wer sich mit dem einstigen Adelssitz beschäftigt, kommt an Fontane natürlich nicht vorbei”, aber auch an Udo Geiseler nicht. Der “Schlossexperte” forschte jahrzehntelang zur die Geschichte von Schloss Plaue und anderer märkischer Adelssitze. Schloss Plaue ist ein “Stück Identität” für ihn, der es bereits in Kindheitstagen erkundet hat. Seit 2001 ist er als Lehrer in Plaue tätig und weckt bei seinen Schülern Interesse, sich auf historische Spurensuche in ihrer Umgebung zu begeben, eingeschlossen sind Archivbesuche. War das Schloss zu Geiselers Kindheitstagen (1970er Jahre) weitestgehend abgeriegelt, so kann die Öffentlichkeit heute die “Magie des Schlosses” bei gelegentlichen Rundgängen erkunden.

Waehrend einer Kulturland - Ausstellung Foto: Weirauch
Waehrend einer Kulturland – Ausstellung Foto: Weirauch

Lorenz und Rauh interviewen ausführlich Andreas Keuchel, den  Chef der Schloss Plaue GmbH, der das Schloss Schritt für Schritt behutsam aufbaut. Rauh: “Der Ausbau wird stufenweise erfolgen”, sagt er [Andreas Keuchel] mit einem Gleichmut, den wir im Angesicht der riesigen Baustelle nur bewundern können, und fährt sich mit der rechten Hand durch die langen schneeweißen Haare.” Als Magie des Schlosses führt Keuchel den “außergewöhnlichen Standort” an. Er befindet sich direkt an der Havel und am Plauer See. Die Lage am Wasser sichert Plaue auch ein Alleinstellungsmerkmal unter Fontanes fünf Schlössern. Zur Magie gehört für Keuchel auch die Atmosphäre auf den Schlossfesten: “Wenn der nach Westen ausgerichtete Innenhof von der untergehenden Sonne aufgewärmt wird, bleiben die Menschen einfach sitzen – und verweilen dann oft bis in die Nacht am Feuer.” Rauh: “Im Hinblick auf die Instandsetzung ist der Kreis noch lange nicht geschlossen – vielleicht wird er das nie ganz sein.” Keuchel findet das “gut, dass nicht alles fertig ist. Ich bin ja auch im Leben nie fertig.”

Fazit der Autoren, denen ich mich nur anschließen kann: “Die fünf Schlösser sind eine Parabel für die Vergänglichkeit der Dinge – eine Parabel ohne Melancholie, denn die Orte, die wir besuchen, haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft verloren. Mit ihrer spannungsreichen Geschichte faszinieren sie auch heute noch – durch morbiden Charme oder neuen Glanz.”

Wir freuen uns schon auf die neuen Bücher der Autoren. Der be.bra-Verlag kündigt bereits “Fontane und die Frauen” aus der Feder von Robert Rauh an.

Infos zum Buch

Erik Lorenz, Robert Rauh, Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg. be.bra Verlag GmbH, 2017.

Die Autoren

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und ist Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2015 erschien sein Sachbuch „Schule, setzen, sechs“, in dem er seine pädagogischen Erfahrungen und schulpolitischen Forderungen darlegte. Seit 2011 moderiert Rauh im Schloss Schönhausen eine Veranstaltungsreihe mit Prominenten aus Kultur und Politik.

Robert Rauh betreibt die Webseite: https://fontanes-wanderungen.de/

Erik Lorenz, geboren 1988 in Berlin, ist Autor zahlreicher Reisebücher und Herausgeber der Länderreihe „Wie wir es sehen“. Außerdem verfasste er Biografien der Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich und des Lakota-Häuptlings Sitting Bull. Zuletzt veröffentlichte er Reisebücher über Laos, Kambodscha und Hongkong.

Hier unser Beitrag zum Grab von Theodor Fontane auf dem Friedhof der Französisch – Reformierten Kirche in Berlin.

1 Stunde wegFontaneReise

Eine Spurensuche: Familie Fontane

Das Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: WeirauchDas Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: Weirauch

2019 feiert Neuruppin den 200. Geburtstag des märkischen Dichters, dessen Namen seit 1998 offizieller Bestandteil ihres Namens ist: Theodor-Fontande-Stadt Neuruppin. Anlass für uns, auf Spurensuche der Familie Fontane in der über Brandenburg hinaus bekannten Stadt zu gehen. Eine Spurensuche: Familie Fontane

Rheinsberger Bahnhof in Neuruppin: Touristinfo, Foto: Weirauch
Ausgangspunkt der Stadtwanderung zu Fontanes family: Rheinsberger Tor in Neuruppin: Touristinfo, Foto: Weirauch

Unsere Spurensuche beginnt am Rheinsberger Tor (RE6 führt hierher). Wir versuchen in der Touristeninformation nähere Informationen zu erhalten. Triste Schaufenster, in denen noch nichts auf das anstehende Jubiläum aufmerksam macht, sind nicht sehr einladend für einen Stadtbummel. Unsere Nachfrage zur Fontane-Erinnerungsstätte bzw. den Familiengräbern lockt auch keine Begeisterung bei den Mitarbeitern hervor. Aber wenigstens erhalten wir den Hinweis, dass man die Stätte des Alten Friedhofes “gleich um die Ecke links” findet. Dazu gibt es einen Flyer, auf dem der Alte Friedhof verzeichnet ist.

Auf dem Weg zum Alten Friedhof in Neuruppin, links hinter der Touriinfo.. Foto: Weirauch
Auf dem Weg zum Alten Friedhof in Neuruppin, der Weg beginnt links hinter der Touriinfo.. Foto: Weirauch

Scheinbar ist es gar nicht weit, wir freuen uns, halten uns links, denken, da wird uns ja ein Hinweis-Schild hinführen. Wir fragen zum Bahnhof Eilende, ob sie uns einen Tipp geben können, aber die Erinnerungsstätte scheint aus dem Bewusstsein vieler zu sein.

Wo ist denn nun der alte Friedhof ?

Also folgen wir einem kleinen Pfad am Bahnhofszaun entlang, der nicht etwa durch eine Beschilderung auffällt, sondern durch viel Schmutz und Unrat. Wir sind uns unsicher, ob wir hier noch richtig sind, aber rund 50 Meter weiter lenken zwei große Rest-Säulen eines ursprünglichen Eingangstores unsere Blicke auf sich. Wir sind angekommen, hier befand sich einst der alte Friedhof von Neuruppin, auf dem Fontanes Mutter Emilie 1869 und seine Schwester Elise 1923 ihre letzten Ruhestätten fanden. Als der verwilderte Friedhof um 1970 von Müll und Bewuchs befreit wurde,  bebaute man Teile des Geländes mit einem Kindergarten. Auf einem kleinen Rest entstand die kleine Erinnerungsstätte für Neuruppiner Persönlichkeiten. Um den Grabstein für Fontanes Mutter und Schwester sind kreisförmig Erinnerungsplatten für bekannte Neuruppiner Bürger aufgestellt. So auch für Max Wiese, der uns später noch am Theodor-Fontane-Denkmal begegnen wird.

Relikt des Alten Friedhofs in Neuruppin mit dem Grab von Theodor Fontanes Mutter und Schwester, Foto: Weirauch
Relikt des Alten Friedhofs in Neuruppin mit dem Grab von Theodor Fontanes Mutter und Schwester, Foto: Weirauch

So eingestimmt, wandern wir wieder am Bahnhof vorbei die Karl-Marx-Straße hinunter, vorbei an dem Haus Nr. 7, in dem Fontanes Mutter mit ihrer Tochter Elise ihre letzten Lebensjahre verbrachte und 1869 verstarb. Wir sehen linkerhand die Löwen-Apotheke (Karl-Marx-Straße 84), die Ostern 1819 von Fontanes Eltern, Louis Henry und Emilie, bezogen wurde.

Am 30. Dezember 1819 erblickte hier Theodor Fontane das Licht der Welt, dessen 200. Geburtstag im nächsten Jahr im ganzen Land Brandenburg und darüber hinaus gefeiert werden soll. Fontane.200 lautet die Kampagne. Die Löwenapotheke wirbt mit Almased im Schaufenster – das hätte Theodor Fontane wohl nicht nötig gehabt – dank seiner vielen Wanderungen war er immer in Bewegung. Aber vielleicht schafft man es bis zum Jubliläum, im Schaufenster für ein Fontane-Fitness-Programm zu werben, einen Fontane-Marathon gibt es ja schon … Fontane-Radwege sowieso.

Fontane – Buchhandlung

Gleich nebenan in der Buchhandlung, die den Namen des Dichters trägt, zieht es uns hinein. Durch das Schaufenster hindurch sind sahen wir Fontane-Literatur, auf die wir ein Blick werfen wollten. Außerdem hofften wir auf Hilfe. Denn wir wollten auch das Grab seines Sohnes Friedrich finden, der einige Romane seines Vaters verlegt hat. Und wir dachten, in der Fontane-Buchhandlung könnte man uns eventuell Hinweise geben. Ein junger Verkäufer gab sich redliche Mühe, aber auch seine Suche im Internet ergab keine Hinweise.

Neugierig wie wir sind, wollten wir dann vom Chef der Buchhandlung wissen, wie viele Titel von Fontane er im Angebot habe. Unsere Frage nervte ihn scheinbar, und so bekamen wir mit dem typischen brandenburgischen Humor zur Antwort: “Zwei Regale voll.”

Zwei Regale voller Fontaneliteratur in der Fontane-Buchhandlung in Neuruppin. Foto: Weirauch
Zwei Regale voller Fontaneliteratur in der Fontane-Buchhandlung in Neuruppin. Foto: Weirauch

Wir ließenuns die Freude nicht nehmen und kauften die kleine wunderbare 2017 im Reclam-Verlag erschienen Ausgabe: “Fontane zum Vergnügen”. Das schien uns in diesem Moment sehr passend.

Vorbei am Schulplatz, von Ostern 1832 bis September 1833 besuchte Theodor Fontane hier das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium – nach eigenen Angaben soll er ein mittelmäßiger Schüler gewesen sein, gelangen wir zum Fontaneplatz.

Von Oktober 1832 bis September 1833 besuchte Theodor Fontane das Neuruppiner Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Foto : Weirauch
Von Oktober 1832 bis September 1833 besuchte Theodor Fontane das Neuruppiner Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Foto: Weirauch

Bei herrlichem Sonnenschein lächelt Theodor Fontane auf uns hinunter oder schaut er an uns vorbei “ins weite Feld”? Auf jeden Fall begrüßen wir ihn, streicheln ehrfurchtsvoll seinen Schuh, fühlen uns so mit ihm einen Moment sehr verbunden.

Dass Fontane heute die vielen Gäste und Einwohner der Stadt so freundlich begrüßt, verdanken wir dem Neuruppiner Bürgersinn, der ihm bald nach seinem Tod 1898 ein Denkmal setzen wollte. Diesen Auftrag übertrug man dem Bildhauer Max Wiese, der diesen zusammen mit den Söhnen des Dichters, Theodor und Friedrich Fontane, sowie seiner Schwester, Elise Weber-Fontane, ausführte. Den Bronzeguss ließ man in der damals schon berühmten Kunstgießerei Lauchhammer anfertigen. Seit dem 8. Juni 1907 lädt Fontane die Gäste in seine Geburtsstadt zu einem Besuch ein. Sicher ist das Denkmal das beliebteste Fotomotiv und ging bereits millionenfach durch die Welt.

Doch unsere Spurensuche ist noch nicht beendet. Wir suchen ja noch das Grab seines Sohnes Friedrich, in Neuruppin 1864 geboren und 1941 gestorben.

Wo ist Sohn Friedrich begraben ?

Als Buchhändler und Verleger hat Friedrich Fontane (1904-1926) in dem von ihm 1888 gegründeten Verlag Friedrich & Co. rund  20 Bände seines Vaters herausgegeben . Wir beenden unseren Neuruppin-Spaziergang auf dem Evangelischen Friedhof (Gerhart-Hauptmann-Str.). Würden wir hier einen Hinweis auf der Informationstafel am Haupteingang finden? Natürlich nicht.

Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch
Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch

Also sprechen wir Friedhofsbesucher an, keiner kann uns helfen. So machen wir uns auf den Weg, angesichts der Größe des Friedhofs ist es im wahrsten Sinne “ein weites Feld”. Nur der Zufall als Schnittpunkt von Notwendigkeiten kann uns zuhilfe kommen. Für uns war es notwendig, unseren Ausflug mit einem positiven Erlebnis zu beenden, das unsere Herzen warm werden lässt an diesem frostigen Wintertag. Suchet und ihr werdet finden … Und wir fanden die Grabstätte des jüngsten Dichtersohnes fast in der Nähe des Haupteinganges. Geht man auf die Kapelle zu, liegt es auf der linken Seite im Feld 16. Dank der Fontane-Gesellschaft ist es erhalten geblieben und wird auch gepflegt. Schön wäre es, wenn es auch hier ein Hinweisschild gäbe. Aber bis zum Fontane-Jubiläum ist ja noch etwas Zeit.

Vielleicht entwickelt die Stadt für die Gäste bis dahin auch eine bessere App für einen Fontane-Rundgang – ähnlich wie es sie für den Brandenburger Ortsteil Plaue (Fontane in Plaue) schon gibt. Allerdings kämen die Besucher dann weniger mit den Einwohnern ins Gespräch – und es sind doch die menschlichen Begegnungen, die das Leben so abwechslungsreich machen. Ganz im Sinne von Theodor Fontane.

PS: Ob Theodor Fontane auch Windbeutel gemocht hätte? Wir haben im Café Stoye einem leckeren Windbeutel mit viel Schlagsahne und sauren Kirschen (2,90 Euro) unseren Rundgang Revue passieren lassen und beschlossen, spätestens im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Und nicht zu vergessen, in der Weinhandlung an der Fischbänkestraße gab es einen sehr guten Rotwein mit einem Abbild von Fontane. Das wirft die nächste Frage auf, liebte er Rotwein?

Yvonne Krause, Chefin des Weinhauses am Neuen Markt von Neuruppin mit der Fontane - Edition, Foto: Weirauch
Yvonne Krause, Chefin des Weinhauses am Neuen Markt von Neuruppin mit der Fontane – Edition, Foto: Weirauch

Mehr Infos zu Theodor Fontane gibt es hier bei der Theodor – Fontane-Gesellschaft in Neuruppin. 

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der empfehlenswerten Seite  http://fontanes-wanderungen.de/

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz fulminantes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+ Spurensuche in Wustrau

 

1 Stunde wegFontane

Zum Grab von Theodor Fontane

Fontanegrab2018 (113)

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus. Theodor Fontane wird am 30. Dezember des kommenden Jahres 200 Jahre alt. Der wandernde “märkischste” aller Dichter Brandenburgs wird 2019 noch mehr in aller Munde sein als bisher. Ausstellungen, neue Publikationen, touristische Angebote zu Orten, an denen Fontane gelebt oder die er besucht hat, sowie wissenschaftliche Tagungen  werden die Aufmerksamkeit auf den 1819 in Neuruppin Geborenen lenken. Unlängst wurde die Seite fontane200 freigeschaltet.

Während wir in den letzten Jahren immer wieder mal Fontaneorte besucht haben, u.a. natürlich zu Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, bitten wir diesmal uns zu folgen auf dem Weg zum Grab von Theodor Fontane.

Bei unserer Fontane-Spurensuche fanden wir in unserem Fotoarchiv eine Aufnahme seines Grabes, das wir Anfang der 90er Jahre beim Besuch auf dem Französischen Friedhof in Berlin gemacht hatten. Auch Wikipedia verweist heute noch auf den alten Grabstein. Dieses Foto unterscheidet sich von neueren Abbildungen der Grabstätte, die wir jetzt im Internet fanden.

Unsere Neugierde wurde noch größer, als wir Hinweise auf eine vor einigen Jahren auf dem Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde eingerichtete Gedenkstätte für Theodor Fontane fanden.

Wie kommt man zu Fontanes Grab ?

Doch wo befindet sich dieser Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde genau ? Es gibt zwei Wege. Mit der S 1 bis zum S-Bahnhof Humboldthain, dann nach rechts in die Grenzstraße, dann rechts in die Gartenstraße, an der Humboldthainschule vorbei und dann durch die Gartenstraße unter dem rostigen Brückenkonstrukt der Liesenbrücke hindurch linkerhand in die Liesenstraße. Vorbei am Mauerrest Ecke Liesen-/Gartenstraße gelangten wir zu dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde in der Liesenstraße 7.

Mauerreste an der Liesenstraße Foto: Weirauch
Mauerreste an der Liesenstraße Foto: Weirauch

Er liegt direkt neben dem Friedhof der Berliner Domgemeinde. Ein anderer Weg führt vom Bahnhof Friedrichstraße mit der U-Bahn bis zum U-Bahnhof Schwartzkopfstraße und dann einige hundert Meter die Chausseestraße entlang und rechts in die Liesenstraße. Zu DDR-Zeiten war der Weg über die U-Bahn versperrt, man kam, so Heinz Knobloch, über einen Weg von der Wöhlertstraße aus zu den drei Friedhöfen. Der vierte Friedhof an der Liesenstraße lag damals hinter der Mauer.

Zum Grab von Theodor Fontane

Der Eingang zum Kirchhof der Französisch – Reformierten Gemeinde befindet sich direkt gegenüber dem Haus Nr. 12 in der Liesenstraße. Das Grab ist leicht zu finden. Anders als es der Berliner Feuilletonist Heinz Knobloch bei seinem Besuch noch zu Mauerzeiten erlebte. Wie alle anderen Grabstätten der Friedhöfe konnte auch das Grab Fontanes bis 1989 nur mit Passierschein besichtigt werden.

Ein Schild  “Zum Theodor-Fontane-Grab” führt uns an den Grabstätten des Schriftstellers Peter Hacks (1928-2003), des Malers Arno Mohr (1910-2001) und des Begründers der Stenografie Leopold Alexander Friedrich Arends (1817-1882) zum Familiengrab der Fontanes.

In Sichtnähe befindet sich das Grab des Schriftstellers Peter Hacks Weirauch
In Sichtnähe befindet sich das Grab des Schriftstellers Peter Hacks, Foto: Weirauch

Vorweg ein Hinweis von Bernd Philipp, der 2003 über seinen Besuch am Grab Fontanes  in der Berliner Morgenpost folgendes vermerkte:  “Die Gräber des großen Romanciers aus Neuruppin und seiner Frau lagen auf jenem Teil des Friedhofs, der vom alliierten Bombenhagel zerstört und anschließend umgepflügt wurde. Eine absurde Vorstellung: Der Dichter (1819 – 1898) als spätes Opfer des Zweiten Weltkrieges.” Später dann setzte die Berliner Mauer, die Teile des Friedhofs zerstörte und unbenutzbar machte, dem Areal zu. Spuren sind heute noch sichtbar.

Eiserne Ketten, gehalten von 8 Pfosten, umzäunen zwei schwarz-glänzende Grabsteine mit goldenen Initialen (Theodor Fontane Geb. 30. December 1819, Gest. 20. September 1898 und Emilie Fontane Geb. Rouanet-Kummer, Geb. 14. November 1824, Gest. 18. Februar 1902) und einen mit Efeu bepflanzten Grabhügel.

Die Fontane-Grabstätte, Foto: Weirauch, 2018

Das mag Ende des 19. Jahrhunderts modische bürgerliche Sepulkralkultur gewesen sein. Aber Fontane, so empfinden wir es heute, muss sich hier eingeschlossen fühlen. Für ihn, der die Weite der märkischen Landschaft in seinen Wanderungen beschrieb, hätten wir uns eher eine freie Grabstelle auf der Wiese vorgestellt, in einem “weiten Feld” sozusagen.

In guter Gesellschaft: Leopold F. Arends Foto: Weirauch
In guter Gesellschaft: Leopold F. Arends, Foto: Weirauch, 2018

Fontanes Lebens- und Schaffenswege

Aber welche Persönlichkeit hat in der Nähe seines Grabes eine eigene Ausstellung?  Im Herbst 2010 wurde auf dem Kirchhof  eine Theodor-Fontane-Gedenkstätte eingeweiht. Die Gestaltung der Kapelle zur Gedenkstätte erfolgte mit der Stiftung Stadtmuseum, der Französischen Kirche zu Berlin und der Theodor-Fontane Gesellschaft. Das Vorhaben wurde aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert. Auf der Rückwand des Raumes befindet sich ein lebensgroßes Foto von Theodor Fontane (Denkmal im Berliner Tiergarten), der uns scheinbar einlädt, hier einige seiner Lebensstationen näher kennenzulernen.

Blick in die Ausstellung in der Fontane - Gedenkstätte, Foto: Weirauch
Blick in die Ausstellung in der Fontane – Gedenkstätte, Foto: Weirauch

Diese Form des in Erinnerungbleibens dürfte ihm gefallen. Leider gibt die Ausstellung keine Hinweise auf die Umgestaltung der Fontane-Grabstelle. Eine Frage ist noch offen: Wo ist die alte Grabplatte abgeblieben?

Öffnungszeiten der Fontane-Gedenkstätte

Fontane wird uns weiter beschäftigen

Seines “Standes Apotheker”, aber von frühester Jugend Gedichte, später Gesellschaftsromane schreibend, ist er überzeugt davon, dass von diesen manches bleiben wird. John Maynard (1885), Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (1889) mögen das bezeugen. Vor allem die Ballade des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland kennen viele von uns.

“Der Stechlin, sein Altershauptwerk und letzter Roman, dessen Druck er nicht mehr erlebte, bleibt in Erinnerung durch die oft zitierten Worte: “Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.”

Die ersten Anregungen zu den “Wanderungen durch die Mark” sind Fontane auf seinen “Streifereien in der Fremde” gekommen. “Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.” Diese Worte, Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben, haben an Aktualität nichts verloren. 1862 erschien der erste Band der gesammelten Feuilletons under dem Titel “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” (später die Grafschaft Ruppin), ab 1863 folgen “Das Oderland”, “Barnim-Lebus”, “Havelland” und weitere Bände. Noch heute sind sie für viele Fontane-Freunde Impulsgeber für Wanderungen durch die märkische Landschaft. Wo immer er etwas Bemerkenswertes zu finden hoffte, reiste Fontane hin. Die Ausstellung gibt viele Anregungen.

Wandern wir also weiter

… nach Neuruppin

Hier das Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch
Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch

Hier unser Beitrag über die Spurensuche in Neuruppin. Lasst Euch überraschen.

… dann zum Stahnsdorfer Südwestkirchhof

Grabstätte der Familie Theodor jr.(1856-1933) und Martha Fontane (1868-1934) auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdort, 2012
Grabstätte der Familie Theodor jr.(1856-1933) und Martha Fontane (1868-1934) auf dem Südwestkirchhof, Foto: Weirauch, 2012

Theodor Fontane jr. schrieb zum 200-jährigen Geburtstag der Französisch-reformierten Gemeinde zu Berlin am 29. Oktober 1885 ein Festspiel. Sein Vater verfasste dazu einen Prolog:
„Zweihundert Jahre, daß wir hier zu Land
Ein Obdach fanden, Freistatt für den Glauben,
Und Zuflucht vor Bedrängnis der Gewissen.
Ein hochgemuter Fürst, so frei wie fromm,
Empfing uns hier, und wie der Fürst des Landes
Empfing uns auch sein Volk …

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet.

Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der empfehlenswerten Seite  http://fontanes-wanderungen.de/

1 Stunde wegFontane

Fontane und der Glindower Ziegelringofen

Ziegelringofen GlindowZiegelringofen Glindow am Glindower See bei Potsdam, Foto: Weirauch

Theodor Fontane hat den Ziegelringofen in Glindow bei Potsdam schon 1873 beschrieben. Der Ofen ist der letzte von einst mehr als 30 und gilt als europaweit einmalig. Noch heute wird in dem technischen Denkmal produziert. Der Ofen am Glindower See ist legendär.

„Was Werder für den Obstkonsum der Hauptstadt ist, das ist Glindow für den Ziegelkonsum. In Werder wird gegraben, gepflanzt, gepflückt – in Glindow wird gegraben, geformt gebrannt; an dem einen Ort eine wachsende Kultur, am andern eine wachsende Industrie, an beiden (in Glindow freilich auch mit dem Revers der Medaille) ein wachsender Wohlstand. “

In diesem Fontanezitat steckt die Bedeutung, die die Ziegeleien einst für Berlin hatten. Vom Ufer des Glindower Sees aus wurden die mit Steinen beladenen Schiffe in die expandierende Hauptstadt gebracht. “Berlin ist aus dem Kahn gebaut”, wurde so schnell zum geflügelten Wort.

Was Werder für den Obstkonsum der Hauptstadt ist, das ist Glindow für den Ziegelkonsum. IDazu steht das eine wie das andere nicht bloß für sich selber da, sondern ist seinerseits wiederum eine »Metropole«, ein Mittelpunkt gleichgearteter und zugleich widerstrebender Distrikte, die es fast geboten erscheinen lassen, nach Analogie einiger Schweizer Kantone, von Werder-Stadt und Werder-Land oder von Glindow-Dorf und Glindow-Bezirk zu sprechen.

Das steinerne "Musterbuch" der Neuen Ziegel-Manufaktur Glindow
Das steinerne “Musterbuch” der Neuen Ziegel-Manufaktur Glindow. Formsteine und Sonderanfertigungen erfordern ein hohes Maß an handwerklichem Geschick und Sorgfalt.

Techniktrumpf aus Uropas Tagen

Der einzigartige Ofen ist das Herzstück der von Harald Dieckmann geleiteten Neuen Ziegel-Manufaktur am Glindower See.

Ziegelringofen glindowp1070174

Im Rahmen der diesjährigen Kulturlandkampagne „Handwerk zwischen gestern & übermorgen“ werden im Juli und September Künstler des Theaters Poetenpack an verschiedenen Orten in der Ziegelei Texte von Theodor Fontane und aus anderen Quellen lesen. Vorsicht: auch auf der Ofenbühne wird vorgelesen.

Fontane und der Glindower Ziegelringofen

Darunter brennt seit mehr als 100 Jahren das immerwährende Feuer. Denn der Ofen von Glindow ist bis auf wenige Ausnahmen nie ohne Feuer gewesen.

Durch die Luken wird der Braunkohlegries in die Brennkammern eingefüllt
Durch die Luken wird der Braunkohlegries in die Brennkammern eingefüllt

Im 19. Jahrhundert waren in Glindow über 50 Schornsteine im Gebrauch. Die Weltwirtschaftskrise beendete die Ziegelproduktion in der Region. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde wieder produziert, zu DDR-Zeiten vor allem Blumentöpfe.

Heute: ein „Denkmal produziert für Denkmale“

Ab 1990 lautet das Motto ein „Denkmal produziert für Denkmale“. Es ist ein Ort, an dem seit 500 Jahren das Handwerk der Ziegelfertigung betrieben wird. 23 Mitarbeiter um Geschäftsführer Harald Dieckmann fertigen in aufwändiger Handarbeit Produkte aus Ton, darunter Ziegelsteine im Klosterformat, Bodenplatten, Terrakotten, Formsteine und Elemente für Zeitgenössische Kunst. In Nordeuropa sind Produkte aus Glindow an vielen Kirchen, Schlössern, Rathäusern, Stadtmauern, Leuchttürmen und auch Privatbauten zu finden.

Mit dem Fließband wird der gelbliche Ton zu den Formen transportiert
Mit dem Fließband wird der gelbliche Ton zu den Formen transportiert

In Glindow werden Ziegel bis heute im Handstrichverfahren hergestellt. Dabei wird eine oben und unten offene, bis zu vier Ziegel fassende Rahmenform aus Holz benutzt.

Schwerstarbeit leisten die Ziegler in Glindow, hier Handstreicher Andreas Steinberg

Handwerkliches Können ist gefragt

Ein passendes Stück des aufbereiteten Tons wird in die gewässerte Holzform geworfen und in die Ecken gedrückt. Die Oberfläche wird durch das Abstreifen des überflüssigen Tons geglättet. Geschäftsführer Harald Dieckmann: “Handwerkliches Können verbindet sich mit Leistungsbereitschaft. Die körperlich schwere Arbeit der Handstreicher  gleicht der der Tagelöhner aus dem Lipperland im 19. Jahrhundert. Bis über sieben Tonnen Ton wird von einem unserer Arbeiter in einer Schicht hochgehoben und in die Form geschlagen.” Alle Achtung vor diesem Knochenjob im 21. Jahrundert.  Warum Lipperland ? Theodor Fontane beschrieb seinerzeit die unterschiedliche Form der Tagelöhner. Ein Großteil kam damals aus dem Lipper Land.

Modernes Blockheizkraftwerk hilft bei Trocknung

Während früher die Ziegelrohlinge auf langen Holzregalen im Freien trockneten und dabei einen Teil ihrer Feuchtigkeit verloren, haben das  heutzutage die mit einem Blockheizkraftwerk beheizte Trockenkammern übernommen.

Harald Dieckmann öffnet die Trockenkammern
Harald Dieckmann öffnet die Trockenkammern

Von dort kommend, werden die Ziegel in die einzelnen Kammern des historischen Hoffmannschen Ringofens gestapelt. 6000 Ziegelsteine passen in eine Brennkammer, die rund drei Meter hoch ist.

Feuer im Ringofen brennt immer

Das immerwährend brennende  Feuer wandert nun kreisförmig von Kammer zu Kammer und ermöglicht so einen wirtschaftlichen Betrieb, zumal der Ringofen im Idealfall kontinuierlich befeuert wurde.

Die Abwärme wird in dicken Abluftrohren in die nächste Kammer geleitet
Die Abwärme aus den Ofenkammern wird in dicken Abluftrohren in die nächste Kammer geleitet

Theodor Fontane lieferte im Band „Havelland“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ die beste Beschreibung über die Funktionsweise des Hoffmannschen Ziegelringofens.

Geschäftsführer Harald Dieckmann im Gespräch mit Harald Asel von Inforadio in einer Brennkammer des Ziegelringofens

Fontane: Ringofen gleicht einer Torte

Er schreibt u.a.: “Zunächst seine Form und Einrichtung…….  Denken wir uns also eine gewöhnliche runde Torte, aus der wir das Mittel- oder Nußstück herausgeschnitten und durch eine schlanke Weinflasche ersetzt haben, so haben wir das getreue Abbild eines Ringofens. Denken wir uns dazu die Torte in zwölf gleich große Stücke zerschnitten; so haben wir auch die Einrichtung des Ofens: sein Zwölfkammersystem. Die in der Mitte aufragende Weinflasche ist natürlich der Schornstein.”

Einst rauchten mehr als 30 Schornsteine am Glindower See
Einst rauchten mehr als 30 Schornsteine am Glindower See

“Das Verfahren ist nun folgendes. In vier oder fünf der vorhandenen, durch Seitenöffnungen miteinander verbundenen Kammern werden die getrockneten Steine eingekarrt, in jede Kammer zwölftausend. Ist dies geschehen, so wird die Gesamtheit der erwähnten vier oder fünf Kammern durch zwei große Eisenschieber, der eine links, der andere rechts, von dem Reste der Kammern abgesperrt. Nun beginnt man in Kammer eins ein Feuer zu machen, nährt es, indem man von oben her durch runde Löcher ein bestimmtes Quantum von Brennmaterial niederschüttet und hat nach vierundzwanzig Stunden die zwölftausend Steine der ersten Kammer völlig gebrannt.”

Blick in den Umgang im Ziegelringofen Glindow, Ort für szenische Lesung
Blick in den Umgang des 2., mittlerweile stillgelegten Ziegelringofens Glindow, auch ein Ort für szenische Lesungen

“Aber (und darin liegt das Sparsystem) während man in Kammer eins eine für zwölftausend Steine ausreichende Rotglut unterhielt, wurden die Nachbarsteine in Kammer zwei halb, in Kammer drei ein Drittel fertig gebrannt und die Steine in Kammer vier und fünf wurden wenigstens »angeschmoocht«, wie der technische Ausdruck lautet. Die Steine in Kammer zwei, die nun am zweiten Tage unter Feuer kommen, brauchen natürlich, halb fertig, wie sie bereits sind, ein geringeres Brennmaterial, um zur Perfektion zu kommen, und so geht es weiter; wohin immer das Feuer kommt, findet es zwölftausend Steine vor, die bereits drei Tage lang und zwar in wachsender Progression durch eine Feuerbehandlung gegangen sind. Der eine (vorderste) Eisenschieber rückt jeden Tag um eine Kammer weiter, der andere Eisenschieber, vom entgegengesetzten Flügel her, folgt und gibt dadurch die Kammer frei, in der am Tage zuvor gebrannt wurde. So vollzieht sich ein Kreislauf. In die leeren Kammern bevor der Schieber sie in den Feuerrayon hineinzwingt, wird eingekarrt, aus den im Feuer gewesenen, vom Schieber frei gegebenen Kammern wird ausgekarrt. Der Prozeß, solange die Brennkampagne dauert, ist ohne Ende; das Feuer rückt von Kammer zu Kammer…”

Per Temperaturfühler wird die Temperatur in der Brennkammer gemessen
Per Temperaturfühler wird die Temperatur in der Brennkammer gemessen

Ziegelringofen von Glindow hat Seltenheitswert

Neben dem betriebsfähigen Hoffmann’schen Ziegelringofen von Glindow gibt es nur noch sehr wenige, die an die vorindustrielle Produktion von Ziegelsteinen erinnern. Neben Glindow brennt die Firma Rusch in Drochtersen (bei Stade in Niedersachsen)  ihre Steine im historischen Ringofen.

Tag und Nacht wird das Feuer im Ofeninnern "bewacht"
Tag und Nacht wird das Feuer vom Brennmeister vom Schürboden aus im Ofeninnern “bewacht” und ständig “nachgelegt”

Schon wegen der Einmaligkeit im Berliner Raum hat der Ziegelringofen von Glindow in der Neuen Ziegel-Manufaktur einen Platz auf der Route der europäischen Industriekultur verdient. Und Hut ab vor der schweren Arbeit der Ziegler – für mich sind deren Erfahrungen schützenswertes immaterielles Kulturerbe.

Jeder Ziegelstein erhält den Stempel der Neuen Ziegel-Manufaktur
Jeder Ziegelstein erhält den Stempel der Neuen Ziegel-Manufaktur

Kulturland Brandenburg und Salon e.V. laden zu Lesungen

Dank Kulturland Brandenburg mit der engagierten Geschäftsführerin Brigitte Faber – Schmidt und der Potsdamer Kulturinitiative Salon e.V., die in diesem Sommer interessierten Gästen einen unterhaltsamen und hoffentlich nachdenklichen Blick in den einstigen „Ziegelringofen der Residenz“ (Fontane) gewähren.

  • Termine: 17. und 24. Juli und 11. September, jeweils 16 Uhr
  • Eintritt: 10, ermäßigt 6 Euro
  • Kartenbestelltung: Tel.: 0331/ 279111,
  • E-Mail: harald.dieckmann@potsdam.de

Vorschau: Im Sommer werden drei Künstler-innen, nämlich Hella Berent (Köln), Chris Hinze (Potsdam) und Johannes Pfeiffer (Lanzo, Italien) auf dem Gelände der alten Ziegelei Kunstwerke schaffen. Dabei ist das Thema und das verwendete Material freigestellt. Die Installationen sind dann vorwiegend im alten stillgelegten Ringofen zu sehen. Am 4. September um 16 Uhr werden die Kunstwerke bei einem Fest zur Vernissage in Glindow vorgestellt.

Wer es dieses Jahr nicht schafft, eine Karte zu bekommen, ein kleiner Trost. 2019 wird der 200. Geburtstag des märkischen Wanderers Theodor Fontane gefeiert. Und Harald Dieckmann von Salon e.V. wäre nicht der Potsdamer Kulturenthusiast, wenn er nicht schon Ideen für das Jahr 2019 in petto hätte – sicher auch wieder zusammen mit Kulturland e.V..

Jeder Stein ist ein Unikat – Made in Glindow, zuletzt lieferte das Unternehmen auch für die Sanierung von Schloss Babelsberg.

Im einst zu Werbezwecken errichteten "Aufseherturm" lädt das Märkische Ziegeleimuseum ein
Im einst zu Werbezwecken errichteten “Aufseherturm” lädt das Märkische Ziegeleimuseum ein
Die Neue Ziegelmanufaktur und das Ziegeleimuseum liegen direklt am Panoramaweg
Die Neue Ziegelmanufaktur und das Ziegeleimuseum liegen direklt am Panoramaweg
Terrakottaböden und Fliesen - Handarbeit aus Glindow
Terrakottaböden und Fliesen – Handarbeit aus Glindow

 

Detail des sogenannten Aufseherturmes, in dem sich das Ziegeleimuseum befindet
Detail des sogenannten Aufseherturmes, in dem sich das Ziegeleimuseum befindet, wahrscheinlich wurde der Turm auf dem Ziegeleigelände wohl als Werbeturm errichtet.

Informationen

Adresse: Neue ZIEGEL-MANUFAKTUR Glindow UG,  Alpenstraße 47, 14542 Werder/H., Tel.: 03327/66490, E-Mail’:info@ziegeleimanufaktur.com, Homepage: www.ziegeleimanufaktur.de

Museum:

Homepage (leider veraltet) des Märkischen Ziegeleimuseums Glindow

Anfahrt: Von der A10 kommend die Abfahrt Glindow, im Ort bis zum Ende der Alpenstraße (Nr. 44) fahren. Auch über die B1 ist Glindow zu erreichen.

Übrigens gehört Glindow mittlerweile zur Stadt Werder. Aber der Spruch von Fontane: “In Werder wird gegraben, gepflanzt, gepflückt – in Glindow wird gegraben, geformt, gebrannt”, hat heute noch Gültigkeit. Demnächst folgt hier ein Beitrag über Glina Whisky aus Glindow.

Hier geht es zur Seite von Kulturland.

Hier der Link zum Reiseland Brandneburg (TMB).

Literaturtipps:

Begleitband zu Kulturland „Nicht von gestern! Handwerk in Brandenburg“, Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Koehler & Amelang, 19,95 Euro

Themenkarte Handwerk bringt`s, mit Tipps für Radtouren und Wanderungen, u.a. von Glindow nach Werder, Verlag terrapress, 4 Euro

Ferienzeitung „Quer-durch-Brandenburg“, Potsdam, Havelland und Fläming, terrapress, 2,80 Euro

 

1 Stunde wegFontane

Fontanes Wanderschuh

Theo  Fontanes WanderstockTheo Fontanes Wanderstock, Foto: Josef Grütter

Fontanes Wanderschuh

von Josef Grütter

 Bevor du wandern gehst,

 nach Schuhwerk dich umsiehst,

 damit das Wandern Freude macht

 nicht nur, wenn die Sonne lacht.

 Du suchst nach einem Schuh zum Wandern

 von einem Orte nach dem andern

 und nicht zum Tanzen

 wie einst die Hofschranzen

 sie trugen mit Verzierung und fein.

 Zum Wandern muß er grober sein,

 weil in der Natur du begegnest Strukturen:

 Sand, Stein, Wasser, Gras und Klee auf den Fluren.

 Und für all diesen Bodenbelag

 der Wanderer seinen Schuh geeignet mag.

 

Idylle im Schlosspark
Idylle im Schlosspark von Marquardt, Foto: Dieter Weirauch

 

Ich denke mal, um solche Gedanken

 tat Theodor Fontanes Geist sich ranken,

 bevor er sich aufmachte

 und nachdenklich dachte:

 „Heute beginn ich mit den Wanderungen durch die Mark,

 betrachte die Landschaft, die Menschen, auch ihren Sarg,

 frage nach diesem und jenem spontan,

 wie ich´s schon immer getan,

 auch wenn ich nicht war im Lande der Slawen,

 die ehemals weit verbreitet hier waren.

 Doch bevor ich mich aufmache z. B. in den Barnim,

 muß ich zunächst zum Schuster hin,

 damit ich mir lasse anpassen

 Wanderschuh mit rechten Maßen,

 dass leichten Fußes ich gehe und beschwingt,

 während in den Lüften die Lerche singt.

 Nicht drücken soll mich das Leder am Fuß,

 damit ich mich nicht quälen muß

 schon nach wenigen Meilen

 und zur Erholung dann lange verweilen.

 Denn dann käme ich nicht voran in den Landen

 und meine Betrachtungen würden versanden

 unter der märkischen Kiefer, in märkischem Sand,

 bevor ich überhaupt den Anfang fand.“

 

Theo Fontanes Wanderstock, Foto: Josef Grütter

So könnte er haben gedacht,

bevor er sich aufgemacht.

Ich glaube gar es gibt einen Beweis dafür,

der steht vor eines Museums Tür.

Du siehst hier einen altehrwürdigen Wanderschuh.

Nicht irgendeinen, Fontane gehörte dazu.

Das glaubst du nicht?

Dieser Schuh hat ein Gesicht.

Er ist nicht von heute, eher sehr alt.

Man sieht auch seine Nähe zum Wald.

Ein bißchen vermoost, rissig das Leder,

also sehr alt; das sieht doch ein jeder.

Warum ich ihn dem Fontane zueigne und keinem andern:

Weil mündlich es ist überliefert, man sagt,

Fontane habe in Berlin einen Schuster gefragt,

ob er ihm könne machen einen Wanderschlappen,

er wolle lange wandern auf Schusters Rappen.

Der Schuster, mit langer Tradition,

kannte den Fontane schon.

Wußte, wenn der geht auf Tour,

hilft bestes Schuhwerk nur.

Das ist auch der Grund, warum sein Schuh ist erhalten,

was nicht selbstverständlich ist bei so alten.

Auch findet man neben dem Moos

märkischen Sand auf der Sohle. Das ist als Beweis doch famos!

Also als Fan von Fontane habe ich keinen Zweifel.

Märkischen Sand findest du nicht in der Eifel!

Was aber ich gern wissen würde,

mir Kopfzerbrechen macht,

weil doch beim Paar zwei Schuhe werden gemacht:

Wo ist der zweite Schuh verblieben?

Ist er bei einer Rast zurückgeblieben?

Das kann doch nicht sein:

Er lief nie mit einem Schuh allein!

Er hätte es doch gemerkt sofort nach Fortsetzung der Tour,

 dass er trägt einen Schuh nur.

 Er ist also verlorengegangen nach der letzten Wanderung.

 Und ich habe dazu nur eine vage Vermutung:

 Er zog sie aus und gab einzeln sie her.

 So fanden sie zueinander nie mehr.

 Wenn also jemand auch nur eine Ahnung hat,

 wo des zweiten Schuhes Ruhestatt,

 melde er sich schnell.

 Ich bin sofort zur Stell´,

 hole ihn ab und stelle ihn zu dem ersten,

 könnte dann vor Freude bersten

 und sehe ihn wieder wandern durch die Mark,

 durch manchen prächtigen Lennéschen Park.

 Marquardt, den 11. Januar 2013

 

J. G.                                                                                        

 

                                              

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen  mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Robert Rauh und Erik Lorenz fulminantes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+ Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

 

 

 

 

1 Stunde wegFontane

Fontanes Wanderstock

Theo  Fontanes WanderstockTheo Fontanes Wanderstock, Foto: Josef Grütter

Josef Grütter schickte  mir auch  folgendes Gedicht zum Wanderstock von Theodor Fontane.

Fontanes Wanderstock

Übrigens ist der Wanderschuh derzeit in Radebeul zu sehen. Vielleicht findet sich noch mehr zum großen Wanderer.

Fontanes Wanderstock

Hier steht Fontanes Wanderstock.

Anderswo hängt sein Rock.

Der Stock, den du hier kannst sehen,

mit diesem könnt´st heute noch gehen

zum Beispiel durchs Ländchen Friesack.

Schnür nur dein Ränzel und pack,

 was du brauchst für eine Wanderung

längs Fontanes Berichterstattung

über diese Region.

Ich kenne sie schon!

   1

Der Wanderstock, ist er nicht schön?

Er hat so manchen Ort gesehn.

Hat den märkischen Sand durchstreift,

während in Fontane eine Geschichte gereift.

War ihm Stütze, wenn müde er wurd´,

rastete an eines Flüßchens Furt.

Immer zur Stelle,

mal langsam, mal schnelle.

Das Tempo immer angepaßt,

nie wurde ein Weg ihm zur Last.

Manchmal hat er ihm gewiesen

den Pfad über Stock und Wiesen,

wenn heiter er war im Sonnenschein,

ihm besonders leicht fiel etwas ein.

Immer war er treuer Begleiter,

auch wenn Theodor wußte nicht weiter:

Geht’s nach rechts oder geht´s nach links durch die Flur?

Geradeaus vielleicht? Wenn doch ein Schild hier wär nur!

In solchen Situationen hat der Wanderer so entschieden

und damit Umwege vermieden:

Er stieß mit Schwung den Stock in die Erde,

damit ihm so gewiesen werde

die Richtung, die nun einzuschlagen.

Der Handgriff tat sie ihm sagen!

Je nachdem, wohin dieser zeigte,

dorthin sein Dichterhaupt er neigte

und wanderte weiter der Nase lang.

Um sein nächstes Ziel ward ihm dann nicht bang.

Ja, er war gleichsam auch ein Wunderstock.

Dergleichen Fähigkeit hatte nicht sein Rock!

Jetzt will ich eingehen auf des Stockes Geschichte.

Gern ich dir davon berichte.

Zunächst ging Theodor ohne Stock.

Ihn mitzuschleppen, hatte er kein Bock.

Kannte am Anfang seiner Wanderungen durch den märkischen Sand

nicht die Vorzüge eines Wanderstockes beim Gehen übers Land.

Es war, das ist erwiesen, ich weiß es genau,

in der Märkischen Schweiz, unweit von einem Fuchsbau.

Er lief die Berge hinauf, hinunter,

war bald gar nicht mehr so munter.

2

Setzte sich an einen Baum zur Rast,

befreite sich von des Ranzens Last.

Machte ein Nickerchen in kühlendem Wind,

wachte auf, dachte bei sich: Wo einen Begleiter ich find,

der nur einfach ist da, gibt nicht Widerworte,

wandert mit mir von einem zum anderen Orte.

Kaum er es gedacht,

da fiel mit mäßiger Macht

vom Baum, an dem er sich lehnte, ein schlanker Ast,

der ihn, der gerad noch was wünschte, knapp verpaßt.

Erschrocken reißt er die Augen auf.

Ein Stock mit einem handlichem Knauf!

Schön geschwungen, mit vorzüglichem Griff versehen.

Dem Theodor war quasi ein Wunder geschehen!

Er stand auf, schwang den Ranzen auf den Rücken, nahm den Stock in die Hand,

pfiff munter ein Liedchen, zog fröhlich durchs Land.

Nimmer er von seinem Wanderstock ließ!

Gerüchteweis der Stock „Theo der Zweite“ fortan hieß!

Wer die „Wanderungen“ aufmerksam gelesen, mit Theodor so gewandert,

hat gleich gemerkt, daß seit diesem Ereignis der Erzählstil sich hat geändert.

Beschwingter erzählte er seitdem.

Das macht´s auch für den Leser bequem.

Bis zum letzten Gang war „Theo II.“ seinem Großen Theo treuer Begleiter.

Dann ging das gemeinsame Wandern nicht weiter.

In sein Grab hat man den Wanderstock nicht gelegt,

durch diesen Stock hier ist das belegt.

Weil, wenn er dort wäre, wäre dieser nicht hier.

Ich verbürge mich ausdrücklich dafür!

Marquardt, den 7. Januar 2013