Fontane

Ein brandenburgischer märkischer Schriftsteller. In dieser Kategorie finden Sie viele Texte und Informationen zu Fontane.

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Neuruppin: fontane.200/Autor

Mit Fahrrad und Sexappeal

Warum zu Ostern nicht auf Fontanes Spuren wandeln? Das zurzeit quirlige Neuruppin lädt zu einem Osterspaziergang geradezu ein. Überhaupt bietet der Landkreis Ostprignitz-Ruppin zu Ostern ein Kopf-an-Kopf-Rennen kultureller Höhepunkte. Die Eröffnung der Landesgartenschau in Wittstock und die Leitausstellung Fontane 200./Autor in Neuruppin locken sicher viele Besucher an.

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Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Von ribbeck (1)Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch

Kommt man von Potsdam/Berlin auf der B5 nach Ribbeck, zwingt gegenwärtig eine Baustelle alle Motorisierten in der Ortslage Ribbeck an der Ampel zum Anhalten. Für uns ein Moment, der die neugierige Erwartungshaltung auf den wohl bekanntesten Fontaneort im Havelland und darüber hinaus in gute Laune versetzte. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Nur wenigen Meter weiter strahlt uns ein Kleinod an, das uns in seinen Bann zieht. Wir möchten sofort anhalten und fotografieren und in das Schloss hineingehen. Doch zunächst muss ein Parkplatz her, und auch hier eine Baustelle …

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus … Sind am Wochenende bereits jetzt viele Besucher unterwegs, wird Ribbeck im zum Fontane-Jubiläum sicher einer der attraktivsten Besuchermagnete im Land Brandenburg sein. Und wer von außerhalb kommt und unweit des berühmten Birnbaumes des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland übernachten möchte, kann das auch.

1 Stunde wegFontane

Sieben Schönheiten im Havelland entdeckt

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Wer in der Mark reisen will, der muß zunächst Liebe zu „Land und Leuten“ mitbringen, mindestens keine Voreingenommenheit. Er muß den guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch krittliche Vergleiche totzumachen.

Der Reisende in der Mark muß sich ferner mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen. Es gibt gröbliche Augen, die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen, um befriedigt zu sein. Diese mögen zu Hause bleiben. Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen. „Auch die häßlichste“ – sagt das Sprichwort – „hat immer noch sieben Schönheiten.“ Ganz so ist es mit dem „Lande zwischen Oder und Elbe“; wenige Punkte sind so arm, daß sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muß sie nur zu finden verstehn. Wer das Auge dafür hat, der wag es und reise. … Das Beste aber, dem du begegnen wirst, das werden die Menschen sein, vorausgesetzt, daß du dich darauf verstehst, das rechte Wort für den „gemeinen Mann“ zu finden. (Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Die Grafschaft Ruppin, Auszug)

Einfach raus – es ist soweit, der Frühling lockt uns ins Havelland. Fontane im Sinn – sieben Schönheiten wollen wir heute finden. 6.45 Uhr starten wir.

Fontane

Auf Fontanes Spuren in Polen unterwegs

Das Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: WeirauchDas Fontane - Denkmal in Neuruppin wurde 1907 enthüllt. Foto: Weirauch

Erinnerungen an den Literaten zwischen Ostsee und Riesengebirge

Theodor Fontane ist vor allem mit seiner Heimat Brandenburg verbunden, der er in seinen Wanderungen und zahlreichen Romanen ein literarisches Denkmal setzte. So feiert man dort in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag mit vielen Veranstaltungen. Doch den Spuren des Schriftstellers und Journalisten kann man auch in Polen folgen.

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Mit Fontane in die Sommerfrische

Sommerfrische

17heodor Fontane, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr vor allem im Land Brandenburg begangen wird, hat uns neben bedeutenden Romanen und den 0517ielgelesenen “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” auch eine Menge Tagebücher und Briefe hinterlassen. Und der Schriftsteller weilte oft und gerne unter anderem im Harz, im Riesengebirge, Karlsbad sowie Nord- und Ostsee. Leider werden Fontanes Arbeitsaufenthalte an anderen Orten als in Brandenburg oftmals noch unter den Tisch gekehrt.

Umso verdienstvoller ist es, dass Bernd W. Seiler uns in seinem solide recherchierten Band mit zu einzelnen Stationen zu “Fontanes Sommerfrischen” mitnimmt. Das Buch erschien im Berliner Quintus-Verlag (Verlag Berlin BB) und besticht neben Reisebeschreibungen aus Fontanes Feder mit vielen historischen Postkarten und zeitgenössischen Abbildungen. Wer sich mit Fontanes Sommerfrischen beschäftigt und mehr als über die Wanderungen erfahren will, dem sei der Band wärmstens empfohlen. 

Fontane reist ins Riesengebirge

Das erste Mal war er 1868 in dieser Gegend, das letzte Mal 1892. Dazwischen, so hat Bernd W. Seiler recherchiert, war er achtmal im Riesengebirge. Der erste Aufenthalt war allerdings noch keine Sommerfrische, sondern hatte mit Recherchen für das zweite Kriegsbuch zu tun, einem wiederholten Besuch der Gefechtsfelder von 1866 in Mähren.

Blick vom Tempel über den Park von Buchwald hinüber zur Schneekoppe, Foto: Klaus Klöppel
Blick vom Tempel über den Park von Buchwald hinüber zur Schneekoppe, Foto: Klaus Klöppel

Hier geht es zur seite des Tals der Schlösser in Polen.

Erdmannsdorf, wo er sich zunächst einquartierte, lag auf dem Wege dahin, leuchtete als Station jedoch nicht unbedingt ein. Dennoch wollte Fontane unbedingt im Hirschberger Tal dort bleiben. Als er im dortigen Schweizerhaus kein Zimmer bekam, einem bekannten Gasthof neben dem Erdmannsdorfer Schloss, bemühte er sich um eine andere Unterkunft und fand sie im Haus des Ortsgendarmen Brey. Von dort ging er aber, so schreibt er, jeden Tag “zu Siecke ins Schweizerhaus” essen.
Seiler: “Was ihn eigentlich interessierte, war jedoch das Schloss, das seit bald vierzig Jahren den Hohenzollern und zu dieser Zeit der einzigen Tochter Wilhelm I., Prinzessin Luise von Preussen, gehörte. Mit dieser dreißigjährigen Frau in Kontakt zu kommen, hätte für Fontane eine Annäherung an das preußische Königshaus bedeutet, und darauf hatte es Fontane abgesehen.”

Hier geht es zum Tal der Schlösser in Polen.

Den Magen verdorben

Nach vier Tagen wurde er wiederum zur im Schloss wohnenden Familie  Münchhausens eingeladen, “diesmal zur Unterhaltung des alten Generalmajors und seiner Frau, die als Logiergäste gekommen waren.” Das Gespräch jedoch erwies sich als wenig ergiebig und war zweifellos nicht das, worauf er es abgesehen hatte. Außerdem war die Gastlichkeit bei den Münchhausens nicht die erfreulichste, vertraute er einem Brief an. Beim ersten Mal hatte sich Fontane  an „Krebsbutter-Reis“ den Magen verdorben, diesmal war es so „kellerkalt“, dass er sich noch am nächsten Tag unwohl fühlte.

Blick in den Schlosspark von Buchwald im Hirschberger Tal, Foto: Klaus Klöppel
Blick in den Schlosspark von Buchwald im Hirschberger Tal, Foto: Klaus Klöppel

Zwei oder drei Tagestouren hat Fontane selbst auch gemacht: eine Wanderung nach Schloss Buchwald, dessen bewunderter Landschaftspark ihn allerdings wenig beeindruckte, eine Fahrt mit dem Generalmajors-Ehepaar nach Bad Warmbrunn und Hermsdorf, wo der Berg Kynast bestiegen wurde, und eine Tour in das sechs Kilometer entfernte Schmiedeberg.  Ausführlich rekonstruiert Bernd W. Seiler die Touren. Wer mehr über das Hirschberger Tal am riesengebirge erfahren will, dem empfehle ich die Seite des dortigen Vereins Tal der Schlösser. 

 Die Ausflüge mit den Wangenheims führten nach Erdmannsdorf, Buchwald, Krummhübel und gleich mehrmals in das benachbarte Bad Warmbrunn, den ältesten und bekanntesten Kurort der Gegend. Um anzuzeigen, dass er sich dort keineswegs nur amüsierte, teilte er seiner Frau Emilie mit, dass er sich dort keineswegs nur amüsierte, dass er einmal in der „Halle“, ein andermal „in der Sonne“ mehrere Stunden gelesen hätte. Offenbar wollte er sie darüber beruhigen, dass ihm die weibliche Gesellschaft keineswegs das Wichtigste an diesem Aufenthalt war. Sie hatte ihn zweimal ironisch als „Ritter“ tituliert (1. September 1869), welche Briefe in dem Konvolut der erhaltenen Ehebriefe jedoch fehlen. Die zwei Wochen Urlaub mit den Wangenheims waren ihr fraglos nicht recht.

Natürlich hat Fontane auch im Riesengebirge immer an etwas gearbeitet, von 1895 an hauptsächlich an der Geschichte um den getöteten Förster Opitz, wie der Förster Frey in Quitt heißt. Er unternahm mit seiner Frau eigens eine längere Wanderung, um sich das Denkmal anzusehen, das ihm unterhalb der Kleinen Koppe errichtet worden war. Allein der Aufstieg über sechshundert Höhenmeter dauerte drei Stunden, doch Theodor Fontane fand alles „wundervoll zu verwenden, umso mehr, als sich hoch oben schon alpine Sterilität, Krüppelkiefer, Knieholz und Moorgründe mit wucherndem Huflattich mit einmischen“. Aus anderen Büchern wissen wir um Flirts, denen Fontane nicht abgeneigt war. Seiler schreibt hierzu: “Dass ihm Marie Richter mit ihrem Lebenswandel bald wirklich eine ganze „Novelle“ zu lesen gab, wusste er da noch nicht. Auf der Tour durch Böhmen wurde ihm der Flirt mit der Achtundzwanzigjährigen aber nachgerade zu viel. Sollte er zu der noch erwogenen „Kammpartie“ kommen, würde er sie „nicht mit Richters“ machen, schreibt er an seine Frau.” Mehr dazu in dem Buch.

Kirche Wang in Karpacz, Foto: KlausKloeppel
Kirche Wang in Karpacz, Foto: Klaus Kloeppel

Ein Ausflug führte Fontane auch zu der weithin bekannten Kirche Wang, einer norwegischen Stabholzkirche, die 1841 vom preußischen König erworben und oberhalb von Krummhübel wieder hingestellt worden war.

Fontane in Karlsbad

Zu Karlsbad hatte Fontane schon eine Meinung, als er noch längst nicht daran dachte, selbst dort hinzufahren: zum einen die, dass es teuer ist, zum anderen die, dass niemand weiß, ob es nützt.
Geeignete zwei Zimmer fanden sich in der Silbernen Kanne, einem alten, höchst bescheidenen Haus an der Neuen Wiese. Fontane fand es erträglich, litt aber unter einem Frühaufsteher über ihm. Dazu wurde Emilie von den Brunnen, die sie probierte, eher kränker als gesünder und konnte erst allmählich einen Nutzen erkennen.

Das Kurzentrum mit seinen teilweise eklektizistischen Bauten ist eine Attraktion, Foto: Czechtourism
Das Kurzentrum mit seinen teilweise eklektizistischen Bauten ist eine Attraktion, Foto: Czechtourism

Alles in allem bewertet er die Sommerfrische zuletzt als „sehr angenehm“ und zumal „nicht kostspieliger“, als es „der Aufenthalt an bescheideneren und minder renommierten Plätzen“ wäre. (12. September 1893)

Fontane war im Hotel Pupp

Am 4. September 1898 schreibt er an Sohn Friedrich: „Morgen ziehen wir bei Pupp von der Außenhalle in die eigentlichen Festsalons ein; die Außenkeller verschwinden und die Abschiedsszenen haben heute stattgefunden.“ Hier geht es zur Seite von Czechtourism mit dem Grandhotel Pupp.

Karlsbader Prachtstraße
Karlsbader Prachtstraße Foto: Weirauch

Der Restaurationsteil, heute Becher’s Bar ,nimmt den Namen mehrerer Badeärzte, aber auch den des Herstellers eines Kräuterlikörs – „Becherovka“ – auf, der zu legendärem Ruhm kam. Am 19. August 1893 spricht Fontane von einem „alten Dr. Becher …, dem in der Sprudelhalle ein Denkmal (große Porträtbüste) errichtet ist und der als der Schöpfer des Weltruhms von Karlsbad gilt“. Gemeint ist Dr. David Becher (1725 – 1792), Naturforscher, Arzt und Balneologe, zu dessen Andenken 1856 diese Büste aufgestellt wurde. Sie ging beim Abriss der Sprudelhalle 1939 jedoch verloren. Der Becherovka wird bekanntlich heute noch in Karlsbad hergestellt.

Infos zum Buch:

Bernd W. Seiler, Fontanes Sommerfrischen. Quintus-Verlag,Verlag für Berlin-Brandenburg, Binzstraße 19, 13189 Berlin. 1. Auflage 2018. ISBN 978-3-947215-31-7. Hier geht es zur Seite des Verlages.

 

Das Wiener Architekturbüro Helmer & Fellner errichtete auch diese Kolonnade, Foto: Czechtourism

 

Der Autor:  

Prof. Dr. Bernd W. Seiler, 1939 geboren, hat Germanistik und Geschichte in Kiel, München und Hamburg studiert. Auf Staatsexamen und Promotion folgte zunächst eine Tätigkeit als Studienrat, 1974 bis 2005 dann Lehrtätigkeit für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Bielefeld. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Bernd Seiler lebt in Bielefeld.

Die Mühlbrunnenkolonnade, Foto: Czechtourism
Die Mühlbrunnenkolonnade in Karlsbad, Foto: Czechtourism

 

 

 

 

Fontane

Hans-Dieter Rutsch beleuchtet Theodor Fontane

Fontane - 2018 (1)

Es ist ein Buch nach meinem Gusto. Viel habe ich schon über das Leben von Theodor Fontane gelesen. Oft sind die Biographien geglättet.  “Der Wanderer” aber von Hans-Dieter Rutsch entdeckt Fontane neu, spart bislang kaum Bekanntes nicht aus. Und beantwortet oft gestellte Fragen. Hier einige Aspekte aus dem lesenswerten Buch:

Fontane – Denkmal in Neuruppin

Auf Seite 15 schreibt Hans-Dieter Rutsch: “An der rechten Seite des Fontane-Denkmals ist eine Inschrift angebracht. Sie besteht aus vier Wörtern: „Dem Dichter der Mark“. Und schon beginnen die Missverständnisse. Als Dichter einer Landschaft oder Region verstand Fontane sich nie. Als Preuße sicherlich. Vor allem aber als ein Deutscher mit französischem Namen. Die Welt grübelt heute noch immer, in welcher politischen Ecke sie diesen deutschsprachigen Autor und sein Werk ansiedeln kann.

Fontane, ein blinder Preußenverehrer? Fontane, ein Feminist? Wer auf eindeutige Antworten hofft, so Rutsch, wird enttäuscht werden. Hunderte Germanisten auf allen Kontinenten sind ihm auf der Spur. Eine rein deutsche Angelegenheit ist diese literarische Erkundung schon lange nicht mehr.

Über Emilie Fontane

Fontanes Ehefrau heißt es auf Seite 17 u.a.: “Emilie Fontane fühlt sich als Ehefrau oft im Schatten ihres Mannes. Wieder und wieder schreibt sie seine Texte ab, redigiert, macht Vorschläge, äußert sich in Gesprächen. Oft geht er darüber hinweg, überarbeitet seine Texte erneut. Nun muss das von Strichen durchzogene Manuskript noch einmal abgeschrieben werden. So ergeht es Emilie Fontane ein Leben lang. Krisen schütteln die Ehe der beiden, auch schon die Zeit der fünfjährigen Verlobung. Zwei uneheliche Kinder zeugt der Dichter während der Verlobungsjahre „nebenbei“ in Dresden. Es wird eines der großen Geheimnisse der Fontanes.
Emilie sehnt sich nach Geborgenheit, er nach Erfolg als Autor. Eine achtundvierzigjährige Ehe der beiden und Tausende von Briefen gehören zur Bilanz ihrer Beziehung. Sie schreibt über die schweren Gewitter über ihren Häuptern und das Gefühl, getäuscht zu werden. Wann immer sie an ihm zweifelt, fehlt Hoffnung. Er kann so zärtlich und so hart antworten. Dieser Briefwechsel erzählt, wie sehr in der Ehe alles auf das Leben eines Menschen ausgerichtet ist: den Autor Theodor Fontane. Ihre Wohnung ist stets ein literarisches Büro, und alle Familienangehörigen stehen im Rang von Mitarbeitern.”

Grabstätte der Familie Fontane in Berlin, Foto. Weirauch
Grabstätte der Familie Fontane in Berlin, Foto. Weirauch

Fontane – Der Wanderer (S.25f)

Der Wanderer Fontane wird uns anempfohlen. Aber eine Enttäuschung muss vorweggenommen werden: Fontane ist mehr mit der Kutsche gefahren, als dass er lief. Meist zwang die knappe Zeit zur Eile. Auch der beschauliche Blick der Neuruppiner Bronzestatue in die Landschaft ist eher eine Wunschvorstellung des Bildhauers als die Wirklichkeit des Autors Fontane. Mag sein, es hat ab und an beschauliche Augenblicke gegeben. Meistens zum Essen in den Gasthöfen. Ansonsten hetzte er von Ort zu Ort, war heute hier und morgen dort und dann schon wieder ganz woanders. Oder er schrieb. Dann reiste er in Gedanken noch  einmal die Wege ab, durchschritt Kirchenräume und Schlösser.
Fontanes einziges Hilfsmittel ist sein Notizbuch. Meist nutzt er die frühen Morgenstunden, um in seiner Unterkunft zu notieren, was er am Tag zuvor gesehen und gehört hat. Es ist niemand um ihn, dem er diktieren könnte. Kein bei seinen Recherchen entdecktes Dokument kann er – außer durch das Abschreiben – kopieren. Ein Fotoapparat steht ihm nicht zur Verfügung. Solche Apparate sind zwar erfunden, aber nur durch Spezialisten zu bedienen und für den Einsatz auf Reisen noch völlig ungeeignet.

Fontanes Geburtshaus

Hans-dieter Rutsch stellt beim Besuch des Geburtshauses von Fontane eine bis heute unbeantwortete Frage. Er schreibt auf Seite 35: So präsent das bronzene Denkmal für Theodor Fontane den ehemaligen Wall von Neuruppin überragt – in der selbsternannten „Fontanestadt“ sind Spuren des Dichters so einfach nicht auszumachen. Am „Fontanehaus“ in der heutigen Karl-Marx-Straße mit der Hausnummer 84, dem authentischen Ort der Geburt des Dichters, ist selbst der aufmerksame Tourist schneller vorbeigelaufen, als er ahnt.

Die „Löwen-Apotheke“ der Fontanes zu entdecken verlangt mehr als nur Umsicht: Man muss das Haus erst einmal finden. Dabei steht es mitten in der Stadt und ist aus der Sicht der Neuruppiner nicht zu übersehen. Die Neuruppiner wundern sich kopfschüttelnd darüber, wie man als Tourist daran vorbeilaufen könne.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Vom Denkmal aus der Hauptstraße Richtung Zentrum folgen unde nicht erwarten, von Hinweisschildern gelotst zu werden. … Sollen wir Fontane in der Fontanestadt Neuruppin übersehen?

Fontane – Museum ?

Und wie viele vor ihm stellt Hans-Dieter Rutsch auf Seite 45 auch die Frage: “Warum wurde hier kein Museum eingerichtet? “Deutschland würde die Dokumentation dieses ungewöhnlichen Dichterlebens am authentischen Ort seines Beginns gut zu Gesicht stehen. Seit über einhundert Jahren sammeln Germanisten akribisch die Puzzleteile dieser literarischen Existenz. Vor dem Geburtshaus Fontanes stehend, bleiben wir ohne Ahnung davon. Es fehlt buchstäblich jeder Hinweis darauf. Vielleicht ist der Grund simpel: Niemand wagt bis jetzt, den einst geschaffenen Mythos Fontane vom ach so nett dreinblickenden Mann zu berühren. …

In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch
In der heutigen Karl-Marx-Straße 84 wurde Fontane geboren Foto: Weirauch

S. 49: Auch der zweihundertste Geburtstag wird vergehen, ohne dass sich daran etwas ändert. Die Fassade des Fontanehauses in Neuruppin bleibt weiter undurchsichtig.

Fontane und Potsdam (S. 277)

Wie ist es mit der Abneigung Fontanes zu Potsdam bestellt ? “Eigentlich mag er Potsdam nicht. Aber das ist eine lange Geschichte. Sie hat ein wenig mit seinem Verhältnis zu Theodor Storm zu tun. Der hat sich hier als Beamter versucht und es nicht lange ausgehalten. Diese Stadt quillt über von Militär. Ist sie nicht nur eine riesige Kaserne? Vor dem Potsdamer Marstall sieht er aus dem Waggon für einen Augenblick die exerzierenden Soldaten. Und dann dieses Stadtschloss! Eine Herberge für Beamte. Dann liegt Potsdam hinter ihm. Hätte er nicht doch an der Station „Park Sanssouci“ aussteigen sollen? Der Aufstieg zum Schloss hat es ihm angetan.

Der Blick auf die Friedenskirche auch. Diese italienische Enklave. Diese Abgeschiedenheit, die sie bietet. Er beschließt, sich dort einmal einzuquartieren. Aber nun ist es zu spät für diesen unvergleichlichen Park. Jedenfalls für heute. Was wäre, wenn er noch weiter bis Burg fährt und dort am Bahnhof nachlöst? Oder schon vorher aussteigt und bis Burg läuft?
Er sitzt allein im Abteil. So mag er das Reisen. Niemand, der ihn anspricht, keine Flüsternden Paare, keine sich streitenden Familien. Er hat Zeit für sich, kann nachdenken. Könnte auch lesen.”

Die Wanderung des Nachlasses

Auch für sein Nachleben und den Lebensunterhalt seiner Familie sorgte Theodor Fontane indirekt vor: Er führte seinen Sohn Friedrich als Verleger in den deutschen Literaturbetrieb ein. Als jüngstes Kind der Fontanes fiel Friedrich die Rolle zu, nach und nach die Herausgabe der gesammelten Werke seines Vaters anzustreben. Der Sohn ließ die Verlagsfirma F. Fontane & Co. zum 1. Oktober 1888 in das Handelsregister eintragen und seinen Namen als Geschäftsführer hinzufügen. In den Jahren zuvor ließ ihn der Vater eine Ausbildung zum Buchhändler bei Gustav Langenscheidt absolvieren.

Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch
Grab von Friedrich Fontane und seiner Frau auf dem Friedhof in Neuruppin. Foto: Weirauch

Das Schicksal der Tagebücher

Neuruppin verpasste die Gelegenheit, mehr als nur ein touristischer Ort für die Fontane-Liebhaber zu werden. Die Stadtväter haben die Chance, die sich mit einem Erwerb des Fontane-Nachlasses bot, nicht ergriffen. Der damalige Schätzwert von einhundertzwanzigtausend Reichsmark war eine stattliche Summe, aber keine, die man nicht hätte aufbringen können. Was fehlte, waren der nötige Weitblick und das Erkennen des Potenzials.

Fontane-Gesellschaft in Neuruppin

Die im Jahr 1990 in Potsdam gegründete Fontane-Gesellschaft wählte zwar Neuruppin als Sitz für ihre Geschäftsstelle, vergibt inzwischen auch einen „Fontane-Preis der Stadt Neuruppin“, aber ein internationaler Fontane-Ort ist Neuruppin durch den unterlassenen Erwerb des Nachlasses nicht geworden. Den Neuruppinern gelang zwar, den Titel „Fontanestadt“ zu erwirken. Ein literarisch gewichtiger Ort ist Neuruppin aber noch nicht.

Wer ist eigentlich dieser Fontane ?

Die Spurensuche zu Fontane hält an, ab Seite 327 schreibt Hans-Dieter Rutsch:”Theodor Fontane „überlebte“ das Chaos der ersten Nachkriegsjahre. Nahezu geräuschlos wurde sein literarisches Werk „entnazifiziert“. Aber zu mehr reichte es in der damaligen Zeit nicht. Wer eigentlich verbarg sich hinter dem Namen Theodor Fontane? Eine groß angelegte Suche danach begann in beiden deutschen Staaten. Nach 1989 entwickelte sich das Fontane-Archiv in Potsdam zu einem Ort, der diese Suche bis heute fördert und koordiniert. Abgeschlossen ist sie noch immer nicht. Fasziniert von den Welten, die der gebürtige Neuruppiner literarisch erwanderte, folgen ihm Jahr für Jahr neue Leser auf allen Kontinenten und fahnden nach jenem Mann, der Theodor Fontane war. Die Zahl der entstehenden Diplomarbeiten und Dissertationen ist inzwischen vollkommen unüberschaubar. Es ist, als ob wir noch immer am Anfang einer langen Wanderung stehen….

Das von Dietrich Rohde gestaltete Fontane-Denkmal steht im Precise Resort Schwielowsee, Foto: Weirauch
Das von Dietrich Rohde gestaltete Fontane-Denkmal steht im Precise Resort Schwielowsee, Foto: Weirauch

Zusammengefasst: Dieses Buch entdeckt einen hellsichtigen, in seiner Zeit neuartigen Dichter, der rastlos das frühmoderne Deutschland beschrieb und darin auch unsere Gegenwart, der sich schon damals nach Entschleunigung, Schlichtheit sehnte – einen doppelten Fontane, der unser Zeitgenosse ist.

Hans-Dieter Rutsch, Der Wanderer. Das Leben des Theodor Fontane. Rowohlt-Berlin Verlag GmbH, 1. Auflage 2018. ISBN 978 3  7371 0026 7. www.rowohlt.de

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