1 Stunde weg

In dieser Kategorie werden Reiseziele vorgestellt, die innerhalb von einer Stunde per Zug, Auto oder Fahrrad von Berlin aus zu erreichen sind. Dabei darf man nur nicht die Frage stellen: “Eine Stunde weg mit Startpunkt Berlin- Mitte oder Berlin-Zehlendorf?” Es geht mehr darum, die Stadtgrenze von Berlin als Startpunkt zu nehmen.

1 Stunde weg

Bei Rio Reiser auf dem Alter St.-Matthäus-Kirchhof Berlin

Matthäus (3)Rio Reiser, der Sänger, Musiker, Komponist, Liedtexter und Schauspieler

Das Schauspielmusical „RIO REISER. KÖNIG VON DEUTSCHLAND“ von Heiner Kondschak wird am Potsdamer Hans-Otto-Theater vor regelmäßig ausverkauften Haus gespielt. Wir waren zu spät, es gibt keine Karten mehr. Das Stück erzählt die Geschichte Rio Reisers anhand seiner Lieder, die auf selten erreichte Weise Politisches und Privates aufeinander beziehen. Umso mehr erinnere ich mich an Gert Möbius, den Bruder von Rio Reiser, der 1992 und 1993 desöfteren in Potsdam war, um für die Potsdamer Stadtspieltruppe (Chef war damals der Schauspieler und Regisseur Wilfried Mattukat) Stücke zu schreiben und mit Börris von Liebermann (kam von den Berliner Festspielen und war der -heute würde man wohl sagen- Generalmanager der 1000-Jahr-Feier von Potsdam) Projekte zu entwickeln. Auch ein Konzert von „Ton Steine Scherben“ mit Rio Reiser gab es auf dem Potsdamer Luisenplatz. Ich erinnere, der Platz war damals voll.

Rio Reiser, der Sänger, Musiker, Komponist, Liedtexter und Schauspieler
Rio Reiser, der Sänger, Musiker, Komponist, Liedtexter und Schauspieler, Foto: Weirauch

1996 erfuhr ich vom Tod Rio Reiser und das er auf seinem Bauernhof in Nordfriesland begraben wurde. Vor einigen Jahren erfolgte dann die Umbettung auf den Alter St.- Matthäus-Kirchhof in Berlin, den wir unlängst besuchten, um das Grab des Verlegers von Theodor Fontane zu finden. Hier unsere Reminiszenz zum Friedhofsbesuch.

Wilhelm Ludwig Hertz (1822–1901) war u.a. Verleger Theodor Fontanes
Wilhelm Ludwig Hertz (1822–1901) war u.a. Verleger Theodor Fontanes

Der Alte St. Matthäus-Kirchhof hat für Berlin neben dem Dorotheenstädtischen Friedhof und dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof (vor dem Toren der Stadt gelegen) so etwas wie den Status eines Prominentenfriedhofs.

Zahlreiche Berühmtheiten sind auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof beerdigt, darunter Ärzte, Architekten und Unternehmer sowie haufenweise Juristen, beispielsweise Amts- und Landgerichtsräte. Auch einige Villenbesitzer aus dem damaligen Neubabelsberg (rund um den Griebnitzsee) fanden hier ihre letzte Ruhe.

Ludwig Karl Virchow vertrat eine sowohl naturwissenschaftlich wie sozial orientierte Medizin
Ludwig Karl Virchow vertrat eine sowohl naturwissenschaftlich wie sozial orientierte Medizin

Wir entdecken die Gräber von Rudolf Virchow, Carl Bolle und des Bildhauers Friedrich Drake, der die „Goldelse“ auf der Berliner Siegessäule schuf.

Bildhauer Friedrich Drake, u.a. schuf er die Viktoria auf der Berliner Siegessäule.Natürlich auch der Architekt Alfred Messel, bekannt für Berliner Verwaltungsbauten. Viele Besucher kommen auch zu den Gräbern der Gebrüder Grimm.

Gräber für Auguste Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm sowie deren Söhne
Gräber für Auguste Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm sowie deren Söhne

Blick auf den Garten der Sternenkinder, eine Ruhe- und Gedenkstätte für Fehlgeburten, Totgeburten und Babys die während oder kurze Zeit nach der Geburt gestorben sindBernd Broßmann vom Cafe „finovo“ öffnet unser Herz, als er über den „Garten der Sternenkinder“ erzählt. Wir kommen bestimmt wieder….

Öffnungszeiten des Alter St.-Matthäus-Kirchhof

Februar, November       8:00 – 17:00

März, Oktober 8:00 – 18:00

8:00 – 19:00 April, September

Mai-August     8:00 – 20:00

Januar, Dezember 8:00 – 16:00

Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé "Finovo"
Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé “Finovo”

Hier weitere Informationen

1 Stunde wegFontane

Kirchhof mit Her(t)z

MatthäuskirchhofWilhelm Ludwig Hertz (1822–1901) war u.a. Verleger Theodor Fontanes

„ – Die zur Durchsicht gewünschten Blätter bringe ich morgen Mittag oder schicke sie; es ist nahezu die Hälfte des Ganzen. Ich würde Ihnen vorschlagen nur das lange Kapitel „Marquardt“ zu lesen, da haben Sie alle Züge des Buches vereinigt: Schloß-, Park- und Landschaftsbeschreibung, Historisches Anekdotisches, Familienkram und Spukgeschichte. Mehr kann man am Ende nicht verlangen.“ Diesen Lesevorschlag für seinen III. Band der „Wanderungen“ übermittelte Theodor Fontane am 9. Mai 1872 an seinen Verleger Wilhelm Ludwig Hertz.In einigen Briefen unserer „Weihnachtspost“ klang das Fontane-Jubiläum im kommenden Jahr an. Grund für uns, wieder weiter auf den „Spuren Fontanes“ zu wandeln, so u. a. auch an Personen zu erinnern, die einen regen Gedankenaustausch mit ihm führten.

Die eingangs geschriebenen Worte Fontanes an den Berliner Wilhelm Hertz, geben in wenigen Worten den Aufbau der berühmten „Wanderungen“ wieder. Vielleicht ist diese Mischung aus allem das Erfolgsrezept seiner Wanderungen, die heute noch so viele Anhänger findet. Wilhelm Hertz scheint der Vorschlag gefallen zu haben, nur wenige Wochen später war bei Fontane der „Bedürftigkeitsmoment“ gekommen, um Wilhelm Hertz am 1. Juni 1872 um einen Vorschuss von 100 Talern („1500 Exemplare bei 600 rtl. Honorar“ – so das Arrangement vom 8. Mai 1872) zu bitten. Am 3. Juni 1872 bedankt sich Fontane bei Hertz.

Die Briefe Theodor Fontanes an Wilhelm Hertz sind veröffentlicht und widerspiegeln den teils freundschaftlichen Kontakt, der den märkischen Dichter mit dem Verleger verband. Der Leser bekommt zudem einen Einblick in den Berliner Literaturbetrieb des 19. Jahrhunderts. 1847 hatte Wilhelm Hertz den Verlag Bessersche Buchhandlung übernommen. Unter den Autoren von mehr als 1000 Verlagswerken zählten neben Theodor Fontane auch Gottfried Keller, Paul Heyse, Wilhelm von Kügelgen und Hermann Grimm. Nach dem Tod von Wilhelm Hertz verkauften die Erben den Verlag an die J. G. Cottasche Buchhandlung in Stuttgart.

In ihrem Weihnachtspost machte Dr. Gabriele Radecke auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof aufmerksam. Sie erwähnte den Beitrag von Tilman Krause in der “Welt”, der Spuren Fontanes in Berlin aufsuchte. In seinem Roman “Die Poggenpuhls” hatte Fontane die Witwe Poggenpuhl, die in der Großgörschenstraße wohnte, auf den Friedhof schauen lassen. Fontane schreibt u.a. in seinem 1896 veröffentlichten Roman „Die Poggenpuhls“ über seine Protagonisten in der Großgörschenstraße: „Die Poggenpuhls – eine Frau Majorin von Poggenpuhl mit ihren drei Töchtern Therese, Sophie und Manon – wohnten seit ihrer Übersiedlung von Pommersch-Stargard nach Berlin in einem gerade um jene Zeit fertig gewordenen, also noch ziemlich mauerfeuchten Neubau der Großgörschenstraße, einem Eckhaus, das einem braven und behäbigen Manne, dem ehemaligen Maurerpolier, jetzigen Rentier August Nottebohm gehörte. Diese Großgörschenstraßen-Wohnung war seitens der der Poggenpuhlschen Familie nicht zum wenigsten um des kriegsgeschichtlichen Namens der Straße, zugleich aber ach um der sogenannten >>wundervollen Aussicht<< willen gewählt worden, die von den Vorderfenstern aus auf die Grabdenkmäler und Erbbegräbnisse des Matthäikirchhofs, von den Hinterfenstern aus auf einige zur Kulmstraße gehörige Rückfronten ging, an deren einer man, in abwechselnd roten und blauen Riesenbuchstaben, die Worte >>Schulzes Bonbonfabrik<< lesen konnte“.Heute ist der Blick kaum nachzuvollziehen, hohe Bäume versperren die Sicht.

Auch in seinem Klassiker “Effi Briest” wird die Großgörschenstraße erwähnt.er 1. Weihnachtsfeiertag führte uns nach Schöneberg auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof. Freunde hatten uns berichtet, dass das Grab des Verlegers seit 1984 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet ist. Und nun “treffen” wir Fontanes Verleger auf dem Friedhof. Wer war dieser Mann eigentlich ? Der am 26. Juni 1822 in Hamburg geborene Wilhelm Ludwig Hertz, Sohn von Adalbert von Chamisso und Marianne Hertz, verstarb am 5. Juni 1901 in Berlin. Die letzte Ruhe fand er auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

Verleger Ferdinand Springer war Schwiegersohn des Verlegers Hertz
.

Durch die Hochzeit seiner Tochter Emma Hertz im Jahr 1879 war er der Schwiegervater des Berliner Verlegers Fritz Springer. Auch diese Familie hatte mit Fontane zu tun. Springers Grabstätte befindet sich auch auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof.

Aus dem Internet hatten wir bereits erfahren, dass der Friedhof seit der ersten Beisetzung am 25. März 1856 zunehmend über die Gemeinde hinaus an Beliebtheit gewann. In der Umgebung entstanden Villen mit Gärten für höhere Beamte, bedeutende Unternehmer, bildende Künstler und bekannte Wissenschaftler. Seit dem späten 19. Jahrhundert war das Wohngebiet als „Geheimratsviertel“ bekannt.

Tilman Krause schreibt in der “Welt” vom 22.12. auch: “Auf dem Friedhof liegt auch ein Mitglied aus jener altpreußischen Familie begraben, die Theodor Fontane zum eingangs zitierten (und sonst nicht belegten) Namen Vitzewitz inspiriert haben dürfte. Es trägt den poetischen Namen Cölestin von Zitzewitz. Denn bei Fontane ist es eben manchmal nur ein Buchstabe, der die Wirklichkeit von der Literatur trennt.”

Preußischer Adel: von Zitzewitz, Vorbild für eine Fontane-Figur
Preußischer Adel: von Zitzewitz, Vorbild für eine Fontane-Figur

Übrigens gibt es noch eine weitere Geschichte zu dem Friedhof und Theodor Fontane. Darüber informieren Robert Rauh und Gabriele Radecke auf dem Blog  Fontanes-Wanderungen.de. Heinrich Drake, der berühmte Bildhauer hat auch auf dem alten St. Matthäus-Friedhof sein Grab. Darüber später mehr.

 

Und wen wir noch alles so trafen auf diesem schönen Berliner Friedhof und was der Friedhof mit dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, gemeinsam hat, erfahrt ihr demnächst hier.

Einige Tipps Alter St.-Matthäus-Kirchhof Berlin

Der Alte St.-Matthäus-Kirchhof Berlin ist ein historischer Friedhof in Berlin mit vielen kulturhistorisch bedeutenden Grabmälern, die heute unter Denkmalschutz stehen. Der Kirchhof liegt zwischen der Großgörschen- und der Monumentenstraße im Ortsteil Schöneberg auf der sogenannten Roten Insel.

Adresse: Großgörschenstraße 12-14, 10829 Berlin

Infos zum Friedhof bei gutem Kaffee oder Tee gibt es im Cafe finovo.

 

Der Förderverein E.F.E.U. engagiert sich für den Friedhof.

Hier geht es zur Friedhofsverwaltung und einen Lageplan.

2019 Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam,dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv

sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen 

mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt.

Robert Rauh schreibt über seine neuen Wanderungen auf den Spuren zu Theodor Fontane auf der Seite  http://fontanes-wanderungen.de/

Dr Band: Theodor Fontane: Briefe an Wilhelm und Hans Hertz 1859 – 1898 , Ernst Klett Verlag Stuttgart, ist nur antiquarisch oder im Internet erhältlich.

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Robert Rauh und Erik Lorenz: Buch zu den fünf Schlössern

+ Spurensuche in Wustrau

+ Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz /OT von Potsdam

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

+ Wer war Effi Briest

Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé "Finovo"
Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé “Finovo”
Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé "Finovo"
Die gute Seele des Kirchhofs Bernd Boßmann vor seinem Friedhofscafé “Finovo”
Bildhauer Friedrich Drake, u.a. schuf er die Viktoria auf der Berliner Siegessäule.
Bildhauer Friedrich Drake, u.a. schuf er die Viktoria auf der Berliner Siegessäule.
1 Stunde weg

Es wird noch süßer in Karls Erlebnis-Dorf

Eiswelt in Karls Erlebnis-Dorf Elstal, Foto: Kärstin WeirauchPrinzessinnenträume aus Eis in der gerade eröffneten 4. Eiswelt in Karls Erlebnis-Dorf Elstal, Foto: Kärstin Weirauch

Pünktlich zur Adventszeit wird es süßer in Karls Erlebnis-Dorf Elstal.as Thema: “Träumen, erleben und genießen im größten Gummibeerchen-Land”. Unter diesem Motto lädt Robert Dahl, Inhaber von Karls Erlebnis-Dorf, ab dem 1. Dezember 2018 seine kleinen und großen Gäste in die Erlebniswelt nach Elstal ein. Karls Lieblingsfrucht – die Erdbeere – hat sich auf die Winterzeit eingestellt.

Ein kleine Prinzessin aus Eis reitet auf der Schnecke, die bei den Erdbeeren nichts zu suchen hat, Foto: Kärstin Weirauch
Ein kleine Prinzessin aus Eis reitet auf der Schnecke, die bei den Erdbeeren nichts zu suchen hat, Foto: Kärstin Weirauch

“Komm ins Erdbeerkönigreich” – eisig ist es in der 4. Eiswelt, die in Karls Erlebnis-Dorf Elstal zu erleben ist. In der größten Eisfigurenausstellung Deutschlands regieren Königin und König im Erdbeerkönigreich. Auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern versetzen an 14 Stationen erdbeerige Eislandschaften aus 300 Tonnen Eis Besucher ins Staunen. Auf der faszinierenden Reise durch die minus sieben Grad kalte Erlebniswelt werden fantastische Tierwelten zwischen gefrorenen Erdbeerpflänzchen präsentiert, Einblicke in Karls riesige Erdbeertunnel gegeben und das Schloss des einzig wahren Erdbeerkönigs vorgestellt.

Komplett aus farbigem Eis: der Porsche Traktor, Foto: K.Weirauch

Ob überdimensionale Prinzessinnen-Kutsche, Fedfahrzeug Porsche-Trecker, Erdbeer-Produnktionshalle, Erdbeer-Prinzessin, Schloss des einzig wahren Erdbeer-Königs sowie Hummel, Biene, Schnecke u. a..  24 internationale Künstler aus zwölf Ländern haben unter der künstlerischen Leitung des bewährten Othmar Schiffer-Belz (der seit dem Jahr 2004 bereits 17 Eis-, Schnee- und Sandfiguren-Ausstellungen von Karls Erlebnis-Dörfern inszeniert hat), 24 zauberhafte Eisfiguren erschaffen, die mit Licht- und Musikeffekten eine einzigartige Ausstellung um geeiste Rutschen und eine royale Eisbar inszenieren. Erstmals wird mit farbigem Eis gearbeitet, das die Eisshow noch bunter und farbenfroher macht. 300 Tonnen Eis wurden verarbeitet.

Bis November 2019 ist die 4. Eiswelt in Karls Erlebnis-Dorf zu sehen.

Freizeitspaß und Beerengeschlemmer

Die Eiswelt ist Teil des gerade eröffneten  neuen “Gummibeerchen”-Lands. So ist das Karls Erlebnis-Dorf eben, eine neue Attraktion kommt selten allein: Ab morgen können Leckermäuler noch eine weitere spektakuläre Erlebniswelt in Besitz nehmen. Wie Erdbeerbonbons und Erdbeermarmelade in Karls Erlebnis-Dorf hergestellt werden, weiß ja schon jedes Kind. Ab morgen, dem 1. Dezember 2018, lernt man nun auch alles über die Gummibeerchen-Herstellung im Gummibeerchen-Land. Heute klappte alles schon ganz gut, lustig wie die vielen Gummibeerchen im “Zementmischer” durchgeschüttelt wurden.

Vergrößerte Manufaktur stellt selbstgemachte Gummibeerchen her Foto: Karls Erlebnis-Dorf
Vergrößerte Manufaktur stellt selbstgemachte Gummibeerchen her Foto: Karls Erlebnis-Dorf

Es macht nicht nur den Kindern Spaß bei der Herstellung der beliebten Süßigkeit zuzuschauen, auch die Erwachsenen waren kamen im wahrsten Sinne auf ihre “Kosten”. Und sie schmecken natürlich nach Erdbeeren, wie soll es auch anders sein. Die Leckerbissen werden allesamt von Hand hergestellt und bestehen zu 55 Prozent aus echten Früchten. Bis zu 24 Stunden trocknen die fertigen Fruchtgummis im Beerchen-Ruheraum. Und im Gummibeerchen-Land steht natürlich nicht nur das Gummibeerchen im Mittelpunkt. Im Zentrum der wohl kuriosesten Indoor-Erlebniswelt der Region Berlin-Brandenburg erwarten ab morgen auch bezaubernde Fahrgeschäfte und Attraktionen wie ein Free-Fall-Tower (“Saftpresse) sowie ein historisches Karussel (“Beerenschleuder”) ihre Gäste.

Robert Dahl, der Chef des Familienbetriebes mit dem Maskottchen Karlchen, Foto: K.Weirauch
Robert Dahl, der Chef des Familienbetriebes mit dem Maskottchen Karlchen, Foto: K.Weirauch

Im Außenbereich öffnet ein großes Beerchen-Autoscooter seine Pforten. Allerlei Zirkusinterieur vermittelt zur Adventzeit nostalgisches Kirmes-Flair und macht den “Jahrmarktbesuch” zur Zeitreise für Jung und Alt.

Der Eintritt in Karls neues Gummibeerchen-Land ist frei. Es empfiehlt sich aber eine Tageskarte (12 Euro) oder Jahreskarte (33 Euro) zu kaufen, um alle Attraktionen “erleben” zu können. Die Jahreskarte kann auch für die anderen Karls Erlebnis-Dörfer (u.a. rostock – Rövershagen) genutzt werden.

Ausblick 2019/2020

Langweilig wird es nie – ein Markenzeichen von Karls Erlebnis-Dorf. Und so kündigte der Unternehmer bereits für den 13. April 2019 “Karls Erdbeer-Plansch” an. soviel sei verraten:  zehn spektakuläre Wasser-Attraktionen erwarten dann Groß und Klein.

Sprüht vor neuen Ideen: Robert Dahl, der Chef des Familienbetriebes, Foto: K.Weirauch
Sprüht vor neuen Ideen: Robert Dahl, der Chef des Familienbetriebes, Foto: K.Weirauch

Und es geht weiter….. Ab 2020 lädt dann ein “Erdbeer-Hotel” seine Gäste ein, gleich im Erlebnis-Dorf zu übernachten. Das erscheint sinnvoll, denn ein Tag reicht fast nicht aus, um alle Erlebniswelten in Karls Erlebnis-Dorf intensiv wahrzunehmen. Eines ist sicher, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden immer neue Attraktionen für ihre Gäste bereit halten.

Freifallspaß in der „Saftpresse“ in Karls Gummibeerchen-Land Foto: Karls Erlebnis-Dorf

Karls Erlebnis-Dorf
Adresse: Zur Döberitzer Heide 1, 14641 Elstal (bei Berlin)

Anreise: Aus Richtung Nord und Süd: A 10 (Berliner Ring), Abfahrt 26: Berlin-Spandau, anschließend B5 Richtung Berlin-Spandau/-Zentrum, Ausfahrt: Karls Erlebnis-Dorf: Aus Wustermark durch den Ort, dann Richtung Berlin/Dyrotz. In das Navigationssystem bitte “Karls Erlebnis-Dorf”- Zur Döberitzer Heide 1, 14641 Elstal eingeben. Vor Ort sind ausreichend kostenfreie Parkplätze vorhanden.
Alle 60 Minuten verkehrt die Buslinie 668 (Bhf. Elstal-Wustermark-Zur Döberitzer Heide 1). Mit dem Zug aus Richtung Berlin Hbf. bis zu Bhf. Wlstal, weiter mit der Buslinie 668 zur Haltestelle “Zum Erlebnis-Dorf”.

Weitere Informationen:
www.eiskunstwerke.com
www.karls.de

Bild 2: Unterwegs im Beerchen-Autoscooter (Karls Erlebnis-Dorf)
Unterwegs im Beerchen-Autoscooter Foto: Karls Erlebnis-Dorf

Bild 3: Schlittschuhlaufen vor Karls neuem Gummibeerchen-Land (Karls Erlebnis-Dorf)
Schlittschuhlaufen vor Karls neuem Gummibeerchen-LandFoto: Karls Erlebnis-Dorf

1 Stunde wegReise

Zu Otto nach Magdeburg: Ottonianum

Magdeburg (2)Landesarchäologe Professor Dr. Harald Meller begutachtet die 3-D-Nachbildung der Bronzetumba von Erzbischof Ernst von Sachsen, Foto: Weirauch

Schon am Hauptbahnhof in Magdeburg empfängt mich der Hinweis auf das heute eröffnete Dommuseum Ottonianum. Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten hinüber zum Magdeburger Dom. Vorbei am Hundertwasserhaus. Bislang habe ich ein Dommuseum in Magdeburg vermisst. Nun endlich hat es eröffnet. Auf geht`s:  Zu Otto nach Magdeburg

Denn kaum eine andere Stadt in Deutschland ist so intensiv mit der Geschichte des frühen Mittelalters verbunden wie Magdeburg. In unmittelbarer Nähe zum Dom befindet sich das Ottonianum. Es ist in einer Schalterhalle von 1923 eingebaut worden. Das Gebäude der einstigen Reichsbank und späteren DDR-Staatsbank stand lange leer und beherbergt jetzt ein innovatives Museum der mittelalterlichen Kunst- und Kulturgeschichte.

1 Stunde wegFontanePotsdam

Fontaneort: Die Wiedergeburt des Fährhauses in Uetz

Uetz (2)

Einer der authentischsten Fontaneorte im Land Brandenburg ist das im Norden von Potsdam gelegene Dorf Uetz. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht gehörten Bornstedt, Marquardt, Uetz und Paretz zur Reiseroute Theodor Fontanes. Er besuchte die Orte um 1865 mehrmals.

In seinem Band „Havelland“ der Wanderungen widmet Fontane Uetz (das seit 1961 Teil des Doppeldorfes Uetz – Paaren ist) ein eigenes Kapitel. Darin beschreibt er unter anderem ein Gespräch mit dem  Fährmann. Wahrscheinlich war es der Fährmann (oder dessen Sohn), der 60 Jahre zuvor das preußische Königspaar über die Wublitz setzte.”

” Als der Kahn auflief, blieb sein Insasse stehen und sah mich an. Ich ihn auch. Endlich gewann er’s über sich und bot mir »Guten Abend«. Nach dieser Konzession von seiner Seite, denn so schien er es aufzufassen, glaubte auch ich ein Übriges tun zu müssen. So entspann sich denn, während der Kahn langsam wieder zurückglitt, folgende Unterhaltung:
»Guten Abend, Fährmann. Geht’s Geschäft?«
»I, wie wird’s denn gehn?«
»Na, ich sollte doch meinen. Da sind erst die Uetzer…«
»Die fahren umsonst.«
»Und dann all die Dörfer, die hier hinten liegen…«
Er schüttelte griesgrämig den Kopf, beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte: »Alles rum, immer rum!«
»Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren? Das ist ja die Meile sieben Viertel!«
»Das ist es. Aber was ein richtiger Bauer is, der geht nich übers Wasser.«
»Weil’s ihm zu unsicher ist?«
»Nich doch. Es is ihm bloß sicher, daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt. Das zahlt kein Bauer, wenn er nich muß. Und er muß nich. Eine Meile oder zwei, ihm ist’s all’ eins. Er braucht sie nich zu laufen. Er nimmt seine Peitsche, knipst und ruft seinen Gäulen zu: ›Der Hafer is teuer heut; verdient ihn euch!‹ Und der Uetzer Fährmann – na, der mag sehen, wo er seine Pacht hernimmt.«

Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit. Die Taxe war niedrig; ich gab ihm ein Stück Geld, etwa das Fünffache. Er nahm es, sagte nichts und erwiderte meinen »Guten Abend« durch ein Geknurr, das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ. Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex.” Soweit Fontane.

Seit dem Jahr 1797, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise Paretz als Sommersitz wählten, führte der Weg nach Paretz stets über die Wublitz bei Uetz. An  die  letzte Passage von Königin Luise  kurz vor ihrem  Tod  im Jahr 1810 erinnert noch heute die prächtige Eiche auf dem Fährgrundstück.

Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch
Hier, an dieser Stelle könnte die junge Königin Luise nach der Überfahrt gestanden haben. Foto: Weirauch

Von Uetz nach Paretz

Erst um 1830 besuchte der König wieder öfter Paretz. 1834 ließ er nach Plänen von Ludwig Persius das noch heute erhaltene Fährhaus in Fachwerk – Holzarchitektur im Schweizerstil an der Wublitz errichten. Was bislang kaum bekannt war: Im Innern enthält das Gebäude eine Stube für den Fischer und das Teezimmer des Königs. Das Fährhaus überdauerte die Zeiten. Die Wublitz ist seit dem Bau der Autobahn in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verlandet.

Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch
Mit viel Liebe und Detailkenntnis restaurierte Fassade. Foto: Weirauch

Ein Fährhaus ohne Fährstelle

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf restaurieren seit mehreren Jahren Henry Sawade und Sabine Swintek das so geschichtsträchtige Fährhaus. Die Arbeiten sind mittlerweile weit fortgeschritten. Henry Sawade weiß um den Aufwand: „Das ist eine Lebensaufgabe.“ Der gelernte Steinmetz  und  studierte Bildhauer hat das Denkmal aber mittlerweile originalgetreu erlebbar gemacht. Ein Großteil der Ziegelsteine der Außenwände wurde herausgenommen, nummeriert und gesäubert wieder eingesetzt.

1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch
1834 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet: das Fährhaus im Schweizerstil, Foto: Weirauch

Ein großes Stück ‚Arbeit liegt noch vor den Denkmalenthusiasten. Eine Augenweide ist das nach originalen Plänen bemalte Fachwerk samt Türen. Das Mauerwerk im Fachwerkverbund wurde gestrichen und Fugen aufgemalt.

Zum Fontanejubiläum im Jahr 2019 planen die Einwohner von Uetz mehrere Veranstaltungen. Henry Sawade ist sozusagen der Spiritus Rector. „Uetz war viel wichtiger, als bisher angenommen. An dem Ort kann man vieles erleben.“ Über das genaue Programm werden wir hier demnächst berichten.

Auf der Seite von Marquardt - Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch
Auf der Seite von Marquardt – Ausbau endet die Wublitz. Dann kommt der Damm der Autobahn. Foto. Weirauch

Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch
Der Fährweg führt von Maquardter Seite unter der Autobahnbrücke hindurch hinüber zum Fähr- und Fischerhaus. Foto. Weirauch

Sawade: „Uetz kann man als Verkehrs – Hotspot bezeichnen. Hier gab es bereits im elften Jahrhundert eine Fährverbindung. Und im 19. Jahrhundert sind an dieser Stelle Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise übergesetzt, um zu Schloss Paretz zu gelangen.“

Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch
Die Wublitz wurde durch den Autobahnbau geteilt und verlandete. Foto: Weirauch

Erst ab 1905 wurde hier eine Brücke als Übergang gebaut. Die Von – Wilms – Brücke existiert seit 1905 nicht mehr. Mitte der 1930er ließen die Nazis den Berliner Autobahnring bauen. Und der kreuzt als Damm den alten Wublitz-Arm. Auf der anderen Seite des Dammes reichte das Wasser, sechs bis sieben Kilometer bis nach Falkenrehde runter. An der Stelle, wo jetzt noch das Fährhaus steht, war der Wublitz – Arm über hundert Meter breit. Sawade: „Die Wasserlinie ist inzwischen versumpft, aber man erkennt sie noch.“

Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch
Vis a vis der Autobahn steht das Fährhaus in Uetz. Foto: Weirauch

2019 soll eine Stele am Fährhaus als Station des überregionalen Fontane – Radweges eingeweiht werden. Dazu gibt es eine Reihe von Festivitäten, auf die wir hier später eingehen wollen. Eines ist Henry Sawade wichtig: „Die ganze Dorfbevölkerung wird mitmachen. Und es gibt eine fiktive Figur, eine Ur-Ur-Ur-Enkelin von Fontane wird uns besuchen – mit einem Motorrad.“

Für die Fontane – Feiern in Uetz wurden Fördermittel bei der Stadt Potsdam und im Rahmen des Projektes „fontane200“ beantragt. „Wir sind zu spät, hoffen aber, dass unser Konzept überzeugt.“

Persius Erstlingswerk

Henry Sawade hat sich tief in die Geschichte des Fähr- und Fischerhauses und des kleinen Ortes eingearbeitet. „Das Fährhaus, anstelle der bisherigen reetgedeckten Fischerhütte errichtet, gilt als eines der Erstlingswerke von Persius. Persius entwarf das Haus für mehrere Zwecke: Zum einen als Wohn- und Arbeitsstätte für den Fischer, der gleichzeitig auch Fährmann war. Zum anderen erhielt der König einen separaten Aufenthaltsraum, das Teezimmer.“

Das Haus wird von Denkmalpflegern mittlerweile als lange unterschätztes Kleinod der Potsdamer Baugeschichte bewertet. Es ist eine Überraschung, wenn Sawade erläutert: „Wir haben sowohl im Teezimmer als auch in der Fischerstube aufwändige Wandfassungen freigelegt. Und selbst das Altenteil war ungewöhnlich aufwändig gestaltet. Die Standesunterschiede wurden also nicht durch die Aufwändigkeit in der Gestaltung verdeutlich, sondern, wie sich zeigte, durch die verschiedene Symbolik.“

Bildhauer Henry Sawade Foto: privat
Bildhauer Henry Sawade Foto: privat

Laut Sawade war die Absicht des Königs entscheidend, einerseits der früh verstorbenen Luise zu gedenken, andererseits seinem treuen Untertanen, dem Fährmann, zu danken. „Deshalb weisen die Malereien in der Teestube königliche Attribute wie Palmette und Lilie auf, während wir an den Wänden der Fischerstube ein Eichenlaubfries nachweisen konnten.“

Denn als Luise gestorben war, hatten die Uetzer zu ihrem Gedenken die Eiche gepflanzt, die auf dem Grundstück des Fährhauses noch steht. Und spannend dabei: „Die Außenfassung des Hauses nimmt Bezug zu diesem Solitär. Das Fachwerk, obwohl in Kiefernholz errichtet, wurde aufwändig in Eichenholzoptik maseriert. Dem entsprechen die Fensterladen, deren Bemalung farblich auf die jeweiligen Innenräume abgestimmt war und im geschlossenen Zustand eine sogenannte Kassette ergeben.“

Und noch einen Aha – Effekt gibt es zu bestaunen: „Die Innentüren sind einfache Kieferntüren, die aber aufgewertet wurden, indem man sie wie edle Kassettentüren aus Nussbaum mit Ebenholzintarsien illusionistisch bemalte.“

Auch an die Windmühle, die einst auf dem dem Fährhaus gegenüberliegenden Mühlenberg stand, soll mit einer Installation während des Jubiläums 2019 erinnert werden.

Theodor Fontane schrieb zum Abschied seines Besuches in Uetz: „Ich schritt nun die Querallee hinauf, kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg, hinter dessen Kamm, bereits erblassend, die Abendröte stand. Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber. Das Dorf, die Wublitz waren still; im Fährhaus schimmerte ein Licht, die Schwäne sammelten sich am Schilf, die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Uetz hin.”

Und zitiert aus dem Gedicht, das einst Schmidt von Werneuchen über Uetz schrieb die letzten Sätze: „Du schönster Ort im ganzen Havelland, Wer könnte je dich ungerührt verlassen!“

Tipp. Auf Seite 17 der Stationen der Fontane – Radroute wird Uetz erwähnt. noch ohne Infostele, aber sie wird kommen, ist sich Henry Sawade sicher. Hier geht es zur Fontane-Radroute.

Unsere nächste Station ist Paretz.

Informationen zum Fontanejahr 2019

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung„Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.
Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archivsowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

Spurensuche in Neuruppin

Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

Der Bornstedter Friedhof

Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

+ Die Wiedergeburt des Fähr- und Fischerhauses in Uetz

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Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Ribbeck (16)

Der schöne Brandenburgische Sommerherbst lädt zu Wanderungen im Havelland ein. Mit einem guten Freund aus Kassel an unserer Seite und die Theodor Fontanes berühmte Ballade “Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” (1889) im Rucksack begaben wir uns am Wochenende auf unsere Entdeckungsreise. Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Kommt man von Potsdam/Berlin auf der B5 nach Ribbeck, zwingt gegenwärtig eine Baustelle alle Motorisierten in der Ortslage Ribbeck an der Ampel zum Anhalten. Für uns ein Moment, der die neugierige Erwartungshaltung auf den wohl bekanntesten Fontaneort im Havelland und darüber hinaus in gute Laune versetzte. Die Baustelle wird nächstes Jahr zum Fontane-200-Jubiläum schon Geschichte sein, aber die am Ortseingang heruntergekommene Fontane-Gaststätte wohl nicht. Kein schöner Anblick, aber wir sehen es positiv, denn es kann nur besser werden.

Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Nur wenigen Meter weiter strahlt uns ein Kleinod an, das uns in seinen Bann zieht. Wir möchten sofort anhalten und fotografieren und in das Schloss hineingehen. Doch zunächst muss ein Parkplatz her, und auch hier eine Baustelle …

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus … Sind am Wochenende bereits jetzt viele Besucher unterwegs, wird Ribbeck im kommenden Jahr sicher einer der attraktivsten Besuchermagnete sein. Und wer von außerhalb kommt und unweit des berühmten Birnbaumes des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland übernachten möchte, kann das auch. Allerdings muss er Glück haben, denn die erste Ferienwohnung “Fuchs und Hase” wird mit Sicherheit langfristig ausgebucht sein.  Durch das riesengroße Panoramafenster der Ferienwohnung aus kann kann der Gast weit in das Havelland blicken.

Ein  “Festspielhaus” für Ribbeck

Nebenan ist die denkmalgeschützte Gutsscheune auch bereits aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger übergab jetzt an den Kulturvereins Ribbeck ein Zuwendungsbescheides über 214.000 Euro. Das Geld kommt aus dem Förderprogramm für ländliche Entwicklung. Die Gutscheune soll künftig ein zentraler Ort für Kulturveranstaltungen, Tourismus und regionalen Austausch entwickelt werden. Ein ambitioniertes Vorhaben für die ehemalige Gutsscheune, die mit einer Gesamtlänge von 75 Metern und 14 Meter Höhe ungefähr so lang ist wie Kirche und Schloss Ribbeck zusammen.

Die Gutsscheune wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut, Foto: Weirauch
Die Gutsscheune wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut, Foto: Weirauch

Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unter Hans Georg Karl Friedrich Ernst von Ribbeck als Teil des neuen Wirtschaftshofes in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut und diente damals zur Unterbringung der Ernte des gesamten Dorfes. Schon in ihrem maroden Zustand bietet die Scheune nicht nur Baufachleuten einen imposanten Anblick. Auch die Geschichte ihrer Nutzung lässt sich an ihrer Außenhaut ablesen. Im südlichen Bereich der Scheune wurde  nach dem 2. Weltkrieg ein Bauernhaus integriert, das noch heute bewohnt ist. Doch der größere Teil der Scheune stand seit Jahren leer und verfiel immer mehr. Nun stehen die Erneuerung des Dachtragwerks und die etwa 800 Quadratmeter umfassende Dacheindeckung im Vordergrund der Restaurierungsarbeiten. Arbeiten am Mauerwerk, der Einbau einer Elektroanlage sowie Sanitäranlagen sind eingeschlossen. Schon taucht die Vision eines Festspielortes auf. Wer den großen Zulauf der vergangenen Ribbecker Sommernächte in den vergangenen Jahren miterlebt hat, weiß, dass diese Vision kein Traum bleiben muss.

Zumal die Gutsscheune künftig auch für Märkte, Ausstellungen und Projektarbeiten genutzt werden soll. So wird das kleine Ribbeck zu einem lebendigen Ort, der für Jung und Alt etwas zu bieten hat. Dank des seit Jahren im Ort engagierten Architekten-Ehepaares Arndt und Sonja Herrmann kann es mit dem Ausbau der Scheune weitergehen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Familien von Ribbeck und Hermann unterstützen das Projekt finanziell.

Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch
Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch

Die Ribbecks auf Ribbeck

Das sehen auch Beate und Christian von Ribbeck, die Nachfahren des legendären alten Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Nur dort, wo die Menschen Visionen für ihren Ort entwickeln, bleibt er lebendiger Anziehungspunkt, macht es Spaß, wiederzukommen. Seit rund eineinhalb Jahren leben Beate und Christian  nun in Ribbeck. christian ist der Neffe von Friedrich Carl. Beide unterstützen ihren Onkel Friedrich-Carl von Ribbeck, der 1998mit seiner Frau Ute  in seinen Heimatort zurückkam. Er baute mit seiner Frau den ehemaligen Kutschpferdestall zu ihrem Wohnhaus aus. Auch in die alte Brennerei wurde wiederbelebt, u.a. mit der Birnen-Essig-Herstellung.

Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch
Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch

Über allen thront auf dem Schornstein der Brennerei alljährlich ein Storchenpaar, ein reizvoller Anblick und wenn man Glück hat, dann kann man die Störche auch klappern hören … “Klappern” für die Manufaktur und ihre Produkte, in Ribbeck läuft alles Hand in Hand.

Herr von Ribbeck im Havelland
Friedrich-Carl von Ribbeck vor einem Birnbaum an der Brennerei Foto: Weirauch

Besuch im Waschhaus bei der Tortenfee

Ein Besuch in Ribbeck lohnt sich immer. Auf das Handwerk einer Waschfrau wird der Gast in einem Café aufmerksam gemacht. Marina Wesche sagt selbst: “Mein Name ist Programm.” Ein Café und Hofladen ziehen die Gäste  in das “Alte Waschhaus”.  Seit 2008 bleibt kaum ein Stuhl leer zwischen den Wäscheleinen mit historischen handgewebten und gestickten Deckchen, Schürzen und Leibwäsche sowie alten Waschzubern und Waschzubehör. Und die selbstgemachten Birnentorten finden immer neue Genießer.

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläums ihres Cafés erscheint ihr erstes Kinderbuch “Greta und die Birnentiere” (ISBN 978-3-00-057632-4). Ein Buch über die Katze Greta, die im Dorf Ribbeck seit 2016 lebt und statt der Flöhe “Birnentiere” hat. Die Katze möchte den Jungen Max in das Land der Birnentiere locken. Und so beginnt ein (birn)-tastisches Abenteuer, das Fantasie mit wahren Gegebenheiten verwebt. Vielleicht begegnet der ein oder andere kleine oder große Gast der Katze Greta in Ribbeck. Denn seit Marina Wesche in der Alten Wäscherei “wescht”, ist wohl auch die Katze an ihrer Seite.

"Waschfrau" Marina Wesche hat ein Buch über "Greta und die Birnentiere" geschrieben, Foto. Weirauch
“Waschfrau” Marina Wesche hat ein Buch über “Greta und die Birnentiere” geschrieben, Foto. Weirauch

Auch wir genießen bei Sonnenschein vor dem “Wesche”Café bei einer guten Tasse Kaffee die legendäre Birnentorte. Selbstgebacken in den unterschiedlichsten Variationen lassen wir hier mit dem Blick auf Kirche und Birnbaum direkt gegenüber die Seele baumeln. Frau Wesche macht uns mit Beate und Christian von Ribbeck bekannt. Und nun kommen wir ins “Fontanisieren”.

Der berühmte Birnbaum

Die Gruft ihres berühmten Vorfahren, der den Kindern Birnen schenkte, gibt es tatsächlich. Man kann sie bei der Besichtigung der Kirche in Augenschein nehmen. Zumindest auf das Gewölbe kann der Besucher vom Treppenaufgang zur Ausstellung schauen. Dort ist auch der konservierte Birnbaumstumpf des Birnbaumes, der 1911 durch einen Sturm gebrochen wurde, zu sehen. Aber ein Birnbaum wird wohl kaum aus einem Eichensarg gesprossen sein, wie es Fontane in seiner Ballade beschreibt.

Der “neue” Birnbaum an der Kirche trägt reichlich Früchte, Foto: Weirauch

“Das ist eine Legende”, so der Nachfahre derer von Ribbecks auf Ribbeck im Havelland. Eine sehr schöne Legende, wie wir finden. Fontane hat mit seinem Gedicht den Bewohnern eine tolle Marketingidee in die Wiege gelegt. Die Birne macht in allen Varianten, ob als Torte, Essig, Likör, Marmelade und vielem mehr den kleinen Ort zum besonderen kulinarischen Erlebnis. Wer die Gastronomie in Brandenburg kennt, der weiß das sehr zu schätzen.

Der legendäre Baumstumpf in der Kirche von Ribbeck, Foto: D.Weirauch

Birnengarten am Schloss

Alle Bundesländer haben einen Eirnbaum gegenüber dem Schloss gepflanzt. Sie tragen jedes Jahr mehr Früchte:

Und nun bekommen wir von der Familie von Ribbeck zum Abschluss unserer kurzweiligen Unterhaltung noch einen Tipp, der uns neugierig macht auf ein weiteres Kleinod im Havelland. Christian von Ribbeck empfiehlt uns, die Kirche in Ketzür zu besuchen, wo sich eines der schönsten Gedächtnismale Brandenburgs befindet. Ein nächstes Ziel für unsere Erkundungstour.

Eigentlich wollten wir uns noch Birnenlikör und Birnenessig aus der Ribbeckschen Brennerei mitnehmen. Doch die Brennerei wurde gerade für ein Fest dekoriert, da wollten wir nicht stören.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Die Liköre aus dem Hause von Ribbeck Foto: Weirauch

Und so haben wir für unseren nächsten Besuch einen Anlass … immer samstags und sonntags (wenn nicht gerade die Brennerei für Veranstaltungen vermietet ist) kann man die Produkte in der Brennerei käuflich erwerben. Und vielleicht hat man Glück und trifft Herrn und Frau von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland … Wir freuen uns jedenfalls auf eine nāchste Begegnung.

Informationen zu Ribbeck

Anfahrt: Mit dem Auto: B5 nach Ribbeck, mit der Bahn: RB 10 und 14 oder RE 2 bis Nauen. Von dort Buis 661 bis Ribbeck (unbedingt vorher in den Fahrplan schauen) oder mit dem Rad auf dem Havelland-Radweg (ca. 10 Kilometer).

Brennerei: Online-Shop und Informationen zur Familiengeschichte unter www.vonribbeck.de

Altes Waschhaus: Café und Hofladen, Am Birnbaum 6, Ribbeck, geöffnet Do-So 11-17 Uhr

www.waschhaus-ribbeck.de

Schloss Ribbeck: Museum, Trauzimmer und Restaurant, Theodor-Fontane-Straße 10, Ribbeck, Museum täglich geöffnet 10-17 Uhr, Restaurant 11-18 Uhr

www.schlossribbeck.de

Hier geht es bald weiter zu Havelland-Tourismus und weiteren Tipps zu Fontane.

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.

Hier geht es zum Tourismusverband Havelland.

Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz