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Hier werden aktuelle Bücher zu den Themen Reisen, Geschichte, Verbraucherschutz und Literatur besprochen.

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Fontane und Europa – seine Traumorte

00463_Berg-Ehlers-300Theodor Fontanes Traumorte, Coverfoto: Elisabeth Sandmann Verlag

Fontane.200 – Unter den mehr als 400 Veranstaltungen im Jahresprogramm von Kulturland Brandenburg sowie weiterer Veranstalter finde ich kaum eine Veranstaltung, die den Autor in den europäischen Kontext setzt. Abgesehen von einer Konferenz im Juni an der Universität Potsdam.

Die Lücke im Jubeljahr 200 Jahre Theodor Fontane zum Thema Fontane und Europa schließt jetzt das im Münchner Elisabeth Sandmann Verlag erschienene Buch von Luise Berg-Ehlers “Theodors Fontane Traumorte. Eine besondere Zeitreise von England über Dänemark und Frankreich nach Italien“.

Luise Berg-Ehlers hat intensiv recherchiert und versteht ihr Wissen kenntnisreich und unterhaltsam zu vermitteln. Die Wanderungen Fontanes durch Europa sind viele Jahre beruflich motiviert. Als Journalist, Kriegsberichterstatter und Reiseschriftsteller verdingte er sich im Ausland. Ferienreisen – allein oder mit seiner Ehefrau Emilie – kann er erst in höherem Alter unternehmen.

Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch
Denkmal Theodor Fontane in Neuruppin, Foto: D.Weirauch
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Mit Fontane in die Sommerfrische

Sommerfrische

17heodor Fontane, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr vor allem im Land Brandenburg begangen wird, hat uns neben bedeutenden Romanen und den 0517ielgelesenen “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” auch eine Menge Tagebücher und Briefe hinterlassen. Und der Schriftsteller weilte oft und gerne unter anderem im Harz, im Riesengebirge, Karlsbad sowie Nord- und Ostsee. Leider werden Fontanes Arbeitsaufenthalte an anderen Orten als in Brandenburg oftmals noch unter den Tisch gekehrt.

Umso verdienstvoller ist es, dass Bernd W. Seiler uns in seinem solide recherchierten Band mit zu einzelnen Stationen zu “Fontanes Sommerfrischen” mitnimmt. Das Buch erschien im Berliner Quintus-Verlag (Verlag Berlin BB) und besticht neben Reisebeschreibungen aus Fontanes Feder mit vielen historischen Postkarten und zeitgenössischen Abbildungen. Wer sich mit Fontanes Sommerfrischen beschäftigt und mehr als über die Wanderungen erfahren will, dem sei der Band wärmstens empfohlen. 

Fontane reist ins Riesengebirge

Das erste Mal war er 1868 in dieser Gegend, das letzte Mal 1892. Dazwischen, so hat Bernd W. Seiler recherchiert, war er achtmal im Riesengebirge. Der erste Aufenthalt war allerdings noch keine Sommerfrische, sondern hatte mit Recherchen für das zweite Kriegsbuch zu tun, einem wiederholten Besuch der Gefechtsfelder von 1866 in Mähren.

Blick vom Tempel über den Park von Buchwald hinüber zur Schneekoppe, Foto: Klaus Klöppel
Blick vom Tempel über den Park von Buchwald hinüber zur Schneekoppe, Foto: Klaus Klöppel

Hier geht es zur seite des Tals der Schlösser in Polen.

Erdmannsdorf, wo er sich zunächst einquartierte, lag auf dem Wege dahin, leuchtete als Station jedoch nicht unbedingt ein. Dennoch wollte Fontane unbedingt im Hirschberger Tal dort bleiben. Als er im dortigen Schweizerhaus kein Zimmer bekam, einem bekannten Gasthof neben dem Erdmannsdorfer Schloss, bemühte er sich um eine andere Unterkunft und fand sie im Haus des Ortsgendarmen Brey. Von dort ging er aber, so schreibt er, jeden Tag “zu Siecke ins Schweizerhaus” essen.
Seiler: “Was ihn eigentlich interessierte, war jedoch das Schloss, das seit bald vierzig Jahren den Hohenzollern und zu dieser Zeit der einzigen Tochter Wilhelm I., Prinzessin Luise von Preussen, gehörte. Mit dieser dreißigjährigen Frau in Kontakt zu kommen, hätte für Fontane eine Annäherung an das preußische Königshaus bedeutet, und darauf hatte es Fontane abgesehen.”

Hier geht es zum Tal der Schlösser in Polen.

Den Magen verdorben

Nach vier Tagen wurde er wiederum zur im Schloss wohnenden Familie  Münchhausens eingeladen, “diesmal zur Unterhaltung des alten Generalmajors und seiner Frau, die als Logiergäste gekommen waren.” Das Gespräch jedoch erwies sich als wenig ergiebig und war zweifellos nicht das, worauf er es abgesehen hatte. Außerdem war die Gastlichkeit bei den Münchhausens nicht die erfreulichste, vertraute er einem Brief an. Beim ersten Mal hatte sich Fontane  an „Krebsbutter-Reis“ den Magen verdorben, diesmal war es so „kellerkalt“, dass er sich noch am nächsten Tag unwohl fühlte.

Blick in den Schlosspark von Buchwald im Hirschberger Tal, Foto: Klaus Klöppel
Blick in den Schlosspark von Buchwald im Hirschberger Tal, Foto: Klaus Klöppel

Zwei oder drei Tagestouren hat Fontane selbst auch gemacht: eine Wanderung nach Schloss Buchwald, dessen bewunderter Landschaftspark ihn allerdings wenig beeindruckte, eine Fahrt mit dem Generalmajors-Ehepaar nach Bad Warmbrunn und Hermsdorf, wo der Berg Kynast bestiegen wurde, und eine Tour in das sechs Kilometer entfernte Schmiedeberg.  Ausführlich rekonstruiert Bernd W. Seiler die Touren. Wer mehr über das Hirschberger Tal am riesengebirge erfahren will, dem empfehle ich die Seite des dortigen Vereins Tal der Schlösser. 

 Die Ausflüge mit den Wangenheims führten nach Erdmannsdorf, Buchwald, Krummhübel und gleich mehrmals in das benachbarte Bad Warmbrunn, den ältesten und bekanntesten Kurort der Gegend. Um anzuzeigen, dass er sich dort keineswegs nur amüsierte, teilte er seiner Frau Emilie mit, dass er sich dort keineswegs nur amüsierte, dass er einmal in der „Halle“, ein andermal „in der Sonne“ mehrere Stunden gelesen hätte. Offenbar wollte er sie darüber beruhigen, dass ihm die weibliche Gesellschaft keineswegs das Wichtigste an diesem Aufenthalt war. Sie hatte ihn zweimal ironisch als „Ritter“ tituliert (1. September 1869), welche Briefe in dem Konvolut der erhaltenen Ehebriefe jedoch fehlen. Die zwei Wochen Urlaub mit den Wangenheims waren ihr fraglos nicht recht.

Natürlich hat Fontane auch im Riesengebirge immer an etwas gearbeitet, von 1895 an hauptsächlich an der Geschichte um den getöteten Förster Opitz, wie der Förster Frey in Quitt heißt. Er unternahm mit seiner Frau eigens eine längere Wanderung, um sich das Denkmal anzusehen, das ihm unterhalb der Kleinen Koppe errichtet worden war. Allein der Aufstieg über sechshundert Höhenmeter dauerte drei Stunden, doch Theodor Fontane fand alles „wundervoll zu verwenden, umso mehr, als sich hoch oben schon alpine Sterilität, Krüppelkiefer, Knieholz und Moorgründe mit wucherndem Huflattich mit einmischen“. Aus anderen Büchern wissen wir um Flirts, denen Fontane nicht abgeneigt war. Seiler schreibt hierzu: “Dass ihm Marie Richter mit ihrem Lebenswandel bald wirklich eine ganze „Novelle“ zu lesen gab, wusste er da noch nicht. Auf der Tour durch Böhmen wurde ihm der Flirt mit der Achtundzwanzigjährigen aber nachgerade zu viel. Sollte er zu der noch erwogenen „Kammpartie“ kommen, würde er sie „nicht mit Richters“ machen, schreibt er an seine Frau.” Mehr dazu in dem Buch.

Kirche Wang in Karpacz, Foto: KlausKloeppel
Kirche Wang in Karpacz, Foto: Klaus Kloeppel

Ein Ausflug führte Fontane auch zu der weithin bekannten Kirche Wang, einer norwegischen Stabholzkirche, die 1841 vom preußischen König erworben und oberhalb von Krummhübel wieder hingestellt worden war.

Fontane in Karlsbad

Zu Karlsbad hatte Fontane schon eine Meinung, als er noch längst nicht daran dachte, selbst dort hinzufahren: zum einen die, dass es teuer ist, zum anderen die, dass niemand weiß, ob es nützt.
Geeignete zwei Zimmer fanden sich in der Silbernen Kanne, einem alten, höchst bescheidenen Haus an der Neuen Wiese. Fontane fand es erträglich, litt aber unter einem Frühaufsteher über ihm. Dazu wurde Emilie von den Brunnen, die sie probierte, eher kränker als gesünder und konnte erst allmählich einen Nutzen erkennen.

Das Kurzentrum mit seinen teilweise eklektizistischen Bauten ist eine Attraktion, Foto: Czechtourism
Das Kurzentrum mit seinen teilweise eklektizistischen Bauten ist eine Attraktion, Foto: Czechtourism

Alles in allem bewertet er die Sommerfrische zuletzt als „sehr angenehm“ und zumal „nicht kostspieliger“, als es „der Aufenthalt an bescheideneren und minder renommierten Plätzen“ wäre. (12. September 1893)

Fontane war im Hotel Pupp

Am 4. September 1898 schreibt er an Sohn Friedrich: „Morgen ziehen wir bei Pupp von der Außenhalle in die eigentlichen Festsalons ein; die Außenkeller verschwinden und die Abschiedsszenen haben heute stattgefunden.“ Hier geht es zur Seite von Czechtourism mit dem Grandhotel Pupp.

Karlsbader Prachtstraße
Karlsbader Prachtstraße Foto: Weirauch

Der Restaurationsteil, heute Becher’s Bar ,nimmt den Namen mehrerer Badeärzte, aber auch den des Herstellers eines Kräuterlikörs – „Becherovka“ – auf, der zu legendärem Ruhm kam. Am 19. August 1893 spricht Fontane von einem „alten Dr. Becher …, dem in der Sprudelhalle ein Denkmal (große Porträtbüste) errichtet ist und der als der Schöpfer des Weltruhms von Karlsbad gilt“. Gemeint ist Dr. David Becher (1725 – 1792), Naturforscher, Arzt und Balneologe, zu dessen Andenken 1856 diese Büste aufgestellt wurde. Sie ging beim Abriss der Sprudelhalle 1939 jedoch verloren. Der Becherovka wird bekanntlich heute noch in Karlsbad hergestellt.

Infos zum Buch:

Bernd W. Seiler, Fontanes Sommerfrischen. Quintus-Verlag,Verlag für Berlin-Brandenburg, Binzstraße 19, 13189 Berlin. 1. Auflage 2018. ISBN 978-3-947215-31-7. Hier geht es zur Seite des Verlages.

 

Das Wiener Architekturbüro Helmer & Fellner errichtete auch diese Kolonnade, Foto: Czechtourism

 

Der Autor:  

Prof. Dr. Bernd W. Seiler, 1939 geboren, hat Germanistik und Geschichte in Kiel, München und Hamburg studiert. Auf Staatsexamen und Promotion folgte zunächst eine Tätigkeit als Studienrat, 1974 bis 2005 dann Lehrtätigkeit für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Bielefeld. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Bernd Seiler lebt in Bielefeld.

Die Mühlbrunnenkolonnade, Foto: Czechtourism
Die Mühlbrunnenkolonnade in Karlsbad, Foto: Czechtourism

 

 

 

 

1 Stunde wegBücherFontane

Nennhausen im Fontane200 – Kalender

nennhausenSchloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch

Heuer ist Es ist Fontanejahr. Und es gibt einige tolle Kalender.  So auch  „Fontane200“, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. Ein Kalendenderblatt beschäftigt sich mit Nennhausen und Effi Briest. Wie lesen: ” Im havelländischen Nennhausen kreuzen sich die Wege der Musen und Grazien der Mark. Der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué (1777 – 1843) hatte hier ab 1803 mit Caroline von Rochow, geborene Briest, gelebt. Für beide war es die zweite Heirat. Caroline Fouqué, die 1773 in Berlin geboren wurde und auch eine sehr produktive Autorin war, starb auf Schloss Nennhausen 1831. Für den biografischen Hintergrund seiner berühmtesten Romanheldin, Effi Briest, bediente sich Fontane der Familiengeschichte der havelländischen Briest: Im 8. Kapitel des Romans sagt Effi: „Ich bin eine geborene Briest und stamme von dem Briest ab, der am Tag vor der Fehrbelliner Schlacht den Überfall von Rathenow ausführte, wovon Sie vielleicht einmal gehört haben.“ Dieser Jakob Friedrich von Briest (1695 – 1768) war der Ururgroßvater von Caroline Fouqué. In der Ausgabe der „Wanderungen“ mit den Oderland-Kapiteln aus dem Jahr 1863 erwähnt Fontane: „Die Portraits in Wilkendorf sind zum Teil aus der alten, nunmehr ausgestorbenen Briestschen Familie. Der letzte Sproß der Familie, eine Tochter, war an Friedrich de la Motte Fouqué vermählt. (Landrat von Briest, auf Nennhausen im Havelland, bekannt durch den klugen Beistand, den er der Armee des Großen Kurfürsten erst bei der Überrumpelung von Rathenow und dann später auf ihrem Marsche nach Fehrbellin leistete.)“

Es ist eine Geschichte nach dem Leben

Schloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch
Schloss Nennhausen, Foto: D.Weirauch

Bei der Arbeit an der Fragment gebliebenen Schrift „Das Ländchen Friesack und die Bredows“ hatte sich Fontane ebenfalls mit Nennhausen beschäftigt: „Von 1694 an besaß die Familie von Briest das Gut, bis es 1822 beim Erlöschen des Mannesstammes an die Rochows kam.“ Leider hatte Fontane dieses Nennhausen-Kapitel nur als Skizze hinterlassen, obwohl er sich nachweislich über Jahre und sogar bis in seine letzten Lebenstage immer wieder mit seiner havelländischen Materialsammlung befasste.

In „Effi Briest“ verfremdete und veränderte der Autor trotz mancher Hinweise und Bezüge auf reale Orte viele Details. Zwar gibt es kein Hohen-Cremmen, wo das Gut der Familie und später Efiis Grab lokalisiert wird, aber immerhin gibt Fontane einige Fingerzeige, wo es denn zu suchen wäre. So tragen die Briefe aus Hohen-Cremmen den Friesacker Stempel – dort ist also die nächste Post (Kapitel 22). Nauen und Rathenow werden als gut erreichbare Orte erwähnt. Kremmen selbst scheidet übrigens wegen der zu großen Entfernung aus.

Schon bald nach Veröffentlichung des Romans „Effi Briest“ zwischen Oktober 1894 und März 1895 in der Zeitschrift „Deutschen Rundschau“, der im Oktober 1895 mit Datum 1896 die Buchausgabe folgte, hatte sich herumgesprochen, dass sich der Autor auch bei seinen Romanfiguren von einer in den höheren Berliner Kreisen als Skandal empfundenen Affäre hatte inspirieren lassen: „Es ist eine Geschichte nach dem Leben, und die Heldin lebt noch“, gab Fontane in einem Brief an Marie Uhse am 13. November 1895 zu erkennen.

Die nicht genannte Heldin war Elisabeth von Plotho (1853 – 1952), die mit Armand Léon von Ardenne (1848 – 1919) verheiratet wurde. Ihre Liebesbeziehung mit dem Juristen und Sportpädagogen Emil Ferdinand Hartwich (1843 – 1886) war Stadtgespräch. Armand von Ardenne hatte – wie im Buch – seinen Nebenbuhler im Duell so schwer verletzt, dass dieser kurz danach starb.

Elisabeth von Ardenne wurde 98

In der Realität übertraf Elisabeth von Ardenne in ihrem Freiheitsdrang sogar noch ihr literarisches Alter Ego: Sie blieb weiter eine starke Frau, konnte wieder Kontakt zu ihren Kindern aufnehmen, wurde Krankenpflegerin, arbeitete in diesem Beruf, lernte mit 60 Skifahren und setzte sich mit 80 zum ersten Mal auf ein Fahrrad. Sie starb nicht wie Effi an Herzensleid, sondern mit 98 Jahren am 5. Februar 1952 in Lindau am Bodensee.

Ihr Urnengrab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Wegen der hohen Pflegekosten hatten die Ardennes 1996 das Erbbegräbnis gekündigt und die Grabplatte Elisabeths an den Familienbesitz in Dresden geholt. Nach zahlreichen Protesten vieler Fontane-Freunde und Leser der „Effi Briest“ konnte die Friedhofsverwaltung mit der Anlage eines Ehrengrabs für Elisabeth die Familie überzeugen, den Stein ein Jahr später wieder nach Stahnsdorf zurückzubringen. Bis heute legen Friedhofsbesucher Blumen auf ihr Grab.

hre letzte Ruhestätte fand Elisabeth von Ardenne (Effi Briest) auf dem Stahnsdorfer Südwest-Kirchhof, Foto: K.Weirauch
Ihre letzte Ruhestätte fand Elisabeth von Ardenne (Effi Briest) auf dem Stahnsdorfer Südwest-Kirchhof, Foto: K.Weirauch

In Fontanes Roman ist Nennhausen/Hohen-Cremmen Effis Kindheitsparadies und ein beschaulicher Alterssitz der älteren Briests – unter den Fouqués war es ein Treffpunkt der geistigen Welt. Das Schriftstellerpaar empfing hier vor allem in den Sommermonaten zahlreiche  Gäste, darunter viele bekannte Namen wie Adelbert von Chamisso (1781 – 1838), Joseph von Eichendorff (1788 – 1857), E. T. A. Hoffmann (1776 – 1822), Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), August Wilhelm Schlegel (1767 – 1845), oder auch Karl August Varnhagen von Ense (1785 – 1858) und seine Frau Rahel Varnhagen (1771 – 1833).

Berühmter Park von Nennhausen

Allerdings war dies nicht das dann 1860 im neogotischen Stil umgebaute Schloss, dessen Dachstuhl 1983 ausbrannte und nur notdürftig repariert wurde. Trotz der Nutzung zu DDR-Zeiten waren Schloss und Park bis zum Mauerfall in einem vernachlässigten Zustand. Seit der Übernahme durch Alexander und Benita von Stechow im Jahr 1996 erfolgte mit Millionenaufwand eine denkmalgerechte Instandhaltung. Zu rund zehn Veranstaltungen kommen jedes Jahr Kulturliebhaber in das Herrenhaus. Die Havelländischen Musikfestspiele organisieren Konzerte. Zu Lesungen wird regelmäßig geladen. Auch das Land hat sich in Nennhausen – wie bei vielen alten Schlösser und Herrenhäuser – engagiert. Aus dem Programm für Ländliche Entwicklung erhielt der Förderverein Schloss und Landschaftspark Nennhausen e.V. für den Ausbau des Teichhauses im Park mit einer Ferienwohnung im Dachgeschoss 33770 Euro aus EU- und Landesmitteln bei einer Gesamtinvestition in Höhe von 95.770 Euro. Ebenfall für das Teichhaus – für  den Ausbau von Veranstaltungsräumen für Seminare, Konzerte sowie zur Nutzung als Standesamt für den Amtsbereich Nennhausen – stellte das Brandenburger Agrarministerium 105200 Euro bei Gesamtausgaben in Höhe von 147000 Euro zur Verfügung. Zum Privatbesitz der Stechows gehört seit 1997 auch der Park, den Phillip August von Briest um 1780 im englischen Stil gestaltet hat. Er ist dennoch ganzjährig öffentlich zugänglich und gilt als einer der frühesten Landschaftsparks in Brandenburg.

Vielleicht trifft man ja hier, im Nebel der Geschichte, zwischen den alten Bäumen, auf Effi Briest: „Am liebsten aber hatte sie wie früher auf dem durch die Luft fliegenden Schaukelbrett gestanden und in dem Gefühl ‚jetzt stürz ich‘ etwas eigentümlich Prickelndes, einen Schauer süßer Gefahr empfunden.“

Kalenderblatt aus „Fontane200“, herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Kooperation, Henning-von-Tresckow-Straße 2 – 13, 14467 Potsdam

www.mlul.brandenburg.de

Hier weitere Texte zur Spurensuche Theodor Fontane, heute: Wo Effi Briest wirklich lebte.

 

 

 

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Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019

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Mit dem Brandenburg-Heft durchs Jahr: Natürlich Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019. Mit der Eröffnung der Brandenburg-Halle auf der Grünen Woche legt das Agrar- und Umweltministerium das neue Jahrbuch „natürlich Brandenburg“ vor. Es ist ab sofort in der Halle erhältlich (Info-Stand des Ministeriums). Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019
Nach der Messe können die 120 Seiten umfassenden Hefte über die Pressestelle des Ministeriums kostenfrei bestellt werden. Das Gemeinschaftsprojekt aller Landkreise und kreisfreien Städte mit dem Ministerium widmet sich in diesem Jahr den drei Schwerpunkten: Angebote im Fontanejahr – Ländliche Ausflugsziele – Veranstaltungen.

Einzigartig und imposant: die Stadtmauer von Wittstock
Einzigartig und imposant: die Stadtmauer von Wittstock

Jahresthemen sind neben dem Fontanejahr die Landesgartenschau in Wittstock und das Landpartie-Jubiläum.

25 Jahre Landpartie

Bereits zum 25. Mal startet in diesem Jahr die Brandenburger Landpartie. Auch für das Jahrbuch „Natürlich Brandenburg“, das seit 1996 vom Ministerium herausgegeben wird, ist dies ein Anlass, mit einem Sonderkapitel darauf einzugehen. Die Landpartie versammelt unter ihrem Dach engagierte und innovative Unternehmer, die gern ihren Betrieb für die Besucher öffnen, weil sie etwas zum Vorzeigen, Kosten und Kaufen haben. Wenn Bauern in eine eigene Weiterverarbeitung beziehungsweise in den Verkauf einsteigen, wenn sie sich ein zusätzliches Standbein im Tourismus, als Energieproduzent oder als Reiterhof schaffen, dann ist dies genau das, was im Rahmen der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik gewollt ist: Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sind zwei Seiten einer Medaille, um Landleben lebenswert zu gestalten. So die Pressemitteilung des Ministeriums zu Brandenburg – ein Jahrbuch für das Land 2019.

 

 

 

Hier ein Auszug aus dem lesenswerten Heft“ genutzt werden.

Von Caputh nach Caputh – Fontane am Schwielow

Mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark laden die Stadt Werder (Havel) und die Gemeinde Schwielowsee 2019 ein, anlässlich des 200. Geburtstag Theodor Fontanes auf Wanderschaft durch die Region rund um den Schwielowsee zu gehen und die in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ genannten Orte – insbesondere Werder, Caputh und Geltow – neu zu entdecken. Besucher können im Fontanejahr thematische Wanderungen mit dem Heimatverein Petzow buchen.

Schloss Caputh, Foto: D. Weirauch
Schloss Caputh, Foto: D. Weirauch

Es gibt eine musikalische Ortsbestimmung „Mit Fontane von Caputh (Schwielowsee) nach Caputh (Schottland)“ durch die Fercher Obstkistenbühne und eine Ausstellung im Heimathaus Geltow. Der Cultura e. V. wird sich mit einer musikalischen Lesung, zwei Fachvorträgen und einem fotografischen Streifzug auf Fontanes Spuren begeben. In Werder kann man ihm auf dem Fontanewanderweg durch Obst- und Weingärten nachspüren.

Skulptur im Glindower Ziegelringofen

Auch wird man Fontane kulinarisch erleben können. Die Ziegeleien um Werder, wieder von Glindow, werden in Fontanes Werk ausführlich beschrieben. Künstlerisch findet sich dieses Thema in einer Skulptur wieder, die anlässlich des Festjahrs im Hoffmannschen Ringofen gebrannt und zur zentralen Eröffnung am 30. Juni in der Petzower Kirche in der Ausstellung präsentiert wird.

Ziegelringofen Glindow Foto: Weirauch
Ziegelringofen Glindow am Glindower See bei Potsdam, Foto: Weirauch

Informationen zu Fontane rund um den Schwielowsee

Kultur- und Tourismusamt Schwielowsee
Straße der Einheit 3, 14548 Schwielowsee
Tel. 033209 70899
info@schwielowsee-tourismus.de
www.schwielowsee-tourismus.de

Tourismusamt Werder (Havel)
Kirchstraße 6/7, 14542 Werder (Havel)
Tel. 03327 783322
tourismus@werder-havel.de
www.werder-havel.de

Ein Jahrbuch für das Land Brandenburg 2019. Fontanejahr – Ländliche Ausflugsziele – Veranstaltungen. Herausgegeben vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Henning-von-Tresckow-Straße 2 – 13, 14467 Potsdam.

Bestellmöglichkeiten des Hefts außerhalb der Brandenburg-Halle:

per Mail: pressestelle@mlul.brandenburg.de

per Telefon: 0331/ 866 7237 oder 7019

 

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Im Blickpunkt: Fontanes Frauen

Effi Briest (3)Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus: Theodor Fontanes 200. Geburtstag wird im kommenden Jahr groß gefeiert werden.

Auf dem Literatur- und Kulturmarkt gibt es bereits seit geraumer Zeit Bewegung. Neue Publikationen, Konferenzen, Events werden durch Verlage, PR-Agenturen und Tourismus-Agenturen angekündigt. Selbst Playmobil hat nach dem Erfolg mit der “Luther-Figur” eine “Fontane-Figur” in den Verkauf gebracht. Und auch der Konzeptkünstler Otmar Hörl macht mit der Großfigur des märkischen Dichters auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam. Für mehrere hundert Euro ist der “Fontane” käuflich zu erwerben. Fontane in allen Facetten, gespannt darf man sein, ob es in Anlehnung an die “Luther-Socken” auch noch “Fontane-Socken” geben wird?  … es ist ein weites Feld …

Da ist es doch erfreulich, dass das Jubliäum für viele Verlage Anlass ist, Autoren zu Wort kommen zu lassen, die sich intensiv mit dem wohl bekanntesten brandenburgischen Dichter beschäftigt haben. Mit „Fontanes fünf Schlösser“ (be.bra Verlag) gelang Robert Rauh und Erik Lorenz im letzten Jahr der Einstieg in die neue Fontane-Rezeption.

Fontanes Frauen

Nun folgt mit dem Band „Fontanes Frauen“ in der Autorenschaft von Robert Rauh eine weitere Spurensuche. Ab 10. September ist das Buch im Handel. Ein Blick in das Voarbexemplar des bebra.Verlages zeigt uns: Es ist mehr als populärwissenschaftlicher Lesestoff. Wer mit dem Lesen des Buches angefangen hat, der legt es nicht weg. Es verleitet auch sofort zur touristischen und literarischen Spurensuche.

Worum geht es?

Theodor Fontane war zeitlebens fasziniert von Frauen, deren Lebensweg jenseits der gesellschaftlich vorgegebenen Bahnen verlief. Einigen von ihnen, wie z. B. „Effi Briest“, hat er in seinen Büchern ein literarisches Denkmal gesetzt. Robert Rauh ist an Originalschauplätze gereist, um dem Schicksal von fünf dieser Frauen nachzuspüren. Für sein Kapitel “Die wirkliche Effi lebt noch” ging er auf Spurensuche in Zerben und Benrath bei Düsseldorf sowie Lindau am Bodensee, in denen einst Elisabeth von Ardenne lebte.

Der Mittelteil von Schloss Zerben wurde nach 1945 abgerissen, Foto: K.Weirauch, Juli 2018
Der Mittelteil von Schloss Zerben wurde nach 1945 abgerissen, Foto: K.Weirauch, Juli 2018

Ihr Schicksal bot die literarische Vorlage für Fontanes “Effi Briest”. Rau trifft sich mit Menschen, die sich mit dem Erbe der Figuren beschäftigen und in verschiedenster Form an sie erinnern. Solche spannenden Episoden sind es, die mitfiebern lassen. Etwa, als die Familie von Ardenne den Grabstein von Elisabeth vom Familiengrab auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof nach Dresden bringen ließ. Und wie sich engagierte Fontanefreunde, wie Lisa Grünwald, um die Rückgabe bemühten.

Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch
Grabplatte für Elisabeth von Ardenne auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, Sept. 2018, Foto: K.Weirauch

Grete Minde in Tangermünde

Er verfolgt das Schicksal der Grete Minde, die in Tangermünde grausam hingerichtet wurde. Er schaut selbst in die im Stadtarchiv  überlieferte Gerichtsakte, studiert die neuesten wissenschaftlichen Publikationen (u.a. Friederike Wein: “Der Prozess gegen Grete Minde. Masterarbeit eingereicht am FB für Philosophie und Geisteswissenschaften der FU Berlin 2012, unveröffentlicht), führt viele Gespräche mit Menschen, die sich intensiv mit dem Schicksal der jungen Frau beschäftigt haben. Ein Denkmal erinnert am dortigen Rathaus an ihr Schicksal. In der Nacht zum 1. Februar 2018 haben Unbekannte die Bronzekette, die sich an den Armen der Grete Minde befand, durchtrennt und gestohlen. Die Fußkette wurde nur an einer Stelle durchtrennt, wahrscheinlich, so vermutet Rauh, sind die Täter überrascht worden. Bisher wurde die Kette nicht ersetzt, obwohl dies bis März 2018 nach Aussage der Stadt erledigt sein sollte.

Plastik von Grete Minde vor dem Rathaus in Tangermünde, Foto: Weirauch
Plastik von Grete Minde vor dem Rathaus in Tangermünde, Foto: Weirauch

Rauh beschließt das Grete-Minde- Kapitel “Prinzessin oder Hexe” so: ” Vielleicht sollte man das Denkmal so lassen. Dann kann es Grete Minde mit ihren ausgestreckten Armen im März 2019 zum 400. Jahrestag ihrer Hinrichtung allen zeigen: Seht her, ich bin nicht schuldig. Und endlich frei.”

Besuch in Waren/Müritz

Rauh, der schreibende Lehrer aus Berlin, bezieht Quartier in der Villa von Fontanes Tochter Martha in Waren an der Müritz (“Das Thema Mete ist unerschöpflich”).

Und er reist nach Köpernitz und Hoppenrade, wo Karoline de La Roche Aymon (“Prinzessin Goldhaar”) und Charlotte von Arnstedt, geb. von Kraut (“Das fast märchenhafte Leben der Krautentochter”) sich in Affären und Intrigen verstrickten.

Im Laufe der literarischen Entdeckungsreise wird immer deutlicher, dass das wahre Leben die Dichtung oft an Irrungen und Wirrungen noch übertrifft.

Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch
Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch

„Robert Rauh ist ein Causeur à la Fontane”

Gotthard Erler, der Spiritus Rector der Fontaneforschung und Herausgeber vieler Werke Theodor Fontanes schreibt im Nachwort des Buches: „Robert Rauh ist ein Causeur à la Fontane, der spannend und humorvoll erzählt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Freuen wir uns auf weitere Bücher aus der Feder von Robert Rauh. Angekündigt ist ein Band über Ruppin und Fontane. Wir können auch diesmal den Erscheinungstermin kaum erwarten. Rauhs vorliegender Band über Fontanes Frauen vereint Unterhaltungsliteratur, Biografie und touristischen Reiseführer in einem. Rauh: “Mit diesem Buch möchte ich meine Leser ermuntern, die beschriebenen Lebensorte der fünf Frauen aufzusuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. Oder sie für eine Sommerfrische zu entdecken. Fontane hat es vorgemacht und bei seinem Aufenthalt in Waren 1896 eine erstaunliche Weitsicht formuliert: Warum in die Ferne schweifen […] die Menschen werden wieder anfangen, sich bei sich selbst zu erholen.” 

Interessantes zum Autor

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker und Lehrer. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und ist Träger des Deutschen Lehrerpreises. Seit 2011 moderiert Rauh im Berliner Schloss Schönhausen eine Veranstaltungsreihe mit Prominenten aus Kultur und Politik. Zuletzt erschien von ihm im be.bra Verlag (gemeinsam mit Erik Lorenz) „Fontanes Fünf Schlösser“ und am 10.9. erscheint „Fontanes Frauen“.

Vorgestellt haben wir auf einfachraus.eu bereits das Buch über die 5 Schlösser.

Hier geht es zur Website des Autors: https://fontanes-wanderungen.de/

Infos zum Buch:

  • Robert Rauh
  • Fontanes Frauen
  • Fünf Orte – fünf Schicksale – fünf Geschichten
  • 256 Seiten, 46 Abb., 22 Euro, be.bra Verlag, ISBN 978-3-86124-716-6

ier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Josef Grütter aus Marquardt dichtete über Fontanes Wanderschuh sowie den Wanderstock

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

Bücher

Top five in Nürnberg

Nürnberg (1)

Die fünf Kilometer lange Nürnberger Stadtmauer, deren Grundriss einem Parallelogramm ähnelt, gehörte zu den größten im spätmittelalterlichen Europa. Die jetzige Mauer wurde 1452 vollendet. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten von Nürbergs Größenordnung blieb die Stadtumwallung bis heute fast vollständig erhalten, nur einige zhusätzliche Durchbrüche wurden vorgenommen, um das steigende Verkehrsaufkommen zu bewältigen.

Burgviertel

In dem unterhalb der Burg gegelegenen Viertel sind zahlreiche Kneipen und Gaststätten zu finden. Ein Rummel durch die engen Straßen und Gassen im nordwestlichen Teil der Stadtbefestigung vermittelt eine gute Vorstellung davon, wie Nürberg vor dem Krieg ausgesehen haben dürfte. Unterhalb des Burgviertels befinden sich die Felsengänge mit ihren historischen Wasserstollen: sie sind nur im Rahmen einer Führung begehbar. Die bis zu vier Etagenin den Sandstein geschlagenen unterirdischen Anlagen verfügen über ein ausgeklügeltes System zur selbstätigen Durchlüftung dieses weitläufigen Labyrinthes. Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Keller und Gänge verschiedene Funktionen: Sie dienten der Wasserversorgung, als Bier- und Weinkeller, zur Lagerung von Lebensmitteln, und im Zweiten Weltkrieg wurde in den Felsengängen ein großer wurde in den Felsegängen ein großer Teil der Nürberger Kunstschätze untergebracht, wo sie die Kriegsereignisse unbeschadet überstanden haben.

Dürerhaus

Das aus dem frühen 15. Jahrhundert stammende Gebäude steht am Tiergärtnertorplatz. Albrecht Dürer hatte es 1509 erworben und bis zu seinem Tod im Jahre 1528bewohnt. Somit dürften viele seiner bekanntesten Bilder hier entstanden sein. Das Haus wurde später allerdings mehrfach veröndert: so stammt z. B. der 1898 hierher versetzte Giebelerker von einem anderen Gebäude (ursprünglich befand sich am Dürerhaus ein Aufzugserker). Das Haus wurde im frühen 19. Jahrhundert ein Wallfahrtsort für Romantiker und Künstler. 1828, zum 300. Geburtstag Dürers, kaufte es die Stadt Nürnbergs. Heute befindet sich hier ein Museum, das Nürnbergs berühmtesten Sohn vorbildlich in den Mittelpunkt der Dauerausstellung rückt. Ein Lob verdient das ansprechende museumsdidaktische Konzept, das Dürer dem Besucher multimedial näher bringt.

In einer rekonstruierten Werkstatt wird gezeigt, wie damals Leim und Farben hergestellt wurden und wie Holzschnitte, Kupferstiche und Tafelbilder entstehen. Seit dem Sommer 2012 werden in einem neu eingerichteten Saal hochwertige Kopien aus städtischem Besitz präsentiert. Da die Reichsstadt Nürnberg immer wieder Originalgemälde an Herrscher wie den bayerischen Kurfürsten Maximilian abgeben musste, entstand der Wunsch, Dürers Gemälde wenigstens in adäquaten Kopien zu besitzen. In der Dachgalerie kann man sich zudem das “Graphische Kabinett” ansehen, das Wechselausstellungen aus den Beständen der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg zeigt. In einer authentisch nachgebildeten Malerwerkstatt werden zudem künstlerische Techniken demonstriert. Touchscreens und interaktive Medienstationen erleichtern den Zugang zu Dürers Werk.

Dürerhaus
Albrecht-Dürer-Straße 39, 90403 Nürnberg
Tel. +911 231 2568
Öffnungszeiten: Di, Mi 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, Fr 10-17 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, Mo geschlossen
albrecht-duerer-haus@stadt.nuernberg.de
www.museen.nuernberg.de

Sankt Johannis Friedhof

Der traditionsreiche Stadtteil im Westen der Altstadt verfügt mit seinen Hesperidengärten und dem Johannisfriedhof über zwei kulturelle Highlights. Der in seiner Anlage einzigartige Johannisfriedhof kann zu den künstlerisch und kulturgeschichtlich bedeutendsten Friedhöfen in Europa gezählt werden.

Und Dies nicht nur deshalb, weil hier die berühmtesten Söhne Nürbergs, darunter auch Albrecht Dürer, Veit Stoß, Willibald Pirckheimer und Wenzel Jamnitzer begraben liegen. Die Epitaphien, die die ansonsten schlichten und gleich ausgerichteten liegenden Sandsteingrabmäler zieren, sind ein wahres Bilderbuch der Sozialgeschichte. Die Inschriften und Wappen künden von der sozialen Stellung des Toten, erzählen von seinem Beruf (Bäcker, Steinmetz Brauer etc.), seinen Kindern oder ob er keine, eine oder fünf Ehefrauen überlebt hat.

Beim gemütlichen Umherschlendern kann man auch leicht die eine oder andere kuriose bzw. humormistische Darstellung entdecken. Die Grabstätten wurden des Öfteren neu vergeben; so ruhen im Grab von Albrecht Dürer (Nr. 649) außer ihm und seiner Frau Agnes noch fünf Personen, die im Heilig-Geist-Spital gestorben waren, sowie drei Kupferstecher. Als man 1811 das Grab öffnete, um Dürers Genie an den Ausmaßen seines Schädels nachzuweisen, konnte man ihm schon keinen der gefundenen Schädel mehr zuordnen.

Das seit der Renaissance verstärkt ausgeprägte Bewusstsein für die Natur und der barocke Hang zur Repräsentation führten zur Anlage der Hesperidengärten in Johannis. Man pflanzte und züchtete in der Frühen Neuzeit hier bis zu 93 verschiedenen Arten von Zitrusfrüchten. Die für die damaligen Verhältnisse extrem teuren und seltenen Zitrus- und Pomeranzenfrüchte sorgten für ein exotisches Flair. In Johannis bildeten diese Gärten einen zusammenhängenden Komplex, der sich von der Johannisstraße bis hinunter zur Hallerwiese und dem Riesenschritt erstreckte. Der typische Grundriss eines Hesperidengartens (Hesperiden waren in der antiken Mythologie Nymphen, aus deren Garten Herakles drei goldene Äpfel entwendete) bestand aus einem hufeisenförmigen Vorderhaus, einem Aufzuchtbereich, dem eigentlichen Ziergarten – dem sich ein Obst- und Gemüsegarten mit einer freien, ungenutzten Fläche anschloss – und aus dem abschließenden Gartenhaus.

Sankt Johannis-Friedhof
Johannisstraße 47, 90419 Nürnberg
Tel. +911 330516
Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 8-20 Uhr
friedhof@st-johannis-nuernberg.de
www.st-johannisfriedhof-nuernberg.de

Was man in der Umgebung von Nürnberg unbedingt sehen sollte:

Schwabach

Die alte Markgrafenstadt Schwabach, der kleinsten kreisfreien Städte Deutschlands, schließt den Nürnberger Ballungsraum nach Süden hin ab. Für die erfolgreiche Sanierung des alten Stadtbildes wurde Schwabach 1979 als einzige deutsche Stadt mit der “Europa-Nostra-Medaille” belohnt.
Eine lange Tradition hat das Handwerk des Goldschlagens und der Nadelherstellung. In über 40 Länder der Welt werden alljährlich fünf Milliarden Nadeln aus Schwabach exportiert. Das Hämmern der Goldschläger bestimmt seit Jahrhunderten den Rhythmus der Stadt, auch wenn heute nur noch fünf Betriebe gezählt werden, im Gegensatz zu den 127 Goldschlägereien von 1924. Sie beschäftigten rund 1000 Personen und verarbeiteten eine Tonne Rohgold.

Das Blattgold eignet sich übrigens nicht nur zum Verzieren von Kunstgegenständen und Verschließen von Operationswunden, man kann es auch trinken. Es schwimmt nämlich im Schwabacher Goldwasser, einem Gewürzlikör mit feinen Goldplättchen. Heute profitiert und leidet Schwabach gleichermaßen von seiner Nähe zu Nürnberg. Mode- und anderen Fachgeschäften fällt es schwer, sich gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz zu behaupten. Und auch eine ansprechende Kneipen- und Cafészene sucht man vergeblich. Viele Schwabacher trauern noch den Zeiten nach, als in den 1980er Jahren noch das New Wave und das Lichtspielhaus Publikum aus Nürnberg anlockte.

Roth ist voll auf Draht

Inmitten des Fränkischen Seenlandes und nur 7 Kilometer vom Rothsee entfernt, liegt die Kreisstadt Roth. “roth voll auf Draht” lautet der Slogan. Meine Erwartungen waren recht groß. Denn vor einigen Jahren, als Borten im Potsdamer Schlos Sanssouci erneuert wurden, sagte eine Restauratorin: “Wir haben diese in einer Fabrik Roth in der Nähe von Nürnberg herstellen lassen. Dort kann man das noch erleben.” Vonleonischer Industrie war die Rede. Leonisch, was ? Ich konnte mir wenig darunter vorstellen. Hier findet ihr mehr dazu.

Informationen zu Nürnberg gibt es bei Nürnberg Tourismus.

Buchtipp

Nürnberg im Verlag DOM Publishers

von Richard Woditschek

Nürnberg nimmt einen besonderen Platz in der deutschen Geschichte ein: Ort der Reichstage des Heiligen Römischen ­Reiches Deutscher Nation, bedeutendes Zentrum des deutschen Humanismus, aber auch »Stadt der ­Reichsparteitage« der NS-Zeit sowie Stätte der Kriegsverbrecherprozesse. Heute ist die Stadt das wirtschaftliche und kulturelle Zen­trum der Metropolregion Nürnberg sowie ein bedeutender Industrie- und Messe­standort. Dieser Architekturführer, entstanden in Zusammenarbeit mit Studierenden der Fakultäten Architektur und Design der ­Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, ist eine umfassende Dokumentation der vielschichtigen Architektur ­Nürnbergs. In zehn Rundgängen, die vom Zentrum bis zur Peripherie führen, werden insgesamt 245 Bauten aus rund 800 Jahren Stadt­geschichte vorgestellt. Ergänzt wird diese Darstellung durch neun Essays, die die Hintergründe der bau­lichen Ent­wicklungen in dieser bedeutsamen deutschen Stadt beleuchten.

Guides

Der im Verlag Dom publishers erschienene Architekturführer Nürnberg kostet 38 Euro
Der im Verlag Dom publishers erschienene Architekturführer Nürnberg kostet 38 Euro

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