Reise

Burgenstraße kulinarisch: “Schluck” in Kronach

Kronach (84)

Unlängst waren wir in Kronach zu Besuch. Am abend lernten wir ein tolles Bier in einem tollen Gasthaus kennen. Die Sorte hieß “Schluck” der Kronacher Antlabräu. Das Bier wird im Gasthaus gebraut.

Die etikette sind lesenswert,m sie verraten einiges zum Bier: Vorne signalisieren die bauchigen 0,33-Liter-Fläschchen dem Durstigen, dass ihn ein nicht so recht traditionelles Stöffchen erwartet, denn sie sind frech mit einem langhalsigen Comic-Schwarm im Superman-Kostüm dekoriert. Obwohl als Zutaten nur Hopfen, Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz und Hefe aufgeführt sind, leugnet die knapp gehaltene Beschreiung, dass es sich um ein Bier handelt. “Untergäriger Hopfentrunk” hat Braumeister Markus Ort stattdessen als Bezeichnung gewählt. Warum? Aus rechtlichen Gründen. So erfahren wir vom freundlichen Kellner.

Martin Dorschke und  Norbert Krines klärenin dem Buch “111 fränkische Biere, die man getrunken haben muss” auf. sort heißt es: ,In der 1516 für das Herzogtum Bayern festgeschriebenen Brauordnung (die übrigens Dutzende regionale Vorgänger hatte) ist als Getreide ausschließlich Gerste erlaubt. Bier aus Weizen war in dieser Zeit südlich der Donau generell verboten. Die änderte sich erst im Jahr 1602, seither durften die bayerischen Herzöge auch dort Weizenbiere brauen und verkaufen – aber nur diese.”

Ein Erbe dieses kuriosen bierhistorischen Details: Die aktuelle, 1993 verabschiedete Fassung des Reiheitsgebots setzt der Verwendung von Weizenmehl weiterhin eine Grenze, die jeder  Vernunft entbehrt. Verwendet werden darf es nur, wenn es obergärig vergoren wird (also mit einer für das Weißbier typischen Hefe, die nach getraner Arbeit im Gärbottich nach oben steigt). Der “Schluck” aber ist mit einer untergärigen gebraut (mit einer Hefesorte also, die nach unten sinkt und eigentlich für Pils- und Lagerbiere vorgesehen ist). Geschmacklich ist der mit reichlich Hopfen aromatisierte naturtrübe “Schluck” beides – Kellerpils und Weizen – in einem. Ein flüssiger Gesetzesverstoß. Soweit die autoren. Fazit: ein toller Gesetzesverstoß dieses Bier aus Kronach. Mein Tipp: Man sollte es dort trinken, wo es gebraut wird.

Informationen zum gastfreundlichen Wirtshaus

Antlabräu und Braugasthof ‘s Antla, Amtsgerichtsstraße 21, 96317 Kronach

Internet: www.antla.de

Martin Dorschke, Norbert Krines, 111 fränkische Biere, die man getrunken haben muss, Emons Verlag GmbH, 2017.

 

Vom steintrockenen Herrenpils über das vollmundige und naturtrübe Zwickl bis hin zum Rauchbier, Bambergs »flüssigem Schinken«: Nirgendwo auf der Welt ist die Biervielfalt größer als in Franken. In 275 Brauereien entstehen dort über 2.000 Sorten. Auch die Einheimischen kennen davon meist nur einen Bruchteil, denn jeder Ort trinkt am liebsten seine eigenen Märzen, Pilsner und Bockbiere – und viele werden wie anno dazumal nur aus dem Fass und nur im eigenen Wirtshaus ausgeschenkt. Norbert Krines hat sie alle verkostet und mit Martin Droschke die 111, die man unbedingt getrunken haben muss, zu einem Genussführer durch Deutschlands Bierparadies zusammengestellt.

Autorenportrait

  • Martin Droschke

    Martin Droschke, geboren 1972 in Augsburg, zog 1992 zum Studium der Philosophie, Pädagogik und Geschichte nach Nürnberg. Er arbeitete als freier Journalist und Literaturkritiker u.a. für den »Tagesspiegel«, die »taz« und die »Süddeutsche Zeitung« und lebt heute als freier Werbetexter und Autor in Coburg. Er beschäftigt sich seit einem Urlaub in Pilsen, der Geburtsstadt des gleichnamigen Bierstils, intensiv mit Gerstensäften und veröffentlichte bereits verschiedene Bücher zum Thema Bier.

    mehr über diesen Autor

  • Norbert Krines

    Norbert Krines wurde 1973 im fränkischen Kulmbach geboren, der sogenannten »heimlichen Hauptstadt des Bieres«. Zum Studium der Germanistik, Sozialkunde und Geschichte wechselte er nach Bamberg, in die wahre Hauptstadt des Bieres, wo er als freier Autor und Dozent für Deutsch als Fremdsprache lebt. Seit 2001 ist er aktiver Heimbrauer. Im Januar 2011 startete er den Blog »Bier des Tages«, für den er jeden Tag ein Bier aus einer fränkischen Brauerei degustierte und beschrieb. Gemeinsam mit Martin Droschke veröffentlichte er 2016 den »Craft Beer-Führer Franken«.

    Hier ein weiterer Bericht zum Thema Craftbiere.

    und hier geht es zur Burgenstraße.

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