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Berlin-Frohnau: Das Schlemmerparadies im Hinterhof

Frohnau-Laden (2)Foto: S. Glasneck

Frohnau, dieser sehr kleine Ortsteil-Zipfel im äußersten Norden Berlins, geht auf „Frohe Aue“ zurück. Die zwischen 1908 und 1910 vom oberschlesischen Fürsten Donnersmarck konzipierte brandenburgische Gemeinde hieß damals „Gartenstadt Frohnau“.  Donnersmarcks Anweisung: Jedes Haus müsse einmalig sein, alle Straßen hätten auszusehen wie Alleen. Also – Gartenstadt. Das ist sie, 1920 nach “Groß-Berlin“ eingemeindet, auch heute noch – Wald und Auen, etwa das Fließ, herrschen vor. Doch da gibt es eben auch, von Anfang an so geplant, etwas außergewöhnlich Städtisches: Die durch eine kleine Brücke verbundenen beiden Plätze, die zu Einkauf wie Verweilen verführen: Zeltinger Platz und Ludolfinger Platz. Hier gibt es nicht, wie etwa in der Friedrichstraße oder am  Kurfürstendamm, Geschäftsleerstand, zugeklebte oder gar vernagelte Schaufenster – hier vielmehr pulsiert das Leben, wenn auch nach dem Motto „gemach, gemach“.

„ Dithmarscher Hofladen“

Hier auch, am Zeltinger Platz 5, lädt ein exklusives Etablissement der Bezeichnung „ Dithmarscher Hofladen“ ein. Das ist ein Gemenge aus Feinschmeckerrestaurant und Feinkostladen. Ein wahres Schlemmerparadies – zu finden im Hof. Nun kann „Hof“ auch abschrecken, assoziiert man das Wort zudem noch mit „Hinterhof“. Das ist aber hier keineswegs der Fall – eher das Gegenteil. Denn „Dithmarscher Hofladen“ bedeutet nicht nur Exklusivität, sondern vor allem auch Gemütlichkeit: Im Garten vor dem „Laden“ sitzt man, umrahmt von grünen Hecken, wie in einer Sommerfrische. Drinnen wird  vor einigen Sitzplätzen in einer gläsernen Kühltheke Lukullisches dargeboten.

Dithmarscher Hofladen“ in Berlin-Frohnau Foto: W.Will
“Dithmarscher Hofladen“ in Berlin-Frohnau Foto: W.Will

Sven Glasneck verkauft mit Kenntnis

Fast alles, was Initiator und Eigentümer Sven Glasneck (45) zum Verzehr oder Kauf anbietet, kommt aus Deutschlands Norden, eben dem Dithmarschen, dieser Region zwischen Nordsee, Eider, Elbe und Nord-Ostsee-Kanal. Dort, vor Ort, hat Glasneck alles, was er anbietet, inspiziert und probiert, beim Produzenten oder Verarbeiter, also bei Bauern oder Fischern. Jede Wochen fährt er zum Einkauf selbst dorthin. Seine frischen Nordseekrabben etwa werden in Husum per Hand „gepuhlt“. Was zudem für Glasneck und sein Frohnau-Lukull spricht: Er hat 14 Jahre lang im KaDeWe gekocht, in  Berlins „Kaufhaus des Westens“, dort in der berühmten Sechsten Etage, am Stand von Paul Bocuse.

Sven Glasneck vom„ Dithmarscher Hofladen“ Foto: W.Will
Sven Glasneck vom„ Dithmarscher Hofladen“ Foto: W.Will

Man sollte sich hüten, das Angebotene als „Bio“ zu bezeichnen oder anzusehen.  Dieser Begriff ist inzwischen so inflationär, dass er schon in die Nähe von „nichts Besonderes“ geraten ist – Alltags-Durchschnitt.

Frohnau-Laden (3)
Foto: Glasneck

wie aus dem eigenen Garten

Nein – nicht „Bio“ bietet „Dithmarscher“-Besitzer Glasneck in Frohnau an, sondern „Natur“, und zwar „pure Natur“, ob beim Verzehr oder beim Verkauf: Er kennt die Fischer, die ihn beliefern, und die Seegebiete, wo sie etwa die Heringe fangen, die im Hofladen so vielfältig zu haben sind. Bratheringe etwa, von Glasneck selbst zubereitet und gewürzt. Er kennt den Hühnerhof, von dem er seine übergroßen Eier bezieht, er weiß, wie die Hennen in der Natur gehalten werden. Er weiß genau, wo die Kühe weiden, er inspiziert auch immer wieder die Käsereien, in denen morgenfrische Milch von Hand bearbeitet wird. „Wir wollen weg von der industriellen Lebensmittelherstellung“, sagt Glasneck, „alles soll natürlich sein – wie aus dem eigenen Garten“. Das gilt auch für die Gänse – in der Weihnachtszeit gibt es die auf Wunsch auch mit Thüringer Klößen. „In erster Linie bin ich Lebensmittel-, Delikatessen-Händler – erst danach kommt der Gastronom“, unterstreicht Glasneck.

Foto: S. Glasneck
Lecker: die Theke Foto: S. Glasneck

Mein Tipp: mal hingehen

Auch im Verkaufsangebot: Suppen sowie kleinere Gerichte, etwa Sauerfleisch, im Glas – das alles lacht einen geradezu an! Ganz einfach: mal hingehen.

Frohnau also: Dieser Ortsteil des Berliner Bezirks Reinickendorf ist eine der schönsten Villenregionen der Hauptstadt. Hier wohnen nur gut 17 000 Menschen. Der S-Bahnhof Frohnau liegt genau zwischen Zeltinger und Ludolfinger Platz. Beide Plätze kommen einem auch vor wie zwei nebeneinander liegende Wagenräder, wobei deren Speichen die kleinen Straßen sind, die hier in die Verkehrskreise münden. Im Norden  nd Osten grenzt Frohnau an den brandenburgischen Landkreis Oberhavel mit der Stadt Hohen Neuendorf/Stolpe – und da beginnt die Provinz . . .

  •  Adresse und Öffnungszeiten
  • Zeltinger Platz 5, 13465 Berlin. 030 407 276 20
  • dithmarscher.hofladen@aol.com
  • Mo . Fr : 9.00 bis 18.30 Uhr
  • Sa: 8.30 bis 14.30 Uhr

 

Hier ein weiterer Text von Wolfgang Will auf einfachraus.eu

 

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