Mobilität

Autonomes fahren – aber Menschen zum Mars…

Wer will, kann mit dem Tesla eine Spritztour durch die Bergwelt Tirols unternehmen. Foto: D.WeirauchWer will, kann mit dem Tesla eine Spritztour durch die Bergwelt Tirols unternehmen. Foto: D.Weirauch

Wahrer Wahnwitz:  Autonomes Auto – aber Menschen zum Mars und Mond

Ein wahrer Irrsinn greift selbst in Kreisen der Wissenschaft und Technologie um sich, und man fragt sich schon: Warum wird diesem Wahnwitz so gehuldigt, warum finden sich keine Stimmen, die diesen Widersinn anprangern? Es geht schlicht um diese Frage: Das Auto soll künftig autonom fahren, der Mensch wird nur noch Beifahrer sein – aber anstatt genau solche autonomen Ideen mit Vehemenz auch in der Raumfahrt zu verfolgen, wird dort an der Entsendung von Menschen zum Mond und sogar zum Mars gearbeitet.

Welch ein Widerspruch!

Den Mond mag man ja als Ziel noch akzeptieren, denn hier spielen – wie seinerzeit zwischen den Amerikanern und Sowjets – Prestigegründe eine entscheidende Rolle, auch unter sogenannten Drittstaaten. Außerdem geht es hier um bekanntes, bereits „beschrittenes“, beinahe ungefährliches Terrain. Das ist beim Mars anders. Ganz anders! Wer das in Frage stellt und weiterhin von Mars-Expeditionen oder gar Siedlungen auf dem Mars spricht, muss sich als Träumer, Phantast, ja Spinner apostrophieren lassen.Als solcher etwa erweist sich der amerikanische Geschäftsmann Elon Musk, der es trotz vieler waghalsiger Unternehmungen und trotz eines aufsehenerregenden Privatlebens zum Milliardär gebracht hat. Seine super teuren elektrischen Automodelle der Reihe Tesla haben wohl noch keinen einzigen Dollar verdient, aber sein Raumfahrtprogramm SpaceX brilliert – nicht nur dank der Satellitenstarts, sondern auch wegen dieser Sensation: Musk hat es als Privatmann gegen jegliche staatliche Konkurrenz weltweit als erster geschafft, wiederverwendbare Raketen zu bauen und erfolgreich zu nutzen.

Aber wenn er vom Mars spricht, wird er zum Gaukler – um nicht „Narren“ zu sagen!

Von seiner in der Erprobung befindlichen Starship-Rakete schwärmt er: „Eines Tages wird sie auf dem roten Sand des Mars landen“ – nicht nur so einfach „mit Menschen“, sondern mit gleich 100 Personen in diesem Raumschiff. Und die sollen nur die Vorhut sein, denn ständig bewohnte Siedlungen auf dem Mars sind sein Lieblingsprojekt.

Das ist pure Traumtänzerei – angesichts folgender Tatsachen:

Die Entfernung Erde – Mars variiert zwischen 56 und 401 Millionen Kilometer. Der kürzeste Weg öffnet sich nur etwa alle zwei Jahre. Das beruht auf der Tatsache, dass sich Erde wie auch Mars auf elliptischen Bahnen bewegen. Vielfach schon sind Roboter-Sonden Richtung Mars gestartet worden. Die amerikanischen Mars-Rover „Spirit“ und „Opportunity“ brauchten im Jahr 2003 rund sieben Monate. Genauso lange benötigte die europäische Sonde „Mars Express“. Fast zehn Monate brauchte 2007 der US-Polar-Lander „Phoenix“.

Ein bemanntes Raumfahrzeug, so hatte ein NASA-Mitarbeiter Anfang 2019 errechnet, würde zwischen 450 und 490 Tage unterwegs sein. Dem widersprach ein Kollege: Er rechnet mit einer Flugdauer von sieben bis neun Monaten.

Für den Rückflug müsste ein geeigneter Termin abgewartet werden – bis sich Erde und Mars wieder sehr nahe kommen. Dieser astronomischen Gründe wegen müsste also ein Mars-Aufenthalt ca. 16 Monate dauern.

Die günstigste Rechnung: Sieben Monate Hinflug und weitere sieben Monate zurück – und ein halbes Jahr auf dem Mars bleiben: Mars-Astronauten müssten also mit einer Reisedauer von insgesamt wenigstens 20 Monaten rechnen. Noch einmal:

G ü n s t i g e n  Falles!

Kann ein Mensch das aushalten?

Lassen wir also einmal „Lächerlichkeiten“ beiseite – wie Essen. Stuhlgang, Urinieren, Waschen und Duschen, Freunde, die Familie. Die einfache Weisheit lautet: Der Mensch ist nicht für Mond und Mars gemacht. Er hat sich  vielmehr in Jahrtausenden seiner Entwicklung der Erde und deren Gegebenheiten angepasst.

Denn hier ist er nicht schutzlos den gewaltigen Strahlungen des Weltalls ausgesetzt. Die mag er, wie die amerikanischen Mond-Astronauten oder die Besatzungen der Internationalen Raumstation ISS, kurzfristig gesundheitlich meistern. Für Langzeitausflüge in das Weltall dagegen drohen Gefahren – bekannte wie auch unbekannte.

Magen- und Dickdarmkrebs beispielsweise hat der amerikanische Forscher Kamal Datta bei Mäusen festgestellt, die langfristig einer simulierten Weltraumstrahlung ausgesetzt wurden. Seine Erkenntnisse hat er, Professor an der berühmten Georgetown University, in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht. Andere Wissenschaftler warnen vor plötzlichen Demenzerscheinungen, vor tödlichen Blut- und Organerkrankungen.

Weshalb also verfolgen Wissenschaftler trotzdem Pläne, Menschen zum Mars zu schicken, dort sogar Siedlungen zu errichten? Warum denkt man nicht daran, hochintelligente Roboter dorthin zu befördern? Warum soll der Mensch vom Autofahren auf der Erde “befreit“, aber im All in den sicheren Tod befördert werden?

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