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Ausflugstipp: Vom Festen Haus zum Schlosshotel – Groß-Ziethen

Schlosshotel Groß ZiethenSchlosshotel Groß Ziethen Foto: Hajo Eckert

Vom Festen Haus zum Schlosshotel.  Groß-Ziethen ist einen Ausflug wert – Tolles Schlosshotel, ein Park und die Kirche. Journalisten-Glück. Als ich zu Pfingsten 1997 vom Storchendorf Linum kommend, in Staffelde nach Groß-Ziethen abbog, traute ich meinen Augen kaum. Das ganze Dorf war mit Autos zugeparkt. Was war hier los? An der Dorfkirche die Antwort. Hier befolgte das Brautpaar Jobst und Michaela von Unger aus Berlin den persönlichen Spruch der Freifrau Edith von Thüngen: „Dem Vereinigen gewidmet 1994“. Die von Ungers nahmen es wörtlich und heirateten am 18.Mai 1997 in Groß-Ziethen. Zu den geladenen Gästen zählte als Onkel auch der 6. Präsident der Bundesrepublik von 1984 bis 1994, Richard von Weizsäcker. In seinem Gefolge die Ehefrau Marianne sowie die schon erwachsenen Kinder. Nach der Trauung offerierte der damalige Pfarrer Johannes Kölbel dem Bundespräsident a.D., der damals erstmalig Brandenburg besuchte, wissenswertes über die Region. Dazu gehörte auch die Nachricht, dass das über 750 Jahre alte Kirchendorf seinen Namen nicht vom Adelsgeschlecht derer von Ziethen in Brandenburg hat, sondern offensichtlich aus dem wendischen Begriff „Zita“ (Getreide) abgeleitet wurde.

Hier die Geschichte von Schloss Groß-Ziethen

Bundespräsident von Weizsäcker in Groß-Ziethen
Bundespräsident von Weizsäcker in Groß-Ziethen Foto: hajo

Richard von Weizsäcker hielt nicht hinter dem Berg. Er lobte Groß- Ziethen und sein Schlosshotel über den grünen Klee. „Was Edith Freifrau von Thüngen  nach der Wende in das Familienschloss der Bülows an Ideen und Kraft investiert hat, ist aller Ehren wert“, meinte von Weizsäcker, der – wie auch der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe – nach dieser ersten Hochzeit seit der Eröffnung im Schlosshotel mehrfach zu Gast in Groß-Ziethen weilte.

Vom Festen Haus zum Schlosshotel

Das Schloss im dörflichen Ort fügt sich mit seiner Architektur, den beiden Ecktürmen und dem Portal, bescheiden in das Ortsbild ein. Dennoch wirkt es prachtvoll, wenn man davor steht. Die noch erhaltenen Gewölbe des barocken Baus von 1897 stammen aus dem 14. Jahrhundert. Seit die Vorfahrin der Freifrau von Thüngen, Ottonie von Massow, geb. von Bülow, das Schloss 1879 erworben hatte, war es im Bülowschen Familienbesitz. Zuvor hatte es häufig die Besitzer gewechselt. Namen wie die von Bredow, von der Lütke sowie der Feldmarschall von Blücher sind eingetragen. Bis zum Kriegsende 1945 bewohnte Friedrich von Bülow das Schloss und betrieb Landwirtschaft. Er floh am 23. April vor der anrückenden Sowjetarmee. Die besetzte das Schloss, plünderte es aus und betrieb darin ein Lazarett. Es folgten als Nutzer eine Produktionsgenossenschaft, ein Kindergarten und es wurden Räume für kulturelle Betätigung eingerichtet.

Edith von Thüngen, die als Tochter einer Diplomatenfamilie in Lima geboren wurde, und vor der Wende als Innenarchitektin zuletzt in München wohnte, erfuhr aus der Familienzeitung von dem Familienbesitz der Bülows in Groß- Ziethen. 1993 reiste sie mit ihrer Tochter Celina ins brandenburgische Dorf. Hier fanden sie ein Schloss vor, das ausgeplündert, heruntergekommen war und von dem der Putz abbröckelte.

 

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Dipl.-Ing. Herwig Kroll widmete sie sich dem Wiederaufbau des Familienbesitzes. Die Tochter wurde zwei Jahre lang von mehreren ABM-Kräften bei der Wiederherstellung des Parks, in dem heute drei Skulpturen der Bildhauerin Janine von Thüngen präsentiert werden, unterstützt.

Die mühevolle Arbeit wurde von Erfolg gekrönt.

Heute werden Übernachtungsgäste in 30 stilvoll eingerichteten Hotelzimmern erwartet. Im Schlosshotel gibt es Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Um nur eine Darbietung mit prominenten Schauspielern zu erwähnen: Petra Schmidt-Schaller als Claire und Max Engelke als Wölfchen, spielten unter Leitung von Christine Schmidt-Schaller Szenen aus Fontanes „Bilderbuch für Verliebte“. Der Berliner Saxofonist Achim Schmauch begleitete die gut besuchte Vorstellung musikalisch. Die Möblierung des Hauses ist dem Schlosscharakter angepasst. Im Erdgeschoss warten drei Salons, die Bibliothek mit einer gusseisernen Treppe aus der Schinkelzeit, ein Bredow-Saal, das Kaminzimmer und die attraktive Orangerie als Restaurant auf Gäste. Im Keller kann man in mehreren uralten Gewölben essen und trinken oder die Sauna besuchen. Verliebt in ihr Schloss hat Edith von Thüngen die benachbarte  alte Kutschenscheune als Remise zu einem stilvollen Wohnsitz und einen Ort der Ruhe und Einkehr umbauen lassen.

Freifrau Edith von Thüngen
Freifrau Edith von Thüngen

Der Chef im Schlosshotel ist seit 2011 Rafael von Thüngen-Reichenbach.

Wie alle Gastronomen und Hoteliers in Brandenburg leiten er und sein Team mit 21 Mitarbeitern derzeit (in Kurzarbeit) unter dem Corona-Lockdown. Die verordnete Schließzeit wird in Groß-Ziethen zu Umbau- und Sanierungsarbeiten genutzt. Ausgehend von der Lockerung im Frühjahr und Sommer 2020, wo unter Beachtung der Hygienevorschriften viele Tagesgäste auch als Radtouristen betreut werden konnten, hat der Hotelchef einen Plan der Hoffnung aufgestellt. Dazu gehören unter anderen solche Events wie ein kulinarisches Fastenmenü (19. bis 21.März) oder der Osterbrunch am 4. April mit Livemusik. Zum Herrentag am 12. Und 13. Mai ist eine kulinarische Bierverkostung mit der bayrisch-fränkischen Bierkönigin Sabine Ullrich während eines 3-Gang-Menüs geplant. Die Fülle des Sommers mit langen Abenden und kurzen Nächten könnte vom 1. bis 25. Juni mit einem „Füllhorn des Sommers und den ersten Weinen des letzten Sommers“ auf den Tischen im Restaurant  angeboten werden. BBQ und Jazz mit den Barleas ist für den 23. Juli ab 19 Uhr auf der Parkterrasse vorgesehen. Am 11. Und 12. August sind die Gäste ab 20 Uhr eingeladen zum sommerlichen Abendessen auf der Terrasse mit anschließendem Sterneschnuppen-Gucken.

Die Kreativität des Schlossherrn kennt keine Grenzen. Wer noch mehr erfahren möchte, kann das auf der Website www.schlossziethen.de nachlesen. Man kann einfach nur hoffen und wünschen, dass alle Vorhaben verwirklicht werden können. Reservierungen sind auch möglich unter 033055 – 950. Hier geht es zur Homepage.

Mit dem Pkw oder dem Rad fährt man 15 Kilometer weit von Leegebruch über Vehlefanz und Schwante nach Groß-Ziethen.

Text und Fotos: hajo

Lohnenswert auch ein Besuch im Scheunenviertel Kremmen. Auch der schmuck restaurierte Stadtkern von Kremmen ist einen Besuch wert, dieser gehört zu den Städten mit historischen Stadtkernen.

Kremmen: Tiefste Provinz Foto: Hajo Eckert
Kremmen: Tiefste Provinz Foto: Hajo Eckert