Reise

Auf den Spuren des Reformators Jan Hus in Prag

St. Veits-Kathedrale auf der Prager Burg @ Martin Mařák © CzechTourism

Jan-husp1770393-958x619Jan Hus in Prag – Stätten seines Wirkens

Wirken: Vordenker und Wegbereiter der Reformation

Prag: Denkmal und Museum für Jan Hus

Der Theologe und Reformator Jan Hus (1369-1415) hinterließ nicht nur in Böhmen und in Konstanz am Bodensee seine Spuren. Vor allem in Prag wird an das Wirken des berühmten Reformators erinnert.

Wir stellen einige Orte vor, an denen in Prag an Jan Hus erinnert wird.

Jan Hus in Prag: Bethlehemskapelle in der Altstadt

Ab etwa 1402 sind erste Predigten von Jan Hus in der Bethlehemskapelle in der Prager Altstadt verbürgt. 1400 wurde er zum Priester geweiht. Er war sehr beliebt, denn Jan Hus sprach so, dass man ihn verstand. Was er sagte, berührte die Herzen seiner Zuhörer und veränderte ihre Sicht aufs Leben. Die 1391 errichtete Bethlehemskapelle gehört zu einem größeren Klosterkomplex.

 

Mit seinen mitreißenden Predigten in der Muttersprache der tschechischen Bevölkerung Prags erreichte Jan Hus viele Menschen. Bis zu 3000 Gläubige sollen seinen Predigten in der Bethlehemskapelle gelauscht haben. Hus kritisierte die Missstände in der Kirche seiner Zeit. (geöffnet: tgl. 10 – 18.30 Uhr)

Prediger gegen den Ablass

Nach dem damals vorherrschenden Glauben gelangten nur reine Seelen direkt in den Himmel. Die anderen erlitten dagegen Qualen im Fegefeuer. Die Kirche versuchte, den Gläubigen Angst einzujagen, damit sie für ihr Seelenheil gegen Geld einen Ablass erwarben. Der Ablass sollte verhindern, dass die Gläubigen im Fegefeuer landeten.

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Am 9. März 1410 erließ Papst Alexander V. eine Bulle gegen Hus. Aber der predigte trotz Predigtverbots unter großer Zustimmung der Prager weiter an der Bethlehemskapelle. 1412 mußte Jan Hus Prag verlassen. Sein Schicksal ist bekannt. Da Hus seine Ansichten nicht widerrief, wurde er am 6. Juli 1415 vom Konzil in Konstanz zum Tode verurteilt. Er wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Damit löste die Kirche den ersten Prager Fenstersturz (1419) und die Hussitenaufstände aus.

Wiederaufbau in den 50er Jahren

Im Jahr 1786 wurde die Bethlehemskapelle zerstört und erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts auf Resten des ursprünglichen Fundamentes wiedererrichtet. Im der Kapelle gegenüberliegenden Haus der einstigen Predigerwohnung kann man sich umfangreich über das Wirken von Jan Hus in Prag informieren. Im Prinzip ist die jetzige Bethlehemskapelle ein Neubau, einzig die Tür, durch welche Hus die Kanzel betreten haben soll, ist im Original erhalten. Heute dient der große Raum als feierliche Aula der Prager Technischen Universität. (Adresse: Betlémské námestí 255/4, Praha 1)

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Rathaus und Altstädter Ring

Nicht weit entfernt von der Bethlehemkapelle kommt man auf dem Altstädter Ring. Das historische Altstädtische Rathaus mit der Astronomischen Uhr, die Teynkirche, die Hussitenkirche St. Niklas, das Palais Kinský, das Haus „Zur Steinernen Glocke“ und andere sehenswerte Gebäude umgeben den Platz. Im Mittelpunkt des Altstädter Rings steht das Denkmal für Jan Hus.

Vom Aussichtsturm des Rathauses hat man einen tollen Blick auf den Markt mit dem Jan Hus Denkmal sowie die tschechische Hauptstadt.

Jan Hus Denkmal am Altstädter Ring

Das 1915 vom Bildhauer Ladislav Saloun im Jugendstil errichtete Bronzedenkmal auf dem Altstädter Markt zeigt Jan Hus inmitten mehrerer Personen. Es sind vor allem einstige Vertraute als auch Hussiten sowie Auswanderer aus der Zeit nach der Schlacht auf dem Weißen Berg. Jan Hus richtet seinen Blick hinüber zur Teynkirche.

Teynkirche

1365 begann der Bau der dreischiffigen, gotischen Teynkirche (Týnský chrám). Sie wird auch als „Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn“ (Kostel Panny Marie před Týnem) genannt. Die beiden ungleichen Türme stammen von Anfang des 16. Jahrhunderts. Das im Innern befindliche sogenannte Prager Taufbecken stammt aus der Zeit des Wirkens von Jan Hus in Prag.

Sehenswert auch das rechts vom Hauptaltar im Jahr 1601 aufgestellte Grabmal des am Hofe des Kaisers Rudolf II. wirkenden dänischen Astronomen Tycho Brahe aus dem Jahr 1601. Über den Altstädter Ring verlief der traditionelle Krönungsweg der böhmischen Könige zum Veitsdom. (Info: Celetná 5, 110 00 Praha 1, Stare Mesto)

Spaziergang zum Teyhof

Der Teyhof gilt als einer der wichtigsten historischen Orte in Prag. Der Gebäudeblock aus dem 11. Jahrhundert ist ein ursprünglicher Kaufmannshof, der auch als Zollstation genutzt wurde. Im Komplex sehenswert ist der Granovský-Palast. Das Ensemble zählt zu den besterhaltendsten Renaissancejuwelen in Prag. Bewundern kann man Graffiti mit Bibelmotiven und Motive der griechischen Mythologie.

Kirche Maria Schnee

Ebenfalls Bezug zur Hussitenbewgeung hat die Kirche Maria Schnee. Zu Beginn des 15. Jahrhundert war die Kirche ein Zentrum des radikalen Flügels der Hussitenbewegung und Wirkungsort des hussitischen Predigers Jan Želivský. Von hier nahm der bewaffnete Marsch zum Neustädter Rathaus 1419 seinen Anfang.

Die später dem Verfall preisgegebene Kirche wurde als Franziskanerkirche wieder aufgebaut und erhielt dadurch ihr heutiges barockes Äußeres. Aus der Erbauungszeit stammt noch ein eindrucksvolles Gewölbe. In dem befindet sich heute die Weinstube „U Františků“.

Neben der Kirche St. St. Martin sollte man auch das Karolinum besichtigen. Dort ist eine Ausstellung über Jan Hus zu sehen. Tipp. Sehenswert ist die Stadt Tabor, etwa 150 Kilometer von Prag entfernt, einst eine Hochburg der Hussitenbewegung.

Denkmal für Heerführer Jan Žižka

Zizka besiegte bereits 1420 das kaiserliche Kreuzfahrerheer am Vitkov-Berg in Prag. Auf dem Veitsberg (Vítkov) in Prag befindet sich das 1950 eingeweihte Jan-Žižka-Denkmal. Das neun Meter hohe und 16,5 Tonnen schwere Monument gilt als die größte Bronzestatue der Welt. Zu Ehren Žižkas wurde der Veitsberg in Vrch Žižkov umbenannt und der angrenzende Prager Stadtbezirk trägt heute den Namen Žižkov.

Abendessen in der Brauerei „Zu den drei Rosen“

„U Tří růží“ (Zu drei Rosen) lautet der Name eine in der Nähe des Altstädter Ringes befindlichen historischen Brauereigaststätte. Das legendäre Restaurant „U Tří růží“ befindet sich in der historischen Altstadt Prags. Bis zur Karlsbrücke ist es nicht weit.

Besonders am Abend empfehlenswert ist ein Spaziergang entlang der Moldaupromenade mit Blick zur beleuchteten Prager Burg.

Prag – Informationen

Buchtipp: Michael Bussmann, Gabriele Tröger: Prag, Michael Müller Verlag, 16,90 Euro. Aus meiner Sicht der beste Reiseführer zu Tschechien mit vielen Insidertipps.

Michael Müller Verlag Tschechien
Michael Müller Verlag Tschechien

Tschechien Infos: www.czechtourism.com

Anreise:  u.a. mit meinfernbus.de

Übernachtung: u.a. Hotel Duo, Teplická 492, 190 00 Praha 9, Tel.: +420 266 131 111, E-mail: info@hotelduo.cz

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Abstecher nach Tabor, wo wir u.a. das unterirdische Labyrinth besuchten.

Mit dem Bau der unterirdischen Keller (der heutigen Gänge) wurde gleich nach der Gründung Tábors 1420 begonnen. Erste Erwähnungen in den schriftlichen Quellen stammen aus den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts. Der Ausbau dauerte etwa 100 Jahre.

Ursprünglich dienten die Keller und deren Verbindungen zum Nachreifen des Bieres (sogenannte Bierlöcher). Später wuchs ihre Bedeutung hauptsächlich zurzeit großer Feuerbrünste, zu denen es in Tábor immer wieder kam. Die größten Brände von 1525, 1532 und 1559 vernichteten bis zu 80 Prozent der Stadt. In Friedenszeiten dienten die Keller und deren Verbindungen zur Einlagerung von Lebensmitteln, weil hier eine konstante Temperatur herrscht, etwa zwischen 7 und 8 Grad Celsius. Die Tiefe schwankt zwischen 7 und 12 Metern, an einigen Stellen sind die Keller zwei- bis dreistöckig.

Unsere Trasse beginnt unter dem alten Rathausgebäude, führt am Rande des Marktplatzes (des heutigen Žižka-Platzes) entlang und endet im Haus Nr. 6. Die ganze Trasse ist etwa 550 Meter lang. Sie ist erst in den Jahren 1946/47 künstlich entstanden. Seit dem 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts waren die unterirdischen Gänge zerstört. Die meisten Keller standen unter Wasser,  waren verschüttet oder dienten als Abfallräume. 1968 wurden sie geologisch erforscht, in den folgenden Jahren baulich gesichert und gefestigt. Die gesamte Länge der unterirdischen Gängen wird auf 12 bis 14 Kilometer geschätzt.

Einige unterirdische Räume unter dem Rathausgebäude dienten auch als Gefängnis. In den Quellen wird vermerkt, dass sie für geschwätzige und zänkische Táborer Weiber bestimmt waren.