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Angermünde: So entstehen Kunstwerke

Angermünde (2)Rathaus von Angemünde Foto: Weirauch

Teil 2: Brandenburg in 333 Worten von Joachim Nölte. Unter einem Symposium stellt man sich gemeinhin eine akademische Veranstaltung mit gelehrten Vorträgen vor. Dann gibt es aber noch das Bildhauersymposium. Nicht, dass Bildhauer keine klugen Köpfe wären. Aber wenn sie sich zu einem Symposium treffen, dann wird weniger geredet, aber umso mehr werden Steine behauen. Weil Bildhauer die meiste Zeit in einsamen Ateliers ihrer kräftezehrenden Arbeit nachgehen, haben sie Ende der 1950er Jahre das Bildhauersymposium erfunden. 1991 trafen sich erstmals Bildhauer in Angermünde, zum Hartsteinsymposium, um aus kapitalen Findlingen Kunstwerke zu formen. Einige davon können noch heute am Mündesee bewundert werden. Acht derartige Veranstaltungen schienen eine Tradition in Angermünde zu begründen. Aber 2008 war vorerst Schluss. Leider.

Wieder Hartsteinsymposium in Angermünde

Zwölf Jahre mussten vergehen, bis es dem in der Nähe von Angermünde arbeitenden Bildhauer Jörg Steinert gelang, diese Veranstaltung wieder aufleben zu lassen. Die Stadt und viele noble Spender haben daran ihren Anteil. Vom 31. August bis zum 1. Oktober ist es wieder so weit. Acht namhafte Bildhauer aus Italien, Spanien, Costa Rica, den Niederlanden und natürlich aus Deutschland kommen diesmal vor dem Franziskanerkloster zusammen, um das harte Material zu bearbeiten. Unter ihnen Jörg Steinert, dessen frühere Arbeiten dazu beitragen, das Stadtbild von Angermünde zu prägen. In Kunst verwandelt werden Steine, die während der letzten Eiszeit vor gut 10.000 Jahren aus dem skandinavischen Raum mit den Gletschern nach Norddeutschland kamen – Granit, aber auch Porphyr, Gneis oder Kalkstein.

Die während des Hartsteinsymposiums entstehenden Werke verbleiben zunächst für zwei Jahre in Angermünde und werden öffentlich ausgestellt. Kann sein, dass einige am Ort des Entstehens bleiben. Erneut zeigt sich das Besondere an dem Angermünder Hartsteinsymposium: Es findet nicht versteckt in einem Steinbruch statt, sondern mitten in einer Stadt, vor den Augen der staunenden Besucher und Passanten. Die diesjährige Veranstaltung trägt den Namen „Glaziale Brandenburg“. Ein bearbeiteter Findling mit dem eingravierten Motto vor dem Rathaus der Stadt kündigt bereits das spätsommerliche Ereignis an. Die Initiatoren des neuen Anlaufs denken also an künftige Zusammenkünfte – vielleicht nicht nur in Angermünde, sondern überall dort, wo die Eiszeit steinige Spuren hinterlassen hat.