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Alles in einem – dieser Pückler mit dem Eis: Abenteurer, Weiberheld, Gartenarchitekt

Alles über Fürst Pückler gibt es in Branitz zu hören und zu sehen

Dieser Kerl war so ein richtiger Tausendsassa! Graf einer freien Standesherrschaft, also unabhängig von König und Kaiser, Generalleutnant, Weltreisender, Abenteurer, Schriftsteller, begnadeter Landschaftsarchitekt – und  großer Weiberheld. „Er hatte weit mehr Geliebte als Casanova“, urteilt ein Zeitgenosse – und das war wohl Neid und Bewunderung zugleich. Einer Quelle zufolge hinterließ er mehrere Dutzend Kinder – die sicher nie erfuhren, wer ihr Vater war.  Das war jener, der in modernen Zeiten in erster Linie mit dem nach ihm benannten Eis in Verbindung gebracht wird – Fürst von Pückler.

Nun gibt es eine neue Biografie aus dem Bebra-Verlag, hier mehr dazu:

Es gibt viele, viele Biographien über ihn. Trotzdem hat der Berliner be.bra Verlag jetzt eine neue herausgebracht; „Fürst Pückler -Ein Leben in Bildern.”

Was immer er tat und vollbrachte – dieses Genie hatte vor allem zwei Vorlieben:  Die Architektur von Parklandschaften, die sich nicht nur bis heute erhalten haben, sondern noch immer Vorbild sind – und seinen Sexdrang, dem sich alles und alle unterzuordnen hatten. Auch Lucie von Hardenberg, geschiedene von Pappenheim, die er 1817 geheiratet hatte – und die sich 1826 auf ihren ausdrücklichen Wunsch scheiden ließ. Das geschah nicht seiner Eskapaden wegen – das war vielmehr Berechnung:  Sie wusste, dass sie seiner Vielweiberei nichts entgegen zu setzen hatte, aber sie wollte das gewohnte Leben in Saus und Braus mit ihm auch als Geschiedene fortsetzen können. Und da der Fürst in Geldnöten war, in sehr großen sogar, schickte sie ihn nach der Trennung auf den damals für den Adel bekannten Hochzeitsmarkt von London. Dort wurden die jungen und vor allem reichen Schönheiten der Fürsten- und Königshäuser Europas angeboten. Er kehrte enttäuscht, wahrscheinlich aber auch beglückt in seine sächsischen Gefilde zurück – denn so konnte er, da Lucie inzwischen Geld aufgetrieben hatte, sein Lotterleben fortsetzen. Auch in den Bordellen.

Pückler bevorzugte stets viel jüngere Frauen, ja Mädchen. Das bewies er sehr eindrucksvoll, als er von einer seiner vielen Reisen – die er auch als Schriftsteller im Detail zu schildern wusste -, die junge schwarze Machbuba mitbrachte. Er hatte sie auf dem Sklavenmarkt in Kairo gekauft. Sie war zwischen zwölf und 14 Jahre alt. In seinem Buch „Mehemed Alis Reich“ beschrieb er sie geradezu überschwänglich: „Dieser Körper! Woher in des Himmels Namen haben diese Mädchen, die barfuß gehen und nie Handschuhe tragen, diese zarten, gleich einem Bildhauermodell geformten Hände und Füße, sie, denen nie ein Schnürleib nahe kam, den schönsten und festesten Busen?“. Er ändert ihren Status von „Sklavin“ in „freie Preußin“ und nimmt sie mit auf seine Reisen. Einmal wieder nach Ägypten. Von Kairo aus aber wollte er – sicher wieder „auf Abenteuer“ aus – allein weiter ziehen, weshalb er sie dem Harem von Bali Kaschef überließ – um sie aber dann – 1838 – wieder abzuholen. Sie reisen weiter nach Konstantinopel, und genau da bewies die afrikanische Schönheit, was sie von ihrem Käufer und Gebieter gelernt hatte: Pückler überraschte sie mit einem Liebhaber beim Sex.  Er verstieß sie keineswegs. Er „glänzte“ weiterhin mit dieser wunder schönen Exotin an den Höfen seiner europäischen Gastgeber, die ihn bewunderten, als Verrückten ansahen. Sie reisen per Schiff auf der Donau nach Buda und Wien, wo sie von Pücklers Ex-Frau Lucie erwartet werden. Sie fahren gemeinsam weiter auf das Pückler-Schloss Branitz.

Machbuba Zeitgenössisches Gemälde um 1840, Stiftung Fürst Pückler Branitz
Machbuba Zeitgenössisches Gemälde um 1840, Stiftung Fürst Pückler Branitz

Hier wird Machbuba plötzlich sehr krank, sie stirbt 1840 an Tuberkulose. Er hält sich zu dieser Zeit in Berlin auf. Seine sächsischen Besitzungen schließlich waren 1815 nach dem Wiener Kongress preußisch geworden – und Pückler brachte es bei denen sogar zum Generalleutnant.

Am Grab von Machbuba, von links: Machbuba (Babett Donnelly), Fürst Pückler (Sven Hülsebus), und Katrin Moschner, Parkführerin der Stiftung Foto: Donnelly
Am Grab von Machbuba, von links: Machbuba (Babett Donnelly), Fürst Pückler (Sven Hülsebus), und Katrin Moschner, Parkführerin der Stiftung Foto/Bildrechte : Donnelly
Grab von Machbuba in Bad Muskau
Grab von Machbuba in Bad Muskau Foto: Weirauch

Seine Affären sind Legion. 1831 etwa trifft er auf Bettina von Arnim, spätere Herrin von Schloss Wiepersdorf, südlich Berlins gelegen, Schwester von Clemens von Brentano, dem Dichter der deutschen Romantik. Eine heiße Affäre hat er mit der Sopranistin Henriette Sonntag, Superstar der Opernhäuser und Salons jener Zeit. Sie ist verheiratet, wie viele seiner Geliebten. Seinen sechzigsten Geburtstag verbringt er mit Rosalie, der Gräfin von Rochefaucauld. „Die Abenteuer dieser Nacht“, lobt er sie und sich selbst in seinen Notizen, „sind erstaunlich für mein Alter“. Auch sie ist verheiratet. Als 75-Jähriger verliebt er sich in die 20 Jahr alte Ada von Treskow, und die erst 17 Jahre alte Ulrike von Levetzow nennt er seine „feurigste Gnomin“ und sie ihn „geliebter Pascha“. Zudem notiert er in seinem Tagebuch: „Es ist auffallend, dass mir jetzt in meinem sechzigsten Lebensjahr die Weiber weit mehr entgegenkommend sind als mit 25 Jahren“.

Neues schloss in Bad Muskau
Neues Schloss in Bad Muskau Foto: Weirauch

Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau, geboren im Oktober 1785, war das erste von fünf Kindern des Grafen Ludwig von Pückler und der Gräfin Clementine von Callenberg, die ihn mit 15 Jahren gebar. Seine Mutter, schrieb er einmal an seinen Vater, „behandelte mich wie ein Spielzeug, ohne selbst zu wissen, warum sie mich bald liebkoste, bald schlug“. Man kann davon ausgehen, dass seine Mutter ihn loswerden wollte, denn als Siebenjähriger wird er in die evangelische Brüdergemeinde der Herrnhuter ins nahegelegene Dörfchen Uhyst gesteckt. Um 1800 besucht er die Universität Leipzig, nach dem Tod seines Vaters übernimmt er die Standesherrschaft des sächsischen Muskau. 1845 verkauft er Schloss und Park Muskau und zieht sich auf sein Erbgut Branitz zurück, wo er 1871 stirbt.

Blick vom Schloss auf den Muskauer Park
Blick vom Schloss auf den Muskauer Park Foto: Weirauch

Zu den Herrnhutern wird er der „gärtnerischen Ertüchtigung“ wegen geschickt, wie er es einmal formulierte – und da wohl ist der Grundstein für seine zweite Obsession – nach der Vielweiberei – gelegt worden, der Parkarchitektur. Bei seinen Englandbesuchen begeisterten ihn immer und immer wieder die britischen Parklandschaften, und er beschloss, sie in seinen Bereichen nicht nur einzuführen, sondern auch nach eigenen Vorstellungen regelrecht zu gestalten. Sie gelten als einzigartig.

Gandiose Landschaftsparks

Das gilt für seine grandiosen Landschaftspark an der Neiße, die Anlagen von Muskau und Branitz (Fürst Pückler Park von Muskau). Sie werden von nicht wenigen internationalen Experten sogar über die Anlagen von Lenné und Sckell gestellt – und das will was heißen! Muskau und Branitz, die sogar in Nordamerika Nachahmer fanden, gehören auch weiterhin zu den Höhepunkten der Landschaftsgestaltung des 19.Jahrhunderts in Europa.

Pückler-Gedenkstein im Schlosspark von Bad Muskau
Pückler-Gedenkstein im Schlosspark von Bad Muskau Foto: Weirauch

Beide Parks verschlangen Unsummen an Geld. Das war auch darauf zurückzuführen, dass Pückler für ihre Anlage riesige Mengen Mutterboden aus weit entfernten Gegenden heranschaffen ließ – auf Ochsenkarren! Denn der sandige Untergrund seiner Heimat war für seine  Anpflanzungsplanung ungeeignet. In diesem Zusammenhang gelang ihm auch für damalige Zeit etwas Einmaliges – er verpflanzte ausgewachsene Bäume. Er beförderte diese Bäume auf einem speziell dafür entwickelten Fahrzeug. So gelang es ihm, sein von ihm zunächst in der Theorie  entwickeltes Parkkonzept auch wirklich zu realisieren – die „Blickachsen“ seiner Parks gelten noch heute als Vorbild für die Landschaftsgärtnerei. Dazu gehört auch der Park Ettersberg am Rande Weimars, den er gemeinsam mit dem Multi-Genie Goethe konzipierte.

Pyramide im Schlosspark von Branitz
Pyramide im Schlosspark von Branitz

Hier Infos zu dem Buch

  • Gert Streidt, Ulf Jacob, Simone Neuhäuser
  • Fürst Pückler
  • Ein Leben in Bildern
  • 480 Seiten, 21 x 26 cm, 150 farbige Abbildungen ISBN 978-3-89809-170-1

 

Wie weitere Informationen zu

  • Stiftung Fürst Pückler-Museum und Schloss Branitz:
  • Robinienweg 5
  • 03042 Cottbus
  • Tel.: 035575150