Reise

UNESCO – Welterbe: Alberobello

Alberobello (3)

“Sagt mal, wo kommt Ihr denn her? Aus Schlumpfhausen bitte sehr.” – Vater Abrahams Lied über die Schlümpfe kommt mir in den Sinn, als wir auf dem Marktplatz von Alberobello, der Hauptstadt der Trulli in der Basilikata. Die auf der UNESCO-WElterbeliste stehende „Zipfelmützenstadt“ befindet sich eine Autostunde südöstlich von Bari entfernt. Alberobello gehört zu den Sehenswürdigkeiten, die ein Besucher von Apulien besucht haben sollte.  Trulli, das sind diese Gebäude mit dicken Wänden aus Kalkstein und charakteristischen Kegeldächern. Wegen ihrer geringen Abmessungen und ungewöhnlichen Form erscheinen sie uns heute wie die Behausungen von Hobbits oder Zwergen. Zwar gibt es noch zahlreiche dieser Trullis inmitten der ausgedehnten Olivenhaine Apuliens. Doch nirgendwo anders stehen so viele dieser malerischen, kleinen Hütten wie in Alberobello. Also sind wir hingefahren und haben uns dort umgesehen.

Sobald die Sonne scheint, erstrahlt die Stadt auf 416 Meter Höhe auf zwei Erhebungen der Hochebene der südlichen Murgia in vielen Farben in antikem Flair. Selbst bei Regenwetter, wie wir es im Januar erlebten,  ist gute Laune angesichts der origienllen Trullis mit ihren steinernen “Zipfelmützen” angesagt. Wir sind im Januar hier, bei 12 Grad laden die Sonnenstrahlen zu einem Spaziergang durch Alberobello ein. Unsere Unterkunft -natpürlich ein Trullo- liegt im Stadtteil Monti. Ganz in der Nähe der Kirche.

Trulli-Kirche im historischen Zentrum von Alberobello
Trulli-Kirche im historischen Zentrum von Alberobello

Von hier aus sind es nur ein paar Treppenstufen hinunter und wieder hinauf und schon sind wir im zweiten Stadtteil Aia Piccola. Ob der vielen Eindrücke möchte man immer wieder laut Ah … ausrufen. Für mich verbindet sich der erste Buchstabe im Namen der Weltkulturerbestadt mit diesem Überraschungsausruf. Woher kommt der Name, der mit A beginnt und O aufhört?

„Silva Arboris belli“ – ein dichter Wald also, der früher der Gemeinde, die an diesem Ort lebte, Platz und Schutz gab. Vielleicht – so ist in der Literatur zu lesen – überragte ein besonders schöner und großer Baum das Gebiet. Der „grand’abore“ wird wegen seiner außergewöhnlichen Größe auch Alberobello genannt und dem ganzen Wald den Namen gibt. Ende des 15. Jahrhunderts wird der Landkreis Conversano mit der „Silva Arobris belli“ von Ferrante d’Aragona, König von Neapel, dem Adligen Andrea Matteo III. d’Acquaviva als Lehen zugeteilt. So lese ich es im Reiseführer (Quelle unten).

Augenweide: Trulli über Trulli
Augenweide: Trulli über Trulli

Das Geheimnis der Bauweise

Besonders attraktiv: Steuerfreiheit und Immunität. So ließen der Graf und seine Nachfahren Siedler kommen, um die Ländereien zu bewirtschaften und anschließend den Zehnt eintreiben zu lassen. Die kleinen Häuschen, in denen die Siedler hausten, mussten trocken gebaut werden, sie gehörten nicht den Erbauern. So konnte der Graf die Siedler jederzeit wegschicken und ihre Behausungen leicht niederreißen. Immer ging es um das Geld, neue Siedlungen durften nur mit Erlaubnis des Herrschers und gegen Zahlung einer Steuer an die Krone angelegt werden. Das wollte die Lehnsherren verhindern und erlaubten den Siedlern nur den Hausbau mit leicht entfernbaren Konstruktionen. Kamen die Steuereintreiber des Königs, waren die Häuser nicht mehr zu erkennen.

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war Alberobello auf 800 Seelen angewachsen. In einer kleinen damals bereits vorhandenen Kirche fehlten bis 1665 „ein Taufbecken, die Heiligen Öle und das Abendmahl, weil der Ort nicht den Regierungssteuern unterliegen sollte“, wie der Bischof von Conversano nach einem Pfarrbesuch in seinem Register eintrug. Am Ende des 18. Jahrhunderts beendeten die Bewohner Alberobellos das Ende ihrer „Illegalität“ und die ständigen Übergriffe ihrer Lehnsherren selbst. Sie nutzten eine Reise des Königs von Neapel nach Apulien und ersuchten ihn, sie aus der Dienerschaft der Familie Acquaviva zu befreien.

Seit 1797 eine Stadt

So wurde Alberobello am 27. Mai 1797 eine eigenständige Stadt, noch ehe der Feudalismus offiziell im Reich von Neapel abgeschafft wurde (1806). Fortan durften Stadtbewohner einen eigenen Bürgermeister wählen, die Häuser mit Mörtel gebaut werden und in deren Besitz bleiben. So entstanden die ersten Bauten mit normalem Mauerwerk. Seit 1935 führt die Stadt Alberobello ein eigenes Wappen.

Trulli - Museum
Trullo Sovrano – seit 1930 Nationaldenkmal

So wie sich die Einwohner Alberobellos am Ende des 18. Jahrhunderts selbstbewusst von ihrem Lehnsherrn befreiten, so setzten sie sich im 20. Jahrhundert dafür ein, dass die architektonische Besonderheit ihrer Behausungen geschützt werden muss. Am 15. Januar 1930 wird ein Gesetz zum Schutz der Trullis erlassen. 1996 schließlich erfolgt die Eintragung Alberobellos in die UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Aufenthaltsraum unserer Trullo-Unterkunft
Aufenthaltsraum unserer Trullo-Unterkunft im Rione Monti
Wohlfühlort im Rione Aia Piccola
Wohlfühlort im Rione Aia Piccola

Für die Touristen verströmen die Trulli heute gute Laune. Unsere komfortable Unterkunft in einem zur Ferienwohnung ausgebauten Trullo erinnert nicht mehr an das mühselige Überleben einer mehrköpfigen Familie in den vergangenen Jahrhunderten. Fußbodenheizung, ein modernes Bad mit Dusche und WC, eine Küchenzeile mit allen modernen Küchenmaschinen, ein Aufenthaltsraum mit einem großen Tisch, an dem viele Personen Platz nehmen können, ein Schlafraum mit großem Fernseher sowie eine weitere Schlafmöglichkeit in einer zweiten Etage des Trullo bieten sehr viel Komfort für einen erlebnisreichen Urlaub in Alberobello und Umgebung.

In der späten Antike bezeichnete trullus ein rundes Kulturgebäude mit einer ovalen Kuppel. Mit ihrer Grundstruktur entsprechen die Trulli einer Bautypologie, die im Mittelmeerraum und im Mittleren Osten sehr verbreitet war, besonders für die Herstellung von vorübergehenden Unterkünften und landwirtschaftlichen Lagerräume.

Was sind Pinakel ?

Auf dem Giebel eines jeden Trullos sitzt nur zur Dekoration ein Pinakel aus Stein. Es gibt unterschiedliche Formen (Scheibe Kugel, Kreuz, Zylinder, Pryramide), meist geben die Pinakel die Idee eines Steinmetzes oder ihres Besitzers wider. Das Pinakel sitzt auf den letzten flachen Steinplatten, es krönt den Giebel. Auf vielen Giebeln findet man Symbole, die mit Kalk auf die “chiancarelle” der Abdeckung gezeichnet werden. Sie folgen einer Klassifizierung, die von örtlichen Gelehrten ausgearbeitet wurde (Primive, Christliche und Magische Symbole). Glücksbringend, schützend, dekorativ und grotesk – inspiriert von den verschiedenen Kulturen und Traditionen.

Essen und Trinken

Wir haben uns selbst versorgt und fanden auch im Januar einige gastfreundliche Geschäfte und Cafes vor. Unser Tipp: Pane & mozza, ein junges engagiertes team, es gibt vegetarische Gerichte, eine regionale Küche, Käse und tolle Wurstsorten zu fairen Preisen. Hier geht es zur Facebookseite.

Adresse: Largo Martellotta, 70011 Alberobello

Informationen

Buchtipp: Paolo Piazzesi: Alberobello. Geschichte, Kunst, Landschaft, Traditionen, Gastronomie. Praktischer Führer mit zwei Karten. 2018. ISBN 9-788864 782003.

Anreise
Mit dem Flugzeug bis Airport Bari. Unter anderem mit Air Dolomiti und Ryan air, ebenso Eurowings. Von dort mit dem Taxi bis Alberobello (die rund  55 Kilometer lange Strecke kann bis zu 100 Euro kosten).

Sehenswert: Museum Trullo Sovrano, hinter der Basilika Minore der Heiligen Cosma und Damiano
täglich geöffnet: 10 bis 18 Uhr

Das Museo del Territorio mit zehn Trulli bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte der Region, es war im Januar geschlossen, leider.

Blick auf den Dom von Alberobello
Blick auf den Dom von Alberobello

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