„Karl-Marx-Box“ zur großen Landesausstellung in Trier, Foto: Landesausstellung
ab Mai: KARL MARX in Trier

Karl Marx wird 200 Jahre alt. Jeder ist seinen Schriften wohl schon einmal begegenet. Marx war einer der bekanntesten Querdenker der Welt und berühmtester Sohn der Stadt Trier. Ab Mai Karl Marx in Trier… Erst unlängst “traf” ich Karl Marx in Gestalt der zweitgrößten Porträtbüste der Welt, den sogenannten Nischel, in Chemnitz, das zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Stadt hieß.

Noch heute polarisiert er. Eine kulturhistorische Ausstellung in Trier, seiner Geburtsstadt, ist diesem bedeutenden Denker des 19. Jahrhunderts gewidmet. Sie beleuchtet sein Leben, seine wichtigsten Werke und das vielfältige Wirken in seiner Zeit.

Weihnachten steht vor der Tür und damit beginnt wieder die Suche nach ausgefallenen Präsenten. Wer seinen Lieben gerne ein besonderes Erlebnis schenken möchte, kann in diesem Jahr eine „Karl-Marx-Box“ zur großen Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT. unter den Weihnachtsbaum legen.

„Karl-Marx-Box“ zur großen Landesausstellung in Trier, Foto: Landesausstellung
„Karl-Marx-Box“ zur großen Landesausstellung in Trier, Foto: Landesausstellung , Svenja Pütz

Getragen vom Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Trier wird die große Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT.vom 5. Mai bis 21. Oktober 2018 in gleich zwei Trierer Museen zu sehen sein, dem Rheinischen Landesmuseum Trier und dem Stadtmuseum Simeonstift Trier. Zeitgleich werden in Partnerausstellungen im Museum Karl-Marx-Haus und im Museum am Dom die Wirkungsgeschichte sowie zeitgenössische Aspekte ergänzend beleuchtet.

Karl Marx – 1818 in die Zeit eines wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertums hineingeboren – lernte schon bald Zensur, Repression und Armut kennen. Er durchlief eine rasante Entwicklung vom Philosophen über den Radikaldemokraten bis hin zum Kommunisten und Gesellschaftskritiker. Mit der Not der Moselwinzer und dem damit verbundenen Holzdiebstahl begann Marx‘ Politisierung: in seinen ersten journalistischen Arbeiten kritisierte er die ökonomischen Verhältnisse – ein Kapitel, das in der Ausstellung im Simeonstift anschaulich dargestellt wird. Als Journalist wurde er zum Revolutionär durch das Wort. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 setzte Marx im Londoner Exil seine ökonomischen Studien fort und analysierte die sich immer vehementer ausprägende kapitalistische Produktionsweise und das ihr entsprechende Gesellschaftssystem. Seine Analysen werden noch heute diskutiert.

Wie Engels Marx zum Ökonomen machte

„Das Kapital“ machte Marx weltweit bekannt. Während der erste Band vor genau 150 Jahren, 1867 in Hamburg, erschien, trat der Ruhm erst nach seinem Tod 1883 ein, als Friedrich Engels die Notizen und Ideenskizzen seines Freundes Marx zusammenführte und die Bände zwei und drei herausgab. Engels besorgte zudem die erste englische Übersetzung und beförderte dadurch die internationale Wahrnehmung der Publikation. Es war auch Friedrich Engels, der Karl Marx zur Ökonomie führte. Karl Marx war zeitlebens Theoretiker und hat wohl kaum je eine Fabrik von innen gesehen. Die umfangreichen Kenntnisse in Sachen praktischer Ökonomie brachte Engels ein, der als Sohn eines erfolgreichen Textilunternehmers in Barmen in einer Familienniederlassung in Manchester Gelegenheit hatte, die Situation der Arbeiter aus nächster Nähe zu beobachten. Nach einem gemeinsamen Besuch in der Stadt, die damals aufgrund der dort ansässigen Baumwollindustrie auch „Cottonopolis“ genannt wurde, wandte sich Karl Marx verstärkt der Ökonomie zu. Das Landesmuseum widmet daher der Hinführung von Marx zur Ökonomie über Friedrich Engels einen Ausstellungsteil. Präsentiert wird hier etwa die frühe und wegweisende Schrift von Friedrich Engels, „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, in der er seine Beobachtungen in Manchester zusammenfasste. Auch in der Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift wird die Industrie- und Sozialstruktur Manchesters dargestellt und die enge Freundschaft zwischen Marx und Engels beleuchtet.

Karl Marx im Londoner Exil

Nach Ende der 1848/49er-Revolution vertiefte Karl Marx seine ökonomischen Studien. Im Londoner Exil nutzte er den Lesesaal der großen Bibliothek im British Museum mit einem Bestand von damals einer Million Büchern aus aller Welt. Marx studierte dort die Schriften der bedeutenden Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo, las aber auch aktuelle Tageszeitungen mit ökonomischem Schwerpunkt wie „The Economist“. Ihn interessierte der Zusammenhang von Wirtschaft und Gesellschaft, die Auswirkungen des kapitalistischen Systems auf die gesellschaftliche Struktur und die Lebensverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Außerdem untersuchte er das Phänomen der wirtschaftlichen Krisen. Er schöpfte daraus die Hoffnung, dass aus einer Wirtschaftskrise heraus soziale Unruhen zu einem Umsturz des kapitalistischen Systems führen könnten. Als im Sommer 1857 eine erste sich weltweit auswirkende Krise ausbrach, führte er akribisch alle Informationen in seinem „Book of the Crisis of 1857“ zusammen. Dieses Buch wird im Rheinischen Landesmuseum im Original zu sehen sein. Besucher werden daneben die Möglichkeit haben, in einem Faksimiledruck die Krisenanalyse nachzuvollziehen.

Zwar konnte Karl Marx mit seiner Beobachtung beweisen, dass die Selbstregulierungskräfte des Marktes nicht ausreichen, um Krisen zu bewältigen. Doch irrte er in der Annahme, das kapitalistische System würde in einer Krise zugrunde gehen können. Er unterschätzte die Flexibilität des Systems. Dennoch gelten seine Erkenntnisse um die störanfällige Dynamik des Kapitalismus weiterhin als erste fundierte Analyse der Gesamtzusammenhänge. Gerade deshalb lohnt sich noch heute eine Auseinandersetzung mit Marx‘ Ökonomie.

Weitere Informationen unter www.karl-marx-ausstellung.de.

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