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Mit Fontane in die Sommerfrische

Sommerfrische

Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr vor allem im Land Brandenburg begangen wird, hat uns neben bedeutenden Romanen und den 0517ielgelesenen “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” auch eine Menge Tagebücher und Briefe hinterlassen. Und der Schriftsteller weilte oft und gerne unter anderem im Harz, im Riesengebirge, Karlsbad sowie Nord- und Ostsee. Leider werden Fontanes Arbeitsaufenthalte an anderen Orten als in Brandenburg oftmals noch unter den Tisch gekehrt. 

Umso verdienstvoller ist es, dass Bernd W. Seiler uns in seinem solide recherchierten Band mit zu einzelnen Stationen zu “Fontanes Sommerfrischen” mitnimmt. Das Buch erschien im Berliner Quintus-Verlag (Verlag Berlin BB) und besticht neben Reisebeschreibungen aus Fontanes Feder mit vielen historischen Postkarten und zeitgenössischen Abbildungen. Wer sich mit Fontanes Sommerfrischen beschäftigt und mehr als über die Wanderungen erfahren will, dem sei der Band wärmstens empfohlen. 

Fontane reist ins Riesengebirge

Das erste Mal war er 1868 in dieser Gegend, das letzte Mal 1892. Dazwischen, so hat Bernd W. Seiler recherchiert, war er achtmal im Riesengebirge. Der erste Aufenthalt war allerdings noch keine Sommerfrische, sondern hatte mit Recherchen für das zweite Kriegsbuch zu tun, einem wiederholten Besuch der Gefechtsfelder von 1866 in Mähren.

Blick vom Tempel über den Park von Buchwald hinüber zur Schneekoppe, Foto: Klaus Klöppel
Blick vom Tempel über den Park von Buchwald hinüber zur Schneekoppe, Foto: Klaus Klöppel

Hier geht es zur seite des Tals der Schlösser in Polen.

Erdmannsdorf, wo er sich zunächst einquartierte, lag auf dem Wege dahin, leuchtete als Station jedoch nicht unbedingt ein. Dennoch wollte Fontane unbedingt im Hirschberger Tal dort bleiben. Als er im dortigen Schweizerhaus kein Zimmer bekam, einem bekannten Gasthof neben dem Erdmannsdorfer Schloss, bemühte er sich um eine andere Unterkunft und fand sie im Haus des Ortsgendarmen Brey. Von dort ging er aber, so schreibt er, jeden Tag “zu Siecke ins Schweizerhaus” essen.
Seiler: “Was ihn eigentlich interessierte, war jedoch das Schloss, das seit bald vierzig Jahren den Hohenzollern und zu dieser Zeit der einzigen Tochter Wilhelm I., Prinzessin Luise von Preussen, gehörte. Mit dieser dreißigjährigen Frau in Kontakt zu kommen, hätte für Fontane eine Annäherung an das preußische Königshaus bedeutet, und darauf hatte es Fontane abgesehen.”

Hier geht es zum Tal der Schlösser in Polen.

Den Magen verdorben

Nach vier Tagen wurde er wiederum zur im Schloss wohnenden Familie  Münchhausens eingeladen, “diesmal zur Unterhaltung des alten Generalmajors und seiner Frau, die als Logiergäste gekommen waren.” Das Gespräch jedoch erwies sich als wenig ergiebig und war zweifellos nicht das, worauf er es abgesehen hatte. Außerdem war die Gastlichkeit bei den Münchhausens nicht die erfreulichste, vertraute er einem Brief an. Beim ersten Mal hatte sich Fontane  an „Krebsbutter-Reis“ den Magen verdorben, diesmal war es so „kellerkalt“, dass er sich noch am nächsten Tag unwohl fühlte.

Blick in den Schlosspark von Buchwald im Hirschberger Tal, Foto: Klaus Klöppel
Blick in den Schlosspark von Buchwald im Hirschberger Tal, Foto: Klaus Klöppel

Zwei oder drei Tagestouren hat Fontane selbst auch gemacht: eine Wanderung nach Schloss Buchwald, dessen bewunderter Landschaftspark ihn allerdings wenig beeindruckte, eine Fahrt mit dem Generalmajors-Ehepaar nach Bad Warmbrunn und Hermsdorf, wo der Berg Kynast bestiegen wurde, und eine Tour in das sechs Kilometer entfernte Schmiedeberg.  Ausführlich rekonstruiert Bernd W. Seiler die Touren. Wer mehr über das Hirschberger Tal am riesengebirge erfahren will, dem empfehle ich die Seite des dortigen Vereins Tal der Schlösser. 

 Die Ausflüge mit den Wangenheims führten nach Erdmannsdorf, Buchwald, Krummhübel und gleich mehrmals in das benachbarte Bad Warmbrunn, den ältesten und bekanntesten Kurort der Gegend. Um anzuzeigen, dass er sich dort keineswegs nur amüsierte, teilte er seiner Frau Emilie mit, dass er sich dort keineswegs nur amüsierte, dass er einmal in der „Halle“, ein andermal „in der Sonne“ mehrere Stunden gelesen hätte. Offenbar wollte er sie darüber beruhigen, dass ihm die weibliche Gesellschaft keineswegs das Wichtigste an diesem Aufenthalt war. Sie hatte ihn zweimal ironisch als „Ritter“ tituliert (1. September 1869), welche Briefe in dem Konvolut der erhaltenen Ehebriefe jedoch fehlen. Die zwei Wochen Urlaub mit den Wangenheims waren ihr fraglos nicht recht.

Natürlich hat Fontane auch im Riesengebirge immer an etwas gearbeitet, von 1895 an hauptsächlich an der Geschichte um den getöteten Förster Opitz, wie der Förster Frey in Quitt heißt. Er unternahm mit seiner Frau eigens eine längere Wanderung, um sich das Denkmal anzusehen, das ihm unterhalb der Kleinen Koppe errichtet worden war. Allein der Aufstieg über sechshundert Höhenmeter dauerte drei Stunden, doch Theodor Fontane fand alles „wundervoll zu verwenden, umso mehr, als sich hoch oben schon alpine Sterilität, Krüppelkiefer, Knieholz und Moorgründe mit wucherndem Huflattich mit einmischen“. Aus anderen Büchern wissen wir um Flirts, denen Fontane nicht abgeneigt war. Seiler schreibt hierzu: “Dass ihm Marie Richter mit ihrem Lebenswandel bald wirklich eine ganze „Novelle“ zu lesen gab, wusste er da noch nicht. Auf der Tour durch Böhmen wurde ihm der Flirt mit der Achtundzwanzigjährigen aber nachgerade zu viel. Sollte er zu der noch erwogenen „Kammpartie“ kommen, würde er sie „nicht mit Richters“ machen, schreibt er an seine Frau.” Mehr dazu in dem Buch.

Kirche Wang in Karpacz, Foto: KlausKloeppel
Kirche Wang in Karpacz, Foto: Klaus Kloeppel

Ein Ausflug führte Fontane auch zu der weithin bekannten Kirche Wang, einer norwegischen Stabholzkirche, die 1841 vom preußischen König erworben und oberhalb von Krummhübel wieder hingestellt worden war.

Fontane in Karlsbad

Zu Karlsbad hatte Fontane schon eine Meinung, als er noch längst nicht daran dachte, selbst dort hinzufahren: zum einen die, dass es teuer ist, zum anderen die, dass niemand weiß, ob es nützt.
Geeignete zwei Zimmer fanden sich in der Silbernen Kanne, einem alten, höchst bescheidenen Haus an der Neuen Wiese. Fontane fand es erträglich, litt aber unter einem Frühaufsteher über ihm. Dazu wurde Emilie von den Brunnen, die sie probierte, eher kränker als gesünder und konnte erst allmählich einen Nutzen erkennen.

Das Kurzentrum mit seinen teilweise eklektizistischen Bauten ist eine Attraktion, Foto: Czechtourism
Das Kurzentrum mit seinen teilweise eklektizistischen Bauten ist eine Attraktion, Foto: Czechtourism

Alles in allem bewertet er die Sommerfrische zuletzt als „sehr angenehm“ und zumal „nicht kostspieliger“, als es „der Aufenthalt an bescheideneren und minder renommierten Plätzen“ wäre. (12. September 1893)

Fontane war im Hotel Pupp

Am 4. September 1898 schreibt er an Sohn Friedrich: „Morgen ziehen wir bei Pupp von der Außenhalle in die eigentlichen Festsalons ein; die Außenkeller verschwinden und die Abschiedsszenen haben heute stattgefunden.“ Hier geht es zur Seite von Czechtourism mit dem Grandhotel Pupp.

Karlsbader Prachtstraße
Karlsbader Prachtstraße Foto: Weirauch

Der Restaurationsteil, heute Becher’s Bar ,nimmt den Namen mehrerer Badeärzte, aber auch den des Herstellers eines Kräuterlikörs – „Becherovka“ – auf, der zu legendärem Ruhm kam. Am 19. August 1893 spricht Fontane von einem „alten Dr. Becher …, dem in der Sprudelhalle ein Denkmal (große Porträtbüste) errichtet ist und der als der Schöpfer des Weltruhms von Karlsbad gilt“. Gemeint ist Dr. David Becher (1725 – 1792), Naturforscher, Arzt und Balneologe, zu dessen Andenken 1856 diese Büste aufgestellt wurde. Sie ging beim Abriss der Sprudelhalle 1939 jedoch verloren. Der Becherovka wird bekanntlich heute noch in Karlsbad hergestellt.

Infos zum Buch:

Bernd W. Seiler, Fontanes Sommerfrischen. Quintus-Verlag,Verlag für Berlin-Brandenburg, Binzstraße 19, 13189 Berlin. 1. Auflage 2018. ISBN 978-3-947215-31-7. Hier geht es zur Seite des Verlages.

Das Wiener Architekturbüro Helmer & Fellner errichtete auch diese Kolonnade, Foto: Czechtourism

 

Der Autor:  

Prof. Dr. Bernd W. Seiler, 1939 geboren, hat Germanistik und Geschichte in Kiel, München und Hamburg studiert. Auf Staatsexamen und Promotion folgte zunächst eine Tätigkeit als Studienrat, 1974 bis 2005 dann Lehrtätigkeit für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Bielefeld. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Bernd Seiler lebt in Bielefeld.

Die Mühlbrunnenkolonnade, Foto: Czechtourism
Die Mühlbrunnenkolonnade in Karlsbad, Foto: Czechtourism

 

 

 

 

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