Reise

1384: Die ersten Weihnachtsmärkte waren eine Mischung aus Baumarkt  und Kaufhaus

Weihnachten_Weihnachtsmarkt_Freiberg_Pyramide_blaue_Stunde_Wolfgang_Schmidt(1)Weihnachtsmarkt im sächsischen Freiberg Foto: TMGS Wolfgang Schmidt

Es weihnachtet wieder. Auch wenn es anders wird, dieses Weihnachtsfest 2020, anders als in den letzten Jahrzehnten – Corona, das weltweit so aktive Virus, hinterlässt auch hierbei seine Spuren. So wurden die meisten, die größten, die schönsten Weihnachtsmärkte im ganzen Land abgesagt. Zu groß und tödlich ist die Ansteckungsgefahr im dichten Gedränge um Glühweinstand, weihnachtlich werkelnde Handwerker und Künstler, um Chöre und Krippen, über allem der Duft gebrannter Mandeln. Stille, stille Nacht . . .

Der Weihnachtsmarkt, da sind sich die Historiker einig, ist eine deutsche Erfindung. Den ersten gab es 1384 in Bautzen. Er hieß, so geht aus dem dortigen Stadtarchiv und dem „Rekord-Institut Deutschland“ hervor, „Wenzelsmarkt“. Benannt nach König Wenzel, von dem die Stadt das Recht erhielt, in der Vorweihnachtszeit einen freien Fleischmarkt abzuhalten. 1505 wurde in einer Verordnung festgeschrieben, dass „kein anderer Ort in der Oberlausitz“ einen derartigen Markt haben darf. Zum Fleisch gesellten sich, den Bedürfnissen der Bevölkerung nachkommend, immer mehr Produkte. Der Weihnachtszeit Rechnung tragend, etablierte sich auch die Religion – die Grundlagen heutiger Weihnachtsmärkte war damit gelegt.Seiffen (9)

Wie Bautzen mit „Wenzels“ haben viele deutsche Weihnachtsmärkte – deren gab es 2019 übrigens rund 2 500 – einen Eigennamen. In Dresden heißt er zum Beispiel “Striezelmarkt“, 1434 urkundlich erstmals so genannt. „Strietzel“ sind im deutsch-österreichischen „Küchendeutsch“ Backwaren aus Germteig (Hefeteig). Die Nürnberger sprechen von ihrem „Christkindlesmarkt“, womit die religiöse Bedeutung unterstrichen wird.

© Landeshauptstadt Dresden, Amt für Wirtschaftsförderung / Foto: Sylvio Dittrich
Striezelmarkt in Dresden © Landeshauptstadt Dresden, Amt für Wirtschaftsförderung / Foto: Sylvio Dittrich

Die mittelalterlichen Weihnachtsmärkte waren so etwa wie eine Mischung aus heutigen Baumärkten und Kaufhäusern. Sie boten an bestimmten, von vielen zugänglichen Orten und Plätzen alles an, was die Menschen brauchten. Bestimmte Berufe, die gewöhnlich von Ort zu Ort ihre Kundschaft fanden wie Hausierer oder Scherenschleifer und Korbflechter, fanden auf den mehrere Tage dauernden Weihnachtsmärkten ihre Klientel „en masse“. Künstler, Akrobaten, Zauberer, Musikanten vervollständigten das Bild ebenso wie Attraktionen für Kinder, etwa Märchenerzähler oder Grimassenschneider – womit die Richtung zur Moderne der Weihnachtsmärkte schon angezeigt wurde.

Wenn auch eher eine untergeordnete – die Bibel, Christus-Leben und Leid,  spielten stets eine Rolle. Um so verwunderlicher ist deshalb, dass der Brauch, Krippen aufzustellen, erst im 17. Jahrhundert aufkam. Er hat seinen Ursprung in Italien. Die nicht selten dazugehörenden Tiere wie Schafe, Ziegen und Esel machten das Markttreiben auch für die Kinder unterhaltsam.

So weit verbreitet Weihnachtsmärkte inzwischen – ohne Corona – auch sind: Es gibt herausragende, die auch touristische Höhepunkte des Jahres sind. Zu diesen gehört Rostock mit seinem Riesenrad und einer 20 Meter hohen Weihnachtspyramide. Tausende der Besucher kommen auch aus den skandinavischen Ländern. Das gilt auch für die besonders stimmungsvollen Märkte von Lübeck und und Lüneburg. Nahe der dänischen Grenze ist Flensburg ein Magnet. In Thüringen gibt es in Erfurt einen besonders „anheimelnden“ Weihnachtsmarkt auf dem Domplatz – mit dem Hintergrund des Doms und der Severinkirche.

Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz, Foto: Tourismusverband Erzgebirge (Dirk Rueckschloss)
Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz, Foto/Bildrechte: Tourismusverband Erzgebirge (Dirk Rueckschloss)

Größere Städte bieten mitunter mehrere Weihnachtsmärkte an. Beispiel Berlin. Hier sind der Breitscheidplatz an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, das Schloss Charlottenburg und der Gendarmenmarkt auch international bekannte weihnachtliche Markthöhepunkte.

Potsdam Weihnachten

Längst hat dieses ur-deutsche Brauchtum auch im Ausland Anklang gefunden. In New York am Rockefeller Center, in Peking, Tokio und Sydney gibt es Weihnachtsmärkte. Vielfach sogar unter dieser deutschen Bezeichnung. Einwanderer aus Deutschland haben oftmals ihre weihnachtlichen Bräuche in der neuen Heimat etabliert.

In der Seiffener Wendt & Kühn Figurenwelt werden die Kunden kompetent beraten, Foto: Weirauch

In der Seiffener Wendt & Kühn Figurenwelt werden die Kunden kompetent beraten, Foto: WeirauchErzgebirge


Freiberg Sachsen

Corona zeigt auch hierbei eine verheerende ökonomische Wirkung. Schließlich hatten 2019 die deutschen Weihnachtsmärkte einen Umsatz in Höhe von drei Milliarden Euro.

Nicht nur Sammler kaufen bei Wendt & Kühn, die Fangemeinde ist riesig

Traumwelt bei Wendt & Kühn in Seiffen

Hier ein Tipp für einen Weihnachtsmarkt mit Bergparade für die Zeit nach Corona

Annaberg-Buchholz im schönen Erzgebirge

Erzgebirge Weihnachten 2019