Reise

Gropius konnte nicht einmal zeichnen – von der Uni geflogen

Bauhausgebäude in DessauBauhausgebäude in Dessau

2019: Hundert Jahre Bauhaus

Sie glaubten, in Weimar – dieser Stadt aufgeschlossener Klassik – endlich in künstlerischer wie auch gesellschaftlicher Weise so leben und arbeiten zu können, wie sie es sich wünschten – nicht gegängelt, vielleicht auch ein wenig zügellos. Außerdem hatte einer von ihnen, Walter Gropius, sehr private Bindungen an die Stadt Goethes, Schillers, Bachs und Händels, denn hier wirkte sein Freund Henry van de Velde als Direktor der Staatlichen Kunstgewerbeschule. Über ihn auch hatte Gropius einflussreiche großherzogliche Beamte kennen gelernt. Verlockend war auch das Wort „staatlich“ im Namen der Hochschule, denn damit war sie finanziell gesichert – der Staat zahlte ja.

Gropius konnte nicht einmal zeichnen – von der Uni geflogen

Weimar aber war auch anderweitig noch verheißungsvoll für die Künstler einer Moderne, wie sie das 1918 zusammengebrochene Kaiserreich nicht erlaubt hätte. Mit Weimar wurde auch deshalb absolute künstlerische Freiheit verbunden, weil hier Deutschlands erste wahrhaft demokratische Verfassung beschlossen und verkündet wurde und weil Weimar zeitweise – für einige Monate – Sitz der Nationalversammlung und Regierung war, die dem revolutionären und vom Bürgerkrieg bedrohten Berlin den Rücken gekehrt hatten.

BücherReise

Fontane in Brandenburg. Bilder und Geschichten

Fontane in Brandenburg Bilder und GeschichtenCover des lesenswerten Katalogbandes, Foto: VBB

Nun also Fontane in Brandenburg. Bilder und Geschichten im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Obwohl Fontane offenbar nicht wollte, durch „die gesamte deutsche Presse“ auf ein bestimmtes Metier festgenagelt zu werden. An Wilhelm Friedrich schreibt er am 19. Januar 1883: „Es ist das Bequemste. Mein Metier besteht darin bis in alle Ewigkeit hinein, ‚märkische Wanderungen‘ zu schreiben. Alles andre wird nur gnädig mit in den Kauf genommen.“ Dieses im Auszug wiedergegebene Zitat steht auf der hinteren inneren Umschlagseite des zur Ausstellung fontane.200/Brandenburg – Bilder und Geschichten erschienenden Buches, das Christiane Barz im Auftrag der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH herausgibt. Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane (1819–1898) machen rund 300 zum Teil noch nie öffentlich gezeigte Exponate diese Bilder und Geschichten anschaulich. Die Ausstellung ist noch bis  Dezember 2019 in der Gewölbehalle des einstigen Kutschpferdestalles am Neuen Markt in Potsdam zu sehen.

Blick in die Ausstellung, Foto: Lorenz Kienzle
Blick in die Ausstellung, Foto: Lorenz Kienzle
1 Stunde wegBücherSchlösser und Burgen

Kunckel, Pfaueninsel und der Coup von Zehlendorf

silkesbuchDas Erbe des Alchemisten von Silke Böttcher

Erinnern wir uns noch an den legendären Coup von Zehlendorf im Jahr 1995 ? Vier schwerbewaffnete Räuber überfiel eine Bankfiliale, nahmen Angestellte und Kunden als Geiseln und verlangten mehrere 17 Millionen Mark Lösegeld, dazu ein Auto und einen Hubschrauber, um flüchten zu können. Nach dem Sturm auf die Bank durch die Polizei entkamen die Täter mit Geld und den Inhalten vieler Schließfächer. Durch einen mehrere Meter langen selbst gebuddelten Tunnel. Von einem Teil des Inhaltes  der Schließfächer, darunter wertvoller Schmuck, fehlt bis heute jede Spur. Das gibt Stoff für Literatur. Silke Böttcher benutzt die Kriminalgeschichte als einen Strang ihres Kinderbuches „Das Erbe des Alchimisten“, in dem ein Schmuckstück schließlich auf der Berliner Pfaueninsel gefunden wird. Von zwei unternehmungslustigen Freunden David und Moritz. Sie verbringen fast den gesamten Feriensommer auf dem Eiland.

li. Silke Böttcher bei einer Lesung in Potsdam, Foto: privat
HotelsReise

Hotel Walther Pontresina – Wo der Gast im Mittelpunkt steht

Schweiz-Pontresina (55) - KopieDas Hotel Walther in Pontresina hat eine über 111 Jahre währende Geschchte. Foto. Weirauch

­Pontresina – am Fuß des Berninamassivs gelegen, ist das Dorf mit dem grandiosen Blick auf die höchsten Gipfel der Ostalpen ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger. Und hier lebt eine der größten Steinbockkolonien der Alpen. Wir besuchten das: Hotel Walther Pontresina – Wo der Gast im Mittelpunkt steht. Zunächst ging es mit der Swiss von Berlin nach Zürich, weiter geht es mit dem Zug der Schweizerischen Bundesbahn bis Chur. Hier stiegen wir um in die Rhätische Bahn und fuhren über Samedan nach Pontresina.

1 Stunde wegBücherFontane

Fontane: Von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche

Bornstedter FriedhofVerwunschen: Grab neben Heinrich Wilhelm Wagenführer

Kirchtürme als Orientierungspunkte …

Die Abbildung auf der Umschlagseite zog mich als erstes in ihren Bann. Auf unseren Fahrten – per Rad oder mit dem Auto – durch das Havelland zog uns die Kirche in Bagow immer in ihren Bann. Das in der Sonne leuchtende Kreuz auf der Kirchturmspitze, das rote Ziegeldach des Kirchenschiffes, die gelb blühenden Rapsfelder, das satte Grün der Bäume … kommt die Kirche mit ihrem Umfeld in unseren Blick, ist es nicht nicht mehr weit, bis wir zu Haus sind. Auch als Kind waren Kirchtürme wichtige Orientierungspunkte für mich, etwa wenn wir als Jugendliche nach der Schule mit dem Fahrrad von Pritzwalk über Steffenshagen, Triglitz, manchmal mit einem Abstecher nach Laaske, Richtung Putlitz fuhren. Die hohen Kirchtürme wiesen uns den Weg. Auf dem Kirchplatz traf man sich am Abend im Freundeskreis.

Blick auf die Dorfkirche von Bagow
Blick auf die Dorfkirche von Bagow
Reise

Pfunds Molkerei – Schönster Milchladen der Welt

Milchladen05-11-finalFoto: Pfunds Milchladen Dresden

Als „Schönsten Milchladen der Welt“ urteilte einst der Schriftsteller Erich Kästner im  Roman „Als ich ein kleiner Junge war“ über Pfunds Molkerei. Bis heute ist dieser Ausspruch die beste Werbung für die traditionsreiche Molkerei der Gebrüder Pfund in der Bautzner Straße 79 in Dresden. Schön ist der 1891 von Villeroy & Boch gemeinsam mit Dresdner Künstlern gestalteter Verkaufsraum wirklich, traumhaft schön. Dafür wurde das Schmuckstück 1998 in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Neben Frauenkirche, Semperoper und Grünem Gewölbe gehört die Molkerei zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Dresden. Bei meinen Dresden-Besuchen komme ich gern dorthin, wenngleich es Bio-Molkereiprodukte auch in anderen Geschäften gibt. Bei Pfunds Molkerei aber kann man in Träumen schwelgen – Kindheitserinnerungen werden wach. Und bei Villeroy & Boch in Mettlach (Saarland) wurde unlängst Pfunds Molkerei nachgebaut, weit nicht so prächtig wie das Original, finde ich zumindest.

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