Reise

An der Tafel des Heiligen Josef – Le Tavole di San Giuseppe

San Guiseppe (79) - Kopie

„Kommt in den Salento, um Heilige zu werden! Nehmt teil an den gedeckten Tischen von San Giuseppe in Giurdignano, im Garten der größten Megalithen Europas.“ Ein sehr anspruchsvolles Programm erwartet uns auch diesmal in Apulien.

Monika Gravante ist die sympathische Bürgermeisterin von Giurdignano
Monica Gravante ist die sympathische Bürgermeisterin von Giurdignano

Eingeladen hat die kleine Gemeinde Giurdignano, die alljährlich am 19. März, den Tag des San Giuseppe (Tag des Heiligen Josef) feiert. Über den Ursprung der Tradition der gedeckten Tische gibt es viele Legenden. Wahrscheinlich ist wohl, dass man den Heiligen Josef als Beschützer der Armen und Kranken mit einer warmen Mittagsmahlzeit dankt.

Im Kreis der fleißigen Helfer von Giurdignano
Im Kreis der fleißigen Helfer von Giurdignano
Von den fleissigen Helferinnen zubereitete Süßigkeiten
Von den fleissigen Helferinnen zubereitete Süßigkeiten
54 Häuser laden in Giurdignano am 18. und 19. März ein
54 Häuser laden in Giurdignano am 18. und 19. März ein

Der „Gedeckte Tisch“ ist eine originelle Andachtsform gegenüber dem Heiligen San Giuseppe. Er wird jedes Jahr am 19. März im Geist der Liebe und des Opfers neu gedeckt. Jede Familie der Gemeinde Giurdignano entscheidet jährlich neu, ob und wen sie in ihr Haus an den gedeckten Tisch einlädt. Mindestens drei (Josef, das Jesuskind und die Madonna) und maximal dreizehn Personen (Heilige) können eingeladen werden, immer muss es eine ungerade Zahl sein.

Gabriella erklärt den Gästen ihren gedeckten Tisch.
Gabriella erklärt den Gästen ihren gedeckten Tisch.

Ein langer Tisch ist immer mit einer weißen Tischdecke gedeckt, mit prächtigem bunten Blumenschmuck (meist gelb und weiß, die typischen Farben des Frühlings) und brennenden Kerzen. Im Mittelpunkt steht der Heilige Josef als Figur oder Gemälde. Große runde Brote mit einem Gewicht von ca. fünf Kilo, die in der Mitte mit einer Fenchelknolle und Orange belegt sind, liegen auf dem Tisch. Ihre Anzahl richtet sich nach der Zahl der Eingeladenen. Traditionelle Gerichte folgen: Nudeln, Honig, gekochtes Gemüse, gebratener Fisch oder Stockfischeintopf, Lampascioni, Kichererbsen, Flaschen mit Olivenöl und apulischer Wein. Einige der aufgetischten Lebensmittel haben eine symbolische Bedeutung. Pasta und Kichererbsen stehen aufgrund ihrer weißen und gelben Farbe für die Frühlingsblume Narzisse, der Stockfisch z. B. war einst Teil eines Essens bei großen Festlichkeiten.

Der Heilige Josef beginnt das knapp einstündige Mittagessen, in dem er einen mit weißem Papier umwickelten Stock, an dessen Spitze ein Blumenstrauß gewickelt ist, auf den Boden schlägt. Auch das Beenden der einzelnen Gänge der Mahlzeit wird mit einem Stockschlag durch ihn angezeigt. Alle Anwesenden rezitieren den Rosenkranz und jeder Essensgang wird mit einem Gebet des Heiligen Josef beendet. Die „gedeckte Tafel“ wird beendet, in dem die gastgebende Familie jedem der Eingeladenen (Heiligen) das große runde Brot übergibt.

Am 19. März 2019 öffneten 54 Familien der Gemeinde Giurdignano ihre Türen zu den gedeckten Tafeln. Wer am 19. März nicht zu den geladenen Gäste gehörte, hatte am Vorabend die Möglichkeit, einige gedeckte Tafeln zu besichtigen. In einem Flyer sind alle Familien aufgeführt, ein Stadtplan erleichtert Touristen den Weg.

Familie Mauro gehört zu den Organisatoren der gedeckten Tischee
Familie Mauro gehört zu den Organisatoren der gedeckten Tische

Alle Gäste werden herzlich begrüßt. Gern geben die Familien Auskunft über die Speisen. Am Vormittag des 19. März erhalten alle Besucher eine kleine Gabe, sei es ein gebackenes Brötchen oder kleines Gebäck mit Honig überzogen. Schüler haben am 19. März schulfrei. Wir treffen viele Schulklassen mit ihren Lehrern, die von Haus zu Haus gehen.

Öffentliche Tafel

Am Vorabend scheint die gesamte Gemeinde zur großen öffentlichen Tafel, die auf dem Marktplatz aufgebaut ist, unterwegs zu sein. Seit Jahrzehnten bringt das gemeinnützige Fest die Dorfgemeinschaft zusammen. Ein Verein organisiert die Vorbereitungen. Etwa ein bis zwei Wochen vor dem 18./19. März wird gemeinsam gebacken, immer mit guter Laune und Frohsinn. Wir durften zuschauen und auch kosten.

Vorbereitung zum Gedeckten Tisch auf dem Marktplatz
Vorbereitung zum Gedeckten Tisch auf dem Marktplatz
Festlich illuminiert ist der Marktplatz
Festlich illuminiert ist der Marktplatz

In diesem Jahr sind unter den zur gedeckten Tafel geladenen 13 Personen neben Einheimischen auch erstmalig vier italienische und deutsche Journalisten zu finden. Am Ende des Mahls halten alle die fast radgroßen runden und gesegneten Brote in die Runde. Auch auf den 54 gedeckten Tafeln in den Häusern  stehen die runden Weißbrote im Mittelpunkt der Tafel. Viele von ihnen tragen Verzierungen wie z. B. Olivenzweige.

Besuch beim Brotbäcker

Wer backt diese runden Weißbrote in Giurdignano? Salvatore Protopapa ist Bäcker in 3. Generation. Bei dem jungen Mann geben die meisten Familien die Brote zum Fest des Heiligen Josef in Auftrag.

 

Alles ist handgemacht und wird im 75-jährigen Holzofen gebacken. Frisella – ein in drei Stufen über insgesamt drei Tage hart gebackenes Brot ist eine weitere Spezialität aus der Bäckerei.

 

Eine weitere süße Köstlichkeit, die es nur am 19. März gibt, ist der Zeppola – ein Brandteig mit einer Puddingcreme gefüllt und obenauf eine kleine Zipfelmütze aus Schokoladencreme –  lecker, lecker …

Am Vorabend gibt es in Anwesenheit der Bürgermeisterin Monika Gravante für die Einwohner und Gäste der Gemeinde Giurdignano einen kulturgeschichtlichen Abriss ihres Ortes. Junge Menschen berichten anhand eines Powerpointvortrages über die Kultur ihres Heimatortes. Besonderen Beifall erhält die 18-jährige Schülerin Alessia Toma (alessiatoma2001@gmail.com) für ihren temperamentvollen Tanz mit dem Tamburin besonderen Applaus.

Dank an das tolle Team mit Bürgermeisterin Monica Gravante
Dank an das tolle Team mit Bürgermeisterin Monica Gravante

Ist man im Salento, dann kommt man an Pizzica, der furiosen Musik des Salento, nicht vorbei. “Santo Paolo, mein Heiliger der Taranteln, stichst die Mädchen und machst sie zu Heiligen …” Der heilige Paulus schützt vor den Bissen von Spinnen, Skorpionen und Schlangen. Er war der Patron der kleinen süditalienischen Gemeinde Galatina der Provinz Lecce.

Früher pilgerten von der Tarantel gestochene Frauen (tarantate) zum Fest des Heiligen Paulus und baten ihn um Heilung. Die Pizzicca Taranta – ein heidnisches Ritual, das Frauen mittels Musik und Tanz vom Gift der Spinne heilte. Erst unlängst las ich das Buch von Kirsten Wulf “Tanz der Tarantel” (Kiwi) Tarantella in Apulien. Für mich war es ein sehr emotionales Fest. Noch nie habe ich mit so vielen lieben und freundlichen Menschen den Tag des Josef – so heißt auch unser Sohn – gefeiert.

Hier noch einige Eindrücke. In Kürze gibt es weitere Texte und Fotos zu den Stationen der Reise, die wiederum sehr engagiert von der Journalistin Carmen Mancarelle organisiert wurde. Vielen Dank allen Beteiligten.

Fleissige Helfer betreuen Le Taviole die San Giuseppe
Fleissige Helfer betreuen Le Taviole die San Giuseppe

Höhepunkt war am Abend die Prozession durch Giurdignano

Am Tag danach

Blick in die Chronik von Le Tavole di San Giuseppe
Blick in die Chronik von Le Tavole di San Giuseppe

Weitere Informationen

Le Tavole di San Giuseppe
Associazione Pro-Loco “Sant’ Arcangelo de Casulis”
Giurdignano
Mail: prolocogiurdignano@libero.it

http://www.comune.giurdignano.le.it/turismo/feste-patronali

https://www.opencitiesonline.com/it/

Osteria degli Amici
Piazza Municipio
73020 Giurdignano
Tel. 0836 813001

Bewirtet wurden wir in der Osteria degli Amici mit großer Freundlichkeit und leckerem Essen. Der Service dort ist sehr aufmerksam und schnell.

Und nun zum Essen: Es gibt eine typische apulische Karte mit Fisch- und Fleischgerichten, aber auch vegetarischen Speisen fehlen nicht. Beliebte Speisen sind z.B. die frischen fritto misto del giorni mit frittierten Calamari und Gamberi. Natürlich auch die Oriechetti mit Tomaten und – eines unser Lieblingsgerichte – die tagliata di manzo con rucola e grano. Dazu einen guten Wein …

Carmen und Gabriella mit dem freundlichen Gastwirtspaar
Carmen und Gabriella mit dem freundlichen Gastwirtspaar

Bar Sport
Piazza Municipio
73020 Giurdignano
Tel. 0836 813073

Fußballfans treffen sich hier bei einem wunderbaren Espresso, lesen die Fußballzeitung, kommen ins Gespräch … und natürlich darf auch das Kartenspiel nicht fehlen. Am Tag des Heiligen Josef gab es hier die „süßen Zeppola“.

Am nächsten Tag (20.3.) war die Kühlvitrine leer. Pech für mich, nun gibt es „Zeppola“ erst wieder im nächsten Jahr am 19.3. Ein Grund mehr, noch einmal nach Giurdignano zu kommen. – Natürlich auch wegen der überaus freundlichen Bedienung.

Am Tag geht alles seinen gewohnten Gang

Bäckerei
Salvatore Protopapa
Via M. del Rosario 59, 73020 Giurdignano
www.panificioprotopapa.it

Wer will fleißige “Handwerker” sehen, der muss in die Bäckerei von Salvatore geh’n. Hier werden die großen und kleinen Brote zum Tag des Heiligen Josef gebacken. Und wenn der Tag vorbei ist, dann kommen andere salentinische Backspezialitäten in den alten mit Olivenholz beheizten Holzbackofen: Friselle e friselline.


Mehr über kulinarische Spezialitäten aus dem Salentino gibt es hier von Foodbloggerin Dr. Eva Schaefers.

Il Megalite
Agriturismo
Strada Prov. 277, Giurdignano/Otranto
Tel. 0836 813231
www.agriturismoilmegalite.it
E-Mail: agriturismoilmegalite.it

Ferien auf dem Bauernhof, nur wenige Schritte vom Gemeindezentrum Giurdignano entfernt. Nicht nur für Kinder ein Paradies mitten im „kleinen privaten Megalite-Park“: Katzen, Hühner, Schafe, Gemüsegarten, Olivenhain. Typische salentinische Küche, reichhaltiges Frühstück mit lokalen frischen Produkten: Käse, Joghurt, Eier, Tomatensalat und für Naschkatzen: leckeren Kuchen.

Wie kommt man ins Salento

Mit dem Flugzeug  (Allitalia, Ryanair oder easyJet) von verschiedenen deutschen Flughäfen bis Bari oder Brindisi (im Sommer).

Von Berlin SXF bis Bari und dann weiter mit Zug (bis Otranto – Magli) oder mit Leiwagen bis nach Giurdignano. Auf dem Flughafen Bari sind alle größeren Verleihfirmen präsent.

Hier einige Anregungen für einen Besuch im sonnigen Salento, dort unten im Absatz des italienischen Stiefels.

Zauberhaftes Apulien

Reise

Star Wars – Besuch im Sand Tunesiens

Tunesien (2)

Als ich einem Kollegen unlängst erzählte, dass ich in den Süden von Tunesien fahre, da war seine erste Reaktion: “Schau Dir unbedingt die Stätten an, wo Star Wars gedreht wurde.” Und so ganz nebenbei fügte er hinzu, dass ich doch einige Fotos mitbringen möge. Damit könne ich nicht nur ihm, sondern auch seinen Söhnen ein große Freude machen. Soviel sei verraten, der Kollege bekommt die Bilder.

An einem Drehort von „Star Wars“ in den Dünen von Nefta
An einem Drehort von „Star Wars“ in den Dünen von Nefta

Aus dieser Episode erseht ihr, dass die Kultserie “Star Wars” (Krieg der Sterne) immer noch in aller Munde ist und dass es sogar regelrechte Fanklubs für “Star Wars” gibt. Diese Fans fahren regelmäßig in die Wüste, nach Tunesien, aber auch an die anderen Filmlocations.  Es ist erstaunlich, denn 1978 lief in den deutschen Kinos der erste Film der Heldensaga „Star Wars“ an. Und noch heute  zieht das immer noch alle Generationen an.

Wenn man sich dem Dahar-Gebirge im Südosten des Landes von Tunesien, ist es beinahe so, als würde man geradewegs auf dem Mond landen. Die Gegend um die Städte Tataouine und Matmata am Rande der Sahara ist ein ganz besonderes Erlebnis für die Sinne. Unendliche Kraterlandschaften mit einem fast lavendelblauen Himmel. Es kam mir vor, als ob sich die Wüstenschlösser mit den Gipfeln der skurrilen Bergwelt verschmelzen. Ganz versteckt, in Einheit mit der Natur, liegen hier kleine Bergorte an den Hängen.

Hier leben die Berber, die ihre alten Traditionen hochhalten. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass der Planet in “Star Wars” Tatooin heißt. Ein bisschen Phantasie ist gefragt. Wer in die Tiefen des Troglodyten-Hotels Sidi Driss in Matmata hinabsteigt, der „sieht“ Princess Leia in ihrem Gemach oder den jungen Luke Skywalker die Treppe emporsteigen. An die 400 solcher Troglodyten gibt es heute noch. Viele dieser Wohnhöhlen sind sogar bewohnt. Bis zu sieben Meter sind sie in das Gebirge eingegraben. Vor der verwinkelten Speicherburg Ksar Haddada deutet ein Schild noch heute stolz auf die Dreharbeiten zu “Star Wars” in den 70er Jahren hin. Unzählig sind die Ksars in dieser Gegend. Zum Teil werden sie als Hotels genutzt.

Star Wars forever

Verlässt man diese so magische Landschaft in Richtung der Oasenstadt Douz, dem Tor zur Sahara, dann tun sich unendliche Dünenwelten auf. Douz ist Treffpunkt der Individualtouristen. Von hier aus ziehen sie los mit den Dromedar-Karawanen zur Tour durch die Wüste. Eine Reise zu sich selbst wie es die jungen Nomaden als Initiation ins Erwachsenensein erlebten. Ein Trekking durch die daszinierenden Weiten der Wüste ist mehr als ein Abenteuer oder gar eine Sportreise. Hier findet der Mensch sich wieder und erdet sich.

Der Marktplatz von Douz, am Sonntag menschenleer, Foto: Weirauch

Nächste Station unserer Schnuppertour durch den Süden Tunesiens führte uns durch beziehungsweise über den Großen Salzsee Chott El Jerid. Es kam mir vor wie ein unendliches Nichts. Das erste mal in meinem Leben sah ich eine Fatamorgana.  Und wenn man im Sommer über den Chott El Jerid fährt, entdeckt man plötzlich das Wohnhaus von Luke Skywalker. Es wurde jüngst, so erzählt uns Andrea Philippi vom Tunesischen Fremdenverkehrsamt in Frankfurt/Main,  von “Star Wars” Fans mit viel Liebe restauriert wurde. Der Große Salzsee Chott liegt im Jerid, dem Land der Dattelpalmen. Eines konnte ich beobachten: Die Region um die Oasenstädte Tozeur und Nefta ist touristisch im Kommen. Neben faszinierendem Abenteuertrekking durch die beinahe unberührte Natur setzt der Süden des Landes auch auf Lifestyle, Ökotourismus und den Wohlfühlfaktor. Die Bergoasen Tamerza, Mides und Chebika sind eine Augenweide für jeden Trekkingfan. Bei meinem nächsten Besuch im Süden Tunesiens will ich den Nostalgiezug „Le Lézard Rouge“ (Die rote Eidechse) erfahren. Das eiserne Ungetüm schlängelt sich durch atemberaubende Canyons. Dabei lassen sich die Datteln gemütlich während der Kutschfahrt verspeisen.

Unweit von hier liegen die Dünen von Nefta. Mit dem Jeep geht es dort auf und ab. Von weitem sieht man Kuppeln und Gebäude aus dem Sand auftauchen – Die „Star Wars“-Kulisse, die im Film die Stadt Mos Eisley darstellt. Ein absolutes Highlight für jeden Besucher des Südens von Tunesien.

Das Land der Ksours

Die Gegend im Südosten Tunesiens, die sich von der Küste über die Jeffara-Ebene und dem Dahargebirge beinahe bis zu den Dünen zieht, scheint älteste Vergangenheit und weiteste Zukunft der Erde und der Menschheit in sich zu bergen. Vor Millionen von Jahren soll hier ein Meer seine Wogen ausgebreitet haben. Als das große Wasser zurückging, kamen die Dinosaurier und hinterließen den Ureinwohnern dieser so besonders anmutenden Landschaft Bergketten und Krater, die aus der Ferne an ihre tierischen Umrisse erinnern könnten, oder auch an versteinerte Dünen. In dem Land um die Stadt Tataouine erbauten die Berber architektonische Schätze, Speicherburgen und Höhlenwohnungen, die sich auf den Gipfeln der Berge wie Wüstenschlösser über die weite Ebene erheben und sich perfekt an die spröde, aber wie verzaubert wirkende Natur anpassen. Kein Wunder, dass Georg Lucas hier sein Erfolgsepos „Krieg der Sterne“ drehte und in seiner Zeit der Zukunft ein neues Antlitz gab.

In der Stein- und Felswüste des Südosten Tunesiens leben seit Menschen Gedenken Nomaden der Ebene neben Bergsiedlern. Rotfarbene Höhlenmalereien in Ghomrassen lassen dies erahnen. Sie waren die Vorfahren der Berber. Manche waren sesshaft und wohnten in Höhlenwohnungen, in Troglodyten, in den Bergen. Sie lebten von der Landwirtschaft. Andere zogen als Nomaden in den Ebenen umher und betrieben Viehzucht. Die Menschen lebten hier ursprünglich von der Landwirtschaft. Sie entwickelten ein ganz natürliches ökologisches Bewusstsein im Umgang mit dem wenigen Wasser, das ihnen aufgrund der seltenen Quellen, des mangelnden Niederschlags und des trockenen Klimas zur Verfügung stand. Sie integrierten terrassenförmige Dämme, die es ermöglichen und noch heute ermöglichen, das Regenwasser zu sammeln und so den Boden für Olivenbäume, Getreide, Aprikosenbäume und Dattelpalmen fruchtbar zu machen.

Besuch in den Speicherburgen

Schon von weitem fallen sie auf: die Speicherburgen, in Tunesien nennt man sie Ksours. Diese Festungen ähneln Wabenstöcken, in denen die Waben – die sogenannten Ghofas – übereinander gesetzt sind. Hier bewahrte man einst die Kornernte  zum Überleben des Stammes auf. Die Ksours können bis zu vier Etagen hoch sein und aus bis zu 400 Speicherzellen, den Ghorfas, bestehen. Den Mittelpunkt eines Ksars bildet immer ein Innenhof. Es gibt nur ein einzigen Tor, das das ganz Jahr lang von einem Wächter gehütet wurde. Während in den Ghofas die Ernte aufbewahrt wurde und mitunter auch Wertgegenstände, galt der Innenhof als Ort der Begegnung, als Markt und Treffpunkt für Hochzeit und Stammestreffen. Jedes Ksar gehörte einem Berberstamm. Heute engaieren sich Menschen wie Rauf und Vereine um den Erhalt dieser seltenen Hinterlassenschaften. Für mich sind es einzigartige Denkmale der afrikanischen Architektur.

Im Südosten Tunesiens gibt es an die 150 Ksours. Heute werden die Ksours nicht mehr in ihrer eigentlichen Funktion genutzt. Als ein wunderbares Kulturerbe Tunesiens sind viele von ihnen renoviert worden und sind durch Kulturveranstaltungen und Tourismus wieder zum Leben erweckt worden. Als eine Art Freilichtmuseum erklären sie somit einen Teil der Geschichte der tunesischen Berber und das in einer der schönsten und unglaublichsten Landschaften Tunesiens. Ein Musuem haben wir besucht., Darüber erzähle ich später hier mehr.

Die Architektur und die Funktion der Ksours kann ganz unterschiedlich sein. Bei den Berberdörfern Chenini und Douiret spricht man in der Tat von Speicherburgen oder Speicherfestungen. Die Ursprünge dieser Ksours liegen im 9. Jahrhundert nach Christus. Sie wurden auf Berggipfeln gebaut und waren von weitem kaum erkennbar. In den Bergen wohnten die Berberfamilien in Troglodyten, Höhlenwohnungen, die in den Berg eingemeißelt waren. In schwierigen Zeiten konnten sie sich so auch in ihren Ksar zurückziehen. Typisch sind hier auch unterirdische Ölmühlen und Moscheen un die symbolischen Dekorationen in den Mauern und an den Toren der Troglodyte, die man bei genauem Hinsehen heute noch entdecken kann. In Chenini leben noch heute Familien in Troglodyten, die im Winter Wärme geben und im Sommer Kühle. So trifft architektonische Kunstfertigkeit auf ganz natürliches Ökologiebewusstsein.

Meine Meinung: Chenini sollte unbedingt UNESCO-Weltkulturerbe werden. Es ist aus meiner Sicht einzigartig auf der Welt. Wie in einem Amphiteater liegt das Berberdorf mit seinen überereinandergestülpten Höhensystemen, die heute noch von Menschen bewohnt werden am Rand der Wüste. Wie meine Recherchen ergaben, wurde es vor einigen Jahren von der sogenannten Tentativ-, was soviel wie Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe bedeutet, gestrichen. Der Grund, so erfahren wir bei unserem Besuch in dem kleinen Ort, seien angeblich die provisorisch verlegten Freileitungen und ein oberhalb des Ortes direkt neben der Moschee errichtetes kleines Kraftwerk.

Mein Gott, es gibt schlimmere Bausünden in heutigen UNESCO-Welterbestätten. Wenn ich allein an das Glienicker Horn oder das überdimensierte Bahnhofscenter in Potsdam denke.

Vielleicht können die Damen und Herren des UNESCO-Welterbekomitees in Parius der tunesischen Regierung helfen, um das aus ihrer Sicht so zerstörerisch wirkende Hindernis zu beseitigen. Deutsche Entwicklungshelfer sind überall auf der Welt unterwegs. Unter den Experten müßte sich doch ein denkmalerfahrener Architekt und Denkmalpfleger finden, der mit Hilfe einer international agierenden Stiftung dem kleinen Ort Chenini hilft, dass es wieder in den Kreis der Vorschlagskandidaten für das UNESCO – Kulturerbe aufgenommen wird. Zu wünschen wäre es dem sich langsam entwickelnden Öko – Tourismus in Tunesien. Denn jeglicher Massentourismus schadet nicht nur der Natur, sondern auch den Baulichkeiten. Für Urlauber der auch von Deutschen gern besuchten Ferieninsel Djerba beziehungsweise Wohnmobilisten (gerade solche trafen wir in Chenini an) wäre es ein empfehlenswerter Ausflug.

Kulinarisches

Die Gaumenfreude sollte man nicht vergessen. Denn im Land des Couscous und der Harissa kann man es sich kulinarisch so richtig gut gehen lassen. Ob dies nun frischer Fisch, leckere Oliven, saftiges Gemüse, süßliche Datteln oder sonnenverwöhnter Wein ist. Die Palette der Restaurants ist groß: von kleinen Gaststättchen und Nobelrestaurants in historischen Palästen bis hin zu sehr schicken Fischgourmetrestaurants am Meer.

Infos zu Tunesien

Telefonieren: Von Deutschland nach Tunesien: 00216 + Ortsvorwahl ohne Null + Teilnehmernummer

Von Tunesien nach Deutschland: 0049 + Ortsvorwahl ohne Null + Teilnehmernummer

Klima: Mediterranes Klima, Durchschnittstemperaturen: Dezember 11,4 Grad Celsius, Juli 29,3 Grad Celsius

Sprache: Arabisch, Deutsch wird in den Tourismusgebieten gesprochen. Verkehrsschilder und sonstige Schilder sind im allgemeinen zweisprachig: Arabisch-Französisch.

Internationale Flughäfen: Tunis, Monastir, Djerba, Sfax, Tabarka, Touzeur, Gafsa, Gabès, Enfidha-Hammamet

Fluggesellschaften: Tunisair (mail@tunisair.com.tn; www.tunisair.com.tn); Nouvelair (info@nouvelair.com.tn; www.nouvelair.com)

Weitere Informationen

Tunesisches Fremdenverkehrsamt
Bockenheimer Anlage 2, 60322 Frankfurt a. M.
Tel. 0049 691338350
info@tunesien.info

 

ReiseSchlösser und Burgen

Burgen und Schlösser: Neuer Geist in altem Gemäuer

Cadolzburg (2)Blick auf die Cadolzburg Foto: D.Weirauch

Neuer Geist in altem Gemäuer. Wie Burgen und Schlösser an der Burgenstraße mit kreativen Ideen vor dem Verfall gerettet werden. Burgen und Schlösser faszinieren die Menschen seit eh und je – seien es die Bauwerke an sich oder die Vorstellung, wie Menschen hier früher gelebt haben. Doch solch alte Gemäuer sind teuer im Unterhalt und Erhalt – nichtsdestotrotz fühlen sich viele Burgbesitzer ihren Ahnen und der Gesellschaft gegenüber verpflichtet, die historischen Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. Auch an der Burgenstraße, die quer durch Süddeutschland zu über 70 Burgen und Schlössern führt, gibt es unterschiedlichste, oft kreative Ideen, wie die Bauten am Leben erhalten werden können …und nicht nur das: Wie ihnen neues, spannendes Leben eingehaucht wird. Hier einige Beispiele.

Burgerlebnismuseum – Burg Cadolzburg

Zwölf Jahre lang dauerten die Bauarbeiten auf der Cadolzburg vor den Toren Nürnbergs, die am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in Flammen aufgegangen war und jahrzehntelang in Trümmern lag. Entstanden ist ein deutschlandweit einzigartiges Burgerlebnismuseum, das vor knapp einem Jahr eröffnet wurde und sich im Besitz der Bayerischen Schlösserverwaltung befindet. In der multimedialen Ausstellung „HerrschaftsZeiten! – Erlebnis Cadolzburg“ wird das Leben und der Alltag der Hohenzollern lebendig, die vor 600 Jahren von der Cadolzburg aus Franken und Brandenburg regierten.

Blick auf die Cadolzburg, Foto: D.Weirauch
Blick auf die Cadolzburg, Foto: D.Weirauch

Die Macher der Ausstellung haben sich einiges einfallen lassen, um Gäste in das Mittelalter eintauchen zu lassen: So bekommen Besucher mittels Drohnenflug und Tastmodell im wahrsten Sinne des Wortes ein Gefühl für die größte Ausdehnung der Burganlage, und ein Comic stellt die Dynastie der Hohenzollern näher vor. In der Küche riecht es gut nach Ochsenbraten, im engen, dunklen Verlies hingegen nach Moder… und im kurzen Bett mittelalterlicher Bauart können Besucher sogar probeliegen – oder eher sitzen. Hier unser Bericht von einem Besuch auf der Cadolzburg.

Beim Aufprobieren eines Helms oder beim virtuellen Schwertkampf wird spürbar, welche Herausforderungen Ritter früher zu bestehen hatten; es gibt auch eine VR (Virtual Reality)-Brille, mit der Gäste das Turnier „live“ und in 3-D erleben. www.burg-cadolzburg.de

Mit der 3D-Brille durch die Cadolzburg Foto: Jörg Rofeld/ Bayerische Schlösserverwaltung

Mit der 3D-Brille durch die Cadolzburg Foto: Jörg Rofeld/ Bayerische Schlösserverwaltung

Greifenwarte auf Burg Guttenberg

Anders als die Cadolzburg war Burg Guttenberg im Neckartal immer bewohnt und zählt zu den letzten unzerstörten Burgen in ganz Deutschland. Bereits in der 17. Generation befindet im Besitz der Familie von Gemmingen-Guttenberg, die bis heute auf der Stauferburg aus dem 12. Jahrhundert lebt.

Blick zur Burg Guttenberg Foto: Burgenstraße
Blick zur Burg Guttenberg Foto: Burgenstraße

Doch die Heiz- und Renovierungskosten sind enorm: Da kommt locker eine sechsstellige Summe im Jahr zusammen, allein für Heizung verschwinden durch den Schornstein jährlich mehr als 12.000 Euro.

Burg_Guttenberg_Europaeischer_Seeadler-Foto Burgenstrasse e.V.
Burg Guttenberg Europaeischer Seeadler-Foto Burgenstrasse e.V.

Bereits 1949 wurde die Burg für Besucher geöffnet, zunächst mit Burgmuseum und Burgschenke. Darüber hinaus setzt die Familie auf eine ungewöhnliche Idee, um Besucher anzulocken: In der Burganlage ist die Deutsche Greifenwarte untergebracht, die nicht nur in einem Rundgang erkundet werden kann, sondern auch von April bis Oktober zweimal täglich Flugvorführungen zeigt. Viele der rund 100 Vögel der Greifenwarte sind einzigartig in Deutschland, darunter Mönchs- und Gänsegeier oder der majestätische Weißkopfseeadler. Mutige können den Vögeln aber noch viel näherkommen: Bei einer „Falknerstunde“ lernen Besucher ab sieben Jahren die Greifvögel selbst zu fliegen; auch ein exklusives Fotoshooting mit den Tieren ist möglich. www.burg-guttenberg.de

Bei Götz von Berlichingen – Burg Hornberg

Burg Hornberg, hoch über dem Neckartal in Sichtweite zur Burg Guttenberg, gilt als die älteste und größte Burganlage am Neckar. Von 1515 – 1562 lebte hier der bekannte „Ritter mit der eisernen Hand“ Götz von Berlichingen. Seit mehr als 400 Jahren befindet sich die Anlage im Besitz der Familie von Gemmingen-Hornberg. Als sie im Zuge eines wachsenden Tourismus 1953 die historische Burganlage für Gäste öffnete, zählte sie zu den Pionieren auf diesem Gebiet. #

BurgHornberg_Gesamtansicht-Foto Burgenstrasse e.V.
Burg Hornberg, Foto: Burgenstrasse e.V.
BurgHornberg_Panoramarestaurant-Foto Burgenstrasse e.V.
Burg Hornberg Panoramarestaurant-Foto Burgenstrasse e.V.

Der frühere Marstall wurde zum Restaurant, Vorburg und Schafstall zum Hotel. Heute präsentiert sich das Hotel Burg Hornberg als Vier-Sterne-Haus mit renommiertem Panorama-restaurant. www.burg-hotel-hornberg.de

Schloss Kirchberg an der Jagst

Das Schloss in Kirchberg an der Jagst im Landkreis Schwäbisch-Hall wurde nach Jahrzehnten nicht öffentlicher Nutzungen vor zwei Jahren zum „Kirchberger Bauernschloss“. Neue Hausherrin in der größten Schlossanlage Hohenlohes ist die mit der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall verbundene Stiftung „Haus der Bauern“. Sie hat hier ein interdisziplinäres Zentrum für Kultur und Bildung geschaffen mit dem ambitionierten Ziel, das Schloss zu einem „Nukleus der Agrarwende“ zu machen. Die Akademie für Ökologische Land- und Ernährungswirtschaft bietet Seminare und Vorträge rund um die Themen „Bio“, „Ernährung“ und „Landwirtschaft“ an. Als Pilotprojekt vermittelt der Fortbildungslehrgang zur „Fachkraft für Bio-Lebensmittel im Einzelhandel“ Grundlagenwissen zum ökologischen Landbau, zur Bio-Lebensmittelkunde und den Zertifizierungskriterien der Öko-Anbauverbände. Auch hat die Bauernschule Hohenlohe ihr Zuhause im Schloss gefunden ebenso wie eine Jugendhilfeeinrichtung, seniorengerechte Wohngemeinschaften und ein Integrationsprojekt für Flüchtlinge.

Kirchberg-Jagst_Blick-in-den-Schlosshof Burgenstraße - Foto Sohl Media
Kirchberg-Jagst_Blick-in-den-Schlosshof Burgenstraße – Foto Sohl Media

Künstlerateliers, der allmonatliche „Tanz im Schloss“, Konzerte im Rittersaal, Schlosshotel und Schlosscafé bringen eine bunte Vielfalt an Kunst, Kultur und Leben in das alte Gemäuer.

Kirchberg-Jagst_Ort-und-Schloss-im-Nebel Burgenstraße - Foto Sohl Media
Kirchberg-Jagst Ort-und-Schloss-im-Nebel Burgenstraße  Foto Sohl Media

Ein kulinarisches Highlight bietet das Schlosscafé: Hier gibt es Bio-Heumilcheis mit Klassikern wie Schokolade und Vanille, aber auch mit ausgefallenen Kreationen wie Karamell-Fleur de Sel oder Zitrone mit frischer Schlossminze, das in der Moo-Eismanufaktur im Schloss hergestellt wird. www.schloss-kirchberg-jagst.com

Handwerkskunst, Kulinarik und Rock – Burg Abenberg

Burg Abenberg thront über dem gleichnamigen Städtchen vor den Toren des Fränkischen Seenlandes. Den Grafen von Abenberg als Erbauer folgten im Laufe der Jahrhunderte verschiedenste Besitzer. Nach langen Jahren des Verfalls begann schließlich mit dem Erwerb der Anlage durch den Zweckverband Burg Abenberg in den 1980er Jahren ein neues Kapitel in der Burggeschichte. So wird heute das Leben in der Burg von drei Einrichtungen geprägt, dem Burghotel- und restaurant, dem Haus der Fränkischen Geschichte und dem Klöppelmuseum. Besucher der Dauerausstellung „Eine Zeitreise durch Franken“ können Kettenhemd, Ritterhelm sowie Einhandschwert ausprobieren und erhalten am Ende bestenfalls die Urkunde „Geprüfter Franke“.

Burg Abenberg Innenhof Foto Hiltl
Burg Abenberg Innenhof Foto Hiltl (Burgenstraße)

Im Klöppelmuseum, das den engen Bezug dieser Handarbeitskunst zu Abenberg herstellt, sind unter anderem prächtige Metallspitzen in Gold und Silber sowie ganze handgeklöppelte Kleidungsstücke zu sehen. Darüber hinaus zeigen Klöpplerinnen jeden Sonn- und Feiertag nachmittags ihre beeindruckende Kunstfertigkeit und geben Besuchern die Gelegenheit, sich selbst im Klöppeln zu versuchen. www.museen-abenberg.de

Klöppelmuseum auf der Burg Abenberg
Klöppelmuseum auf der Burg Abenberg, Foto: Burgenstraße

Das Burghotel bietet romantische Turmzimmer, spannende Krimidinners, zwanglose Küchenparties und das Restaurant „Mundart“ mit einer prämierten Küche. Darüber hinaus ist die Burg außergewöhnlicher Schauplatz von Rockkonzerten sowie des Feuertanzfestivals jedes Jahr im Juni, einer Veranstaltung der Extra-Klasse für alle Fans mittelalterlicher Rockmusik. www.hotel-burg-abenberg.de

Burg Abenberg-Haus fränkischer Geschichte-Frankenraum-Foto Burgenstrasse e.V.
Burg Abenberg-Haus fränkischer Geschichte-Frankenraum Foto Burgenstrasse e.V.

Jufa-Hotel auf Festung Rosenberg

Dass es sich auf Burgen gut wohnen lässt, habe ich auf der Kaiserburg Nürnberg in der dortigen Jugendherberge erlebt. Nun öffnet im Sommer auf der Festung Rosenberg in Kronach (Franken) ein Jufa-Hotel. Die dortige Festungsherberge wird ein modernes Gästehaus.

Blick auf die Festung Kronach, Foto: Weirauch
Blick auf die Festung Kronach, Foto: Weirauch

Die österreichische Hotelgruppe möchte zum 1. Juni 2019 den Betrieb ihres jugend- und familienorientierten Hotels aufnehmen. 130 Betten sind auf der Ronacher Festung vorgesehen.

Über die Burgenstraße e.V.

Die 1954 ins Leben gerufene „Burgenstraße“ zählt zu den traditionsreichsten Ferienstraßen Deutschlands. Beginnend in Mannheim führt sie 770 Kilometer nach Bayreuth, vorbei an mehr als 70 Schlössern und Burgen durch die Landschaften des Neckartals, der Fränkischen Schweiz und des Frankenwaldes. Die Touristikroute gewährt Reisenden einen historischen Einblick in das Mittelalter, den Barock und den Klassizismus. Weitere Informationen unter www.burgenstrasse.de, kostenloser Prospekt der Burgenstraße unter info@burgenstrasse.de und Telefon +49 (0) 71 31 97 35 01-0.

Hier gibt es weitere Beiträge zur Burgenstraße auf einfachraus.eu

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Burgenstraße: Ein Spaziergang durch Coburg

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Burgenstrasse: Markgräfliches Opernhaus Bayreuth

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Burgenstraße kulinarisch: “Schluck” in Kronach

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Flugzeug (5)

„Man bestückt einen VW-Käfer auch nicht mit einem Porsche-Motor“

Die Boeing 737 MAX war für die Triebwerke, mit denen sie bestückt war, weder entworfen noch entwickelt oder gebaut worden. Diese Feststellung impliziert nicht, dass dies die Ursache ist für die jüngsten Katastrophen – zwei sturzflugartige Abstürze binnen weniger Monate, die zu einem weltweiten Flugverbot dieser Maschine führte.

Aber es muss doch näher erläutert werden, was vom Hersteller Boeing und den Fluggesellschaft sowie den Zulassungsbehörden nicht genügend erläutert wird:

Die Boeing 737, seit fünf Jahrzehnten am Himmel und das meist verkaufte Passagierflugzeug der Welt (mehr als 10 500 Exemplare), sollte durch die Baureihe MAX 800 und 900 noch attraktiver und begehrenswerter werden. Das war mit den seit 1967 gebräuchlichen Triebwerken nicht möglich. Deshalb wurden die Baureihen MAX mit sparsameren Düsenmotoren des US-Herstellers CFM International bestückt. Die allerdings waren speziell für den neuen Airbus A320 NEO entwickelt worden. Sie sind leiser als andere Triebwerke, vor allem aber sparsamer im Verbrauch – bis zu 18 Prozent weniger Kerosin. Das allein war natürlich verlockend für Boeing, seine neue 737-Generation damit auszustatten.

Aber diese Triebwerke haben andere Dimensionen als jene, die bisher bei den 737 verwendet werden. Sie sind rund 20 Zentimeter größer (Durchmesser) und passen auch eigentlich nicht unter die Flügel der 737 MAX. Sie müssen deshalb anders montiert werden als bei den herkömmlichen Boeing 737 – im Detail: Die Konstruktion, mittels der sie mit den Flügeln ver“zahnt“ werden, mussten verlängert werden. Doch keineswegs genug damit. Diese Triebwerke der Bezeichnung „Leap 1B“ hängen bei den MAX-Modellen nicht mehr wie bei den herkömmlichen 737 u n t e r den Flügeln, sondern d a v o r. Die Stimme einer deutschen Journalistin und Porsche-Fahrerin dazu, mit diesen Details konfrontiert: „Man würde doch einen VW-Käfer auch nicht mit einem Porsche-Motor bestücken“.

Derartige Modifizierungen müssen nicht, aber können – trotz vielfacher Erprobungen – zu Veränderungen im Flugverhalten führen. Genau darauf, so verlautet aus Luftfahrtkreisen Kaliforniens, machten MAX-Piloten immer wieder aufmerksam. Zu ihrer Überraschung – und sicher ihrem Erschrecken – tendierten die MAX-Maschinen vor allem kurz nach dem Start dazu, sich nach steilem Aufstieg in eine Art Sturzflugkonfiguration zu begeben. Das mussten die Piloten, so wieder die Kalifornien-Quelle, „per Hand“ korrigieren, weil das der Autopilot – wohl darauf nicht programmiert  – nicht tat. Hierbei hatten Piloten wohl nicht selten enorme Schwierigkeiten.

Boeing nahm das letztlich zur Kenntnis und reagierte – vielleicht nicht gründlich genug: In die MAX-Typen wurde eine Software (MCAS – Maneuvering Characteristics Augmentation System) integriert, die automatisch dann reagieren sollte, wenn sich das „Sturzflugphänomen“ bemerkbar machte. Die MAX-Piloten wurden darauf mit etwa 40 Extra-Trainingsstunden vorbereitet. Zu dieser „Nachschulung“ hatte schon Ende 2018 die US-Flugbehörde FAA (Federal Aviation Administration) aufgefordert.

Noch einmal: Diese Veränderungen im Ursprungsdesign der so erfolgreichen und beliebten Boeing 737 müssen nicht zu den beiden MAX-Katastrophen geführt haben. Aber bemerkenswert sind diese Tatsachen schon. Es ist einmalig, so viele Recherchen dazu, dass Piloten es äußerst schwer haben, nach einem steilst möglichen Start eine Art „Normalfluglage“ herzustellen. Und es ist nicht minder selten, dass dafür nachträglich eine Hilfssoftware entwickelt und eingebaut wird, die vom Piloten nicht oder nur mangelhaft korrigiert werden kann.

Und jetzt soll eine korrigierte oder gar völlig neue Software das Problem der MAX-Flieger lösen? Können die MAX 8 und MAX 9 der 737er Baureihe aus dem Haus Boeing dadurch bei Besatzungen und Passagieren einen gewaltigen Image-Verlust wettmachen – und die Furcht vor diesen Typen beseitigen? In den USA, wo mit einem generellen Flugverbot der MAX-737 für mehrere Monate gerechnet wird, haben Stewardessenvereinigungen schon angekündigt, nicht auf diesen Maschinen zu arbeiten.

Außer einem weltweiten Ansehensverlust muss Boeing – übrigens von einem deutschen Einwanderer begründet – mit Millionen Strafzahlungen rechnen. Die Billig-Airline Norwegian war die erste, die sich damit zu Wort meldete.

Die erste herkömmliche 737 – Reihe 100 – erhielt übrigens im Dezember 1967 die Lufthansa. Von der 737er Reihe sind derzeit im Schnitt 2 000 Maschinen gleichzeitig in  der Luft. Weltweit startet oder landet alle zwei Sekunden eine 737. Bis auf TUI fliegt keine deutsche Gesellschaft die MAX-Modelle – und die von TUI  sind im Ausland stationiert.

Die deutschen Gründer: Der Bergbauingenieur Wilhelm Böing (1846 bis 1890) verließ 1868 mit seiner Frau Marie Ortmann das heimatliche Limburg an der Lenne/Sauerland und wanderte in die USA aus. Mit einem Bauholzhandel wurde er dort sehr schnell reich. Am 1. Oktober 1881 wurde dem Paar der Sohn Wilhelm Eduard geboren. Um 1900 änderte der seinen Namen in William Edward Boeing. 1915 baute er in Seattle sein erstes Flugzeug – aus Holz. Seine Firma Pacific Aero nannte er ab 1917 Boeing Airplane Company – Grundlage einer der erfolgreichsten Flugzeugwerke der Welt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Potsdam

Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso

Barberini

Und wieder ein Highlight im Potsdamer Museum Barberini. Im letzten Jahr waren wir in Paris und sahen auf dem Montmartre ein Atelier von Picasso. Viel wussten wir schon über den Maler. Jetzt eröffnete in Potsdam die Schau “Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso.” Im Museum Barberini.  Erinnern wir uns: Pablo Picasso (1881–1973) gilt als Erneuerer der Kunst im 20. Jahrhundert. In Malerei, Skulptur, Graphik und Keramik hat er neue Maßstäbe gesetzt. Weniger bekannt ist sein Schaffen aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens, das jetzt im Mittelpunkt der vom ersten Tag an vielbeachteten Potsdamer Ausstellung steht.

Alle Leihgaben stammen aus der Sammlung Jacqueline Picasso (1927–1986). Ihre Tochter Catherine Hutin stellt diese bislang kaum öffentlich gezeigte Sammlung für die Ausstellung im Museum Barberini zur Verfügung. In der von Gastkurator Bernardo Laniado-Romero getroffenen Auswahl befinden sich zahlreiche Werke, die erstmalig in Deutschland gezeigt werden sowie einige, die zum ersten Mal in einem Museum präsentiert werden.

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picasso dermatador, 1970, Foto: Barberini

Als der Photograph Brassaï im Mai 1960 Picasso zum ersten Mal nach fast 15 Jahren wiedersah, machte ihm dessen neues Werk ungeheuren Eindruck: „So brutal aber wie in der Villa Californie bin ich noch nie überfallen worden … Kunst und Natur, Schöpfung und Mythos, Ritterturnier und Stierkampf, Märchenwelt, Olymp und Walpurgisnacht stürmen auf mich ein … Alles will gesehen werden, sich übertrumpfen, will gleichzeitig zu Wort kommen, zerrt an den Nerven, provoziert und überwältigt …“. Der Photograph sah sich im Atelier in Cannes umgeben von Portraits, die Picassos Lebensgefährtin Jacqueline Roque zeigen. Er sah Skulpturen und Assemblagen aus unterschiedlichsten Materialien.

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picasso kopf eines mannes 1971, Foto: barberini

Überall lagen Skizzen und Papierarbeiten in neuen Techniken. Auch die stilistische Vielfalt und die Monumentalität der Entwürfe dürfte das Gefühl der Überwältigung hervorgerufen haben. Während Picassos Werk in seinen früheren Phasen stilistisch deutlich unterschieden war – so dass sich die Blaue von der Rosa Periode, der die Form sprengende Kubismus vom geschlossenen Kontur des Neoklassizismus abhebt –, bilden die Stile in Picassos spätem Werk eine Synthese. Zudem verschmelzen die Medien: Das graphische Element der Linie erscheint als Ausdrucksträger in der Malerei. In Skulpturen wiederum falten bemalte Flächen sich in den Raum und erzeugen auf diese Weise Grenzgänge zwischen den Gattungen.

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picasso la californie 1956, Foto: Barberini

Picassos Werk der letzten beiden Lebensjahrzehnte hält Rückschau. Revisionen des eigenen Werks nehmen bekannte Themen auf und erneuern sie. Jacqueline inspirierte Picasso zu zahlreichen InterieurDarstellungen der Villa. Sie zeigen sie als Muse. Ihr Lieblingsplatz, der Schaukelstuhl, repräsentiert ihre Allgegenwart an Picassos Schaffensorten. Wir werden hingehen und schauen …

Dauer: 9. März bis 16. Juni 2019

Museum Barberini

Humboldtstr. 5-6

14467 Potsdam, Germany

Internet: www.museum-barberini.com

FontaneReise

Auf Entdeckungstour in Ribbeck im Havelland

Von ribbeck (1)Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch

Kommt man von Potsdam/Berlin auf der B5 nach Ribbeck, zwingt gegenwärtig eine Baustelle alle Motorisierten in der Ortslage Ribbeck an der Ampel zum Anhalten. Für uns ein Moment, der die neugierige Erwartungshaltung auf den wohl bekanntesten Fontaneort im Havelland und darüber hinaus in gute Laune versetzte. Die Baustelle am Ortseingang wird zum Fontane-200-Jubiläum schon Geschichte sein, aber die am Ortseingang heruntergekommene Fontane-Gaststätte wohl nicht. Kein schöner Anblick, aber wir sehen es positiv, denn es kann nur besser werden.

Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Nur wenigen Meter weiter strahlt uns ein Kleinod an, das uns in seinen Bann zieht. Wir möchten sofort anhalten und fotografieren und in das Schloss hineingehen. Doch zunächst muss ein Parkplatz her, und auch hier eine Baustelle …

Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus … Sind am Wochenende bereits jetzt viele Besucher unterwegs, wird Ribbeck im zum Fontane-Jubiläum sicher einer der attraktivsten Besuchermagnete im Land Brandenburg sein. Und wer von außerhalb kommt und unweit des berühmten Birnbaumes des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland übernachten möchte, kann das auch. Allerdings muss er Glück haben, denn die erste Ferienwohnung am Platze “Fuchs und Hase” wird mit Sicherheit langfristig ausgebucht sein.  Durch das riesengroße Panoramafenster der Ferienwohnung aus kann kann der Gast weit in das Havelland blicken. Die Ferienwohnung befindet sich hinter der Brennerei auf der rechten Seite. Mit garantiertem schönen schauifensterblick “Lug ins (Havel) land”.

Ein  “Festspielhaus” für Ribbeck

Nebenan ist die denkmalgeschützte Gutsscheune auch bereits aus dem Dornröschenschlaf erwacht.  214.000 Euro Fördermittel stehen bereit zur Sanierung der   Gutscheune.  Künftig ein zentraler Ort für Kulturveranstaltungen, Tourismus und regionalen Austausch.  Ein ambitioniertes Vorhaben für die ehemalige Gutsscheune, die mit einer Gesamtlänge von 75 Metern und 14 Meter Höhe ungefähr so lang ist wie Kirche und Schloss Ribbeck zusammen.

Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unter Hans Georg Karl Friedrich Ernst von Ribbeck als Teil des neuen Wirtschaftshofes in sogenannter Kalk-Pisé-Technik erbaut und diente damals zur Unterbringung der Ernte des gesamten Dorfes. Schon in ihrem maroden Zustand bietet die Scheune nicht nur Baufachleuten einen imposanten Anblick. Auch die Geschichte ihrer Nutzung lässt sich an ihrer Außenhaut ablesen. Im südlichen Bereich der Scheune wurde  nach dem 2. Weltkrieg ein Bauernhaus integriert, das noch heute bewohnt ist. Doch der größere Teil der Scheune stand seit Jahren leer und verfiel immer mehr. Nun stehen die Erneuerung des Dachtragwerks und die etwa 800 Quadratmeter umfassende Dacheindeckung im Vordergrund der Restaurierungsarbeiten. Arbeiten am Mauerwerk, der Einbau einer Elektroanlage sowie Sanitäranlagen sind eingeschlossen. Schon taucht die Vision eines Festspielortes auf. Wer den großen Zulauf der vergangenen Ribbecker Sommernächte in den vergangenen Jahren miterlebt hat, weiß, dass diese Vision kein Traum bleiben muss.

Zumal die Gutsscheune künftig auch für Märkte, Ausstellungen und Projektarbeiten genutzt werden soll. So wird das kleine Ribbeck zu einem lebendigen Ort, der für Jung und Alt etwas zu bieten hat. Dank des seit Jahren im Ort engagierten Architekten-Ehepaares Arndt und Sonja Herrmann kann es mit dem Ausbau der Scheune weitergehen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Familien von Ribbeck und Hermann unterstützen das Projekt finanziell.

Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch
Blick auf einen Teil der Gutscheune von Ribbeck, das künftige Festspielhaus, Foto: Weirauch

Die Ribbecks auf Ribbeck

Das sehen auch Beate und Christian von Ribbeck, die Nachfahren des legendären alten Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Nur dort, wo die Menschen Visionen für ihren Ort entwickeln, bleibt er lebendiger Anziehungspunkt, macht es Spaß, wiederzukommen.

Seit rund eineinhalb Jahren leben Beate und Christian  nun in Ribbeck. Christian ist der Neffe von Friedrich Carl. Beide unterstützen ihren Onkel Friedrich-Carl von Ribbeck, der 1998 mit seiner Frau Ute  in seinen Heimatort zurückkam. riedrich-Carl von Ribbeck baute mit seiner Frau den ehemaligen Kutschpferdestall zu ihrem Wohnhaus aus. Auch in die alte Brennerei wurde wiederbelebt, u.a. mit der Birnen-Essig-Herstellung. Christian von Ribbeck ist Langstrecken-Kabinenchef bei der Lufthansa. Wenn er nicht auf Reisen ist, so findet man ihn in Ribbeck, einem Ortsteil von Nauen im Havelland.

Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch
Christian und Beate von Ribbeck an der Brennerei, Foto: Weirauch

Über allen thront auf dem Schornstein der Brennerei alljährlich ein Storchenpaar, ein reizvoller Anblick und wenn man Glück hat, dann kann man die Störche auch klappern hören … “Klappern” für die Manufaktur und ihre Produkte, in Ribbeck läuft alles Hand in Hand.

Herr von Ribbeck im Havelland
Friedrich-Carl von Ribbeck vor einem Birnbaum an der Brennerei Foto: Weirauch

Birnentorten im Waschhaus

Ein Besuch in Ribbeck lohnt sich immer. Auf das Handwerk einer Waschfrau wird der Gast in einem Café aufmerksam gemacht. Marina Wesche sagt selbst: “Mein Name ist Programm.” Ein Café und Hofladen ziehen die Gäste  in das “Alte Waschhaus”.  Seit 2008 bleibt kaum ein Stuhl leer zwischen den Wäscheleinen mit historischen handgewebten und gestickten Deckchen, Schürzen und Leibwäsche sowie alten Waschzubern und Waschzubehör. Und die selbstgemachten Birnentorten finden immer neue Genießer.

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläums ihres Cafés erschien ihr erstes Kinderbuch “Greta und die Birnentiere” (ISBN 978-3-00-057632-4). Ein Buch über die Katze Greta, die im Dorf Ribbeck seit 2016 lebt und statt der Flöhe “Birnentiere” hat. Die Katze möchte den Jungen Max in das Land der Birnentiere locken. Und so beginnt ein (birn)-tastisches Abenteuer, das Fantasie mit wahren Gegebenheiten verwebt. Vielleicht begegnet der ein oder andere kleine oder große Gast der Katze Greta in Ribbeck. Denn seit Marina Wesche in der Alten Wäscherei “wescht”, ist wohl auch die Katze an ihrer Seite.

"Waschfrau" Marina Wesche hat ein Buch über "Greta und die Birnentiere" geschrieben, Foto. Weirauch
“Waschfrau” Marina Wesche hat ein Buch über “Greta und die Birnentiere” geschrieben, Foto. Weirauch

Auch wir genießen bei Sonnenschein im Herbst vor dem “Wesche”Café bei einer guten Tasse Kaffee die legendäre Birnentorte. Selbstgebacken in den unterschiedlichsten Variationen lassen wir hier mit dem Blick auf Kirche und Birnbaum direkt gegenüber die Seele baumeln. Frau Wesche macht uns mit Beate und Christian von Ribbeck bekannt. Und nun kommen wir ins “Fontanisieren”.

Der berühmte Birnbaum

Die Gruft ihres berühmten Vorfahren, der den Kindern Birnen schenkte, gibt es tatsächlich. Man kann sie bei der Besichtigung der Kirche in Augenschein nehmen. Zumindest auf das Gewölbe kann der Besucher vom Treppenaufgang zur Ausstellung schauen. Dort ist auch der konservierte Birnbaumstumpf des Birnbaumes, der 1911 durch einen Sturm gebrochen wurde, zu sehen. Aber ein Birnbaum wird wohl kaum aus einem Eichensarg gesprossen sein, wie es Fontane in seiner Ballade beschreibt.

Der “neue” Birnbaum an der Kirche trägt reichlich Früchte, Foto: Weirauch

“Das ist eine Legende”, so der Nachfahre derer von Ribbecks auf Ribbeck im Havelland. Eine sehr schöne Legende, wie wir finden. Fontane hat mit seinem Gedicht den Bewohnern eine tolle Marketingidee in die Wiege gelegt. Die Birne macht in allen Varianten, ob als Torte, Essig, Likör, Marmelade und vielem mehr den kleinen Ort zum besonderen kulinarischen Erlebnis. Wer die Gastronomie in Brandenburg kennt, der weiß das sehr zu schätzen.

Der legendäre Baumstumpf in der Kirche von Ribbeck, Foto: D.Weirauch

Birnengarten am Schloss

Alle Bundesländer haben einen Birnbaum gegenüber dem Schloss gepflanzt. Sie tragen jedes Jahr mehr Früchte:

Und nun bekommen wir von der Familie von Ribbeck zum Abschluss unserer kurzweiligen Unterhaltung noch einen Tipp, der uns neugierig macht auf ein weiteres Kleinod im Havelland. Christian von Ribbeck empfiehlt uns, die Kirche in Ketzür zu besuchen, wo sich eines der schönsten Gedächtnismale Brandenburgs befindet. Ein nächstes Ziel für unsere Erkundungstour.

Eigentlich wollten wir uns noch Birnenlikör und Birnenessig aus der Ribbeckschen Brennerei mitnehmen. Doch die Brennerei wurde gerade für ein Fest dekoriert, da wollten wir nicht stören.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Die Liköre aus dem Hause von Ribbeck Foto: Weirauch

Und so haben wir für unseren nächsten Besuch einen Anlass … immer samstags und sonntags (wenn nicht gerade die Brennerei für Veranstaltungen vermietet ist) kann man die Produkte in der Brennerei käuflich erwerben. Und vielleicht hat man Glück und trifft Herrn und Frau von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland … Wir freuen uns jedenfalls auf eine nāchste Begegnung.

Informationen zu Ribbeck

Anfahrt: Mit dem Auto: B5 nach Ribbeck, mit der Bahn: RB 10 und 14 oder RE 2 bis Nauen. Von dort Buis 661 bis Ribbeck (unbedingt vorher in den Fahrplan schauen) oder mit dem Rad auf dem Havelland-Radweg (ca. 10 Kilometer).

Brennerei: Online-Shop und Informationen zur Familiengeschichte unter www.vonribbeck.de

Altes Waschhaus: Café und Hofladen, Am Birnbaum 6, Ribbeck, geöffnet Do-So 11-17 Uhr

www.waschhaus-ribbeck.de

Schloss Ribbeck: Museum, Trauzimmer und Restaurant, Theodor-Fontane-Straße 10, Ribbeck, Museum täglich geöffnet 10-17 Uhr, Restaurant 11-18 Uhr

www.schlossribbeck.de

Hier geht es bald weiter zu Havelland-Tourismus und weiteren Tipps zu Fontane.

2019 ist Fontanejahr

Als ein Baustein der zentralen Landeskampagne „Fontane.200“ reiht sich Kulturland Brandenburg im nächsten Jahr neben der Leitausstellung „Fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin, der Ausstellung „Fontane.200/Brandenburg“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam dem Schülerbegleitprogramm und dem Jugendprojekt „Word&Play“ ein.

Hier geht es zum Tourismusverband Havelland.

Weiterhin beteiligen sich die Universität Potsdam, das in Potsdam ansässige  Theodor-Fontane-Archiv sowie die Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Seminar für Deutsche Philologie bei der Georg-August-Universität Göttingen mit einem wissenschaftlichen sowie die Fontanestadt Neuruppin in Kooperation mit zahlreichen Partnern mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Das Fontanejahr wird  am 30. März 2019 in Neuruppin eröffnet. Hier geht es zur Fontaneausstellung des HBPG am Potsdamer Neuen Markt

Hier einzelne Fontanetipps auf einfachraus.eu:

+ Robert Rauh und Erik Lorenz empfehlenswertes Buch zu den fünf Schlössern

+ Zum Grab von Theodor Fontane in Berlin

+Spurensuche in Wustrau

+ Spurensuche in Neuruppin

+ Fontane und der Ziegelringofen von Glindow

+ Der Bornstedter Friedhof

+ Besuch bei Königin Luise in Paretz

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