Kloster Memleben, Foto: Hufnagel
Straße der Romanik: Schau in Memleben

Sachsen – Anhalt und die Straße der Romanik ist eine Erfolgsgeschichte. In diesem Jahr  begeht diese Ferienstraße ihr 25-jähriges Jubiläum. Bis zum 15. Oktober 2018 präsentiert das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben in der Nähe von Naumburg die Sonderausstellung „WISSEN+MACHT. Der heilige Benedikt und die Ottonen“. Die Schau gehört zu den Höhepunkten im Jubiläumsjahr „25 Jahre Straße der Romanik“.  Mit mehr als 1,5 Millionen Besuchern jährlich ist es die beliebteste Ferienstraße an dem an Geschichtsorten so reichen Sachsen – Anhalt.

Für die europäische Geschichte des Mittelalters hat Memleben eine herausragende Bedeutung. Als Schicksalsort und Machtzentrum deutscher Kaiser und Könige wurde dieser Ort weltberühmt. Vier Personen der europäischen Kulturgeschichte stehen im Mittelpunkt dieses herausragenden Ausstellungsprojekts an originalem Schauplatz. Es sind Kaiser Otto II., seine Gattin Theophanu, der Mönch Heimerad und der heilige Benedikt. Kloster Memleben liegt idyllisch an der Unstrut in der hochmittelalterlich geprägten Kulturlandschaft Saale-Unstrut.

Karl Friedrich Schinkel  stoppte den Verfall

Fast hätte es vor 200 Jahren als Schutthaufen ein trauriges Ende gefunden. Preußens Stararchitekt Karl Friedrich Schinkel  stoppte den Verfall der Ruine, deren Steine für den Bau von Ställen und Scheunen bereits teilweise abgetragen wurden. Mit einer Sonderschau erzählt Memleben in diesem Jahr ein besonders glanzvolles Stück deutscher Geschichte. Die Historie des Klosters Memleben reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück.

Zwei bedeutende Regenten des Mittelalters verstarben hier: König Heinrich I. (876-936) sowie sein Sohn und Nachfolger Kaiser Otto I. (936-973). Kaiser Otto II. (955-983) stiftet dem Ort im Jahr 979 ein Benediktinerkloster. Gemeinsam mit seiner Frau Theophanu stattete er den Konvent reich mit Grundbesitz aus. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die Gründung zu einer bedeutenden Reichsabtei. Mit der Reformation endete die über 500- jährige Geschichte des Klosters. Es folgten Plünderungen und die schleichende Zersetzung der Bausubstanz.

Blick in die Krypta von Kloster Memleben Foto: Tim Hufnagel
Blick in die Krypta von Kloster Memleben Foto: Tim Hufnagel

Was geblieben ist, sind die vielfältigen Spuren, die Memleben in Kultur und Geistesgeschichte der Region hinterlassen hat. Und, Karl Friedrich Schinkel sei Dank, noch ein Teil seiner einstigen baulichen Pracht. Schon als Jugendlicher fuhren wir von meinem Heimatort Aschersleben mit den Konfirmanden zur  aus dem 13. Jahrhundert Kirchenruine mit einer weitgehend im Original erhaltenen spätromanischen Krypta. Allerdings bekam ich erst bei meinem letzten Besuch ein Gefühl für die einstige Bedeutung der Reichsabtei.  In der Ausstellung vermittelt der nachgebaute Grundriss die Dimensionen der  Monumentalkirche  aus dem 10. Jahrhundert.

Schinkel und Benediktiner

Die Sonderausstellung „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“, würdigt nicht nur den Verdienst des Benediktinerordens für die reiche Kulturlandschaft an Saale und Unstrut, sondern auch den Denkmalpfleger Schinkel.

Für die Schau, die in Kooperation mit dem Zentrum für Mittelalterausstellungen Magdeburg, dem Bistum Magdeburg, dem Saale-Unstrut- Tourismus-Verein, dem Landestourismusverband Sachsen-Anhalt sowie der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalts entstanden ist, haben Museologen alle bekannten, noch vorhandenen Ausstattungsstücke des Klosters Memleben zusammengetragen und durch weitere Objekte ergänzt.

Kloster Memleben, Foto: Hufnagel
Kloster Memleben, Foto: Hufnagel

Schinkels Zeichnung von 1820

Einige Stücke werden zum ersten Mal öffentlich präsentiert. Auf insgesamt 350 Quadratmetern werden 60 Exponate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Zu den Höhepunkten gehört die Schinkelzeichnung der Klosterruine aus dem Jahr 1820. Die feine Graphitzeichnung ist das jüngste Objekt in der Ausstellung und erstmals an ihrem Entstehungsort zu sehen. Das älteste ist eine Scheibenfibel mit aufwändigen Ziermustern aus dem siebten Jahrhundert. Frauen und auch Männer nutzen sie als Spange für ihre Gewänder, Mäntel oder Umhänge. Zu den visuell beeindruckendsten Exponaten zählt eine neugotische Monstranz aus dem Kloster Badersleben im Harz. Das mit großer Kunstfertigkeit gestaltete Objekt steht stellvertretend für wertvolle liturgische Geräte, wie sie sich im Inventar des Klosters Memlebens befunden haben. Mit den Lorscher Annalen (um 835) und dem Reichenauer Schülerheft (9. Jahrhundert) aus dem Kloster St. Paul im Lavanttal in Österreich sowie der Benediktsregel (nach 799) aus dem Kloster St. Gallen in der Schweiz finden auch drei weltbekannte Objekte ihren Weg an Saale und Unstrut.

Klöster an Saale und Unstrut

Immer wieder treffen die Besucher auf ihrem Weg durch die Ausstellung auf den Heiligen Benedikt (ca. 480-547), Kaiser Otto II., dessen Frau Theophanu und weitere historische Persönlichkeiten. Eine interaktive Karte illustriert die Ausbreitung der Benediktiner von Nahost bis nach Mitteleuropa. Ein Zeitstrahl hilft bei der Orientierung und Einordnung der Ereignisse der 1700-jährigen Geschichte des Ordens. An einem interaktiven Landschaftsmodell können die Besucher die Entwicklung der Klöster und Orden an Saale und Unstrut nachvollziehen. Auch spielerische Elemente finden sich, wie das großes Puzzle zur Heiratspolitik der Herrscher oder das interaktive Entscheidungsspiel zu den Kirchenorden.

Begleitend zu „Wissen und Macht“ öffnen elf weitere Klosterorte in Saale- Unstrut ihre Tore und geben unter dem Titel „Kloster und Welt. Die Klosterlandschaft an Saale und Unstrut“ einen Einblick in das einstmals blühende monastische Leben in der Region. Mit der Gemeinschaft der Zisterzienserinnen in Helfta (Lutherstadt Eisleben) und dem Konvent der Benediktiner auf der Huysburg bei Halberstadt können dabei auch zwei heute lebendige Klöster besucht werden. Auch montalbâne, eines der wichtigsten Ensembles für mittelalterliche Musik in Europa, ist ein Partner des Projektes.

Informationen zur Sonderausstellung

  • „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“
  • Sonderausstellung vom 7. Mai bis 15. Oktober 2018
  • Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben, Thomas-Müntzer-Straße 48
  • 06642 Kaiserpfalz / OT Memleben
  • Öffnungszeiten: täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr
  • Tel.: 034672 60274, Fax: 034672 93409
    E-Mail: info@kloster-memleben.de,
  • www.kloster-memleben.de
Eintrittspreise:

Erwachsene, p.P. 8,00  €
Erwachsene, p. P. (ab 15 Personen) 7,00  €
Schüler / Studenten, p. P. 5,00  €
Schüler / Studenten, p. P. (ab 15 Personen) 4,00  €
Familienkarte (ab 2 Erwachsene und 2 Kinder) 20,00 €

Webseite: www.benedikt-memleben2018.de

Webseite zum Jubiläum 25 Jahre Straße der Romanik & Weinstraße Saale- Unstrut –

www.feiern-mit-wein-und-stein.de

 

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