Erfahren auf vielen Weltmeeren und Flüssen: Sabine Hinz, die Kreuzfahrtleitung auf der Seine Comtesse Foto. K.Weirau
Seine Comtesse – Kreuzfahrtleitung Sabine Hinz

„Die Stimme kennst Du doch!“ sagte mir mein Innerstes, als ich im Juni 2018 in Paris an Bord der „Seine Comtesse“ ging. Sympathisch, unaufdringlich, aber durchaus bestimmend, begrüßte Sabine Hinz, die Kreuzfahrtleiterin des Schiffs, die Gäste. Unsere Laune war nicht die Beste an dem Nachmittag. Wir hatten eine stressige Anreise hinter uns (der Taxifahrer, der uns vom Flughafen an den Anlegeplatz am Quai Citroën brachte, fand das Schiff nicht und wir mussten fast 1000 Meter mit Gepäck teilweise über Baustellen gehen). Doch als Sabine Hinz uns mit ihrer zuvorkommenden und netten Art begrüßte war der Ärger wie weggeblasen. Die Frau mit dem sportlichen Kreuzfahrtoutfit hatte ich bei einer früheren Fahrt bei einer anderen Reederei schon einmal auf einem Schiff als guten Geist erlebt.

Unserer Reise mit der „Seine Comtesse“ stand also nichts im wege. Wenige Stunden später dann kam die Nachricht, dass eine an unserem Anreisetag erforderliche Reparatur am Heck des Schiffs zwar ausgeführt wurde, aber von den französischen Behörden noch abgenommen werden muss.

Sabine Hinz mit Hotelmanager und Kapitän Foto: D.Weirauch
Sabine Hinz mit Hotelmanager und Kapitän Foto: D.Weirauch

Es war Sabine Hinz, die die Stunden bis zur endgültigen Abfahrt gekonnt überbrückte. Fazit voraus: Wir haben trotz der Verspätung alle Ziele, wie im Einleitungstext beschrieben, sank ihres Organisationsmanagements geschafft. Sabine Hinz fährt seit April auf der Seine mit MS Seine Comtesse und kennt, zumindest hatte ich den Eindruck, sprichwörtlich Hinz und Kunz. Nicht nur Busse waren zur Stelle, auch Reiseführer kamen zu Zeiten, die so nicht im reieablauf standen. Daneben hatte sie noch Zeit, die Passagiere auf Sehenswürdigkeiten links und rechts hinzuweisen. Wie sonst hätte ich von dem eindrucksvollen Denkmal in Caudebec-en-Caux Aufnahmen machen können, war es doch hinter Bäumen verborgen und nur für einen kleinen Moment zu sehen. Das Monument du Lanthan 47, ein riesiges Flugzeugdenkmal zum Gedenken an den tödlich verlaufenen Ronald-Amundsen-Flug im Jahr 1928.

Seit 1931 erinnert das eindrucksvolle Monument du Lanthan 47 am Ufer der Seine an die Rettungsaktion der der Latham 47 . Foto: Weirauch
Seit 1931 erinnert das eindrucksvolle Monument du Lanthan 47 am Ufer der Seine an die Rettungsaktion der der Latham 47 . Foto: Weirauch

Gemeinsam mit Christian Baumann von kreuzfahrt-begeistert.de haben wir Sabine Hinz während der Fahrt interviewt, um mehr über das Leben dieser so engagierten Frau zu erfahren.

Schon über 30 Jahren fährt die gebürtige Siegenerin zur (Hoch)See. Erst vor einem Jahr hat sie als Kreuzfahrtleitung von der Hochseeschifffahrt auf ein Flusskreuzfahrtschiff gewechselt.

KB: Wenn man, wie Sie, 30 Jahre auf Hochsee-Kreuzfahrtschiffen gefahren ist, warum wechselt man dann auf den Fluss?

SH: Irgendwann habe ich festgestellt, dass sich die Welt verändert. Viel der Orte die ich auf der Welt über meinen Job kennen lernen durfte, war so ursprünglich. Das hat sich, für mich jedenfalls, zum Nachteil geändert. Ein weiterer Grund ist, dass ich näher an zu Hause sein möchte und die vielen Zeitverschiebungen und langen Flüge einfach nichts mehr für mich sind.

KB: Anders als auf hoher See, sind Sie als Kreuzfahrtleitung auf dem Fluss ganz alleine an Bord. Welche Herausforderungen stellt das an Sie?

SH: Es gibt natürlich viel Hilfe von außen, in erster Linie durch die Reederei. Allerdings muss ich vor Ort alle Details selbst klären, d.h. alle Dinge bezüglich der Landausflüge mit den Agenturen abstimmen, die Passagiere für die Landausflüge koordinieren, auf die Belange der Passagiere eingehen. Als Kreuzfahrtleitung eines Flussschiffes ist man eben immer ansprechbar und kann sich mit keinem Kollegen abwechseln.

KB: In besonderen Situationen hilft sich die Besatzung dann auch untereinander?

SH: Klar hilft sich die Besatzung und wir unterstützen uns untereinander. Durch unsere Reparatur am Schiff haben wir auf dieser Reise länger in Paris gelegen. Ich habe dann mit unseren Busfahrern vor Ort organisiert, dass die Passagiere zu einer Bootstour durch Paris gebracht werden. Allerdings konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht von Bord gehen, da noch viele andere Dinge aufgrund der Verspätung zu organisieren waren. Ein Kollege aus dem Team hat sich dann angeboten in seiner Freizeit die Passagiere zu begleiten und vor Ort alles zu regeln. Das ist nicht selbstverständlich und sehr schon hier bei uns an Bord.

KB: Gutes Stichwort – Bei unserer aktuellen Fahrt gab es einige Routenänderungen. Wie schwer ist es, diese auf der Seine zu koordinieren?

SH: Eine Verspätung auf der Seine zieht natürlich Routenänderungen mit sich. Nach 40 Stunden Verspätung sind wir aus Paris ausgelaufen und meine Aufgabe war es dann, alles so zu organisieren, dass möglichst viele Ausflüge und Häfen realisiert werden konnten. So etwas hat auch immer etwas mit Glück zu tun und mit viel Organisation. Ein großer Vorteil ist allerdings, dass das Schiff immer dieselbe Route fährt und man die Agenturpartner vor Ort persönlich kennt.

KB: Wie verständnisvoll reagieren Passagiere erfahrungsgemäß bei Programmänderungen?

SH: Am Anfang ist schon oft Unsicherheit bei den Passagieren da und dadurch kommt es zu vielen Fragen und eben manchmal auch zu Beschwerden. Da wir aber dann alle intensiv daran arbeiten, Lösungen zu präsentieren, relativiert sich das meiste oft nach kurzer Zeit. Sobald der neue Plan steht und gut organisiert ist, sind die Passagiere zufrieden.

KB: Was war bisher das Ziel, an das Sie sich am liebsten erinnern?

SH: Es gibt viele schöne Dinge auf der Welt. Meine schönste Reise war jedoch meine letzte Hochseereise, an die ich mich gerne zurück erinnere. Wir waren mit dem Schiff in Papua Neuguinea unterwegs und dort ist eben alles noch so ursprünglich, genau das, was ich in den letzten Jahren in der Welt vermisse.

KB: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Reiseleiter aus?

SH: Immer Zeit für die Gäste zu haben und für alle Probleme ein offenes Ohr haben.

KB: Was war bisher die längste Zeit, die Sie an Bord und fern der Heimat verbracht haben?

SH: Ich war schon einmal acht Monate unterwegs, das war die längste Zeit.

KB: Sie sind ja noch recht neu auf Flüssen, aber haben Ihnen schon einen Liebling?

SH: Die Seine gefällt mich schon am besten, ich habe mich in diesem Jahr ein bisschen in den Fluss verliebt.

KB: Nicko Cruises steigt jetzt auch in die Hochseekreuzfahrt ein. Mit der World Explorer geht es ab 2019 auf Expeditionskreuzfahrten. Würden Sie mitfahren?

SH: Ich finde das Schiff und das Konzept super. Ich würde auch noch einmal auf hohe See gehen und zwar mit der World Explorer in die Antarktis, das ist schon noch ein Traum von mir.

KB: Bei all der stressigen Arbeit an Bord, wie halten Sie sich fit?

SH: Das muss ich gar nicht. An Bord bin ich immer auf Achse und habe dadurch viel Bewegung.

Hier geht es zur Seite kreuzfahrt-begeistert.de von Christian Baumann und Irmela Tölke.

hier die nächste Station unserer Reise mit der Seine Comtesse im juli 2018 auf der Seine.

 

Facebooktwittergoogle_plusmail
  • |
  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.