Nissan GT-R – Ein Racer zum Schnäppchenpreis

Wer einen Nissan GT-R fährt, fällt garantiert auf. Der japanische Kampfjet auf vier Rädern zählt zu den eindrucksvollsten Sportwagen unserer Zeit. Sowohl bei der Motorleistung, dem Design und auch dem Preis fällt er in dieser automobilen Klasse positiv aus dem Rahmen. Nur das ein Japaner soviel schlucken kann, war mir vor dem Test nicht bewusst.

Die Alpenregion zieht neben Wanderern, Fahrradfahrern und Campern auch eine weitere Sorte von Erholungssuchenden an: Sportwagenfahrer, oftmals Porschebesitzer. Um nicht negativ aufzufallen, aber trotzdem souverän aufzutreten haben wir für einige Tage einen Senior der Sportwagenwelt mitgebracht. Der Nissan GT-R ist in der aktuellen Version seit 10 Jahren auf dem Markt und mit 207 Neuzulassungen in 2017 ein Exot auf deutschen Straßen.

Zwei imposante Gestalten: Der Nissan GT-R und die Schweizer-Alpen      Foto: Sven Moritz

Weitaus mehr deutsche Führerscheinneulinge dürften den Wagen in unzähligen Garagen des Playstation-Rennspiels „Gran Turismo“ stehen haben. Dort wird der Wagen ähnlich gepriesen und verehrt wie im Heimatland Japan, wo dieser als Basis für unwirkliche Tuningprojekte dient.

Am Vorabend konnte der Nissan GT-R bereits seine Langstreckentauglichkeit während der Anreise aus Berlin beweisen. Ab 99.900 € erhält der Käufer einen nun deutlich komfortabler abgestimmten Wagen. In seiner vierten Ausbaustufe leistet der 3,8-Liter-V6-Bi-Turbo 570 PS und beschleunigt mit permanenten Allradantrieb in 2,8 Sekunden auf 100 km/h – bemerkenswert, waren es zu Beginn in 2007 doch noch 485 PS und 3,5 Sekunden. Und er stürmt brutal weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 315 km/h. Die maximal 637 Newtonmeter Drehmoment liegen zwischen 3.300 und 5.800 U/min an.

Nissan GT-R mit V6-Motor und Autogramm vom Mechaniker        Foto: NISSAN

Nebenher wurde das Cockpit modernisiert und aufgeräumt – die Instrumente sind weiterhin analog und in der Mitte thront der Drehzahlmesser. Die Recaro-Sportsitze bieten guten Seitenhalt und sind auch auf Strecken jenseits von 300 Kilometern sehr bequem. Einzig das Navigationssystem bereitete kurz Kummer, verwechselte es doch eine Autozug-Strecke in der Schweiz mit einer regulären Straße.

Keine digitalen Spielereien im Nissan GT-R-Cockpit          Foto: NISSAN

Der Nissan GT-R ist ein 2+2-Sitzer, was ihn als Familienkutsche schon mal ausschließt. Die Rücksitze sollten fürs Gepäck genutzt werden, denn der Kofferraum ist mit seinen 315 Litern knapp bemessen. Aber für schnelles und bequemes Reisen mit zwei Personen ist der GT-R bestens geeignet. Und serienmäßig wird u.a. mit dem Bose-Soundsystem, LED-Scheinwerfern, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Lederausstattung einiges an Komfort geboten.

Zwischen LKW, Campern und Reisebussen wurde „Godzilla“ problemlos auf den Zug verladen und schnaubte dabei so dezent durch die Titanabgasanlage, dass seine Anwesenheit nahezu unbemerkt blieb. Während des letzten Abschnitts zum Ausgangspunkt der Tour waren auch alle Klänge des GT-R bereits bekannt, glaubt man in einem normalen PKW an einen Schaden, vermittelt das Klackern und Rumoren des Nissan eine mechanische Vertrautheit, die bei seinen Konkurrenten bereits weggedämmt ist oder sich in Zuffenhausen zum doppelten Preis erkaufen lässt.

Nissan GT-R       Foto: NISSAN

Die Sonne geht auf am Stilfser Joch – Passo di Stelvio und das Blau der Nacht wechselt an den Bergspitzen der Alpen allmählich zum Morgenrot. Noch bevor die grünen Wiesen im Tal von Bormio von der ersten Kuh betreten werden, laden wir in 2.757m Höhe auf dem Parkplatz des „Alpengasthof Tibet Hütte“ unsere Sachen ein und beginnen den Road Trip. Das Ziel der kommenden Tage sind Kurven, Kurven und noch mehr Kurven. Diese liefert die Route, über Flüelapass und Grimselpass später Gotthardpass und Furkapass, zu Hauf.

Trotz seiner 1,8 Tonnen lässt sich der Nissan leichtgängig um die engen Kurven ziehen und der Allradantrieb liefert Grip in jeder Lebenslage – schaltet bei Bedarf die Vorderräder hinzu. Trotz seiner optischen ausladenden Statur wirkt der Japaner nie fehl am Platz und genehmigt Rennradfahrern auf den engen Passstraßen genügend Abstand.

Nissan GT-R: Das sind die Tasten die Freude bringen      Foto: NISSAN

Somit sollte der normale Stadtverkehr keine Herausforderung für den Nissan sein. Das Doppelkupplungsgetriebe hält die Folgegänge stets im passenden Drehzahlband, so dass die Turbolader nicht in Wartezeit verharren. Die Fahrmodi für Fahrwerk, Getriebe und Differential lassen sich separat einstellen. Die Komfortstellung wurde nach der Anreise jedoch nicht mehr gewählt.

GT-R: Diese drei Buchstaben stehen für Spaß ohne Ende       Foto: NISSAN

Auf den Parkplätzen sollte man sich als Besitzer darauf einstellen, selten allein zu bleiben. Steht man mit einem Porsche, BMW M5 oder Mercedes AMG eher anonym und alleine in der Ecke, suchen bei diesem Wagen die Leute eher das Gespräch oder geben einen anerkennenden Gruss bei der Fahrt.

Hier liegt auch das Paradoxon dieses Autos. Moderne Sportwagen sind ihm leicht überlegen, preislich pendelt sich der Wagen aber eine ganze Klasse tiefer ein. Somit können die Leistungsdaten kein Grund für die niedrige Stückzahl sein – vielmehr die Angst mit dem GT-R ein eindeutiges Statement zu setzen, dass man keinen Kompromisswagen fahren möchte.

❏ Fazit vom Nissan GT-R

Der Nissan GT-R ist für einen Supersportwagen ab 99.900 € ein echtes Schnäppchen, das Fahrfreude und Aufmerksamkeit garantiert. Die Materialqualität und die Verarbeitung stimmen und auf nicht vorhandene Assistenzsysteme kann man getrost verzichten. Wer in einen Nissan GT-R einsteigt, will ihn fahren und nicht gefahren werden. Nur das ein Nissan GT-R soviel Super plus konsumieren kann, hätte ich nicht gedacht. Die Werksangaben für den Verbrauch sollten Sie nicht für bare Münze nehmen.


Technische Daten:

Nissan GT-R

Motor: 3,8 Liter V6
Leistung: 570 PS bei 6.800 U/min
Getriebe: GR6-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allradantrieb ATTESA E-TS

Länge: 4.710 mm
Breite: 1.895 mm
Höhe: 1.370 mm
Radstand: 2.780 mm

Kraftstoffverbrauch (Werksangabe)
Innerorts: 17,0 l /100 km
Außerorts: 8,8 l / 100 km
Gesamt: 11,8 l / 100 km

Abgasnorm: Euro 6
Typklassen KH/VK/TK: 18/32/31

Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 2,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h

Preise und Ausstattungslinien:
GT-R: 99.900 €
GT-R Black Edition: 104.300 €
GT-R Prestige Edition: 105.500 €
GT-R Track Edition: 117.900 €
GT-R Nismo: 184.950 €

Der Testwagen wurde von NISSAN zur Verfügung gestellt.

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