Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn
Neben „Alwine“ steht Brikettfabrik „Louise“

Heute wurde „Alwine“, die zur einstigen Brikettfabrik „Louise“ gehörende Wohnsiedlung (Ortsteil Domsdorf der Stadt Uebigau-Wahrenbrück im Kreis Elbe-Elster ) versteigert. Im Gegensatz zu „Alwine“ ist das technische Denkmal „Louise“ ganz gut in Schuss.

Neben „Alwine“ steht Brikettfabrik „Louise“

Die Siedlung „Alwine“ ist nach dem Vornamen der Tochter des früheren Fabrikbesitzers benannt. Von „Louise“ bekamen die Berliner jahrzehntelang ihre Briketts geliefert. Wie kam es dazu ?

Antwort gibt ein Besuch in  der Brikettfabrik „Louise“ in der Lausitz, im Elbe-Elster-Land. Dort kann man einen roten Faden greifbar nah verfolgen. Der rote Faden ist der Weg, den die Kohle, einst aus dem Tief- oder Bergbau per Waggon angeliefert, über riesige Lagerbunker,  Tellertrockner, hin zu großen Mühlen und dann Richtung Brikettierpresse nahm. Der rote Faden verläuft da, wo einst Förderbänder oder Vertikalförderer die Kohle von Station zu Station beförderten.

Dampfbetriebene Brikettpresse in der Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn
Dampfbetriebene Brikettpresse in der Brikettfabrik „Louise“,Foto: D.Horn

Treppauf, treppab durchs Technikdenkmal

Diesem Faden wollen wir folgen. In eineinhalb Stunden Schnelldurchlauf geht es treppauf treppab durch die älteste Brikettfabrik Europas. „Brikettfabrikdirektorin“ Mechthild Passek kennt sich gut aus.  Die Ingenieurin entführt gern in ihr technisches Denkmal. Denn „Louise“, 1882 in der Nähe von Bad Liebenwerda errichtet, ist eine Rarität unter den Technikmuseen und gilt als älteste Brikettfabrik in Europa.

Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn
Museumsleiterin Mechthild Passek in der Brikettfabrik „Louise“,Foto: D.Horn

Und so kommen jährlich Tausende Technikenthusiasten nach Domsdorf (einem Ortsteil von Uebigau-Wahrenbrück) im Elbe-Elster-Land, um „Louise“ zu huldigen. 120 Kilometer sind es bis Berlin, etwa 80 km bis Dresden und 40 km bis ins sächsische Torgau.

Steinig. Staubig. Schön

Der industrielle Charme des 19. Jahrhunderts ist regelrecht greif- und erlebbar, wenn Museumsleiterin Mechthild Passek die eindrucksvolle und faszinierende Technik erläutert. Während des Rundganges rütteln gewaltig anmutige Siebe, drehen riesige Schwungräder und schnaufen Brikettpressen. Die Hitze und der Staub von einst lassen sich leicht erahnen.

Auch wenn das letzte Brikett in der seit 110 Jahren ununterbrochen produzierenden Fabrik bereits 1992 gepresst worden ist. Danach rettete ein Verein die zum Abriss vorgesehene Anlage.

Techniktrumpf aus Uropas Tagen: Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn
Techniktrumpf aus Uropas Tagen: Brikettfabrik „Louise“,Foto: D.Horn

Attraktion sind die Dampftage

Mehrmals im Jahr ist das Schnaufen zweier mit Dampf angetriebener Brikettpressen noch zu hören. Deutschlandweit einmalig sind die Dampftage, denn da wird im wahrsten Sinne des Wortes richtig Dampf gemacht. Im Schaubetrieb können dann zwei Brikettpressen, mit Echtdampf angetrieben, bestaunt werden. Und Freunde von Modelldampfmaschinen kommen auf ihre Kosten.

„Louise“ ist eben Kult. Nicht nur bei Technikfreaks. Mittlerweile kommen auch Schulklassen in die alte Brikettfabrik, um bei kindgerechten Führungen der „Louise in den Bauch zu schauen“. Der Besuch in dem Technikdenkmal eignet sich als praktischer Teil von Schulprojekten zu Themen, wie beispielsweise Energie, Umwelt und Arbeit.

600 Tonnen Briketts Tagesproduktion

Wenn dann Berliner Kinder noch erfahren, dass ein Großteil der hier gepressten Briketts auch in Öfen der 120 Kilometer entfernten Großstadt Berlin verfeuert wurden, dann strahlen die Augen.

Der 65 Meter hohe Schornstein ist ein wichtiger Orientierungspunkt in der vom Bergbau gekennzeichneten Landschaft. Für Besucher, ob alt oder jung, ist es spannend, die funktionstüchtigen Maschinen und technischen Einrichtungen in Aktion zu erleben. Oft schwingt Achtung vor der Technik aus Uropas Tagen mit. Die Tagesleistung der schnaufenden Ungetüme lag 1992 bei 600 Tonnen täglich.

„Louise“ ist Transformationszentrum

Besichtigen kann man während eines Rundganges unter anderem neben der Halle mit den dampfbetriebenen Brikettpressen auch das Kesselhaus, die Turbinenhalle und die Schaltwarte. Im Backsteingebäude, finden vor der Kulisse der Dampfturbine Konzerte und Ausstellungen statt.

Dampfspeicherlok auf dem Gelände der Brikettfabrik "Louise",Foto: D.Horn
Dampfspeicherlok auf dem Gelände der Brikettfabrik „Louise“,Foto: D.Horn

Die Brikettfabrik ist wegen der in ihren Baulichkeiten und technischen Anlagen ablesbaren Entwicklungsgeschichte der Braunkohleveredelung von besonderer historischer Bedeutung für die gesamte Region.

Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich an der Restaurierung einzelner Anlagen auf dem Gelände. 2002 erhielt das Team um „Louise“ den Europa-Nostra-Preis zur „Erhaltung und Aufwertung des kulturellen Erbes“. 2000 Antragsteller hatten sich europaweit dafür beworben.

Neuerdings treffen sich in der „Louise“ auch mit Energieträgern und Klimawandel befasste Experten. Denn „Louise“ ist auch Trandformationszentrum für erneuerbare Energien.

Abraumförderbrücke und Brikettfabrik

Und wer Lust hat, der kann im Umfeld von „Louise“ auf extra ausgeschilderten Wegen Bergbaugeschichte erwandern. Im Umfeld der Fabrik entstanden von 1878 bis 1958 mehr  20 Tief- und kleine Tagebaue. Die sind freilich nicht vergleichbar mit den großen Tagebauen wie Klettwitz (wo die F 60 als Abraumförderbrücke bestiegen werden kann und spannende Jeep-Touren am Tagebaurand angeboten werden). Die größte bewegliche, technische Anlage der Welt ist heute ein Wahrzeichen der Lausitz. „Liegender Eiffelturm“ wird die rund 500 Meter lange Stahlkonstruktion der ehemaligen Abraumförderbrücke liebevoll genannt.

Ziel für Radfahrer

Idyllisch von Laubwäldern umgeben und direkt am Fürst-Pückler-Radweg gelegen, ist die Brikettfabrik „Louise“ ein interessantes Ausflugsziel nicht nur für Technikbegeisterte. Verschiedene Führungen vermitteln viel Wissenswertes zur Geschichte der Braunkohlenveredelung in der Lausitz.

Hier geht es zur F60, dem „liegenden Eifeltum“ von Brandenburg.

Tipp: Wer „Louise“ besucht, der sollte als Souvenir unbedingt einen „Louise-Kuchen“ im Format eines schwarzen Briketts mitnehmen. Auch eine Fahrt mit einem Kahn im benachbarten „Kleinen Spreewald“ (gehört ebenfalls zur Gemeinde Uebigau-Wahrenbrück) ist empfehlenswert.

  • Infos zur Brikettfabrik „Louise“

  • Internet: http://www.brikettfabrik-louise.de
  • Adresse:  Technisches Denkmal und Besucherbergwerk Brikettfabrik „Louise“, Louise III, 04924 Domsdorf, Telefon: 03 53 41/940 05
  • Öfnungszeiten: April – Oktober tgl.: 10 bis 16 Uhr,
  • November u. März: Montag bis Freitag: 10 bis 15 Uhr,
  • Dez. bis Febr. nach Absprache
  • Eintritt: | 7, erm. 3 Euro
  • Offroad-Agentur, www.offroad-agentur.de
  • Kleiner Spreewald: www.kleiner-spreewald.d
  • Abraumförderbrücke Lichterfeld: www.f60.de
"Alwine" bei Brikettfabrik " Louise", Foto: Karhausen-Immobilien (aus Versteigerungskatalog f.Dez.2017)
„Alwine“ bei Brikettfabrik “ Louise“, Foto: Karhausen-Immobilien (aus Versteigerungskatalog f.Dez.2017)

 

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