Fontane als Kunststoff - Figur, geschaffen von Ottmar Hörl Foto: Weirauch
Fontanes Fünf Schlösser

Natürlich ist es eine Art Fortsetzung zu den „Wanderungen“, aber doch etwas anders, und will seinen eigenen Weg gehn. Theodor Fontane, 1888

Im Vorfeld des Jubiläums 200 Jahre Theodor Fontane im kommenden Jahr erscheinen bereits erste Bücher und neue Ausgaben der Werke des berühmten märkischenWanderers. Kaum jemand wird all diese Bände lesen können. Aber ein Buch will ich besonders hervorheben, das wir mittlerweile als ständigen Reisebegleiter im Gepäck haben. Es ist der Band von Erik Lorenz und Robert Rauh:  „Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg“, erschienen im  be.bra Verlag.

Im Vorwort schreiben die Autoren: „Fontane ist Kult. Wo der Dichter in Brandenburg einst Station machte, wird er heute stolz zitiert: in Ortschroniken, Reiseführern, Hotelprospekten und auf diversen Internetportalen. Die Begeisterung und Bewunderung der Brandenburger und ihrer Besucher für die Wanderungen durch die Mark Brandenburg resultiert aus der Gabe Fontanes, Geschichte in Geschichten zu erzählen. Mit seinem Buch Fünf Schlösser, erschienen 1889, hat er den Schloss – Orten Liebenberg, Hoppenrade, Plaue an der Havel, Quitzöbel und Dreilinden ein literaturhistorisches Denkmal gesetzt.“

Und weiter : „Wenn wir aber mit den Fans des Dichters sprechen, erfahren wir: Die wenigsten habe die Wanderungen vollständig gelesen, vom Band Fünf Schlösser ganz zu schweigen. So ist auch kaum bekannt, dass die Schlösser gar nicht im Mittelpunkt des Buches stehen. Sie sind „nur“ der topografische Zugriff für Fontanes alte und neue Geschichte(n) der Mark Brandenburg, die er anhand der Adelsfamilien erzählt, die in den Herrensitzen residierten. Diesem Zugang folgt auch die Auswahl der fünf Schlösser. Die Geschichten ihrer Besitzer sind die Marksteine für eine genau durch fünf Jahrhunderte hin fortlaufende Geschichte Brandenburgs, die mit der berühmten Quitzowfamilie im 14. Jahrhundert beginnt und mit dem Tod des preußischen Prinzen Friedrich Karl des legendären „Roten Prinzen“, im Jahr 1885 schließt.“

130 Jahre später möchten beide Autoren die Leser zu einer Spurensuche in die Geschichte und Gegenwart von Fontanes fünf Schlössern ein. Sie  erzählen, was Fontane damals gesehen hat, und beschreiben, was heute zu entdecken ist. Natürlich haben sie es um vieles leichter als der Dichter im 19. Jahhundert. Fontane reiste mit Kutsche und Karte, die heutigen Autoren mit Auto und Navi. Sie schreiben zu den Arbeitsunterschieden: „Er notierte alles im Notizbuch, wir im Laptop. Er zeichnete mit Bleistift Gebäude und Grundrisse, wir fotografieren mit dem Smartphone. Er musste in Bibliotheken und Familienarchiven lange nach Papieren suchen, wir recherchieren mit modernen Suchmaschinen in den Landesarchiven. Und wir sind zu zweit. Geblieben ist das Prozedere der Anfrage bei den Eigentümern. Wie Fontane hoffen wir, dass man uns ein Gespräch und Einlass ins Schloss gewährt. Wir haben Glück. Die Schlossbesitzer zeigen nicht nur Interesse, sondern öffnen ihre Türen und gestatten uns exklusive Einblicke.“

Was aus den Schlössern wurde

Man fühlt sich mitgenommen bei der Spurensuche von Erik Lorenz und Robert Rau. Es liest sich spannend, was sie berichten. „Auf unserer Entdeckungsreise werden wir Zeuge der Güte und der Grausamkeit der Zeit, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Fontanes Schlössern umgegangen ist, sich manchen gnädig gezeigt und andere in unterschiedlichen Stadien des Verfalls zurückgelassen hatte. Schloss Hoppenrade gleicht mit seinem gepflegten, in Stille liegenden Landschaftspark noch immer einem verwunschenen Schlosse, das nichts von seinem Zauber verloren hat. Schloss Liebenberg, durch dessen Gänge jedes Jahr die Schritte tausender Gäste hallen, steht heute mehr denn je in Blüte und verbindet als Hotel und Tagungsort Kulturviertheit mit Gemütlichkeit.

Tapfer dem nagenden Zahn der Zeit entgegenstellt sich das an der Havel thronende Schloss Plaue, das anstelle seiner ursprünglichen Perfektion nun von einer ganz anderen, morbiden Eleganz erfüllt ist. Das verfallende Schloss Quitzöbel, einst Rückzugsort gefürchteter Raubritter, scheint wie ein alter, zahnloser Tiger in einer Geschwindigkeit dreht und sich nicht dafür interessiert, welche Geheimnisse sich hinter bröckelnden, von Dickicht beinahe verhüllten Gemäuern verbergen mögen. Vom Schloss Dreilinden schließlich bleiben nichts als der Name, die Erinnerung und ein paar Hinweise vor Ort auf eine faszinierende Vergangenheit mit einem Märchenprinzen, der in seinem Jagdhaus illustre Tafelrunden zu zelebrieren verstand.“

Schloss Hoppenrade

Rau: „Das Haus hat eine zauberhafte Leichtigkeit, es wirkt heiter und einladend. Wie ein märkisches Märchenschloss. Heute gehört das Schloss Donata und Julian von Hardenberg. Das junge Ehepaar hat das Anwesen 2012 gekauft und es durch eine erneute umfassende Sanierung in neuem Glanz erstrahlen lassen. Inzwischen haben sie ihren Wohnsitz in Berlin aufgegeben und sind ganz nach Hoppenrade gezogen.“

Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch
Schloss Hoppenrade, um 2010, Foto: D.Weirauch

Liebenberg – Das mondäne Schloss

Auch Schloss liebenberg im Landkreis Oberhavel hat  engagierte Investoren gefunden. Nach langem Hin- und Her setzte die DKB das Anwesen instand, verschönerte es und betreibt darin ein Schulungszentrum sowie Hotel. Berühmt sind mittlerweile die Weihnachtsmärkte auf dem Areal. „Theodor Fontane, der 1880 hier war, hat nur das ursprüngliche Schlossgebäude, das Inspektorenhaus und die Kirche ohne Turm gesehen. Denn das vor einigen Jahren wieder rekonstruierte Schlossensemble wurde erst um 1900 vom berühmtesten Schlossherrn, Philipp Graf zu Eulenburg, vollendet. Heute gehören Schloss und Gut Liebenberg einer Stiftung der Deutschen Kreditbank (DKB).“  In den „modern und ordentlich“, aber auch „ein wenig karg“ eingerichteten   Zimmern trösten „nette Details“ darüber hinweg. Wie z. B.  „Leseecken“, die  laut Rauh überall im Schlosshotel zu finden sind, und auf ein Anliegen der DKB Stiftung hinweisen: „in Liebenberg Bildung und Kultur zu fördern. Sie sind inspiriert von der einstmals fast 12.000 Bände umfassenden Schlossbibliothek, die schon Fontane bewunderte und der er in Fünf Schlösser einen Absatz widmete.“

Schloss Liebenberg foto: Weirauch
Schloss Liebenberg Foto: Weirauch

Plaue: Das morbide Schloss

„Wer sich mit dem einstigen Adelssitz beschäftigt, kommt an Fontane natürlich nicht vorbei“, aber auch an Udo Geiseler nicht. Der „Schlossexperte“ forschte jahrzehntelang zur die Geschichte von Schloss Plaue und anderer märkischer Adelssitze. Schloss Plaue ist ein „Stück Identität“ für ihn, der es bereits in Kindheitstagen erkundet hat. Seit 2001 ist er als Lehrer in Plaue tätig und weckt bei seinen Schülern Interesse, sich auf historische Spurensuche in ihrer Umgebung zu begeben, eingeschlossen sind Archivbesuche. War das Schloss zu Geiselers Kindheitstagen (1970er Jahre) weitestgehend abgeriegelt, so kann die Öffentlichkeit heute die „Magie des Schlosses“ bei gelegentlichen Rundgängen erkunden.

Waehrend einer Kulturland - Ausstellung Foto: Weirauch
Waehrend einer Kulturland – Ausstellung Foto: Weirauch

Lorenz und Rauh interviewen ausführlich Andreas Keuchel, den  Chef der Schloss Plaue GmbH, der das Schloss Schritt für Schritt behutsam aufbaut. Rauh: „Der Ausbau wird stufenweise erfolgen“, sagt er [Andreas Keuchel] mit einem Gleichmut, den wir im Angesicht der riesigen Baustelle nur bewundern können, und fährt sich mit der rechten Hand durch die langen schneeweißen Haare.“ Als Magie des Schlosses führt Keuchel den „außergewöhnlichen Standort“ an. Er befindet sich direkt an der Havel und am Plauer See. Die Lage am Wasser sichert Plaue auch ein Alleinstellungsmerkmal unter Fontanes fünf Schlössern. Zur Magie gehört für Keuchel auch die Atmosphäre auf den Schlossfesten: „Wenn der nach Westen ausgerichtete Innenhof von der untergehenden Sonne aufgewärmt wird, bleiben die Menschen einfach sitzen – und verweilen dann oft bis in die Nacht am Feuer.“ Rauh: „Im Hinblick auf die Instandsetzung ist der Kreis noch lange nicht geschlossen – vielleicht wird er das nie ganz sein.“ Keuchel findet das „gut, dass nicht alles fertig ist. Ich bin ja auch im Leben nie fertig.“

Fazit der Autoren, denen ich mich nur anschließen kann: „Die fünf Schlösser sind eine Parabel für die Vergänglichkeit der Dinge – eine Parabel ohne Melancholie, denn die Orte, die wir besuchen, haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft verloren. Mit ihrer spannungsreichen Geschichte faszinieren sie auch heute noch – durch morbiden Charme oder neuen Glanz.“

Wir freuen uns schon auf die neuen Bücher der Autoren. Der be.bra-Verlag kündigt bereits „Fontane und die Frauen“ aus der Feder von Robert Rauh an.

Infos zum Buch

Erik Lorenz, Robert Rauh, Fontanes Fünf Schlösser. Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg. be.bra Verlag GmbH, 2017.

Die Autoren

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und ist Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2015 erschien sein Sachbuch „Schule, setzen, sechs“, in dem er seine pädagogischen Erfahrungen und schulpolitischen Forderungen darlegte. Seit 2011 moderiert Rauh im Schloss Schönhausen eine Veranstaltungsreihe mit Prominenten aus Kultur und Politik.

Robert Rauh betreibt die Webseite: http://fontanes-wanderungen.de/

Erik Lorenz, geboren 1988 in Berlin, ist Autor zahlreicher Reisebücher und Herausgeber der Länderreihe „Wie wir es sehen“. Außerdem verfasste er Biografien der Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich und des Lakota-Häuptlings Sitting Bull. Zuletzt veröffentlichte er Reisebücher über Laos, Kambodscha und Hongkong.

Hier unser Beitrag zum Grab von Theodor Fontane auf dem Friedhof der Französisch – Reformierten Kirche in Berlin.

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