A 320 Air Berlin, Foto: Air Berlin
Air Berlin Insolvenz: Was ist wichtig ?

Geahnt haben wir es ja schon lange. Was bei der Air Berlin Insolvenz wichtig ist. Viele Fluggäste fragen sich nun, was mit ihren bereits gebuchten und bezahlten Flugtickets passiert.

Weitere Fragen:

  • Kann Air Berlin den Flugbetrieb weiter aufrechterhalten?
  • Springen andere Fluggesellschaften ein?
  • Werden Flüge ganz gestrichen?

Wie steht es mit Verbraucherrechten ?

Leider sind die Verbraucherrechte bei Zahlungsunfähigkeit von Fluglinien nicht ausreichend. Die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt, was Verbraucher nun wissen sollten.

Verbraucherzentrale Brandenburg fordert Insolvenzschutz für Fluggäste        

Als eine der größten europäischen Netzwerk-Airlines hat Air Berlin heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Fluggäste müssen nun um ihr per Vorkasse gezahltes Geld bangen. „Während Reiseveranstalter seit vielen Jahren gesetzlich verpflichtet sind, sich gegen Zahlungsunfähigkeit zu versichern, lässt eine Versicherungspflicht für Airlines weiter auf sich warten“, beklagt Juristin Sabine Fischer-Volk zum Thema Air Berlin Insolvenz und fordert eine längst überfällige Insolvenzabsicherungspflicht für Airlines.

Air Berlin Insolvenz: Pauschalreise oder nur Flug

Bislang hängt die Frage, ob Verbraucher im Falle einer Airline-Pleite ihr Geld zurückbekommen, davon ab, ob sie eine Pauschalreise oder nur einen Flug gebucht haben. Sabine Fischer-Volk erklärt: „Reisende, die eine Pauschalreise gebucht haben, können sich im Insolvenzfall der Fluggesellschaft an ihren Veranstalter wenden und einen Ersatzflug verlangen. Wenn das nicht gelingt, können sie den Reisevertrag kündigen und den gesamten Reisepreis zurückfordern. Nach vergeblicher Aufforderung können sie auf Kosten des Veranstalters sogar selbst einen Flug buchen.“ So ist es auch bei der Air Berlin Insolvenz.

Für Reisende, die nur einen Flug gebucht haben, ist die Sache jedoch komplizierter, so Fischer-Volk: „Sobald ein Insolvenzverfahren eröffnet ist, können Verbraucher ihre Forderungen bei einem eingesetzten Insolvenzverwalter anmelden. Möglich ist auch, dass dieser andere Fluggesellschaften mit der Durchführung der gebuchten Flüge beauftragt. Sollte das nicht geschehen, sind die Chancen auf Rückzahlung bereits gezahlter Flugpreise erfahrungsgemäß schlecht. Und wenn, wird aus der Insolvenzmasse nur ein kleiner Teil zurückgezahlt. Zum besseren Schutz der Verbraucher fordert die Verbraucherzentrale Brandenburg daher seit Längerem eine Insolvenzversicherungspflicht für Airlines, die bei Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz von Fluglinien den Flugpreis absichert.“

A 320 Air Berlin, Foto: Air Berlin
A 320 Air Berlin, Foto: Air Berlin

Air Berlin: Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Derzeit teilt das Unternehmen mit, dass es das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung betreibt. Bei dieser Variante des Verfahrens führt das Management des Unternehmens die Geschäfte selbst weiter. Zudem erklärte die Airline optimistisch, dass alle ihre Flüge sowie jene von NIKI weiterhin stattfinden, Flugpläne und gebuchte Tickets ihre Gültigkeit behalten und alle Flüge weiterhin buchbar sind.

Zum Reiserecht können sich Betroffene persönlich, telefonisch und per E-Mail bei der Verbraucherzentrale Brandenburg beraten lassen:

  • persönliche Verbraucherberatung, Terminvereinbarung unter 0331 / 98 22 999 5 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr) oder online unter vzb.de/termine,
  • telefonische Beratung unter 09001 / 775 770 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr,
    1 €/min a. d. dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend) sowie
  • E-Mailberatung auf vzb.de/emailberatung

Eine weitere Möglichkeit ist auch die Information diverser Beratungsportale, u.a. flightright.

Warentest: Air Berlin-Insolvenz: Flugtickets sind erst einmal weiterhin gültig

Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens von Air Berlin ändert nichts an der Gültigkeit von Flugtickets. Die Fluggesellschaft Air Berlin erklärt auf ihrer Website, dass planmäßig weiter geflogen werde.

Flüge seien auch weiterhin buchbar. Niki, die österreichische Tochter von Air Berlin, ist aktuell von dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg nicht betroffen. Auch die Niki-Flüge fänden weiterhin statt, so Air Berlin. Sollte Air Berlin den Flugbetrieb doch irgendwann einstellen und der Flug auch nicht von einer anderen Airline übernommen werden, erhalten Kunden wahrscheinlich nur wenig oder nichts vom Ticketpreis zurück. Etwas anderes gilt nur, wenn Kunden bei der Flugbuchung eine Ticketversicherung mit Insolvenzschutz abgeschlossen haben.

Air-Berlin-Kunden, deren Flug gestrichen wird oder Verspätung hat, haben auch weiter Anspruch auf Entschädigung nach der europäischen Fluggastrechteverordnung. Ob die Airline aber solche Forderungen der Passagiere zahlen kann, hängt davon ab, wie es mit Air Berlin weitergeht.

Für Urlauber, die bei einem Reiseveranstalter eine Reise gebucht haben, bei der Air Berlin den Transport zum Reiseziel übernehmen soll, ändert die Insolvenz rechtlich nichts. Denn Vertragspartner des Verbrauchers ist nicht Air Berlin, sondern der Veranstalter. Stellt Air Berlin den Betrieb tatsächlich ein, muss er Ersatz besorgen. Kommt es dadurch zu erheblichen Flugzeitverschiebungen, dürfen Urlauber den Reisepreis mindern.

Mehr Informationen zu Fluggastrechten auf test.de/fluggastrechte.

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